Donnerstag, 8. Februar 2018
Racebets verärgert seine Kunden
Neue Regelungen in England und Irland, technische Pannen in Deutschland – Wettanbieter Racebets schafft es inzwischen, auch treue Kunden zu nerven. Das Ende einer langen Beziehung naht.

Eigentlich dachte ich im Herbst, Racebets hätte die Wende zum Besseren geschafft. Gewinne zahlte der Wettanbieter schnell aus, die englischen Streams liefen ohne Probleme und selbst die deutschen Rennen waren ohne große Schwierigkeiten zu sehen. Endlich: Denn im Frühjahr und Sommer funktionierte der Stream in Deutschland oft nicht. Das größte Desaster gab es im August bei der Diana in Düsseldorf.
Im neuen Jahr jedoch geht der Ärger wieder los. Zum Beispiel am Dienstag in Neuss. Nicht, dass ich an diesem Tag groß wetten wollte, aber etwas Rennen gucken am Abend mit einer Kleinwette ist ja auch ganz nett. Am Dienstag lief der Stream so etwa zehn Minuten zu spät. Im Klartext: Der TV-Zuschauer sah die Pferde im Führring, in der Realität waren sie aber schon längst an der Startstelle.
Ich habe mich noch gewundert, dass eine PMU-Veranstaltung nicht pünktlich ist. Verspätungen im deutschen Galopprennsport sind zwar eher die Regel als die Ausnahme, aber die Renntage mit französischer Unterstützung starten nach Plan.
Offensichtlich war es auch so, denn während die Teilnehmer am Bildschirm noch am Start kreisten, tauchte darunter schon das Ergebnis auf. Auch vor dem 5. Rennen war das Gleiche zu beobachten, ich habe mich daraufhin verabschiedet. So toll war der Renntag auch nicht.

Nur noch gucken mit Wette
Noch schlimmer finde ich allerdings eine Unsitte, die Racebets seit Januar praktiziert. Letzten Samstagnachmittag sah ich die Rennen in Sandown und Musselburgh, wette dort ebenfalls. Diese waren auf dem Racing UK-Kanal zu sehen. Dann will ich nach Irland umschalten. Die Prüfungen dort laufen auf dem anderen Kanal ATR. Früher konnte der Racebets-Kunde problemlos umschalten, diesmal konnte ich nicht gucken, weil ich für dieses Rennen keine Wette gemacht hatte. Das Beste: Dann habe ich schnell einen Euro auf den Favoriten Min gesetzt und bekomme darauf eine Fehlermeldung, dass das Video nicht geladen werden kann.
Was soll dieser Unfug? Ich kann mich erinnern, dass früher Betfair (als die noch auf dem deutschen Markt aktiv waren) es ähnlich gemacht hat. Ich habe aber keine Lust, im Stile eines Zocker-Junkies jede Prüfung zu bewetten. Zum einen möchte ich manchmal einfach nur Zuschauen wie in Leopardstown – vierbeinige Stars wie Faugheen, Min oder den bewundernswerten Edwulf sehen. Andererseits überlege ich mir schon, welche Pferde ich wette. Ich muss also nicht.
Beim anderen Kanal in England – den Rennbahnen, die von Racing UK übertragen werden – läuft es übrigens wie früher. Konto gedeckt, in den letzten Tagen gewettet oder eine Wette platziert, danach können die Rennen geschaut werden.
Die Reaktion von Racebets per Mail beantwortete die Fragen nicht. Denn Elena irgendwo aus einem Callcenter in Osteuropa (nehme ich einmal an) beschränkte sich nur auf die technischen Dinge: Google Chrome nutzen, Cache und Cookies löschen, neue Version des Flash Players herunterladen. Nichts zu den neuen Bedingungen in England, nichts zu den Pannen in Deutschland.
Jedenfalls habe ich mich nach über zehn Jahren Racebets bei pferdewetten.de registriert. Mal schauen, wie es da läuft.



Freitag, 14. August 2009
Großkampftag in Weidenpesch
Ein Renntag, der an bessere Zeiten im deutschen Galopprennsport erinnert: Im Mittelpunkt am Sonntag auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch steht der Rheinland-Pokal, ein Gruppe I-Rennen über 2400 Meter. Eine excellente Besetzung verspricht ein hochspannendes Rennen: An den Start kommen Wiener Walzer, der diesjährige Derbysieger, sein Stallgefährte Getaway, zuletzt erfolgreich im Deutschland-Pokal in Düsseldorf und Flamingo Fantasy, dreifacher Sieger in diesem Jahr und in Düsseldorf nur von Getaway geschlagen.
Peter Schiergen sattelt Saphir, der im Derby zwar enttäuschte, davon aber im Münchener Bavarian Classic den Kopf vorne hatte. Aus München reist Poseidon Adventure an, der häufig in solchen Top-Rennen sehr gut lief und dessen Quartier vor 14 Tagen mit Night Magic den Preis der Diana gewann.
Ein steigerungsfähiges Pferd ist mit Sicherheit Schiller Danon aus dem Stall von Waldemar Hickst, dessen ersten Waffe aber Flamingo Fantasy sein wird. Und dann ist da noch Eastern Anthem aus dem großen Godolphin-Stall. Im Sattel sitzt diesmal nicht Frankie Dettori, sondern Ahmed Ajtebi, der Mann, der beim World Cup-Tag in Dubai
für Aufsehen sorgte und zwei Rennen auf spektakuläre Art gewann. Eines davon war das Dubai Sheema Classic mit Eastern Anthem, bei dem er unter anderen auch Quijano schlug. Daher noch mal zum Genießen: Das Video des Dubai Sheema Classic.



Mein Tipp ist allerdings Flamingo Fantasy, weil ich glaube, das endgültige Leistungsvermögen des Hengstes ist immer noch nicht erkannt. Die Wahl ist mir aber sehr schwer gefallen, weil auch für die beiden Pferde von Jens Hirschberger einiges spricht. Ein mehr als gefährlicher Außenseiter ist Poseidon Adventure. Auch sonst bietet der Kölner Renntag ein packendes Programm mit dem Auktionsrennen für Zweijährige, diversen knackigen Handicaps und der Wettchance des Tages, bei der in der Viererwette 75 000 Euro garantiert ausgezahlt werden.



Donnerstag, 13. August 2009
It’s Gino – das Ende eines Turf-Märchens
Profisportler, so heißt es, sollten aufhören, wenn sie im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit sind. Offensichtlich haben Trainer Pavel Vovcenko und der Stall Stall 5-Stars, die Besitzer des Rennpferdes It’s Gino, die richtige Entscheidung getroffen. Der famose dritte Platz im letztjährigen Prix de l’Arc de Triomphe hinter Zarkava und Youmzain war der letzte Start des Hengstes. „Er hat einige gesundheitliche Einschränkungen, die ihn frühestens nächstes Jahr im Sommer wieder starten lassen“, sagte Trainer Pavel Vovcenko gegenüber GaloppOnline. Es sei fraglich, ob er noch einmal an alte Klasse anknüpfen könne. Daher suchen die Verantwortlichen jetzt einen Platz als Deckhengst für den Perugino-Sohn.
In Paris-Longchamp zeigte der Galopper des Jahres 2008 noch einmal das, was ihn so auszeichnete: Kampfgeist, Herz und Mut – es war eine beeindruckende Vorstellung, die er in dem Millionenrennen gegen den europäischen Turf-Adel ablieferte.



Manchmal schreibt der Turf die besten Geschichten eben selbst. „It’s Gino – ein modernes Pferde-Märchen“, titelte im vergangenen Jahr die Welt am Sonntag und beschrieb noch einmal dessen ungewöhnliche Karriere. Für 10000 Euro kaufte Dachdeckermeister Bernd Gerdes, dessen Pferde unter dem Namen Stall Silbersee laufen, einen braunen Hengst von Züchterin Birgit Nuttelmann. Zweijährig gewann er ein Rennen für Trainer Uwe Ostmann in Köln und schlug dabei den späteren Derby-Zweiten Dickens.
Doch dann gab es gesundheitliche Probleme und It’s Gino stand dreijährig auf der Koppel. Keiner wusste, was er hatte, doch dem Hengst tat die Pause gut und er kam wieder ins Training. Nach mehreren Stationen landete er bei Pavel Vovcenko in Bremen-Mahndorf und was dann folgte, beschreibt der Begriff Leistungsexplosion nur unzureichend.
It’s Gino gewann sechs Rennen in Serie, unter anderem zwei in Frankreich. Die Krönung war der Sieg im Großen Preis der Badischen Wirtschaft (Gr.2), wo er gegen Egerton und Poseidon Adventure die Oberhand behielt. Da war er schon nicht mehr im Besitz des Stalles Silbersee; Gerdes hatte das Pferd für 110 000 Euro an den Stall 5-Stars verkauft.
Die Siegesserie riss ausgerechnet im Hamburger Idee Hansa-Preis, als Egerton den Spieß umdrehte und den Vovcenko-Schützling knapp besiegte. Es folgten drei dritte Plätze in Gruppe I-Rennen, die zweifellos beste Leistung war die im Arc. Insgesamt lief It’s Gino in seiner Karriere nur 11 Mal, siegte davon sieben Mal, war vier Mal platziert, gewann Preisgelder in Höhe von 615.800 Euro und erreichte ein GAG von 102 kg.



Mittwoch, 12. August 2009
Der Berg kreiste im englischen Rennsport
Neu datierte Flach- und Hindernis-Championate, weitere Renntermine mit hochklassigen Rennen auf der Flachen, eine "Team"-Handicapserie an sechs Samstagen im Sommer, mehr Gruppe I-Rennen am Samstag oder Qualifikationsrennen für die großen Rennen des Hindernisfestivals in Cheltenham – mit diesen Vorschlägen möchte das „Racing for Change“-Projekt neue Zielgruppen für den Galopprennsport in England interessieren. (Quellen: The Times, Guardian und ein nicht mehr online frei verfügbarer Text der Racing Post)
Auch auf der Insel haben Galopprennen an Attraktivität verloren, manche munkeln sogar von einer Krise. Im Wettmarkt beispielsweise sind Fußball und Online-Spiele wie Poker gerade in der jüngeren Zielgruppe starke Konkurrenten. Ein weiteres Alarmzeichen: Die BBC will ihre TV-Übertragungen von den Rennbahnen um 50 Prozent reduzieren.
Aus deutscher Sicht mögen diese Probleme marginal sein, hier blickt man immer noch neidisch auf die Insel. Weil zum Beispiel jede große Zeitung – ob Broadsheet (seriös) oder Tabloid (Boulevard) – über einen eigenen Racing-Korrespondenten verfügt, liest man regelmäßig etwas über den Sport. Alle wichtigen Rennen werden von Channel 4 oder der BBC im Fernsehen übertragen. Wer einmal gesehen hat, mit welchem Aufwand dort Galopprennen präsentiert werden, der erträgt mit Freude den „Buddy-Journalismus“ zwischen Reportern und Verantwortlichen und fragt sich andererseits, was in Deutschland in den letzten 20 Jahren eigentlich alles falsch gelaufen ist.
Wie das so ist, wenn es Probleme gibt, bildete man auch in England eine Kommission und nannte sie „Racing for Change“. In ihr sitzen Vertreter der einzelnen Interessengruppen Rennbahnen, Buchmacher, Besitzer, Jockey und Regierung.

Champions Day
Anfang der Woche stellte die Kommission ihre Vorschläge vor, die 2011 in Kraft treten könnten.
• Die Championate auf der Flachbahn starten Mitte April mit dem Craven-Meeting in Newmarket und enden mit einem „Champions Day“, möglicher Termin wäre Ende September in Ascot.
• Die Championate auf der Hindernisbahn beginnen mit dem Open Meeting in Cheltenham (Mitte November) und enden mit dem Grand National Meeting Anfang April in Aintree.
• Weitere Top-Renntage mit hohen Preisgeldern auf der Flachbahn
• Mehr Gruppe 1-Renntage am Samstag
• Eine neue Serie von Flach-Handicaps an sechs Sommer-Samstagen mit möglichen Punktewertungen für Jockeys, Trainer, Pferde oder Besitzer.
• Qualifikationsrennen für die Top-Rennen des Cheltenham-Hindernisfestivals.
• Stärkere Verbindungen zwischen Cheltenham und Aintree, den Top-Hindernisfestivals.
Die ersten Reaktionen auf die Pläne waren gemischt. Kritik kam erwartungsgemäß von den Verantwortlichen der Rennbahnen in Doncaster und Sandown, aber auch von Hindernis-Championtrainer Paul Nicholls, der keinen Grund sieht, das bewährte System zu verändern.


Beim Festival in Aintree könnte sich zukünftig entscheiden, wer die Championate im Hindernissport gewinnt.



Donnerstag, 6. August 2009
Pferderennen im ZDF: Das DDR-Derby 1985


Gefunden bei Youtube, vielen Dank Kincsem XY für dieses historische Zeitdokument: Das ZDF berichtete über das 30. Derby der DDR auf der Rennbahn Berlin-Hoppegarten. Reporter Sepp Ortmeier war vor Ort und sammelte erstaunliche Eindrücke - auch wenn ich nicht glaube, dass 50 Mark Ost der Standardeinsatz bei Platzwetten in der DDR waren. Und vielleicht weiß ja jemand, wer die drei Lehrlinge im Film sind. Das waren noch Zeiten, als das ZDF wusste, was Galopprennen sind und darüber berichtete...



Freitag, 31. Juli 2009
Endlich Bolivia-Time im Stutenderby?
151. Preis der Diana in Düsseldorf – der Klassiker für die Stuten über 2 200 Meter verspricht viel Spannung. Zwar fehlt mit Miss Europa aus dem Stall von Peter Schiergen eines der überragenden Pferde des Jahrgangs 2006, dennoch bewirbt sich ein hochkarätiges Feld um die 400 000 Euro Preisgeld in dieser Gruppe I-Prüfung.

Wer sind die Favoritinnen?
Nachdem bereits mit Penny’s Gift die 1000 Guineas nach England in das Quartier von Richard Hannon gingen, kommt in der Diana der wahrscheinliche Favorit aus Frankreich. Celimene war zuletzt Vierte im französischen Prix de Diane und davor dreifache Siegerin, unter anderem in einem Gruppe III-Rennen. Die Stute startete zudem aus der günstigen Startbox 1, auf der engen Düsseldorfer Bahn ist das nicht zu verachtender Vorteil. Objektiv betrachtet, dürfte sie das zu schlagende Pferd sein.
Wenn das allerdings so einfach wäre. Da haben wir zum Beispiel Bolivia, trainiert von Waldemar Hickst. Im Derby war das mein Tipp gegen die Hengste, das Ergebnis ist bekannt: Bolivia wurde am Anfang etwas behindert, fand nie ins Rennen und endete als geschlagene 13. meilenweit hinter dem Sieger Wiener Walzer. Die Formen davor waren allerdings tadellos: der phänomenale Endkampf gegen Miss Europa in Hoppegarten, wo die Stute nur knapp Zweite war und das vorzügliche Debüt am 1. Mai in Mülheim, wo sie trotz Unreife ein so gutes Pferd wie Night of Magic (die nicht am Start ist) sicher beherrschte. Als Frontrennerin dürfte ihr der enge Düsseldorfer Kurs liegen, die Distanz von 2 200 Meter sollte kein Problem ist.
Von der Spitze aus gewann Night Magic den Großen Preis der Jungheinrich Gabelstapler (Gruppe 3) während der Hamburger Derby-Woche und besiegte dabei Miss Europa. Das war eine der besten Vorstellungen während der Derby-Woche. Bereits in den Rennen zuvor zeigte die Münchener Stute des Stalles Salzburg tadellose Leistungen, auch wenn sie in Hoppegarten hinter Miss Europa und Bolivia war. Nachteilig könnte die Startbox außen sein, ideal ist hingegen die Distanz von 2 200 Metern. Wann gab es eigentlich den letzten klassischen Sieger aus München? Ich kann mich nicht daran erinnern und habe jetzt auch keine Lust, groß bei Galopp-Sieger zu recherchieren. In den letzten 20 Jahren zumindest nicht….
Klassische Siegerinnen haben hingegen Peter Schiergen und das Gestüt Wittekindshof schon einige gesattelt – zum Beispiel im letzten Jahr Rosenreihe, die im letzten Jahr als Außenseiterin nach einem famosen Ritt von Andrasch Starke triumphierte. Serienhoehe heißt die Kandidatin und die gewann beim ersten Jahresstart das swb Derby-Trial gegen die Hengste, schlug dabei den späteren Derby-Zweiten Sordino.

Außenseiter mit Chancen?
Der enge Grafenberger Kurs hat schon einige Schockresultate produziert, allerdings eher in den 1000 Guineas, zumal die Diana erst seit 2006 in der Landeshauptstadt gelaufen wird. All Annalena, Power Penny, Quillaja und Andrea könnten die Pferde für die Überraschung sein.

Tipp
Ich entscheide mich mal patriotisch, zumal Bolivia mir nach dem Derby-Flop noch etwas schuldig ist. Dann kommen Night Magic und Celimene.



Donnerstag, 30. Juli 2009
Schiaparelli macht den Yeats
Schiaparelli hat mit Stalljockey Frankie Dettori den Coutts Goodwood Cup (Gr. II) über die Steherdistanz von 3 200 Meter auf der Rennbahn in Goodwood gewonnen. Doch es war ein hartes Stück Arbeit für den einstigen deutschen Derbysieger, der jetzt in den blauen Godolphin-Farben läuft. Denn Mouriyan, trainiert von Gary Moore und geritten von Sohn Ryan Moore, entpuppte sich als zäher Gegner.
Schiaparelli zeigte allerdings großes Kämpferherz. Immer wenn Ryan Moore zur Attacke blies, zog der Godolphin-Schützling wieder an und siegte am Ende sicher. Viel Geld am Toto bzw. bei den Buchmachern gab es erwartungsgemäß nicht: 25:10 zahlte der Sieger.
Dritter wurde The Betchworth Kid mit Hayley Turner, der vierte Platz ging an den unglaubliche Caracciola, inzwischen 12 Jahre alt, ältester Listensieger in England und einst bei Andreas Wöhler im Training, bevor er dann in den Hindernisstall von Nicky Henderson wechselte. Die größten Erfolge feierte Caracciola allerdings in den letzten Jahren auf der Flachbahn, als er im Cesarewitch in Newmarket triumphierte und zuletzt die Queen Alexandra Stakes während Royal Ascot gewann.
Schiaparelli trat damit in die Fußstapfen des diesmal fehlenden Yeats, dem überragenden Steher auf der Insel der letzten Jahre. Etwas überraschend war es aber schon, dass Godolphin den Monsun-Sohn über die Steherdistanz laufen ließ. So gab es Zweifel bei einigen Experten am Stehvermögen, doch wenn diese sich mal die deutschen Formen genau angeschaut hätten, dann hätten sie gesehen, dass der Hengst einst im klassischen St. Leger in Dortmund über 2 800 Meter erfolgreich war.
Demnächst soll es jedoch wieder über Mitteldistanzen gehen. Wahrscheinlich, so Godolphin-Racing-Manager Simon Crisford in der
Racing Post
, werde Schiaparelli im Großen Preis von Baden laufen.
P.S: Nicht alles, was Dettori macht, ist erfolgreich. Der Ritt in den Moet Hennessy Fillies Stakes (Gr. 3) auf Starfala war völlig daneben. Warum er sich an der Spitze auf die Jagd mit Victoria Montoya einließ und Starfala nicht mehr aus der Reserve ritt, wird sein Geheimnis bleiben.



Dienstag, 28. Juli 2009
Panama-Hüte vor malerischer Kulisse


Der Auftakt gab schon einen Vorgeschmack, was uns die nächsten fünf Tage erwartet: Drumfire, 90:10-Schuss aus dem großen Stall von Mark Johnston, gewann die „Paul goes the Extra Mile Stakes“ – ein „Heritage Handicap“ über 1986 Meter, dotiert mit 50 000 Pfund. „Glorious Goodwood“ hat begonnen und das war ein typisches Handicap für das Festival: Viele chancenreiche Starter, unglaublich schwer zu entziffern. Und es gab die üblichen „Hard-Luck-Stories“ im Rennverlauf. Ich kenne keine Bahn, auf der es so oft zu Behinderungen kommt, auf der so häufig die „Bude dicht“ ist und das Pferd neu aufgenommen werden muss.
Bis einschließlich Samstag laufen die schnellen Vollblüter noch bei „Glorious Goodwod“, einem der Höhepunkte im britischen Sportkalender. Was auch an der idyllischen Umgebung liegt: Die Rennbahn im Süden England gilt bei vielen als die schönste im Land. Der Film auf der Homepage der Bahn untermauert dies eindrucksvoll. Voraussetzung: Das Wetter im britischen Sommer spielt mit.
Selbst nüchterne Zeitgenossen wie Paul Ostermeyer alias „The Beast“ lässt die malerische Kulisse poetisch werden. „Es ist eine fantastische natürliche Kulisse mit großartigen Blicken auf die Sussex Downs auf der einen Seite und Chichester und das Meer auf der anderen Seite“, schreibt der Experte für englische Rennbahnen. „Wenn Rennkurse menschlich wären, wäre Goodwood die perfekte Frau: Attraktiv, verführerisch, klassisch und mit vielen Kurven.“
Weil Sommer ist, ist in der Richmond Enclosure, „der besten Tribüne auf englischen Rennplätzen“ (Ostermeyer), der Dresscode nicht ganz so streng wie beispielsweise während Royal Ascot: Polo-Hemden unter dem Jacket sind ausdrücklich erlaubt, gerne getragen wird zudem der „Goodwood Panama Hut“.
Das sportliche Programm kommt nicht ganz an Royal Ascot heraus, ist aber immer noch außergewöhnlich gut. Sportliche Höhepunkte sind die BGC Sussex Stakes (Gr. 1) über die Meile am Mittwoch und die Blue Square Nassaus Stakes (Gr.1) für Stuten über die verlängerte Meile am Samstag. Außerdem stehen jeden Tag mehrere Rennen der Kategorien Gruppe 2 und Gruppe 3 auf dem Programm. Wett-Highlights sind die großen Heritage Handicaps wie die Totesport Mile am Freitag oder der Showdown der Sprinter, der Blue Square Stewards Cup, über 1200 Meter am Samstag.
Goodwood war in der Vergangenheit die Bahn, auf der ich mit die schlechteste Trefferquote auf der Insel hatte. Das hat sich glücklicherweise etwas geändert, dennoch war der Kurs früher ein Ort permanenter Demütigung. Jahrelang hatte ich dort ein Dauerabo auf Platz 2, wurde bevorzugt auf der Linie noch abgefangen. Oder der Rennverlauf war so schlecht, dass mein Tipp zu spät angebraust kam und am Ende mit einem kurzen Kopf geschlagen wurde. Dann war da noch der Stewards Cup 2007, als die Stewards im Zielfoto für Zidane und gegen meinen Tipp Borderlescott entschieden. Ich sehe das heute noch anders…
P.S: Die ersten drei Rennen waren mal wieder ernüchternd: Das Gamble auf Tactic aus dem Stall von John Dunlop zahlte sich nicht aus, der Hengst wurde Vierter in den Betfair Gordon Stakes. J J The Jet Plane, Südafrikas Sprinterstar, schlug im Betfair Cup nur ein Pferd, immerhin den Favoriten Main Aim. Es gewann Finjaan vor den Außenseitern Baltazaar’s Gift und Regal Parade. Ich leiste Abbitte, denn was habe ich vor der Saison über die englischen Sprinter gelästert.
Noch ein Nachtrag: Überhaupt nicht vom Ende weg kam Waldvogel, einst trainiert von Andreas Wöhler und jetzt in der Obhut des englischen Trainers Luca Cumani, in den Deltica Summer Stakes über lange 2800 Meter. Morgens bei Betfair wurde das Pferd durchaus gehandelt, mit der Handicap-Marke wird der 5jährige Wallach es aber schwer haben.



Freitag, 17. Juli 2009
Deutschland braucht mehr Egons
Gut, das mit dem Derby hat nicht ganz hingehauen. Egon, das Pferd mit den vier weißen Beinen aus dem Stall Domstadt, zeigte zwar nach Aussage seines Jockey Richard Hughes großes Stehvermögen („he can stay forever“), im Deutschen Galoppderby reichte es aber „nur“ für einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Zum Trost: Der 1.FC Köln könnte mit dieser Platzierung in der Fußball-Bundesliga gut leben.
Selten hat eine Geschichte im Vorfeld des Derbys für so viel Aufsehen in den Medien gesorgt. Mal abgesehen von den Fachmedien Galopp Intern und Turf-TimesGeschichten in Welt am Sonntag, BILD, Rheinische Post und Hamburger Abendblatt erhält nicht jedes Rennpferd. Selbst die taz erwähnte den Galopper in einem Artikel, der sich vorrangig mit der Heimkehr von Lukas Podolski zum 1.FC Köln beschäftigte. Zudem berichtete WDR 4, die Schlagerwelle für die Generation 50+ im WDR-Hörfunk, über den Groom Dancer-Sohn.
Dabei ist die Geschichte des Galoppers Egon noch nicht einmal das typische Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär. Nicht so wie Overdose, den keiner auf der Auktion haben wollte, der dann für ein Taschengeld nach Ungarn kam und zum ungeschlagenen „Wunderpferd“ über Sprintdistanzen avancierte. Egon ist eher das Kind aus der Mittelklasse, der seinen Besitzern den Traum vom Derbysieg erfüllen sollte.
Natürlich verstehen Till Grewe und seine Mitstreiter aus dem Stall Domstadt etwas von PR und Marketing: der einprägsame Name Egon, die witzig gemachte Homepage, der Pixelkauf für FC-Heimkehrer Lukas Podolski – damit schafft man Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.
Allerdings schreibt der Rennsport auch andere schöne Geschichten, die erzählenswert sind. Nur kann das eben nicht jeder so gut kommunizieren wie Grewe und seine Mitstreiter. Und das wäre mal ein guter PR-Ansatz für DVR oder Besitzervereinigung. Dafür braucht man nur jemanden, der etwas von PR versteht und diese Stories in die Öffentlichkeit transportiert...



Freitag, 10. Juli 2009
Schiaparelli im Pech
Wie lange verfolge ich den englischen Rennsport schon intensiv? 15, 16 Jahre – und in dieser Zeit kann ich mich kaum daran erinnern, dass die Stewards auf der Insel mal ein Pferd zurückstuften, weil es ein anderes behindert hat. Da muss die Behinderung schon sehr stark sein – ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo die Regeln viel strenger sind.
Ausgerechnet ein ehemaliges deutsches Pferd war betroffen am Donnerstag in den Princess of Wales’s Stakes, einem Gruppe II-Rennen über 2 414 Meter auf dem July-Kurs in Newmarket. Schiaparelli, 2006 Sieger im Deutschen Derby und im letzten Jahr von Godolphin erworben, gab sein Jahresdebüt in diesem Rennen.
Vor dem Start standen andere Kandidaten im Blickfeld: Godolphin-Stalljockey Frankie Dettori saß auf dem Stallgefährten Campanologist, der zuletzt Zweiter während Royal Ascot hinter Bronze Cannon (ebenfalls dabei) in den Hardwicke Stakes war.
Schiaparelli wurde von Ted Durcan geritten, der Starting-Preis lag bei gigantischen 290:10 und damit gehörte der ehemalige Deutsche zu den Außenseitern im Feld. Zumal Trainer Saeed bin Suroor auf der Godolphin-Homepage noch verkündet hatte, dass Schiaparelli „zwar gut auf den Posten sei, das Rennen aber noch benötigt.“
Jedenfalls machte der Derby-Triumphator das Rennen und lange Zeit sah es sehr viel versprechend aus. Durcan, so schien es, hatte alles im Griff, doch dann beorderte er sein Pferd in den Zielgeraden an die Rails. Dabei schnitt er Alwaary den Weg ab, der stoppte kurzzeitig und musste von Jockey Richard Hills neu aufgenommen werden. Das sahen die Stewards als entscheidende Rennbehinderung und setzen das Godolphin-Pferd auf den dritten Platz, Alwaary wurde am grünen Tisch Zweiter.
Der Sieg ging an den Michael Stoute-Schützling Doctor Freemantle, der mit Ryan Moore im Sattel gewann. Schiaparelli zog zwar noch einmal an, war im Ziel nur um eine halbe Länge geschlagen, bevor die Stewards in Erscheinung traten.
Die favorisierten Bronze Cannon und Stallgefährte Campanologist endeten im geschlagenen Feld und spielten nie eine entscheidende Rolle.