Donnerstag, 19. Mai 2016
Klopp-Schreck Sevilla hat wieder zugeschlagen
Schade, schade: Das war gestern leider nichts für Jürgen Klopp und seinen FC Liverpool im Finale der Europa-League gegen den FC Sevilla. 1:3 unterlag der BVB-Bezwinger dem spanischen Team in Basel. Nichts war es mit der Revanche für die Europa League 2010/2011, als sich der FC Sevilla recht dubios gegen Klopps Borussia Dortmund durchsetzte.

Dabei hatte es gestern so gut begonnen: 1:0 führte Liverpool zur Pause, dominierte das Spiel und haderte so gar ein paar Mal mit den Entscheidungen der Schiedsrichter. Doch direkt nach dem Wiederanpfiff gelang dem FC Sevilla der Ausgleich, das Team aus Andalusien dominierte das Spiel, traf noch zweimal und gewann nach 2014 und 2015 den dritten Europa League-Titel in Folge. Respekt vor dieser Leistung. Damit kommt Sevilla nach den Triumphen 2006 und 2007 auf insgesamt 5 Titel und ist Rekordhalter im zweitwichtigsten Klubwettbewerb der Welt. Und was darf der Klub nach diesem Erfolg? An der Champions League teilnehmen.
Diesmal war dieser Erfolg durchaus verdient. 2010/2011 war es anders in der Europa League-Gruppenphase gegen Borussia Dortmund und Trainer Jürgen Klopp. „Sevilla hatte einen Schutzheiligen“, titelte diese Kolumne nach der 0:1-Niederlage im Signal Iduna Park. Der BVB hatte ein klares Chancenplus, doch das Runde wollte absolut nicht ins Eckige. Entweder zielte die Borussia schlecht oder Sevilla-Schlussmann Andres Palop reagierte prächtig. Anders machte es Sevilla, das in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Cigarini zum entscheidenden 1:0 kam.
Seinen Anteil an der Dortmunder Niederlage hatte zudem Schiedsrichter Michael Dean aus England. „….pfiff in strittigen Situationen meist gegen Dortmund, Schmelzers Platzverweis (49.) war völlig überzogen“, urteilte der kicker. Die rote Karte gegen Dortmunds Marcel Schmelzer für eine angebliche Schwabe war ein Witz, seitdem stehen englische Schiedsrichter bei mir ungefähr so hoch im Ansehen wie englische Torhüter. Aber das nutzte den Borussen auch nicht mehr. Es war einer dieser Tag, an dem für Schwarzgelb alles daneben ging. Erstaunlich, dass der Kolumnist heil nach Hause kam.

Meister der Verzögerung
Jedenfalls stand Borussia in Sevilla unter Erfolgszwang. Im Stadion Ramon Sanchez Pizjuan mussten die Klopp-Schützlinge unbedingt gewinnen, um im europäischen Wettbewerb zu überwintern. Es begann vielversprechend an diesem Dezember-Abend, als Shinji Kagawa bereits nach 4 Minuten das 1:0 gelang. Doch Sevilla entpuppte sich als schwerer Brocken, eine gute Mischung aus Routiniers wie Kanoute, Zokora oder Torhüter Palop und aufstrebenden jüngeren Akteuren wie Capel. Romaric und Kanoute drehten das Spiel bis zur 35. Minute, Neven Subotic konnte nur noch in der 49. Minute zum 2:2 ausgleichen.
Was danach folgte, war die große Verzögerungsshow der Andalusier. Permanent lag ein Akteur angeblich verletzt auf dem Boden, Abschläge dauerten gefühlte fünf Minuten. Der FC Sevilla entpuppte sich nicht nur als spielstarke Einheit, sondern auch als sehr abgebrühte Truppe. Der BVB war zu grün an diesem Abend – und schied nach dem 2:2 aus. Das Klopp-Team zahlte internationales Lehrgeld in Sachen Cleverness.
Sehr, sehr unangenehme Erfahrungen mit der spanischen Polizei machten an diesem Abend auch viele mitgereiste Dortmunder Fans. Es war ein Abend zum Vergessen.



Mittwoch, 11. Mai 2016
Degas gegen Knife Edge und Ryan Moore
Am Pfingstmontag ist es auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch mal wieder soweit: Ambitionierte Dreijährige treffen im Mehl-Mülhens-Rennen, den Deutschen 2000 Guineas, aufeinander. Der erste Klassiker der deutschen Turfsaison steht bevor. Und das Rennen ist ziemlich offen. Starter und Chancen.

Ein Trend steht schon lange: Das Mehl-Mülhens-Rennen über 1600 Meter ist etwas für Spezialisten. Der Weg zum Hamburger Derby geht heute über andere Stationen. Auch wenn es Ausnahmen gibt: Lucky Lion belegte vor zwei Jahren nach seinem Erfolg im Meilen-Klassiker den zweiten Platz im Deutschen Derby, vor zwanzig Jahren schaffte Lavirco als letztes Pferd das Double 2000 Guineas – Derby. Nichtsdestotrotz ist das Mehl-Mülhens-Rennen auch dank der oft starken ausländischen Gäste meist eine spannende Sache. Vor einigen Jahren triumphierte etwa ein Hengst namens Excelebration in Köln, der später eine große Karriere machte. Sein Trainer Marco Botti ist wieder dabei – mit Knife Edge und Top-Jockey Ryan Moore.

Baroncello (Trainer Andreas Löwe): Stallgefährte von Veneto, gewann zwei seiner drei Starts. Siegte ebenfalls zuletzt gegen einen „heißen“ Wöhler-Kandidaten und auch diese Mülheimer Siegform wurde aufgewertet. Auch Baroncello sollte weitere Reserven haben.

Degas (Trainer Markus Klug): Stallgefährte von Millowitsch, zuletzt endlich der erste lockere Sieg im fünften Versuch. Aber obwohl der Röttgener zweijährig ohne Erfolg blieb, zählte er dennoch zur Spitzengruppe des Jahrgangs, war er doch im Winterfavoriten und hochdotierten Auktionsrennen platziert. Guter Auftakt, könnte noch mal zulegen.



Wäre ein passender Sieger in Köln: Millowitsch (rechts) schlägt mit viel Kampf El Loco. (Foto: German Racing / Rühl)

Knife Edge (Trainer Marco Botti): Der Gast aus England. Sehr gute zweijährige Debütform, in diesem Jahr zweimal auf der Bahn. Zum Saisonauftakt Dritter (hinter Adventurous, der ursprünglich auch für dieses Rennen vorgesehen war), zuletzt Zweiter in den Greenham Stakes hinter dem guten Tasleet in den Gruppe 3 Greenham Stakes über 1400 Meter. Schon nach diesem Rennen nannte Trainer Botti die Deutschen 2000 Guineas als Ziel des Hengstes. Mit Ryan Moore und guten Chancen.

Millowitsch (Trainer Markus Klug): Die Kölner Bahn wird beben, wenn das Pferd mit dem Namen des bekannten Volksschauspielers triumphieren würde. Der Sohn des Klasse-Meilers Sehrezad war ein sehr früher und guter Zweijähriger mit drei Siegen bei vier Starts. In diesem Jahr ging es siegreich im Busch-Memorial weiter, der Erfolg beantwortete eindrucksvoll die Frage nach dem Stehvermögen über 1600 Meter. Auf dem Papier der stärkste deutsche Kandidat, der zudem immer sehr viel Kampfgeist zeigt.

Molly King (Trainer Jens Hirschberger): Kommt aus einer guten Familie, aber landete bei drei Starts immer im Mittelfeld. Das reicht leider nicht.

Noor Al Hawa (Trainer Andreas Wöhler): Zweijährig überlegener Sieger im Arag Junioren Preis (so recht wurde diese Form aber noch nicht aufgewertet), danach musste er verletzungsbedingt im Winterfavorit passen. Ordentliches Jahresdebüt, gegen den Sieger Millowitsch aber chancenlos. Immer hochgeschätzt, Steigerung sicher, denn viele Wöhler-Pferde legen beim zweiten Jahresstart noch mal zu.



Einer von zwei Wöhler-Startern in den blauen Abdullah-Farben: Noor Al Hawa (Foto German Racing / Rühl)

Omar Bradley (Trainer Flemming Velin): Der große Unbekannte aus Dänemark. Seine beste Leistung war ein dritter Platz im Gruppe 3 Prix la Rochette in Longchamp, zuletzt erfolgreich in Klampenborg/Dänemark. Lief noch nie über 1600 Meter.

Parvaneh (Trainer Waldemar Hickst): Siegerin als großer Außenseiter im Karin Baronin von Ullmann – Schwarzgold-Rennen (Gruppe 3) in Köln. Es war ein spektakulärer Sieg, denn Parvaneh kam mit viel Speed von ganz hinten. Die Stute brauchte aber einige Zeit, um auf die Beine zu kommen. Der Kölner Erfolg war gegen die Stuten, jetzt geht es gegen Hengste. Eigentlich ungewöhnlich, denn die Holy Roman Emperor-Tochter hat auch noch eine Nennung für die 1000 Guineas für die Stuten.

Royal Shaheen (Trainer Andreas Wöhler): Unterlag zuletzt als heißer Favorit nur knapp Baroncello in Mühlheim. Zwischen beiden Pferden sollte nicht viel liegen, aber auch Royal Shaheen muss die Vorleistungen noch mal deutlich steigern. Von Verbesserung darf man beim zweiten Jahresstart aber ausgehen.

Veneto (Trainer Andreas Löwe): New Approach-Sohn, der beim zweiten Lebensstart in Düsseldorf über 1400 Meter seine Maidenschaft ablegte. Diese Form wurde durchaus bestätigt, weil Zweiter und Dritter inzwischen auch gewonnen haben. Die längere Strecke sollte für den Halbbruder der Gruppesiegerin Vanjura noch günstiger sein, weitere Verbesserung ist jedoch notwendig.

Urteil
Auf dem Papier eine offene Aufgabe. Knife Edge mit Ryan Moore könnte Favorit werden. Gäste aus dem Ausland haben schon mit schwächeren Formen diesen Klassiker in Deutschland gewonnen. Ich halte dennoch mit Degas dagegen, aber auch Millowitsch, Noor Al Hawa und die Stute Parvaneh können mitmischen.



Dienstag, 3. Mai 2016
Die Welt staunt über Leicester City
Es ist eine der größten Sensationen des Fußballs: Leicester City ist Champion der englischen Premiere League. Der große Außenseiter – im letzten Jahr noch so eben nicht abgestiegen - triumphierte in der teuersten Liga der Welt.

Ausgerechnet der FC Chelsea des Roman Abramowitsch machte die Foxes (Transferwert aller Spieler laut Transfermarkt.de 127 Mio Euro) durch das 2:2 gegen Tottenham zum Meister. Vor Tottenham (Transferwert Kader 312,5 Mio), Arsenal (440 Mio), Manchester United (418,25 Mio), Manchester City (501,75 Mio), Liverpool (366,25 Mio.) und eben Chelsea (495,75 Euro). Verglichen mit Deutschland wäre das so, als wenn der FC Augsburg Deutscher Fußball-Meister würde.
Geld schießt eben doch nicht unbedingt mehr Tore. Vor der Saison gab es auf einen Titelgewinn von Leicester City die unglaubliche Wettquote von 5000:1 und auch der neue Trainer Claudio Ranieri hatte schon bessere Zeiten gesehen. Der 64jährige Italiener konnte einige Erfolge mit Teams wie Valencia oder Florenz verbuchen, zuletzt aber hatte er eine schlimme Bilanz als Nationaltrainers Griechenlands und unterlag etwa auf den Faroer-Inseln.
Am Ende aber waren alle glücklich: Leicester City mit dem aus Stoke gekommenen Innenverteidiger Robert Huth und den beiden Bundesliga-Neuverpflichtungen Christian Fuchs (Schalke) und Shinji Okazaki (Mainz) startete einen unglaublichen Siegeszug. Im Tor stand Kaspar Schmeichel, Sohn der Legende Peter Schmeichel und optisch diesem auch sehr ähnlich. Sein Ersatz-Torhüter war der 43jährige Australier Mark Schwarzer, 93facher australischer Nationalspieler, über 500- mal in der Premier League aktiv und zu Beginn seiner Karriere mal in Dresden und Kaiserslautern. Spieler wie Torjäger Jamie Vardy, Riyad Mahrez, Wes Morgan, N’Golo Kante oder Danny Drinkwater schafften das Unmögliche. Und spielen im nächsten Jahr vielleicht gegen Borussia Dortmund in der Champions League.

Lesetipp:
Eine ausführliche „Inside-Story“ aus dem Guardian