Dienstag, 30. August 2016
Harte Arbeit für Dortmund, leichtes Spiel für Bayern
Sie ist wieder da, die Fußball-Bundesliga. Eindrücke zum Saisonauftakt von den Großen Zwei der Liga. Der FC Bayern siegt im Schongang, Borussia Dortmund müht sich gegen gute Mainzer.

Stimmt schon, hier war lang nichts los. Manche haben sogar Beiträge vermisst. Aber der Autor hat einfach mal innegehalten, immerhin war er seit März 2009 jeden Monat mit diesem Blog auf „Sendung“. Es mag auch ein wenig Verdruss sein – manche Entwicklungen in Turf und Fußball nerven doch gewaltig.
Zum Beispiel die Fußball-Bundesliga. Natürlich ging es schon immer nur um das Geld, nur so „Deppen“ wie der Kolumnist und andere Fans denken beim Fußball an Vereinstreue und ähnliche Werte. Aber die Großen haben immer die Kleinen gefressen – und im deutschen Fußball ist der FC Bayern München schon seit Urzeiten der Allergrößte.
Der Unterschied: Früher wurde die Bayern auch oft Meister, nur waren sie nicht so überlegen. Es gab immer mal Spiele, die sie gegen Klubs wie Freiburg, Köln oder eben Werder Bremen verloren haben. Danach lachte sich halb Fußball-Deutschland – zumindest der Teil Deutschlands, der nicht Bayern-Fan war – kaputt. Dicke Luft darauf an der Säberner Straße, nicht nur die Boulevard-Presse hatte viel zu schreiben.
Das ist leider Vergangenheit. Der FC Bayern hat seit Jahren eine Super-Mannschaft, die die Bundesliga so dominiert wie noch nie. Ob die Trainer nun Heynckes, Guardiola oder jetzt Ancelotti heißen – die Münchner gewinnen ihre Partien wie sie wollen.
Eigentlich wollte ich mir das Eröffnungsspiel der kommenden Bundesligasaison in der ARD gar nicht anschauen. Keine Ahnung, warum die DFL-Verantwortlichen ausgerechnet Bayern München gegen Werder Bremen als Spiel ausgesucht hatten. Schon vorher eine eindeutige Sache.

Werder hilflos
In echt war es noch schlimmer: Eine lethargisch wirkende Bremer Mannschaft, die gegen – zugegeben sehr spielfreudige – Bayern nicht eine einzige Torchance erarbeitete. Auch wenn bei Werder wichtige Leute wie Junuzovic, Pizarro oder Neuzugang Kruse fehlten, war es doch eine schlimme Demütigung für die Hanseaten. Wie so oft in den letzten Jahren, wenn es gegen München ging. Der Kolumnist konnte es spätestens nach dem 0:3 nicht mehr ertragen. Was wohl ein Kämpfer glorreicher Werder-Tage wie Dieter Eilts bei einem solchen Debakel gemacht hätte?
Einen Tag später ging es in den Signal Iduna Park, immer noch der schönste Ort in Dortmund. Heimspielauftakt des BVB gegen Mainz 05 bei gefühlten 40 Grad.
Die Borussia hatte im ersten Jahr mit Trainer Thomas Tuchel nach der großen Zeit von Jürgen Klopp eine großartige Saison gespielt. Nur zu einem Titel reichte es nicht, weil die Bayern einfach zu gut waren. Dennoch war die Stimmung in der Pause nicht besonders gut: Das verlorene Pokalfinale gegen die Bayern und natürlich die Abgänge der drei Stützen Hummels, Gündogan und Mkhitaryan. Besonders der Abgang des Ersten zu den Bayern tut weh. Dazu verließen verdiente Fan-Lieblinge wie Jakub Blaszykowski den Verein bzw. werden wie Neven Subotic den Klub wechseln.



Rückkehrer: Mario Götze kam von Bayern München zurück zum BVB. (Bild: Wikimedia Commons/Marcello Casal jr./Agencia Brasil)

Young Dortmund
Immerhin hat Borussia das Geld in das Team investiert. Viele neue gute Leute, die Scouts hatten ganze Arbeit geleistet. Hochtalentierte Leute wie Dembele oder Emre Mor, die ganz Europa gejagt wurde. Ein Europameister wie Guerreiro, den vorher niemand kannte. Dazu Bartra, Rode und Merino. Und nicht vergessen Andre Schürrle und Mario Götze, dessen Abgang zum FC Bayern damals nicht nur den Kolumnisten erzürnte.
Alles vergessen, alle Wunden sind geheilt. Meine Befürchtung ist jedoch, dass Götze nie wieder an seine Dortmunder Bestform anknüpfen wird. Dafür saß er in München zu viel auf der Bank bzw. war verletzt. Diese Zeit wird Narben hinterlassen haben.
Gegen Mainz fehlte Götze dann auch leicht verletzt, sein Name war aber kein Thema im Stadion. Von den Neuen standen Bartra, Rode, Dembele und Schürrle in der Startelf, es wurde ein holpriger Auftakt in der Gluthitze. Mainz war aber auch ein guter Gegner, hat schon seit Jahren Qualität und hätte bei besserem Abschluss einen Punkt verdient gehabt.
Beim BVB passte noch nicht viel zusammen, vieles blieb im Ansatz stecken. Immerhin blieb Aubameyang abschlussstark und konnte der in Wolfsburg noch so wacklige Schürrle überzeugen



Donnerstag, 21. Juli 2016
French Eruption im King George
So schnell geht das im Sport: Noch am gestrigen Morgen waren die King George VI & Queen Elizabeth Stakes am kommenden Samstag in Ascot eine „Wettkatastrophe“, weil der Favorit Postponed unschlagbar schien, bei Quoten um die 15:10 jedoch wenig Wert versprach. Dann kam am Mittwoch Nachmittag die Meldung, dass ausgerechnet jener Postponed wegen einer Infektion nicht am Rennen teilnehmen kann. Klartext: Der Top-Star fehlt, die sportliche Qualität im großen englischen Sommer-Showdown sinkt, aber das Rennen wird offener. Starter und Chancen im diesjährigen King George.

Dartmouth (Trainer Sir Michael Stoute): Dartmouth ist eines dieser typischen Sir Michael Stoute-Pferde: Kontinuierlich gesteigert von Handicaps in die Gruppe-Klasse, zuletzt erfolgreich als 10:1-Schuss in den Gruppe 2-Hardwicke-Stakes, hauchdünn gegen Highland Reel. Die hohe Quote zeigt jedoch auch, dass sein Erfolg eher überraschend kam. Gruppe 1 hat er noch nicht gewonnen, auch sonst wirkt er nicht unschlagbar. Boden unabhängig. Nachgenannt für das Rennen.

Erupt (Trainer Francis-Henri Graffard): Im letzten Jahr Sieger im französischen Grand Prix de Paris (Gruppe 1) und Fünfter im Arc, zuletzt Zweiter im Grand Prix de Saint Cloud, als er mit gewaltigem Speed von hinten noch ins Rennen kam. Das sind so mit die besten Formen im Feld, Boden und Distanz sollten passen. Ganz klar eine Empfehlung.

Highland Reel (Trainer Aidan O'Brien): Unglücklicher Zweiter in den Hardwicke Stakes hinter Dartmouth,die besten Leistungen zeigte er dreijährig bei seinen Gruppe 1-Erfolgen in den USA und Hongkong. Man wird ihn nicht im Rennstall gelassen haben, wenn man dem Galileo-Sohn nicht weitere Gruppe 1-Großtaten zutrauen würde. Der etwas festere Boden spricht zudem für Highland Reel. Top-Kandidat.

Second Step (Trainer Luca Cumani): Der letztjährige Triumphator im Preis von Berlin in Hoppegarten, aber es gibt eben gute und noch bessere Gruppe 1-Rennen. Zuletzt zweimal chancenlos in starken Gruppe 1-Prüfungen und auch der dritte Platz im Yorkshire Cup (Gruppe 2, 2800 Meter) reicht nicht aus.



King George VI and Queen Elizabeth Diamond Stakes Ascot '84: Ein Rennen voller großer Namen. Teenoso gewinnt Start-Ziel mit dem legendären Lester Piggott im Sattel und zeigt immer wieder neue Reserven gegen Sadler's Wells und Pat Eddery. Sadler's Wells wurde später einer der besten Deckhengste der Welt.

Sir Isaac Newton (Trainer Aidan O'Brien): Vierjährig noch mal verbessert, gewann zuletzt Gruppe 3 in The Curragh und das Wolferton-Handicap in Royal Ascot. Jetzt ist weitere Steigerung erforderlich, zudem ist der Sir noch nie weiter als 2000 Meter gelaufen. Allerdings zeigte er bislang, dass eine längere Strecke von Vorteil sein könnte. Außenseiter.

Western Hymn (Trainer John Gosden): Erst ein Versuch über 2400 Meter und das war im 2014 Epsom Derby. Da lief er als 6. gar nicht so schlecht, blieb aber ohne Siegchance. Gruppe 3 ist eher seine Welt, aber ein Siegertyp ist Western Hymn nicht unbedingt. Müsste sich schon gewaltig steigern.

Wings of Desire (Trainer John Gosden): Der einzig verbliebene Dreijährige im Feld. Mit Pferden dieses Alters feierte sein Trainer John Gosden einige Erfolge im King George, siehe Taghrooda und Nathaniel. An letzteren erinnert mich Wings of Desire: Im Derby war er letztlich als Vierter zwar chancenlos, aber so richtig schien Epsom auch nicht seine Bahn zu sein, der Boden sei zudem zu weich gewesen. Zuvor gewann er die Dante Stakes (Gruppe 2) in York, diese Form wurde aber bislang nicht aufgewertet. Aber ein Pferd mit Reserven, der Boden sollte passen und vielleicht hat ihm die Pause seit Anfang Juni gut getan.

Urteil
Kein Doppel-Derbysieger Harzand, keiner der Top-Dreijährigen aus dem O'Brien-Quartier und jetzt auch kein Postponed – es gab schon deutlich besser besetzte King Georges. Die besten Formen und die beste Quote verspricht der französische Gast Erupt. Wings of Desire erinnert an erfolgreiche Gosden-Starter. Erst dann kommen für mich die Favoriten Dartmouth und Highland Reel.



Dienstag, 12. Juli 2016
Derby 2016: Ewig grüßt das Murmeltier
Wie immer kam es anders als hier prophezeit: Isfahan gewann das Deutsche Derby 2016 vor Savoir Vivre und Dschingis Secret. Dem Sieger hatte ich das Stehvermögen nicht zugetraut, den Zweiten trotz seiner hohen Reputation nach seiner schwachen Union abgeschrieben, immerhin den Dritten genannt. Aber unser Haupt-Tipp Boscacchio sendete schon früh Notsignale und wurde auf dem schweren Boden Achter. Favoriten wetten frustriert eben.

Damit wären wir beim Thema. Heftige Regenfälle hatten das Hamburger Geläuf mal wieder zum Moor werden lassen, am Mittwoch blieben die Pferde fast stecken im Sumpf, so sah es zumindest aus.
Bis zum Derby hatte sich das Wetter ein wenig beruhigt, zudem wurden die Rennen am Freitag abgesagt. Aber der Boden war immer noch eine Katastrophe, die Bezeichnung schwer wirkt fast ein wenig euphemistisch. Immerhin wurde – im Gegensatz zu den Rennen zuvor – aus der Startmaschine gestartet.
Oftmals kommen auf schwerem Boden komische Ergebnisse zustande. Diesmal offenbar nicht, trotz der hohen Quoten waren durchaus Pferde mit Format vorne: Isfahan war schon zweifacher Gruppesieger im Winterfavoriten und im Bavarian Classic, Dschingis Secret platzierte sich mehrmals in guten Rennen, der hoch gehandelte Wai Key Star war als Vierter ebenfalls gut dabei. Nur Savoir Vivre, hauchdünn geschlagener Zweiter, steigerte seinen bisherigen Leistungen deutlich. Aber er galt – siehe oben – immer schon als Kandidat mit gutem Ruf und hat eine Arc-Nennung. Die bekommt definitiv nicht das langsamste Pferd im Stall.
Hinter diesen vier Pferden war der Abstand groß. Boscacchio sendete schon früh Notsignale und endete als Achter. Ich bleibe dabei: Er ist für mich das Top-Pferd des Jahres und wird das – wenn er gesund bleibt – auf gutem oder weichem Boden zeigen. Ein Tiger Hill blieb auch einst im Horner Moor quasi stecken.

Das selbe Lied
Ansonsten hat das Derby für den Kolumnisten viel von seiner Faszination verloren. Das mag zum einen daran liegen, dass inzwischen kaum jemand außerhalb des Turfs das wichtigste Rennen des Jahres registriert. Die Generation derjenigen, die mit Addi Furler in der ARD-Sportschau und damit den Galoppern quasi aufwuchs, wird eben immer älter und weniger. Eine Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen TV scheint so fern wie noch nie.
Dabei hätte man in diesem Jahr eine schöne Geschichte gehabt mit Boscaccio, Besitzer Rainer Hupe und Trainer Christian Sprengel – Außenseiter, die das wichtigste Rennen des Jahres gegen den Establishment gewinnen wollen. Ein wenig Island, ein wenig Leicester City – David gegen Goliath, besser geht es doch nicht mehr.
Die Diskussionen um das Geläuf tauchen eigentlich in jedem Jahr bei schlechtem Wetter auf. Vor ein paar Jahren gab es mal Überlegungen, einen anderen Standort für das Derby zu finden – unter anderem wegen des Bodens, aber auch wegen der angeblich schlechten Vermarktung. Das Ganze scheiterte, weil jeder anderer Kandidat schnell einen Rückzieher machte.
Doch verändert hat sich eigentlich nichts. Warum muss eigentlich das Derby als Rennen 10 einer 12 Rennen-Karte gelaufen werden? Und auf einem Geläuf, das vorher schon an sechs bis sieben Renntagen von unzähligen Pferden zertrampelt wurde? Die besten Pferde bekommen das schlechteste Geläuf – gibt es exklusiv nur in Deutschland. Warum tauscht man nicht einfach den Großen Hansa Preis am ersten Sonntag mit dem Derby am zweiten Sonntag? Das wäre deutlich fairer. Aber im Galoppsport gilt wie nirgendwo anders die Devise: „Haben wir schon immer so gemacht, werden wir immer so machen.“ Und in Hamburg noch verstärkt.