Donnerstag, 7. Februar 2019
Wetten, die die Welt nicht unbedingt braucht
Es ist ja nicht so, dass sich im deutschen Galopprennsport nichts bewegt. Zwei neue Wettarten – die Multi und die 2 aus 4 – sollen ab Mitte April den Toto-Umsatz ankurbeln. Dafür entfällt der Platz-Zwilling. Den Kolumnisten berührt das aber weniger.

Der Platz-Zwilling ging etwa völlig an mir vorbei. Bei den neuen Wetten klingt zumindest die Multi ganz interessant. Sie funktioniert ähnlich wie der Drilling in Frankreich, Unterschied: statt drei Pferden sind vier zu tippen. Diese müssen die ersten vier Plätze belegen, die Reihenfolge ist egal. Das macht die Erfolgschancen größer und die Quoten kleiner. Das Erfolgsrezept ist klar: Je besser die Quoten, desto größer die Erfolgschancen der Wette.
Ähnliches gilt für die 2 aus 4, wo nur zwei der ersten vier Pferde eines Rennens angesagt werden müssen. Klingt simpel und soll den Platzzwilling ersetzen. Erfolgsaussichten: in meinen Augen gering. Warum soll die Wette funktionieren, wenn schon der Platz-Zwilling gescheitert ist?

Sehnsucht nach einer Großwette
Man hätte eher die bestehenden Wetten stärken sollen. Immerhin wurden die Quoten der Sieg/Platzwetten erhöht, weil die Abzüge reduziert worden. Damit ist das deutsche Wettangebot konkurrenzfähiger gegenüber Frankreich und England.
Aber dennoch fehlt mir so eine Art Großwette, wo man mit wenig Einsatz viel Geld machen kann. Ich wiederhole mich gerne: So etwas wie die erfolgreiche V 75 in Schweden. Oder etwas kleiner, aber leichter zu treffen: den Placepot in England. Das ist so eine Art Platz-Schiebewette und er wird gespielt in den Rennen 1 bis 6 einer Veranstaltung, jeder Rennort hat dabei seinen eigenen Placepot.
Ähnliche Dinge sind in Deutschland zwar schon böse gefloppt und ohne starke Partner wird das kaum umsetzbar sein. Und ohne Geduld, Marketing und Geld so und so nicht.
Immerhin funktioniert das mit der Viererwette ganz gut. Und vielleicht werden Multi und 2 aus 4 zu Knüllern. Dann hätte ich mich gerne geirrt.



Donnerstag, 17. Januar 2019
Andre Best: Ein stiller Held des Turfs
Das allein ist schon eine große Leistung: Seit fast 30 Jahren sitzt Andre Best im Sattel auf Deutschlands Rennbahnen. Der Mann hat immer noch einiges drauf – das zeigt er auch in dieser Saison auf den Sandpisten in Neuss und Dortmund. Best ist einer dieser stillen Helden des Turfs, die oft übersehen werden – im Rampenlicht stehen andere Namen.

Es schüttete und schüttete. Und das gefühlt seit einer Woche. Kein Wetter, an denen man gerne vor die Tür geht. Es ist Sonntagmorgen gegen 10:55, die Zeit, in denen in diesem Winter schon mal Sandbahnrennen in Dortmund stattfinden. Dank PMU und so erwartet den Besucher früh um diese Zeit das „beste“ Rennen des Tages. Nur ein Ausgleich 3 und dort gibt es über die langen 2500 Meter einen spannenden Endkampf zwischen Camberwell und Epako. Letzteren hatte ich gewettet, doch so sehr sich sein Jockey Riccardo Mela auch mühte, er kam nicht vorbei. Weil Andre Best Camberwell immer neue Reserven entlockte und letztlich souverän siegte. Tolle Leistung von Reiter und Pferd.
Jockey Andre Best begleitet den Kolumnisten schon seit Ewigkeiten – so wie seine Kollegen Andrasch Starke oder Andreas Helfenbein. Zu Beginn seiner Karriere 1990 ritt er noch gegen Leute wie Lutz Mäder, Kevin Woodburn, Manfred Hofer oder Dragan Ilic. Es waren die guten Zeiten des deutschen Turfs. Im nächsten Jahr wird Best 50 Jahre, die große sportliche Karriere hat der gebürtige Essener nicht gemacht, in England würde man ihn als „Journeyman“ – sehr frei übersetzt: einer, der seine Arbeit gut kann – bezeichnen.

Im 1000er Club
Seine größten Erfolge feierte Best 1993 mit Kornado, mit dem er Union und Mehl Mülhens-Rennen gewann. Ältere werden sich erinnern: Das war dieser großartige Jahrgang 1990 mit Lando, Monsun, Sternkönig und eben Kornado. Im gleichen Jahr siegte Best zudem mit dem großen Außenseiter Pinot im Dortmunder St. Leger – Pinot und Kornado trainierte der längst verstorbene Bruno Schütz, bei dem der Jockey auch seine Ausbildung absolvierte.
Danach wurde es ruhiger, die Schlagzeilen machten andere. Andre Best ritt nach seiner Zeit bei Bruno Schütz unter anderem für die Trainer Uwe Ostmann, Horst Steinmetz, Hans-Albert Blume, Peter Schiergen, Andreas Löwe, Hartmut Steguweit und Mario Hofer. Aber in den Blickpunkt rückte er eigentlich nur noch einmal: Seit dem 27. Januar 2013 ist er Mitglied des 1000er Clubs, in denen nur Jockeys und Trainer mit 1000 Siegen kommen. Die großen und spektakulären Erfolge fehlten. Meist war er für kleinere Quartiere in den unteren Handicaps unterwegs.

Hohe Quoten
Eigentlich habe ich Best erst seit 2011 wieder auf dem Radar: Da ritt er in einem Listenrennen in Baden-Baden den hochtalentierten Rosello für Trainerin Sarah Weis zum Sieg und nicht nur Rennkommentator Manfred Chapman sah den kommenden St. Leger-Sieger. In Dortmund kam Rosello dann verletzungsbedingt nicht an den Start.
Best ist immer noch ein guter Reiter und gerade mit Außenseitern oft für eine Überraschung gut. Der Kolumnist ist seit einiger Zeit richtig angetan. Auch deshalb, weil ihm der Jockey in den letzten Jahren einige schöne Treffer bescherte. Best versteht es sehr gut, ein Pferd von der Spitze zu reiten und sich das Tempo einzuteilen. Beispiele waren die beiden Erfolge mit Camberwell in Dortmund im Dezember oder Mystic Tale für Trainer John Hillis am 14. Oktober in München.
Zebspear hatte ich am 2. Weihnachtstag allerdings nicht auf der Rechnung. 49,5:1 lautete die hohe Quote; das Pferd aus dem Quartier von Sven Schleppi gewann aber im Stile eines klaren Favoriten. Best hatte ihm aus Startbox 2 ein optimales Rennen von vorne beschert, wechselte früh an die Rails und stiefelte auf dem kürzesten Weg davon. In Dortmund in den Sprints über 1200 Meter sind die inneren Startboxen immer von Vorteil. Das weiß ein Profi wie Best.



Mittwoch, 7. November 2018
Donjah ist ein echtes Rennpferd
Manchmal, da sind selbst die hartgesottensten Rennbeobachter ergriffen. Diese Momente sind selten, aber es gibt sie. Beispiel: Am Sonntag ließ die zweijährige Stute Donjah im Krefelder Ratibor-Rennen ihre Kontrahenten stehen wie Statisten. Und nicht nur der Kolumnist dachte: Was für ein Pferd. Dieser Speed, diese Leichtigkeit trotz Unreife – das sah alles hochklassig aus.

Natürlich weiß man nicht, was die Form wert ist. Zweijährige Pferde, da bleibt noch vieles im Dunkeln. Keiner weiß, wie gut die mal werden. Dennoch: Die Teofilo-Tochter, trainiert von Henk Grewe und im Besitz von Darius Racing, scheint eine gute Investition für die Zukunft. Es war immerhin ein Gruppe-Rennen, eine Prüfung der besseren Kategorie. Und schon bei Ihrem Lebensdebüt siegte Donjah trotz Startverlustes überlegen.
Manche Beobachter fühlten sich schon an die große Enable erinnert, die am Tag zuvor im Breeders Cup Turf triumphierte und davor unter anderem zweimal den Arc holte. Das ist natürlich übertrieben, aber wer weiß? Dem deutschen Turf würde ein Top-Star mal wieder gut tun.
„Ich glaube, der Weg wird ins Deutsche Derby führen,“ erklärte Holger Faust, Racing Manager von Darius Racing. Gegen die Hengste und nicht in die klassischen Prüfungen für die Stuten – das zeugt von Selbstbewusstsein. Zuletzt schaffte das Doppel Ratibor und Derby der von Mario Hofer trainierte Pastorius, der 2011 die Krefelder Prüfung gewann und dann im Sommer 2012 in Hamburg-Horn triumphierte. Aber eher scheinen die Deutschen 2000 Guineas prädestiniert für den Krefelder Sieger zu sein: 27 Sieger des Ratibors, so Turf-Times, hatten später im Meilenklassiker die Nase vorn.

Teofilo
Aber eher befürchte ich, dass zum Beispiel die Jungs in Blau oder andere finanzstarke Investoren die Stute für gutes Geld kaufen und diese dann zukünftig im Ausland laufen wird. England fände ich noch akzeptabel: Den Sport dort gucke ich sowieso. Aber das ist alles Spekulation.
Vater von Donjah ist übrigens Teofilo: Ein Galileo-Sohn, der 2006 zweijährig in fünf Rennen unbesiegt blieb. Dazu gehörten unter anderem die National Stakes in The Curragh und die Dewhurst Stakes in Newmarket, zwei der wichtigsten Youngster-Rennen in Irland/England. Doch danach stoppte eine Verletzung die Laufbahn des Hengstes. Jetzt machte Teofilo – einst trainiert von Jim Bolger – Schlagzeilen als Deckhengst, denn sein Sohn Cross Counter gewann den Melbourne Cup. Und krönte die tolle Saison von Charlie Appleby. Aber auch Henk Grewe hatte eine großes Jahr.



Wird Donjah mal so gut wie Enable (hier bei ihrem Oaks Sieg in Epsom). Natürlich alles Träume ohne Fakten, aber Videos von Enable kann man immer gucken.



Donnerstag, 27. September 2018
Khan und andere Liebhaber tiefen Geläufs
Irgendwie macht es der deutsche Galopprennsport dem Betrachter derzeit nicht leicht. Auch weil die „falschen“ Pferde sich aktuell die besten Rennen in Deutschland schnappen. Entweder kommen sie aus dem Ausland oder es gewinnen Vollblüter, die das nach den Vorformen gar nicht dürfen. Khan zum Beispiel am Sonntag im Preis von Europa in Köln. Der siegte als krasser Außenseiter hochüberlegen.

Eine der ersten Dinge, die der Turf-Enthusiast lernt, ist, dass Rennen auf schwerem Boden ihre eigenen Gesetze haben. Denn viele Pferde hassen regelrecht diesen Untergrund, andere aber laufen bei diesen Verhältnissen zur Hochform auf. In Köln regnete es stark, der Boden wurde von Rennen zu Rennen schwerer. Immerhin wurde der Beobachter bereits an die nahende englische Hindernisrennen erinnert, weil die Pferde per Flaggenstart auf die Reise gingen.
Khan zählt zur Gruppe der Schlamm-Liebhaber. Das englische Wort „mud lover“ klingt für diese Pferde viel schöner. Je weicher der Boden, desto besser – seine stärkste Leistung zeigte er im November 2017 in München im Großen Preis von Bayern, wo er nur vier Längen hinter Könnern wie Guignol, Iquitos, Dschingis Secret oder dem Franzosen Waldgeist (aktuell dritter Favorit für den Arc) landete. Oder als Dritter im Dortmunder St. Leger (Gruppe 2), wo er noch mal mächtig aufdrehte und Platz 3 belegte.
Aber danach war er immer weit geschlagen. Fünf Versuche in teilweise bester Gesellschaft und alle erfolglos – der Betrachter fragte sich schon, warum Besitzer und Trainer ihrem Schützling immer wieder scheinbar unlösbare Aufgaben aufhalsten.
Am Sonntag gaben sie die Antwort und Trainer Henk Grewes sehr erfolgreiche Saison wird nun von einem ersten Gruppe 1-Erfolg gekrönt. Es wird ihnen egal sein, dass es kein besonders aufregend besetzter Preis von Europa war.
Überhaupt nicht mit dem Boden zurechtkam der Favorit Torcedor, der in Köln für den Melbourne Cup proben wollte. Schon nach 200 Meter war das Rennen vorbei, sagte sein Trainer Andreas Wöhler, und danach „versuchte er nur noch, mehr oder weniger hüpfend, den Löchern auszuweichen.“

Kracher auf Boden schwer
Bei schwerem Boden fällt dem Kolumnisten immer ein regnerischer Renntag am Tag der Deutschen Einheit 1995 in Mülheim ein. Damals veranstaltete die Rennbahn im Ruhrgebiet noch den Preis der Winterkönigin, das wichtigste Rennen für die zweijährigen Stuten. Es schüttete den ganzen Tag, das Geläuf war schwer, sehr schwer – und es triumphierte Massada, die zweite oder dritte Waffe aus dem Quartier von Trainer Harro Remmert.
Im Sattel saß der heutige Trainer Waldemar Hickst und seine Stute gewann zum Kurs von 511 hochüberlegen. Es war eines dieser Schockresultate, so richtig hat Massada diese Leistung auch nie wieder bestätigt.
Einige der im Nachhinein schwächsten Derbysieger Deutschlands triumphierten auf schwerem Geläuf in Hamburg-Horn. Robertico etwa 1998 oder Karloff 1990 – zwei Kandidaten, die an diese Form nie wieder herankamen. Karloff versuchte sich später sogar in Hürdenrennen.
Auf der anderen Seite konnten aber auch Top-Pferde tiefes Geläuf. Bei den Erfolgen etwa von Shirocco (2004), Next Desert (2002) oder Lavirco (1995) lautete die Bodenangabe in Hamburg-Horn schwer. Und das waren zweifellos sehr gute Vollblüter. Oder Monsun, der gewann zwar nie das Derby, aber unter anderem zweimal den Preis von Europa. Zweimal – sowohl auf guten als auch schweren Boden.



Donnerstag, 13. September 2018
Valajani die Empfehlung im St. Leger 2018
Der letzte Klassiker der Saison: Das 134. Deutsche St. Leger steht am Sonntag auf dem Programm in Dortmnd-Wambel. Zehn Pferde bewerben sich in dieser Gruppe 3-Prüfung über 28000 Meter um 55 000 Euro. Gibt es erneut einen ausländischen Erfolg wie in den Wochen zuvor in den besten Prüfungen? Die englischen Gäste sind zwei bewährte Handicapper, aber sie verbreiten nicht unbedingt Angst und Schrecken. Starter und Chancen in der Analyse.

1. Adler (Trainer Markus Klug/Jockey Adrie de Vries): So richtig ist der Knoten in diesem Jahr nicht geplatzt bei Adler. Vierjähriger Hengst, der in den besten Steher-Tests in Deutschland manchmal gut dabei war, aber nie gewann. Nicht zu unterschätzen, aber andere Kandidaten versprechen mehr. Immerhin die Wahl von Adrie de Vries aus dem Klug-Quartett.

2. Brandon Castle (Trainer Archie Watson/Jockey Edward Greatrex): Sechsjähriger Handicapper, der gerne von der Spitze läuft und sich nach dem Wechsel zu Trainer Archie Watson 2017 noch mal gewaltig verbesserte. In dieser Saison erst drei Starts, beim Saisonauftakt siegte er über 2800 Meter in einem gutbesetzten Class 2-Handicap in Musselburgh. Danach zweimal ohne Möglichkeiten, beste Form auf schwerem bzw. weichem Boden.

3. Eddystone Rock (Trainer John Best/Jockey Joey Haynes): In diesem Jahr immer in gutdotierten Steher-Handicaps unterwegs, beste Platzierung war ein fünfter Platz. Seine größte Stunde schlug im August 2017, als er in einem 50000 Pfund-Handicap (Class 2) in York siegte. Kampferprobter Wallach, aber er hat noch nie über mehr als 2000 Meter gewonnen.

4. Moonshiner (Trainer Jean Pierre Carvalho/Jockey Miguel Lopez): Sehr formbeständig, aber ein Sieger-Typ ist das Ullmann-Pferd nicht gerade. Der letzte Sieg datiert vom September 2016. Im letzten Jahr Zweiter hinter Oriental Eagle und auch in dieser Saison eine feste Größe in den deutschen Steher-Rennen.

5. Oriental Khan (Trainer Jens Hirschberger und nicht mehr Roland Dzubasz/Jockey Jack Mitchell): Es war 2017 das Dreamteam in den gleichen Farben, als Jack Mitchell mit Oriental Eagle das Feld von der Spitze aus dominierte. Es wird schwer: Oriental Khan läuft zwar auch von der Spitze, war in besserer Gesellschaft aber immer chancenlos.

6. Sweet Thomas (Trainer Andreas Suborics/ Jockey Stephen Hellyn): Sechsjähriger Wallach, der zuletzt zweimal hinter Tirano war. In dieser Saison mit vielen guten Vorstellungen, unter anderem Ausgleich 1-Sieger in Hamburg. Die Distanz ist aber neues Terrain, aber nach seinem Rennstil ist sie ihm zuzutrauen. Zudem gilt: Pferdes des Gestütes Wittekindshof sind in Dortmund immer zu beachten. Weil Patron Miebach keine chancenlosen Pferde auf seine Heimatbahn schickt.

7. Tirano (Trainer Waldemar Hickst/Jockey Andrasch Starke): Fünfjähriger Wallach, der zuletzt sehr überzeugend in einem Badener Ausgleich über 2200 Meter erfolgreich war. Davor Kampfsieger gegen Malkoboy in einem Listenrennen in der Schweiz über 2400 Meter. Sehr formbeständig, wenn er die längere Distanz im St. Leger kann, ist er ein Siegkandidat.

8. Ernesto (Trainer Markus Klug/Jockey Martin Laube): Einer von drei Dreijährigen, alle aus dem Quartier von Markus Klug. Nach Form der größte Außenseiter, aber zwischen ihm und dem Stallgefährten Klüngel liegt nicht viel, obwohl Ernesto zweimal hinter diesem war. Außenseiter mit Chance (schlug bei seinem Maidensieg immerhin den Badener Auktionssieger Quintarelli), muss sich aber steigern.

9. Klüngel (Trainer Markus Klug/Jockey Andreas Helfenbein): Dreijähriger mit markantem Namen, der im Badener Auktionsrenenn über 2400 Meter noch guten Speed zeigte und Dritter wurde. Die längere Distanz im Leger könnte für den Jukebox Jury-Sohn passen, zum Sieg ist aber eine weitere Verbesserung notwendig.

10. Valajani (Trainer Markus Klug/Jockey Maxim Pecheur): Dem passabler Lauf in der Union gegen die Jahrgangsspitze (Rang 5) folgte eine gute Vorstellung im Hoppegartener Steherpreis über die Leger-Distanz. Platz Drei war der Lohn, allerdings konnte die Zweite Shining Bright die Form nicht ganz bestätigen. Der stärkste Dreijährige und mit dem Gewichtsvorteilen nicht zu vernachlässigen.

Urteil
Qualitativ nicht das beste Grupperennen, nur Moonshiner hat von ihnen schon ein Grupperennen gewonnen. Es ist ein Treffen guter Handicapper und talentierter Dreijähriger. Valajani hat sich gegen die Jahrgangsspitze tapfer geschlagen und die letzte Form über 2800 Meter macht ihn interessant. Dahinter kommen Moonshiner und der beständige Tirano. Nicht zu unterschätzen ist der Wittekindshofer Sweet Thomas. An die Engländer glaube ich nicht so recht.



Gute Form über die Leger-Distanz: Valajani wird Dritter in Hoppegarten, es gewann Agathonia.



Samstag, 8. September 2018
Zum Tod von Arnold Zweifel
Traurige Nachricht: Arnold Zweifel ist tot. Der ehemalige Dortmunder Galopptrainer starb am Montag im Alter von 77 Jahren. Unter anderem betreute er mit Stars and Stripes und dem Veteranen Fred Feuerstein zwei der Lieblingspferde des Kolumnisten.

Irgendwie scheint es Lichtjahre entfernt, dass in Dortmund mal erfolgreich Rennpferde trainiert wurden. Uwe Stoltefuß hatte zu seinen besten Zeiten mal über 100 Pferde im Stall und auch Norbert Sauer, Tim Gibson, Reiner Werning und Arnold Zweifel betreuten kopfstarke Lots. Stoltefuß, Sauer und Tim Gibson sind viel zu früh verstorben, jetzt folgte Zweifel. Nur Reiner Werning hielt lange stand, bis dann im letzten Jahr das Aus für den Trainingsstandort Dortmund kam. Weil es die neuen Anwohner vielleicht stören könnte, in der Nähe von Rennpferden zu leben. Ich halte diese Entscheidung immer noch für falsch.
Aus Dortmund kamen nie die sportlichen Top-Pferde. Klassische Sieger machten um die Westfalen-Metropole meist einen Bogen, selbst der langjährige Präsident des Dortmunder Rennvereins, Hans Hugo Miebach, ließ seine besten Galopper des Gestütes Wittekindshof in Köln trainieren. Es gab zwar mal einen Derbysieger aus Dortmund – Mondrian aus dem Stall von Uwe Stoltefuß. Er und sein Kollege Norbert Sauer hatten manchmal ein besseres Pferd und Anfang der 90er Jahre trainierte Fredy Scheffer einen Top-Meiler/Sprinter namens Nasr Allah für den Stall Mabrouk aus Ratingen. Aber das waren Ausnahmen.
Auch Arnold Zweifel hatte nie die großen „Kracher“ im Stall. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mal einen Dreijährigen mit klassischen Ambitionen in seiner Obhut hatte. Zweifel gewann zwar auch einige Listen-Rennen, aber die meisten seiner Schützlinge rannten in den unteren Handicaps, waren preiswert oder spätreif. Oder beides.
Aus diesen Möglichkeiten machte er eine ganze Menge. Im oftmals wechselnden Handicap-Geschäft liefen seine Pferde immer verlässlich und deshalb verdankt der Kolumnist seinem Team auch einige schöne Wetttreffer. Und da die Zweifel-Schützlinge am Toto immer eher unterschätzt wurden, lohnte sich das durchaus.

Dauerbrenner
Zwei Pferde aus dem Quartier zählten zu meinen Favoriten. Da ist zum einen Stars and Stripes, ein Halbbruder zu Sternkönig. Nicht ganz so gut, aber der Fuchs mit der weißen Blesse (wenn mich meine Erinnerungen nicht täuschen) war auch nicht schlecht. Er brauchte ein ungestörtes Rennen von der Spitze über eine weite Distanz (so ab 2400 Meter) und wenn er dann mal alles für sich hatte, dann war er schwer zu schlagen. Und immerhin konnte er Ausgleich 2 und avancierte zum Seriensieger auf Sand.
Dann war da noch der unverwüstliche Fred Feuerstein, der lange Zeit fast zum Inventar in Wambel zählte. Er lief noch mit 14, gewann jedes Jahr seine Rennen und war ein lebendes Kompliment für die Trainingsarbeit von Arnold Zweifel, der es immer schaffte, das Pferd vernünftig vorzustellen.
1999 beendete Arnold Zweifel seine Trainertätigkeit. Den großen Niedergang im deutschen Galopp bekam er als aktiver Trainer nicht mehr mit.



Donnerstag, 6. September 2018
Der Ausverkauf geht weiter
Leider sind diese Meldungen schon seit Jahren keine Seltenheit mehr im deutschen Galoppsport: Mit Sound Check verlässt der nächste Top-Galopper Deutschland Richtung Ausland. Es geht nach Australien, natürlich ist der Melbourne Cup das große Ziel. Und nicht nur dort sind nach den Erfolgen von Protectionist und Almandin Pferde aus deutscher Zucht gefragt.

„Ein Syndikat aus australischen und neuseeländischen Klienten“ habe das Pferd für „gutes Geld“ gekauft“, erklärte sein neuer Trainer Mike Moroney. „Er war sicherlich nicht billig, aber diese Zweimeilenpferde können heute auch eine Menge Geld verdienen.“
In Australien wohlgemerkt. Und deshalb wird Manfred Ostermann, Chef des Gestütes Ittlingen, die Entscheidung leicht gefallen sein. Sound Check – trainiert von Peter Schiergen – zählt zu den besten Stehern Deutschlands, ist Gruppesieger über 3200 Meter und war zuletzt Zweiter im Großen Preis von Berlin (Gruppe 1) über 2400 Meter. Verdient hat der Lando-Sohn 184 000 Euro – hört sich auf den ersten Blick viel an, ist aber im internationalen Vergleich wenig.
Im Melbourne Cup 2018 bekommt der Sieger rund 2,48 Mio. Euro, selbst der Zwölfte erhält noch über 74 000 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland gewinnt der Erste im St. Leger (immerhin ein Klassiker) gerade mal 32 000 Euro.
Sound Check war nicht der Einzige: Kurz zuvor meldete galopponline, dass der talentierte Dreijährige Schabau Deutschland verlassen und zukünftig ebenfalls in Australien seine Rennkarriere fortsetzen wird. Zuletzt hatte der Pastorius-Sohn mit dem kölschen Namen das BBAG Steher-Auktionsrennen am Hamburger Derby-Tag überlegen gewonnen. Kaufpreis soll eine „mittlere sechsstellige Summe“ gewesen sein, sein neuer Coach Robert Hickmott trainierte einst Almandin zum Melbourne Cup-Helden.



Almandin hat mehr Stehvermögen als Heartbreak City im Melbourne Cup 2016. Der einstige Schlenderhaner schaffte damit einen der größten Erfolge für die deutsche Zucht.

Einerseits sind diese Aufkäufe ein Kompliment für die deutsche Zucht, andererseits ist der Verlust dieser Pferde für das heimische Renngeschehen ein herber Verlust. Nachvollziehbar sind die Verkaufsentscheidungen ihrer Besitzer allemal. Denn die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern nicht wettbewerbsfähig.
Der Abgang von Top-Pferden ist gewaltig: Poetic Dream (Mehl-Mülhens-Gewinner 2017), Shimrano (Union-Sieger 2015), Rosenpurpur (Derby-Dritter 2017) oder die ehemaligen Schlenderhaner Guardini, Almandin, Iwanhowe oder Swacadelic – die Liste ist unvollständig.
Das ist auch ein Grund, warum viele Gruppe-Rennen in den letzten Jahren ziemlich schwach besetzt waren. Quantitativ und qualitativ. Da es in Deutschland auch immer weniger gutbesetzte Handicaps der Kategorien 1 und 2 gibt, weil Pferde dieser Klasse in Frankreich mehr verdienen können, werden die deutschen Renntage immer öder. Besserung scheint leider nicht in Sicht zu sein.



Montag, 25. Juni 2018
Ein Sonntag in Dortmund-Wambel


Guter Service: Die Leinwand in Dortmund

Degas gewinnt den 31. Großen Preis der Wirtschaft auf der Dortmunder Rennbahn. 28-mal davon war ich bei diesem Rennen dabei und auch diesmal live vor Ort. Einige Beobachtungen an einem Sonntagnachmittag.

Es gibt sie, die Oasen der Ruhe an einem Renntag. Zum Beispiel am Führring direkt nach einem Rennen, wenn die Pferde gerade von der Bahn kommen, die Leute entweder zum Absattelring laufen und/oder das Rennen diskutieren. Dann hat der Besucher den Platz fast alleine, hört sogar die Vögel zwitschern und vernimmt nur entfernte Geräusche von außen. Während 100 Meter weiter entfernt das Leben tobt.
So war es am Sonntag vor dem 31. Großen Preis der Dortmunder Wirtschaft. Ein Moment der Stille. Die ersten Pferde für die nächste Prüfung werden hereingeführt. Sonst passiert hier nichts. Das Geschehen spielt woanders: Der AS-Antriebs- und Systemtechnik-Preis, ein Ausgleich III über 2000 Meter, war gerade gelaufen. Elegant Maxime siegte soeben vor All About Me, ein Ergebnis mit Dortmunder Bezug: Das Pferd von Alt-Präsident Hans-Hugo Miebach (Elegant Maxime, Gestüt Wittekindshof) gegen das von Manfred Ostermann (All About Me, Gestüt Ittlingen). Oder Maschinenbau schlägt Möbelhandel.
Der Preis der Dortmunder Wirtschaft ist neben Sparkassen-Renntag an Himmelfahrt und St. Leger Mitte September das Aushängeschild des Dortmunder Turf Programms. Und solange sie diese Renntage noch veranstalten und nicht nur öde PMU-Ware an trüben Wintertagen auf der Sandbahn bieten, ist die Turf-Welt zumindest hier noch in Ordnung.
Die drei obigen Renntage sind eigentlich die einzigen, die ich seit Jahren in Deutschland live erlebe. Das hat einerseits gesundheitliche Gründe, andererseits gibt es England mit deutlich interessanteren Rennen. Ich habe ich mich in Sachen Rennsport zu so einer Art Couch-Potato entwickelt - leider. Lieber zuhause am PC gucken, ist doch deutlich komfortabler.

Bukowski las Zeitung
Jedenfalls habe ich zwischen den Rennen auf der Rennbahn auf einmal so etwas Langeweile. Weil eben 30 Minuten nichts passiert. Literat und Turf-Freund Charles Bukowski kannte das Problem auch, der hat immer zwischendurch die Los Angeles Times gelesen. Die muss früher am Wochenende auch ziemlich dick gewesen sein.
In Zeiten der Zeitungskrise ist das aber keine Alternative. So stehe ich am Führring, schaue mir die Pferde an. Das habe ich früher sehr intensiv gemacht, aber in Smartphone-Zeiten fehlt die Geduld. Zumal ich den Eindruck habe, dass in vergangener Zeit Pferde nicht so lange vor den Sattelboxen geführt wurden und früher in den Kreis kamen.
Auch sonst hat sich einiges verändert: Man trifft deutlich weniger bekannte Gesichter, dafür wird der Besucher permanent auf der Rennbahn akustisch unterhalten. Zwischen den Rennen wird viel erzählt: Uli Potofski macht Interviews mit Bekannten und Unbekannten, Sprecher Pan Krischbin informiert über die Pferde. Die beiden machen das professionell, aber manchmal könnte weniger mehr sein. Aber die dringend benötigten „neuen Zielgruppen“ wollen das wohl so.
Acht Euro Eintritt mit Programm sind ein fairer Preis, die Sport-Welt wird von diesem Koppelangebot nicht begeistert gewesen sein. Dadurch wird das Fachblatt auf der Bahn deutlich weniger verkauft. Das Rennprogramm sieht dick aus, ist voller Anzeigen der Dortmunder Wirtschaft. Da hätten die Verantwortlichen das Ganze auch noch mit ein wenig Inhalt füllen und neben Formen auch ein paar Tipps anbieten können.

Scharfe Bilder
Stark in Dortmund ist die Leinwand auf der Rennbahn, die gestochen scharfe Bilder liefert. Keiner guckt mehr auf das eigentliche Rennen, alle gucken auf die Übertragung. Und dann ist der Betrachter ganz verblüfft, wenn die Pferde live an einem vorbei laufen.
Ansonsten ist in Dortmund noch Improvisation gefragt, die Wetthalle ist immerhin verglast und hat Glastüren, aber abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht. Die Bahn ist gut gefüllt (5500 Zuschauer laut Dortmunder Rennverein), lange Schlangen vor den Wettschaltern sind mir nicht aufgefallen. Die Leute wetten ja angeblich nicht mehr.
Sportlich gab es mit Degas einen Sieger, den nicht nur ich übersehen habe. Der „ewige Zweite“ kam nach einem typischen Adrie de Vries-Ritt aus dem Hintertreffen. Wie schon in der letzten Woche in der Union mit Weltstar machte der Jockey das auch diesmal perfekt.
Die Pferde von Markus Klug haben gute Form derzeit, Manipur siegte im Ausgleich 2. In einem Rennen, indem die ersten vier Pferde quasi auf einer Linie endeten – so spannend kann der Sport sein.
Immerhin beendete Molly Sunshine meine derzeitige Treffer-Misere. Im Großen Preis lag ich aber mit Potemkin und Theo voll daneben. Wie das Leben so ist.



Das Siegerteam im Großen Preis von Dortmund mit Trainer Markus Klug, Degas und Jockey Adrie de Vries (Foto Dortmunder Rennverein)



Donnerstag, 14. Juni 2018
Salve Del Rio die Union-Empfehlung
Wer sich derzeit den Derby-Markt in Deutschland anschaut, der findet diesen auf den ersten Blick wenig attraktiv. Royal Youmzain heißt der klare Favorit, im Wettmarkt steht er entsprechend tief. Mal schauen, wie es nach dem Oppenheim Union-Rennen am Sonntag in Köln aussieht. In der wichtigsten Vorprüfung für das Hamburger Derby laufen einige Pferde, die Royal Youmzain zum Saisonauftakt geschlagen hat. Starter und Chancen in der Union.

1. Aldenham (Trainer Andreas Wöhler/Jockey Jozef Bojko): Beim dritten Start platzte der Knoten mit einem Sieg, aber danach in besserer Gesellschaft im Derby-Trial in Hannover noch ohne Möglichkeiten. In der Union ist es noch schwerer.

2. Ballydoyle (Trainer Stefan Richter/Jockey Stephen Hellyn): Gewann trotz Unreife ein Münchner Sieglosen-Rennen im Stile eines sehr guten Pferdes, überraschte dabei gewaltig und imponierte dem Stall Salzburg so sehr, dass dieser ihn kaufte. Nachgenannt für die Union, dort ist weitere Verbesserung notwendig. Diese sollte nach erst zwei Starts auch möglich sein. Der Braune galt in seinem Stall immer als Derbyhoffnung und es ist schön, dass der tüchtige Trainer Stefan Richter mal so eine Chance hat. Der Name Ballydoyle verpflichtet aber auch.

3. Destino (Trainer Markus Klug/Jockey Martin Seidl): Tolle Abstammung, Bruder von Dschingis Secret und Diana Storm. Zweijährig Sieger in Baden Baden, das Jahresdebüt in Hannover fiel eher enttäuschend aus. Das Fragezeichen im Rennen.

4. Ecco (Trainer Peter Schiergen/Jockey Andrasch Starke): Halbbruder des letztjährigen Derby-Zweiten Enjoy Vijay. Spätentwickler, der beim dritten Start eine letztlich leichte Aufgabe in Krefeld sehr souverän löste. Muss sich aber weiter steigern.

5. Emerald Master (Trainer Mario Hofer/Jockey Alexander Pietsch): Sehr starkes Jahresdebüt im Bavarian Classic als Dritter. Galt schon zweijährig als Steher im Stall, dem 1600 Meter zu kurz waren. Hochinteressanter Teilnehmer, der das Jahresdebüt noch steigern sollte und der ebenfalls von der längeren Distanz profitieren könnte.

6. Jimmu (Trainer Henk Grewe/Jockey Marc Lerner): Der Schimmel wurde im Bavarian Classic ziemlich unterschätzt und bot als Zweiter hinter Royal Youmzain eine tolle Leistung. Nach dieser Form sollte er auch in Köln gut laufen. Distanz wird passen, das Pferd von Henk Grewe könnte weitere Reserven haben. Emerald Master (3.) und Salve Del Rio (4.) sind wieder unter den Gegnern, die Abstände in München waren sehr knapp.

7. Klüngel (Trainer Markus Klug/Jockey Sibylle Vogt): Überraschte bei seinem Kölner Maidensieg gegen Sweet Man, Ecco und Puccini, doch danach ernüchternd schwach in Hannovers Derby-Trial. Außenseiter.



So war es 2014: Sea The Moon siegt in der Union und später dann auch im Hamburger Derby

8. Magic Pivotal (Trainer Andreas Wöhler/Jockey Eddie Pedroza): Erst der zweite Start im Leben. Das Debüt in München war ansprechend, aber gegen den Sieger Ballydoyle blieb er ohne Möglichkeiten. Es wäre eine große Leistung, wenn der Pivotal-Sohn ausgerechnet in der Union seine Maidenschaft ablegen würde.

9. Puccini (Trainer Jens Hirschberger/Jockey Jack Mitchell): Halbbruder der zwei Top-Pferde Pagella und Pemina, aber noch ohne Erfolg. Zuletzt Dritter in München hinter Ballydoyle und Magic Pivotal, bei zwei Starts aber deutlich geschlagen, schwer vorstellbar.

10. Salve Del Rio (Trainer Jean-Pierre Carvalho/Jockey Michael Cadeddu): Der Halbbruder der Salve Venezia (GAG 90,5 kg) fand als Vierter im Bavarian Classic noch gut ins Rennen und blieb nicht weit hinter Royal Youmzain, Jimmu und Emerald Master. Das war eine sehr ansprechende Leistung, die längere Distanz in Köln müsste ihm noch mehr liegen. Der Hengst war schon ein guter Zweijähriger.

11. Sweet Man (Trainer Jens Hirschberger/Jockey Filip Minarik): Nach drei Starts noch sieglos, aber brachte sich mit dem zweiter Platz in Hannovers Derby Trial ins Gespräch. Der Hirschberger-Schützling kam erst kaum durch den Bogen und zeigte dann ganz außen an den Rails viel Speed, ohne den Sieger Balmain zu erreichen. Ein weiteres Pferd mit Potenzial für mehr, aber so recht weiß ich die Form aus Hannover nicht einzuordnen.

12. Valajani (Trainer Markus Klug/Jockey Maxim Pecheur): Das zweite Platz im Grafenberger Derby Trial hinter dem sehr guten Alounak war auch ohne Siegchance eine ordentliche Leistung, danach aber Letzter im Bavarian Classic. Deshalb nur Außenseiter.

13. Weltstar (Trainer Markus Klug/Jockey Adrie de Vries): Der Vierte aus dem Mehl Mülhens-Rennen und Zweite aus dem Busch-Memorial. Lief immer gegen gute Pferde, die 2200 Meter-Distanz ist neu, sollte dem Halbbruder des Derbysiegers Windstoß aber liegen. Die Nummer Eins aus dem Klug-Quartier.

Urteil
Etablierte Pferde oder Aufsteiger? Zu ersteren zählen Jimmu, Emerald Master und Salve Del Rio, die Plätze zwei bis vier des Bavarian Classics. Zwischen diesen Kandidaten liegt nicht viel, ich entscheide mich für Salve Del Rio, der in München noch gut ins Rennen fand. Weltstar sollte auf passender Distanz laufen. Dann sind da noch jede Menge nicht erfasste Pferde, denen Steigerung zuzutrauen ist. Zum Beispiel Ecco, der nachgenannte Ballydoyle oder Sweet Man.



Freitag, 18. Mai 2018
Zaman setzt den Standard
Es ist das bekannte Spiel im Mehl-Mühlens-Rennen am Pfingstmontag in Köln-Weidenpesch. Starke ausländische Gäste treffen im ersten Klassiker der Saison, den deutschen 2000 Guineas, auf die einheimische Armada. Über die Meile mangelte es nie – im Gegensatz zum Derby – an ausländischen Teilnehmern. Schwere Aufgabe für Kronprinz, Weltstar, Julio und Freunde – Starter und Chancen im Mehl-Mülhens-Rennen 2018.

All for Arthur (Trainer Jean-Pierre Carvalho/Jockey Michael Cadeddu): Dritter im Busch-Memorial, schon deutlich hinter Kronprinz und Weltstar. Nach einem kleinen Schwächemoment fand der Hengst noch gut ins Rennen. Muss sich aber weiter steigern.

Ancient Spirit (Trainer Jean-Pierre Carvalho/Jockey Filip Minarik): Legte beim vierten Start Ende April seine Maidenschaft ab. Es war ein hauchdünner Sieg, aber die Pferde dahinter bestätigten die Form. Das Mehl-Mülhens-Rennen ist noch schwerer, größter Außenseiter im Feld.

Fajjaj (Trainer Hugo Palmer/Jockey Frankie Dettori): Verlor zuletzt überraschend als Favorit über 2000 Meter in Windsor, vielleicht war die Distanz dann doch zu weit. Zweijährig ein gutes Pferd mit Debütsieg in Ascot und Platz 4 in den Sumerville Stakes (Gruppe 3) in Newmarket. Diese Form wurde deutlich aufgewertet: der Sieger Elarqam wurde Dritter in den englischen 2000 Guineas, der Zweite Tip Two Win belegte dort sogar Platz 2. Das verspricht einiges, unterschätzen sollte man den Ritt von Frankie Dettori nicht.

Fighting Irish (Trainer Harry Dunlop/Jockey Ioritz Mendizabal): Zweijährig drei Erfolge bei sechs Starts, darunter ein Gruppe 2-Rennen in Maisons Laffitte gegen zwei Gegner. In diesem Jahr 5. in den Greenham Stakes über 1400 und 4. (aber disqualifiziert wegen zu wenig Gewicht) in Ascot (Gruppe 3) über 1200 Meter. In beiden Rennen wirkte der Camelot-Sohn nicht zwingend. Die 1600 Meter sind Neuland, aber als Nachkomme eines Stehers sollte ihm die Distanz entgegenkommen. Andere Kandidaten überzeugen aber mehr.



So war es vor drei Jahren: Karpino aus dem Quartier von Andreas Wöhler siegte überlegen. Leider hatte dieser so veranlagte Hengst danach wenig Glück.

Julio (Trainer Mario Hofer/Jockey Alexander Pietsch): Einer der besten Zweijährigen in Deutschland, gute dritte Plätze auf Gruppe 3-Ebene in Saint Cloud und Baden-Baden, dazu Siege in den Auktionsrennen in Köln und Baden-Baden. Jahresdebüt, sein Trainer Mario Hofer hält die Meile für die Maximal-Distanz. Aber ein Kandidat mit viel Galoppiervermögen, sehr gute Möglichkeiten, wenn er topfit ist.

Kronprinz (Trainer Peter Schiergen/Jockey Andrasch Starke): Sieger im Dr. Busch-Memorial in Krefeld, hatte dabei die besten Reserven gegen Weltstar, All for Arthur, Ninario und Wild Max, die er am Montag alle wiedertrifft. Auch zweijährig mit starken Leistungen in den Auktionsrennen in Düsseldorf (1.) und München (3.). Nachgenannt, chancenreich.

Ninario (Trainerin Yasmin Almenräder/Jockey Mickael Berto): Noch sieglos, aber lief schon gegen gute Gegner sehr passable Rennen. Auch die Vorstellung als Vierte im Busch-Memorial (knapp hinter All for Arthur) war nicht schlecht, ohne eine Siegchance zu haben. Vielleicht ist ja noch Luft nach oben.

Weltstar (Trainer Markus Klug/Jockey Adrie de Vries): Konnte als einziger Kronprinz im Dr. Busch-Memorial folgen. Nach seinem guten Debüt enttäuschte er im letztjährigen Krefelder Ratibor-Rennen auf sehr weichem Boden. Formumkehr gegen Kronprinz ist möglich, der Halbbruder des letztjährigen Derbysiegers Windstoß sollte mitmischen.

Wild Max (Trainer Andreas Wöhler/Jockey Jozef Bojko): Die letzte Form im Busch-Memorial war enttäuschend, aber der Hengst des Stalles Australia ist durch eine in der Startbox zugezogene Verletzung entschuldigt. Vorher gute Leistungen im Winterfavoriten (3.) und beim siegreichen Dortmunder Debüt. Pferd mit Potenzial nach oben, aber die Steigerung wird er in Köln auch brauchen.

Zaman (Trainer Charles Appleby/Jockey William Buick): Zweimal am Start zu Beginn des Jahres in Meydan, davon einmal siegreich und einmal Zweiter. Als Zweijähriger fünfmal gelaufen, unter anderem zweitplatziert in Goodwood (Gr.2) hinter Expert Eye (der die Vorschusslorbeeren bislang nicht einlöste). Auch Platz 4 (hinter Gustav Klimt) in den Superlative Stakes (Gr.2) in Newmarket liest sich gut. Die besten Formen im Feld, der Stall ist zudem in sehr guter Verfassung. Ein harter Brocken für alle, der Favorit.

Urteil
Zaman aus dem Godolphin-Quartier setzt den Standard. Da könnten die deutschen Pferde das Nachsehen haben. Nicht unterschätzten sollte man den englischen Gast Fajjaj, der einiges noch in Petto haben könnte. Von der heimischen Armada gefällt mir Julio am besten, es folgen Kronprinz, Weltstar und Wild Max, der die schwache Krefelder Form revidieren sollte.