BVB – Bayern, Teil 1: Wenn Teenager zu Helden werden
Die Wochenenden, an denen die Nationalmannschaft um die EM- oder WM-Qualifikation kickt, sind in meinen Augen immer richtig erholsam. Doch wenn sie vorbei sind, freue ich mich wieder auf den wöchentlichen Bundesliga-Stress. Zumal am nächsten Samstag einer der Kracher der Saison auf dem Papier steht: Der BVB erwartet den FC Bayern München. In der Niemeier-Ära, als der BVB mit den Bayern sportlich auf Augenhöhe war, habe ich die Münchener gehasst wie keinen anderen Verein. Das hat sich etwas gelegt; ich jubele nicht mehr so laut, wenn Bayern in der Champions League ein Gegentor kassiert. Dennoch bieten die Duelle BVB gegen FCB immer noch viel Brisanz. Ein Rückblick auf sechs denkwürdige Spiele in Dortmund. Die ersten drei Geschichten gibt es heute; Fortsetzung demnächst in diesem Theater.

12.8.1978: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0 (1:0), 46 402 Zuschauer
Heute undenkbar – das Spiel war nicht ausverkauft, nur 46 402 Zuschauer füllten das Westfalenstadion, das zu diesem Zeitpunkt ein Fassungsvermögen von 54 000 Plätzen hatte. Aber das war Ende der siebziger Jahre, eine Zeit, in der der Fußball immer unansehnlicher wurde. Vielleicht waren manche Fans auch noch sauer auf das blamable 0:12 in Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag der Saison 77/78. Dortmund gewann an diesem ersten Spieltag 1:0 durch ein Tor von Manni Burgsmüller nach 32 Minuten, in Erinnerung blieb mir aber das phänomenale Debüt des damals 17jährigen Eike Immel im BVB-Tor, der die Bayern-Stürmer um den großen Gerd Müller zur Verzweiflung brachte. Doch Immel wurde später nach schwächeren Spielen wieder vom eigentlichen Stammkeeper Horst Bertram abgelöst, erst in der Saison danach wurde er die Nummer 1 im Dortmunder Gehäuse, später dann Nationalkeeper und endete dann irgendwann im Dschungel-Camp von RTL. Neben Immel und Burgsmüller kickten bei Borussia noch Spieler wie Huber, Theis, Segler oder Geyer. Beim Gast aus München ging die große Ära der Maier, Müller, Schwarzenbeck oder Hoeneß so langsam zu Ende, Franz Beckenbauer hatte den Verein schon 1977 in Richtung Cosmos New York verlassen.

1.8.1987: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:3 (0:1), 49 104 Zuschauer
Und auch neun Jahre später konnte man bei Gastspielen des FC Bayern noch problemlos seine Karte direkt vor dem Spiel erwerben, denn auch das 87-Gastpiel der Münchener war nicht ausverkauft. Im Stadion trugen fast nur Hardcore-Fans auf den Stehplätzen Trikot. Auf den Sitzplätzen sah man Fanfarben fast gar nicht, hier dominierte die „Nörgel-Fraktion“, die nur bei Erfolgen jubelte. Nach Jahren des sportlichen Niedergangs war die Saison 1986/1987 aus BVB-Sicht ein echter Hoffnungsschimmer, denn unter Trainer Reinhard Saftig qualifizierte sich das Team überraschend für den UEFA-Cup. So starteten die Westfalen mit viel Euphorie in die neue Runde – doch gegen den abgezockten Meister aus München gab es einen ersten Dämpfer. 3:1 gewannen die Bayern nach Toren von Michael Rummenigge, Roland Wohlfahrt und Lars Lunde, Frank Mill traf zum zwischenzeitlichen 1:2. Bei allen drei Toren sah BVB-Keeper „Teddy“ de Beer nicht besonders glücklich aus. Am Ende sicherte sich der BVB erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt, der FC Bayern aber in seiner ersten Saison unter Jupp Heynckes verpasste die Meisterschaft. Der Titel ging nach Bremen.

18.03.1998: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0 n.V (0:0, 0:0), Champions League-Viertelfinale, 48 500 Zuschauer
Es war das Jahr nach Ottmar Hitzfeld, der nach dem Triumph in der Champions League – und das ausgerechnet im Münchener Olympiastadion – den Trainerposten aufgab und BVB-Sportdirektor wurde. Der neue Dortmunder Trainer hieß Nevio Scala und mit ihm spielte Borussia eine enttäuschende Bundesliga-Saison. Die Helden von München waren in die Jahre gekommen und Einkäufe wie Harry Decheiver oder Manfred Binz halfen der Mannschaft auch nicht recht weiter. Nur in der Champions League konnte der BVB überzeugen. Im Viertelfinale traf man auf den alten Rivalen aus München, im Hinspiel erreichte Dortmunder mit sehr viel Glück ein torloses Unentschieden. Im Rückspiel lebte der alte Geist wieder auf, im Stadion herrschte die berühmte Gänsehaut-Atmosphäre, weil nicht nur die Süd, sondern alle Tribünen (bis auf die Bayern-Fans auf der Nord) das Team frenetisch unterstützte. Stephane Chapuisat erzielte in der 109. Minute das goldene Tor, das zum Weiterkommen reichte. Im Halbfinale war dann aber Real Madrid Endstation.
Bayern wurde zu dieser Zeit von Giovanni Trappatoni trainiert und der hatte kurz vorher seine berühmte Wutrede („was erlauben Strunz“) gehalten. Und besagter Thomas Strunz musste sich lange Zeit vor der Südtribüne warmlaufen. Es war ein wahres Spießrutenlaufen.