Wenn „Unverlierbare“ beinahe verlieren
Das Wort klingt fast so bescheuert wie „unabsteigbar“, wie sich der Fahrstuhl-Club aus Bochum jahrelang vor dem ersten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bezeichnete. „Unverlierbar“ ist ein ähnliches Wortungetüm – im Ruhrgebiet allerdings bei Pferdewettern eine beliebte Vokabel.
„Ich habe zwei Unverlierbare für Haydock“, erzählte mir am Samstag ein Bekannter. „Unverlierbare Pferde gibt es nicht“, antworte ich dann immer. Nichtsdestotrotz sagt er mir jedes Mal, wenn ich ihn sehe, welche Pferde heute nicht verlieren können.
Kauto Star und Diamond Harry sind seine Tipps für die samstäglichen Hindernisrennen im englischen Haydock. Für beide Pferde gibt es Pro und Contra.
Kauto Star zum Beispiel: Der Wallach gewann in der letzten National Hunt-Saison das King George und den Cheltenham Gold Cup, die zwei besten Jagdrennen über die längeren Distanzen. Das Pferd aus dem Stall von Trainer Paul Nicholls war eindeutig das überragende Pferd über die schweren Sprünge. Wenn es nach Leistungsfähigkeit und Klasse geht, sollte er in der Betfair Chase nicht zu schlagen sein.
Aber es ist sein Jahresdebüt, seine Top-Form soll er erst beim King George in Kempton am zweiten Weihnachtstag haben. Im letzten Jahr schickte er in der Betfair Chase seinen Jockey Sam Thomas, der damals den verletzten Ruby Walsh ersetzte, zu Boden, war zu diesem Zeitpunkt aber schon von Snoopy Loopy geschlagen – einen Gegner, den Kauto Star von zehn Aufeinandertreffen neun Mal besiegt hätte,

Zielfoto
Und Diamond Harry war im vergangenen Jahr einer der besten Novice-Hürdler, seine einzige Niederlage kassierte er in der Ballymore Novice Hurdle während des Cheltenham-Festivals. Und dort enttäuschte er auch als Dritter nicht, davor blieb er sechs Mal ungeschlagen. Mit Sicherheit also ein Pferd mit viel Potenzial, doch das Timeform Betfair Racing Club „Fixed Brush“ Handicap Hurdle ist ein megaschweres Handicap mit vielen chancenreichen Gegnern. Dazu trägt er Höchstgewicht; zudem wette ich keinen Favoriten zum Kurs von 55:10 in einem nach Papierform völlig offenen Rennen.
Ich hätte mal lieber auf den Kollegen hören sollen: Diamond Harry siegte, ohne groß gefordert zu werden und lief wie ein Pferd, dass noch viel mehr im Tank hat. Die Quote von 55 war angesichts dieser Überlegenheit viel Geld.
Kauto Star ließ seine Anhänger hingegen zittern: Denn der Außenseiter Imperial Commander aus dem Stall von Nigel Twiston-Davies lieferte zähe Gegenwehr. Im Ziel hatte Kauto Star hauchdünn die Nase vorn. Es war eines dieser Rennen, die die ganze Faszination des Hindernissports zeigen, wenn Pferde der Extra-Klasse aufeinander treffen.
Auf den ersten Blick sah es so aus, dass Imperial Commander gewonnen hat. Der Sprecher von Racing International meinte dies auch – und die liegen bei knappen Zielfotos fast immer richtig. Aber diesmal waren sie auf der falschen Spur – der „Unverlierbare“ hatte hauchdünn gewonnen.
Gibt es sie also, die Pferde, die nicht verlieren können? Natürlich nicht – siehe letzten Samstag, als der grandiose Well Chief den 15:10-Favoriten Master Minded in Cheltenham schlug.