Donnerstag, 15. September 2011
Leger-Triumph für Rosello
„Es ist ein fantastisches Rennen, in dem es kaum schlechte Rennverläufe gibt. Nach 2800 Metern hat in der Regel das beste Pferd gewonnen.“ Eine etwas holprige Übersetzung (hard luck stories klingt im Original eben viel spannender als schlechte Rennverläufe) der Worte des englischen Trainers John Gosden, die allerdings den Kern des St. Legers gut treffen. Gosden feierte in der letzten Woche ein bemerkenswertes Double: Mit Masked Marvel(dem Tipp dieser Kolumne) gewann er das englische St. Leger, mit Lugano triumphierte er fast zeitgleich im irischen Pendant auf der Curragh. Dort allerdings gab es nach 2800 Metern ein totes Rennen mit dem auch in Deutschland bestens bekannten Jukebox Jury aus dem Mark Johnston-Stall.
Ich bin ein Freund des St. Legers, dessen deutsche Variante am Sonntag auf der Galopprennbahn in Dortmund ansteht. Das Rennen mag zwar im Prestige weit hinten stehen und schon lange nicht mehr die besten Vertreter des Jahrgangs anziehen, aber Gosden hat recht: Es gewinnt in der Regel das beste Pferd an diesem Tag. Und Steher wie Yeats oder Persian Punch zählten in England zu den populärsten Flachpferden.
In Deutschland ist – im Gegensatz zu England – das Rennen auch für ältere Pferde offen, drei Dreijährige sind dabei. Auf dem Papier sollte der englische Gast Fox Hunt in der Favoritenrolle stehen, doch es gibt einige Opposition. Die Starter in der Einzelanalyse.

Die älteren Pferde
Altano: Sehr formbeständiger Wallach, der sich durch die Handicaps nach oben gekämpft hat, Steherdistanzen mag und auch mit fünf Jahren noch Reserven haben könnte. Die letzte Siegform aus Frankreich kann ich schwer einschätzen; der Zweite Angolaner – einst in Deutschland trainiert – gewann einige gutdotierte Handicaps, war davor hinter Lacateno.

Dawn Twister: Die Stallform im Hirschberger-Stall hat deutlich angezogen, zuletzt gab es unter anderem in Düsseldorf zwei beeindruckende Siege in guten Rennen. Weicher oder schwerer Boden wäre für Dawn Twister nicht schlecht, zuletzt war er im Gruppe 1-Rheinland-Pokal in Köln erstaunlich stark gewettet. In Deauville endete er hinter Lacateno, aber war von diesem nicht so weit entfernt.

Earlsalsa: In Bestform durchaus möglich, in Hamburg aber chancenlos gegen Lacateno. Aber besonders Platz 2 im Badener Oleander Rennen im Mai hinter Tres Rock Danon war stark.

Fox Hunt: Sehr formbeständiger Wallach aus dem Quartier von Mark Johnston, der unter anderem in zwei guten Handicaps über 2400 Meter in Ascot und Epsom erfolgreich war. Seine bislang beste Leistung zeigte der Wallach aber im Goodwood Cup über die Leger-Distanz, als er etwas mehr aus der Reserve geritten wurde und noch gut ins Rennen fand. Es ist schon der zehnte Saisonstart, zuletzt im Ebor Handicap in York war Fox Hunt ohne große Möglichkeiten.

Lacateno: Einer von zwei Startern aus dem Quartier von Waldemar Hickst. In diesem Jahr über die langen Wege weiter gesteigert, zuletzt guter Zweiter in einem französischen Listenrennen. Der Sieger Terre Du Vent bestätigte diese Form danach durchaus, ohne zu gewinnen. Auch die Hamburger Siegform im Jungheinrich-Preis in Hamburg sieht ganz gut aus. Dort war der Hengst unter anderem vor Earlsalsa.


Ein Blick zurück ins Jahr 2000: Moonlady mit Kevin Woodburn heißt die überlegene Siegerin. Und der Dortmunder Rasen sieht aus wie frisch gemäht...

Dreijährige Starter
Aviator: Erst vier Mal am Start, noch nie über 2800 Meter gelaufen. Die beste Form war Platz 3 in einem Kölner Listenrennen, muss sich steigern.

Fair Boss: Gefiel durch einen guten Schlussakkord hinter Rosello in Baden-Baden. Bislang auch wenig geprüft, an eine Formumkehr gegen Rosello glaube ich aber nicht.

Rosello: Frontrenner, der mich bei seinem Sieg in einem Listenrennen in Baden-Baden richtig beeindruckt hat. Weil er dort wie ein Steher lief, der noch einiges im Tank haben dürfte und Fair Boss deutlich beherrschte. Eine Geschichte über Rosello und sein Team lesen Sie hier.

Urteil
Eine offene Angelegenheit: Aber Rosello hat deutliche Gewichtsvorteile, kann vorne einen guten Strich gehen und könnte seinem engagierten Team einen ersten klassischen Treffer bescheren. Danach gefällt mir Dawn Twister - besonders bei weichem Boden - am besten. Hinter dem Favoriten Fox Hunt liegt eine harte Saison, schon in York fand ich ihn nicht besonders frisch.