„Fast schon Freiwild“ – Gewalt im Amateurfußball
Die tödliche Attacke auf den niederländischen Linienrichter erregt auch in Deutschland die Gemüter. Gewalt im Amateurfußball – ob gegen Schiedsrichter, Gegenspieler, Zuschauer oder Mitspieler – ist in Deutschland schon seit Jahren ein Thema.
Erst einmal ein paar Lesetipps: Die Aggression habe zugenommen, sagt etwa der Hamburger Schiedsrichter Ralph Vollmers in einem Video für die Zeit und kritisiert unter anderem die schlechten Vorbilder aus der Bundesliga.
Oftmals führen Schwierigkeiten im sozialen Umfeld zur Katastrophe. „Aber Fußball mit seiner Konfliktkonstellation von zwei sich gegenüberstehenden Mannschaften kann da als Beschleuniger auftreten“, sagte der Pädagoge und Gewaltforscher Martin Winands von der Universität Bielefeld den Ruhr-Nachrichten.
Im Fußballkreis Dortmund gab es 2012 bislang 52 Verfahren nach Angriffen gegen den Unparteiischen. Desto niedriger die Spielklasse, desto größer werden die Probleme.
Die Ruhr-Nachrichten haben zudem ein Porträt eines Nachwuchs-Schiedsrichters im Blatt. Seit drei Jahren pfeift Adrian Zaworski auf Dortmunds Sportplätzen. Noch ist er gerne Schiedsrichter, allerdings sagt er: „Man wird immer öfter angepöbelt, obwohl man nur gutes will.“ Und noch eine Erfahrung hat der Zwanzigjährige gemacht: „Im unteren Bereich ist man häufig schutzlos, fast schon Freiwild.“

Beobachtungen
Inzwischen habe ich vor Schiedsrichtern im Amateurfußball den größten Respekt. Wer ist so „blöd“, stellt sich bei Wind und Wetter für ein Taschengeld auf einen Sportplatz, lässt sich von jedem beschimpfen und versaut sich damit sein Wochenende? Gut, ganz so schlimm ist es nicht immer, es gibt auch viele Mannschaften und Zuschauer, die in Ordnung sind, aber irgendwie hat der Schiri den Deppenjob.
Wer beim nächsten Mal schimpft, der sollte mal selbst ein Spiel pfeifen. Und dann wird er sich wundern, wie schwer es ist, ohne Linienrichter eine Abseitsentscheidung zu treffen. Zumal wenn die eine Mannschaft permanent Abseits schreit, die andere hingegen dauernd "kein Abseits" proklamiert.
Ich schaue so im Jahr mehr als 50 Amateurspiele von der Westfalenliga bis zur Kreisliga, habe selber jahrelang in Dortmund und Umgebung aktiv gespielt und finde auch, dass die Aggression in den letzten Jahren zugenommen hat. Früher war es manchmal etwas heftig, fuhr man zu manchen Gegnern höchst ungern, aber die Situation eskalierte in der Regel nicht. Ich hatte nur ein einziges Mal Angst um meine Gesundheit, einen Spielabbruch habe ich nie erlebt.
In den letzten Jahren habe ich drei Spielabbrüche mitbekommen – aus unterschiedlichsten Gründen. Und man ist kein Rassist, wenn man sagt, dass sehr häufig Mannschaften mit Migrationshintergrund beteiligt sind. Multi-Kulti ist im Fußball nicht immer ein positiver Begriff. Und der Fußball kann auch keine gesellschaftlichen Probleme lösen.