Samstag, 18. Mai 2019
Noble Moon ein mutiger Tipp
Ganz neue Konstellation im Mehl-Mülhens-Rennen, den Deutschen 2000 Guineas: Nur drei deutsche Pferde rücken am Sonntag in Köln in die Boxen, hinzukommen sechs Starter aus England und je einer aus Frankreich und Irland. Das zeigt einerseits die Krise im deutschen Turf, andererseits reiten auch nicht jeden Tag Leute wie Oisin Murphy, Joe Fanning oder Gérald Mossé in unserem Land. Der Klassiker ist zudem 2019 eine ziemlich kniffelige Anlegenheit. Starter und Chancen.

1. Arctic Sound (Trainer Mark Johnston/Jockey Joe Fanning): Wie viele Pferde von Mark Johnston zweijährig fleißig und erfolgreich: Vier Siege bei sechs Starts. Gruppe-3-Sieger aus Newmarket über 1400 Meter, als er mit Speed und Ausdauer gefiel. Beim Saisondebüt im European Free Handicap aber nur anfänglich gut dabei. Diese Form sollte er steigern können, Joe Fanning im Sattel ist ein weiteres Plus.

2. Fox Champion (Trainer Richard Hannon/Jockey Oisin Murphy): Von Rennen zu Rennen verbesserter Kodiac-Sohn, drei Siege bei vier Starts, zuletzt erfolgreich in einem Conditions-Stakes in Newmarket. Jetzt wird ein weiterer Sprung verlangt, das Potenzial könnte er haben. Erster Versuch über 1600 Meter, die Distanz sollte er können. Frontrenner.

3. Global Spectrum (Trainer Gay Kelleway/Jockey Gérald Mossé): Drei Erfolge bei vier Starts, Höhepunkt war der Sieg in der Al Biddah Mile (Gruppe 2). Die Form ist schwer einzuschätzen, chancenlos in starker Konkurrenz in den Craven Stakes in Newmarket.

4. Great Scot (Trainer Tom Dascombe/Jockey Richard Kingscote): Nach Vorformen der stärkste Gast. Zwar „nur“ Platz 9 in den englischen 2000 Guineas, aber gar nicht so weit geschlagen auf der „falschen“ Seite. Zum Saisonauftakt guter Zweiter in den Greenham Stakes und auch zweijährig mit starken Leistungen in sehr starker Gesellschaft. Kann manchmal laut Racing Post ein wenig nervig sein, pullte etwa Anfangs ziemlich hart in den Greenham Stakes.



Die Greenham Stakes 2019 in Newbury: Great Scot wird Zweiter.

5. Marie’s Diamond (Trainer Mark Johnston/Jockey P.J. McDonald): Zweiter Starter aus dem Quartier von Mark Johnston. Bereits elf Lebensstarts, neun davon als Youngster. Zweijährig mit guten Formen, unter anderem Gruppesieger in The Curragh und Zweiter in den Richmond Stakes in Goodwood (Gr.2). Alles über kürzere Distanzen, beim ersten Versuch über 1600 Meile Vierter in einem Listenrennen in Newcastle. Andere Kandidaten überzeugen mehr.

6. Noble Moon (Trainer Peter Schiergen/Jockey Andrasch Starke): Der Winterfavorit, zweijährig in zwei Starts unbesiegt. Platz 5 im Krefelder Busch-Memorial war ein wenig enttäuschend, allerdings hatte er auch ein schlechtes Rennen und kam erst spät richtig in Schwung. Nach der Winterfavorit-Form aber ein echter Prüfstein für die Gäste. Viele Pferde aus dem Peter Schiergen-Stall zeigen sich zudem beim zweiten Saisonstart deutlich verbessert.

7. Pogo (Trainer Charles Hills/Jockey Franck Blondel): Auch schon der elfte Start im Leben. Zuletzt Überraschungssieger in einem Class 2-Handicap, lief vorher oft in guter Gesellschaft und schlug sich manchmal ganz achtbar. Solider Kandidat, aber ohne große Empfehlungen.

8. Revelstoke (Trainer Andreas Wöhler/Jockey Bauyrzhan Murzabayev): Talentiertes Pferd aus dem Wöhler-Quartier, das zweijährig Gruppeplatziert in Italien war. Ordentlicher erster Saisonsieg in Mülheim, jetzt heißt es Farbe bekennen. Mit Sicherheit noch weiteres Potenzial nach oben, sehr interessant.

9. Sibelius (Trainer Markus Klug/Jockey Adrie de Vries): Von den heimischen Startern das Pferd mit der größten Erfahrung. Ganz ordentliche Formen in guter Gesellschaft und auch Platz 4 im Busch-Memorial war passabel. Dennoch fehlt das letzte Stück Klasse – Außenseiter.

10. Wargrave (Trainer J.A Stack/Jockey Jamie Spencer): Irischer Gast, der im sechsten Versuch in Naas im März erstmals siegte. Aber immerhin oft platziert, unter anderem in einem Listenrennen. Platz 4 im Guineas-Trial in Leopardstown war ok. Wäre dennoch eine Überraschung.

11. Lady Te (Trainer Carin Fey/Jockey Alexis Badel): Tertulian-Tochter aus dem Quartier von Carina Fey in Chantilly. Platz 3 in einem Gruppe 3-Rennen in Longchamp ist eine Empfehlung, vorher oft über längere Strecken in Altersgewichtsrennen und Handicaps unterwegs. Außenseiterin, aber nicht hoffnungslos.

Urteil
Great Scot, Arctic Sound und Fox Champion sind starke ausländische Gäste, die alle gute Chancen anmelden. Doch der Winterfavorit Noble Moon ist besser als die Krefelder Form, sein Erfolg gegen den aktuellen Derby-Favoriten Django Freeman war große Klasse. Revelstoke ist ein Pferd mit offenbar viel Talent. Er wird sich weiter verbessern.



Mittwoch, 15. Mai 2019
Deutsche Starter ohne Chance
So richtig rund läuft es bislang nicht für die deutschen Pferde in den Top-Rennen des Wochenendes. Wenn ausländische Gäste da sind, siegen sie auch meist. Auch wenn deren Form nicht besonders aufregend erscheint – siehe am Wochenende Raa Atoll im Oleander-Rennen in Hoppegarten. Oder am Sonntag davor French King im Carl Jaspers-Preis (Gruppe 2) in Köln. Ergebnisse, die doch ein wenig ernüchtern – bezogen auf die Qualität der einheimischen Armada.

Am Sonntag in Hoppegarten gab es sogar einen irischen Doppelerfolg. Aber nicht der hohe Favorit Thomas Hobson aus dem irischen Hindernis-Champion-Quartier von Willie Mullins machte das Rennen, sondern der Außenseiter Raa Atoll aus dem Stall von Luke Comer. Es war der erste Start für den irischen Trainer, der in den letzten Jahren mit seinen wenigen Startern wenig erfolgreich war und einigen Ärger hatte. Aber der Mann ist ja eigentlich Immobilienentwickler und gemeinsam mit seinem Bruder Brian Inhaber der Comer Group. In Irland sponsert die Gruppe einige große Steherprüfungen wie das St. Leger. Jetzt unterstützen sie auch das Oleander Rennen und da macht es sich natürlich gut, wenn der Sieger aus dem eigenen Stall kommt.
Im Sattel saß nicht ein eingeflogener Mann von der Insel, sondern Jozef Bojko, Jockey am Start von Andreas Wöhler. Der servierte Raa Atoll ein taktisch gutes Rennen aus dem Vordertreffen und hatte auch den Angriff des Favoriten immer unter Kontrolle. Der Sieger war im letzten Jahr bei John Gosden im Training, beste Form war Rang 4 in den King Edward Stakes während Royal Ascot. Beim letzten Start für Gosden war er allerdings abgeschlagener Letzter in einem Gruppe 2-Rennen in Newmarket.
Eigentlich war Thomas Hobson nach Formen das zu schlagende Pferd: Sieger im September im Doncaster Cup, zum Saisonschluss Zweiter hinter dem besten englischer Steher Stradivarius in Ascot – das waren schon handfeste Referenzen aus den Top-Marathonprüfungen in England.
Von den deutschen Startern lieferte der unverwüstliche Moonshiner noch die beste Leistung als Dritter, hochgehandelte Pferde wie Nikkei oder Ernesto erfüllten nicht die Erwartungen. Aber die deutsche Steher-Spitze ist quantitativ relativ klein, da überraschte ein ausländischer Erfolg nicht völlig.

Mal wieder Pantall
Wie French King allerdings die deutsche 2400-Meter-Elite vor gut einer Woche im Kölner Carl Jaspers-Rennen (dem ehemaligen Gerling-Preis) beherrschte, gab schon eher zu bedenken. Zugegeben, im Sattel saß der großartige Olivier Peslier und Trainer Henri-Alex Pantall ist ein Meister darin, für seine Pferde das passende Rennen in Deutschland zu finden. Der Gewinner hatte zwar zuletzt eine gutdotierte Prüfung in Doha gewonnen und dabei unter anderem Hunting Horn (nicht gerade ein Top-Pferd aus dem Aidan 0’Brien-Stall) besiegt. Vorher war er in französischen Listenrennen in der Provinz höchstens platziert.
Es war zum Schluss zwar nur eine dreiviertel Länge Vorsprung, aber es waren viele deutsche Pferde unterwegs, die in dieser Saison ihr Glück in den besten deutschen Prüfungen über längere Strecken versuchen werden. Leider macht sich hier bemerkbar, dass gute Pferde verkauft wurden und nun ihr Glück in Australien oder Hongkong versuchen.
Am nächsten Sonntag könnte es die nächste Schlappe für die heimischen Galopper geben. Das Mehl- Mülhens-Rennen in Köln über 1600 Meter, die deutschen 2000 Guineas, steht an und da werden starke Gäste aus England, Irland und Frankreich in die Startboxen rücken. Zwar nicht die Elite, aber die gute zweite Wahl. Und das reicht leider häufig über die Meile gegen die deutschen Pferde, zumal in diesem Jahr nur drei einheimische Starter laufen werden. Seit 2010 gab es fünf englische Erfolge, immerhin behielten in den letzten zwei Jahren dank Ancient Spirit und Poetic Dream hier trainierte Pferde die Oberhand. Und Henri-Alex Pantall hat immerhin kein Pferd am Start.



Mittwoch, 8. Mai 2019
Die nächste magische Klopp-Nacht
Altere Erinnerungen wurden wieder wach. Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp und der FC Liverpool haben ein 0:3 gedreht und 4:0 gewonnen. Nicht gegen irgendwen im Halbfinale der Champions League, sondern gegen den FC Barcelona. Einer der besten Mannschaften Europas mit Superspielern wie Messi, Suarez, Jordi Alba, Ter Stegen oder Busquets.

Der große Motivator Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel erstmal seine Spieler. „Es war wirklich schwierig gegen uns zu spielen mit dieser Mischung aus großem Herz und fußballerischer Qualität. Das war wunderbar.“ Er habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, dass es eigentlich nicht möglich sei, aber weil sie die „Mentalitäten von Giganten haben“, sei es doch möglich.
Es war ganz großes Kino mit einem Geniestreich vor dem 4:0, als Trent Alexander-Arnold vor einer Ecke den freien Divock Origi sah, diesen schnell anspielte und der unbehelligt von der unsortierten Barca-Abwehr einschoss. So ein Tor habe ich zuletzt in der Kreisliga gesehen, aber da stand es schon 6:0 und der Gegner hatte den Widerstand aufgegeben.



You never walk alone – Liverpool feierte sein Team frenetisch nach dem Sieg gegen Barcelona. Ein Abend, den keiner so schnell vergisst.

Der Doppel-Torschütze Origi wäre im letzten Jahr beinahe noch mit Wolfsburg abgestiegen, die Leihgabe des FC Liverpool machte in der Bundesliga eine eher traurige Figur. Eigentlich spielte er nur, weil die Stammspieler Roberto Firmino und Mohamed Salah verletzt ausfielen. Und Georgino Wijnaldum, der andere zweifache Torschütze, kam in der Pause für den verletzten Andrew Robertson. So schnell geht das im Fußball.

Alte englische Tugenden
„Liverpools Wucht zeigte Barcelona, dass gutes Passspiel alleine nicht ausreicht“, schrieb Jonathan Wilson im Guardian. Klopps Team zeigte alte englische Tugenden wie Physis und Tempo, um ein „dekadentes Barcelona“ zu schlagen.
Na ja, jedenfalls fühlte sich der Kolumnist an große BVB-Tage unter Jürgen Klopps Führung erinnert. Da gab es auch diese magische Momente – in der Champions League gegen Malaga oder Real Madrid, in der Bundesliga gegen Bayern München. Klopp schaffte es immer wieder, seine Mannschaft auf den Punkt genau vorzubereiten.
Hätte ein BVB-Team unter Trainer Jürgen Klopp einen Neun-Punkte-Vorsprung verspielt? Ich glaube nein. Aber glauben heißt nicht wissen. Lucien Favre hat viele Qualitäten, aber ein Motivator ist er nicht unbedingt. Zumindest war er das nicht in der Rückrunde.