Große Niederlagen des FC Bayern: Ajax Amsterdam 1973 0:4
Heute abend spielt der souveräne neue Deutsche Meister FC Bayern München bei Manchester United und ist dort klarer Favorit. Denn der englische Renommierclub schwächelt gewaltig im ersten Jahr nach der Managerlegende Alex Ferguson. Auch dem einstigen Dortmunder Shinji Kagawa ist in Manchester die Leichtigkeit abhanden gekommen.
Eine gewisse Leichtigkeit durchzog in den siebziger Jahren auch das Spiel von Ajax Amsterdam. Amsterdam war in dieser Zeit eine Hochburg der europäischen Hippie-Kultur und der Ajax-Fußball hatte in dieser Zeit etwas Beschwingtes. Ajax spielte offensiv, ließ Ball und Gegner laufen und bewies eindrucksvoll, dass Fußball und Kreativität keine Gegensätze sein müssen.
1971, 1972 und 1973 gewann die Mannschaft den damaligen Europapokal der Landesmeister und dominierte damit den europäischen Fußball. Es war eine großartige Truppe mit dem Lenker Johann Cruyff und anderen Top-Leuten wie Johan Neeskens, Ruud Krol, Wim Suurbier, Arie Haan oder dem deutschen Libero Horst Blankenburg.
Zwei Tore von Arie Haan
So fuhren die Münchner Bayern eher als Außenseiter nach Amsterdam zum Viertelfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister. Dabei hatten sie auch eine sehr starke Mannschaft, die in der Bundesliga souverän auf Platz 1 stand. Zudem stellten die Bayern mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Torjäger Gerd Müller das Gerüst des Europameisters von 1972. Dieses Team halten viele Fachleute für die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten.
30 Minuten hatte der FC Bayern an diesem 7. März das Spiel gut im Griff. Von der vielgelobten Ajax-Offensive war wenig zu sehen, der vielgelobte Johan Cruyff wurde von Franz „Bulle“ Roth erst einmal in Manndeckung genommen und blieb wirkungslos. Bayern legte die Ajax-Schaltstellen lahm und kombinierte durchaus mutig nach vorne.
Doch nach etwa 30 Minuten hatten sich die Niederländer frei gespielt, der Druck wurde größer. In Halbzeit 2 verschärfte Ajax noch mal das Tempo, das 4:0 durch Tore von Arie Haan (zweimal, 53. und 69.), Gerrie Mühren (66.) und Johan Cruyff (89.) fiel zwar etwas hoch aus, war aber verdient. Bei zwei der Amsterdamer Tore sah Sepp Maier nicht gut aus, in Deutschland wurde intensiv über die
Formschwäche der selbsternannten „Katze von Anzing“ diskutiert.
Das Rückspiel gewannen die Bayern noch 2:1, aber das war nur noch Kosmetik. Der deutsche Meister war draußen, erst in den nächsten Jahren folgten die Triumphe im auch damals schon wichtigsten Europapokal.
Die
Spieldaten
Das Spiel in voller Länge gibt es
hier
Das Grand National 1967
Diese Kolumne feiert Geburtstag: Fünf Jahre mache ich jetzt
nurpferdeundfussball, fünf Jahre ein unverfälschter Blick auf Fußball und Turf. „
Brot und Spiele“ habe ich am ersten Tag versprochen – und davon gab es reichlich. Ich gebe zu, dass es in Sachen Galopprennen ziemlich Hindernissport- und England-lastig zugeht, verspreche aber keine Besserung.
Und natürlich spielt das Grand National in Aintree bei Liverpool eine wichtige Rolle. Einer meiner
ersten Beiträge 2009 beschäftigte sich mit dieser berühmt-berüchtigten Prüfung. Ich sehe das Rennen immer noch durchaus kritisch, nichtsdestotrotz empfehle ich jedem, einmal das National-Wochenende auf der Insel zu verbringen. Weil man sich als Deutscher gar nicht vorstellen kann, dass ein Rennen unserer Randsportart so einen Stellenwert einnimmt. Hinfahren und staunen.
Einen Sieger habe ich im National auch noch nicht getroffen, aber entscheidend ist doch, dass Reiter und Pferde gesund aus dem Rennen kommen.
Und zum Geburtstag gibt es ein Grand National aus dem Jahr 1967 (oben) mit dem Triumph des Außenseiters
Foinavon und eines aus dem Jahr 1956 (unten), in dem ein Pferd mit dem Namen
Devon Loch und der spätere Krimiautoren Dick Francis die Hauptfiguren sind.
Das Grand National 1956. Man beachte die Musik.
Am Dienstag ist wieder Derby-Zeit, besser gesagt: Zeit des Revierderbys. Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 – in Deutschland ist es für viele das Derby überhaupt und steht auf einer Stufe mit dem Glasgower Stadtduell Rangers gegen Celtic. Oder Fenerbahce gegen Galatasary in Istanbul/Türkei. Oder River Plate und Boca Juniors in Buenos Aires/ Argentinien. Ein Portrait des FC Schalke 04.
Manchmal sagen mir andere BVB-Fans, dass ich kein richtiger Anhänger unserer schwarz-gelben Götter sei. Denn das Derby gegen den FC Schalke 04 hat für mich nicht diese herausragende Bedeutung. Ich freue mich zwar über Erfolge gegen den Erzrivalen, aber der Fanatismus und diese (in den letzten Jahren wieder gestiegene) Aggressivität nerven mich. Und Niederlagen gegen den FC Bayern München quälen mich eher.
Das mag auch daran liegen, dass ich im Sauerland aufgewachsen bin, wo die meisten in den siebziger Jahren Schalke und Bayern unterstützten. Dortmund spielte hingegen eine untergeordnete Rolle im Kopf der Sauerländer Heranwachsenden, weil der Club zu dieser Zeit in der zweitklassigen Regionalliga kickte. Heute allerdings hat der BVB auch im Sauerland viele Anhänger.
Jemanden, der in Dortmund in einem schwarz-gelben Elternhaus aufgewachsen ist, sieht diese Rivalität deutlich weniger entspannt. „Ich bin Dortmunder durch und durch und in meiner Stadt seit meiner Kindheit total verwurzelt“,
sagt etwa Dortmunds Allrounder Kevin Großkreutz. „Natürlich spüre ich diese Derbys vielleicht ein bisschen intensiver als andere Spieler.“
Jedenfalls gibt es viele Parallelen zwischen beiden Vereinen: Sie feierten große Erfolge in der Vergangenheit, beide verfügen über ein ungemeines Renommee in der Fußball-Welt und beide haben eine große und treue Fanbasis.
Nur neigt das Umfeld des Clubs aus Gelsenkirchen deutlich mehr zur Hysterie. Auf Schalke gibt es nur Triumph oder Tragödie – die Zwischengefühle fehlen ein wenig. Das mag auch daran liegen, dass die
BILD-Zeitung im Schalker Umfeld eine viel größere Rolle als in Dortmund spielt. Denn gerne heulen sich Schalke-Verantwortliche beim BILD-Redakteur aus und liefern damit schöne Exklusiv-Geschichten.
In Dortmund wäre das undenkbar. Seitdem der damalige BVB-Spieler Frank Pagelsdorf Anfang der neunziger Jahre dem BILD-Reporter Jürgen Meyer ein Glas Cola ins Gesicht schüttete, weil er sich über dessen Berichterstattung ärgerte, tut sich das Springer-Blatt in Dortmund schwer. Der Vorfall geschah übrigens im Gelsenkirchener Parkstadion.
Aktuelles
Wer den FC Schalke 04 nur gelegentlich mal live sieht, der denkt erst einmal an diese 1:6-Demütigung durch Real Madrid im Achtelfinale der Champions League. Da waren die Blau-Weißen ganz schwach – allerdings gegen eine Mannschaft der Extraklasse. In der Bundesliga aber läuft es in der Rückrunde ganz hervorragend: Sieben Siege, ein Remis und eine Niederlage beim FC Bayern München lautet die Bilanz.
Es ist zwar kein technisches Feuerwerk, aber sie spielen sehr effektiv, gewinnen ihre Spiele und überzeugen auch manchmal spielerisch. Jedenfalls sitzt Trainer Jens Keller, zeitweise sehr umstritten, wieder fester im Sattel.
Natürlich profitiert S04 von der Rückkehr von Torjäger Klaas Jan Huntelaar, zumindest in der Bundesliga ein Garant für Tore. Kevin Prince Boateng und Jefferson Farfan haben hohe individuelle Klasse, zudem stabilisierte Ralf Fährmann das Team auf der Torwartposition.
Zu recht sind die Schalker stolz auf ihren erfolgreichen Nachwuchsbereich: Julian Draxler, Max Meyer, Sead Kolasinac und Kaan Ayhan spielten vor gar nicht langer Zeit noch in der Schalker Jugend.
Nur der Ex-Dortmunder Felipe „Tele“ Santana wirkt in Blau-Weiß wie eine schlechte Kopie seiner Dortmunder Zeit. Er ist jedoch derzeit verletzt.
Ein wenig Historie
Die 30er und 40er Jahre – sie waren die große Zeit des FC Schalke 04. Sechs Mal wurden die Knappen zwischen 1934 und 1942 Deutscher Meister, der „Schalker Kreisel“ um Fritz Szepan und seinen Schwager Ernst Kuzorra dominierte den deutschen Fußball. Es war die Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkriegs; die Nazis hingen sich an die Erfolge des Arbeiter-Klubs, der zu dieser Zeit noch ein wirklicher Pütt-Verein war.
Borussia Dortmund war in dieser Zeit nur ein Spielball für Schalke 04, die Niederlagen waren deutlich. Die Rivalität war noch nicht vorhanden: Ernst Kuzorra war sogar mal Trainer des BVB und leistete Aufbauarbeit. Die Schalker Erfolge machten das ganze Ruhrgebiet stolz. So machten die Blau-Weißen nach einer Meisterschaft Station in Dortmund und wurden dort begeistert gefeiert.
Ein Dokument des ZDF-Sportstudios aus dem März 1988 mit Charly Neumann, „Pele“ Wollitz und Reporter Jörg Dahlmann in tragenden Rollen. Schalke gewann im halbleeren Parkstadion das Revierderby mit 3:0 und stieg am Ende doch ab.
Nach dem zweiten Weltkrieg aber holte die Borussia auf und lief den Schalkern sportlich den Rang ab. Die Blau-Weißen feierten nur noch eine Meisterschaft im Jahre 1958. „50 Jahre nie die Schale an der Hand“, sangen die BVB-Fans zum Jubiläum hämisch.
Manchmal hatte S04 dabei eine fast schon tragische Gabe, den eigenen Erfolg zu torpedieren. In den siebziger Jahren gab es beispielsweise eine tolle Truppe mit Spielern wie Nigbur, Rüssmann, Fichtel, Erwin und Helmut Kremers, Fischer und Libuda. Es war eine gute Mischung aus Talenten und etablierten Spielern, dazu kam ein kluger Trainer namens
Irvica Horvart. Dieses Team spielte einen tollen Fußball, doch es wurde nur einmal DFB-Pokalsieger 1972. Denn viele dieser Spieler waren am Bundesliga-Skandal beteiligt, weil sie ein Spiel gegen Arminia Bielefeld verkauft hatten. Die Sperren zerstörten eine hoffnungsvolle Mannschaft.
Ruhrpott
„FC Meineid“, skandierten die gegnerischen Fans später. Auch in Dortmund – aus dem einstigen Miteinander war inzwischen eine erbitterte Rivalität geworden. Schalke wurde zu einem Chaos-Klub mit durchaus hohem Unterhaltungswert, aber wenig sportlichem Erfolg. Ausnnahme: 1997 triumphierte Königsblau überraschend im UEFA-Pokal. Im selben Jahr siegte Borussia Dortmund in der Champions League und auf einmal tauchten gemeinsame Sprechchöre „Ruhrpott“ aus. Doch das war nur peripher, ich habe dies auch nie so groß wahrgenommen.
Schalke hatte weiter einen Hang zur Tragik. 2001 feierte man bereits die Meisterschaft, obwohl der FC Bayern in Hamburg noch spielte. Die Bayern schossen noch ein Tor – und die Schalker machten lange Gesichter. Und mittendrin hüpfte der inzwischen verstorbene FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann, damals Vorsitzender des Schalker Aufsichtsrates, in seinem knallbunten Fallschirmspringer-Dress.
2007 zerstörte ausgerechnet der BVB die Schalker Meisterträume. Dortmund gewann 2:0 und der VfB Stuttgart holte sich die Schale. Und schon war in Dortmund eine schlechte Saison vergessen, in der man fast abgestiegen war.
In den letzten Jahren litten die königsblauen Fans ein wenig unter den Erfolgen der Schwarz-Gelben. Es waren turbulente und unruhige Tage, in denen beispielsweise Felix Magath in Schalke regierte. Tiefpunkt war Platz 14 in der Spielzeit 10/11, die letzten Jahre aber waren mit den Plätzen 3 und 4 ganz erfolgreich. Dennoch war die Stimmung auf Schalke oft eher mäßig.
Die
Bilanz Dortmund gegen Schalke
Ein
sehr empfehlenswertes Buch zum Revierderby
In der Serie "Rivalen des BVB" wird immer der Verein portraitiert, der am nächsten Spieltag in Dortmund gastiert. Das Ganze geschieht gewohnt subjektiv und ist gnadenlos persönlich.