Ein Schuss Tristesse: Winterrennen in Wambel
Launige Worte des Präsidenten: Pferderennen in Dortmund sollen wieder Event-Charakter haben. „Wo man hingeht, um zu sehen und gesehen zu werden“, formulierte es Markus Sträter, Präsident des Dortmunder Rennvereins, im Interview mit dem Fachblatt Sport-Welt. Die Gegenwart der Winterrennen in Wambel ist allerdings hart genug und weit von Ereignis-Charakter entfernt. nurpferdeundfussball war am Sonntag vor Ort.
Vergessen wir mal das ganze Event-Gerede: So ganz out sind Galopprennen nicht – auch wenn mancher Zeitgenosse das Gegenteil behauptet. Am Sonntag in Dortmund war das Publikum altersmäßig schon gemischt. Die Studentenclique freute sich tierisch über ihre Gewinne bei der Platzwette freute, auch wenn die ältere Generation dominierte. Das Wetter war zudem in Ordnung: etwas windig, aber trocken und für die Jahreszeit richtig warm.


Bekannt und gelobt: Der Bratwurst-Profi aus Unna

Ich bin mir nicht sicher, ob früher die Winterrennen besser besucht waren. Die Rennvereine nennen ja nie Besucherzahlen, wobei das in Dortmund aufgrund des freien Eintritts eher nicht mehr möglich ist. Am Sonntag füllte sich die Bahn so langsam, richtig voll war es jedoch nicht. Das war es früher aber meist auch nicht, nur die Zeiten, dass ganze Busse aus dem Rheinland anreisten, sind Geschichte.
Definitiv höher war früher der Wettumsatz. Über 130 000 Euro hätte man vor 20 Jahren nur gelacht, so ein Sonntag im Februar hätte mindest 500 000 DM gebracht. Nicht viel hingegen hat sich bei den Preisgeldern getan, die waren vor 20 Jahren fast auf dem gleichen Niveau.
Sportlich dominieren weiter die Handicaps der unteren Kategorie, der „Nützlichkeitssport“, wie die Sport-Welt immer so schön schrieb, dominiert. Nur mit einem Unterschied: In der Vergangenheit gab es meist einen Ausgleich 2 als sportlichen Höhepunkt. Das waren meist schöne Wettrennen. Nur kommen sie heute nicht mehr zustande, weil Pferde dieser Klasse inzwischen lieber in Frankreich Rennen bestreiten, da sie dort viel mehr Geld verdienen können.

Das Elend des Wettscheins
Eine Schönheit war die Dortmunder Rennbahn im Winter noch nie. Es wirkt alles etwas trist, die Wetthalle in der zweiten Tribüne verkörpert die gleiche Trostlosigkeit wie immer. Die unter Denkmalschutz stehende Tribüne ist ansonsten ein Pluspunkt im Winter: Die Glasscheiben bieten Wetterschutz, die Sicht ist auf den meisten Plätzen gut und das Catering funktioniert ebenfalls.
Die meisten Besucher verfolgten allerdings die Rennen draußen vor den Tribünen auf dem Rasen. Mein Geheimtipp ist die mittlere Treppe; auf deren oberen Stufen hat man den besten Blick auf die Allwetterbahn.
Auf Sparflamme kochte am Sonntag hingegen der Service-Gedanken des Dortmunder Rennvereins. So wenige offene Wettkassen habe ich in Dortmund noch nie gesehen, teilweise bildeten sich lange Schlangen vor diesen. Konsequenz: Manche Besucher konnten nicht mehr ihren Schein abgeben, da sie noch an den Kassen anstanden, als die Rennen schon gestartet waren.


Überlegener Sieger: Valenziani aus dem Stall von Mario Hofer gewann das dritte Rennen, so stark waren die Gegner des nobel gezogenen Sohns von Royal Applause aber nicht ...

Für Verzögerungen sorgte außerdem (wie immer) der viel zu komplizierte Wettschein, der selbst Profi zweifeln lässt. Für Neulinge ist der Schein noch erklärungsbedürftiger. Ich weiß nicht, warum man nicht einfach Ansagekassen für die einfachen Wettarten wie Sieg und Platz öffnet. So was wie der Quick-Tipp-Schein in der Viererwette geht da schon in die richtige Richtung.
Immerhin haben sie in Dortmund das Catering halbwegs in den Griff bekommen. Was auch daran liegt, dass der Bratwurstprofi Kratz aus Unna inzwischen präsent ist. Manche meinen ja, dass der Niedergang der Mülheimer Bahn mit der zwischenzeitlichen Abstinenz des Kratz-Wagens direkt zusammenhängt. So weit würde ich nicht gehen, aber die Qualität des Bratwurstprofis ist schon sehr ordentlich und deutlicher besser als das, was früher an den Ständen angeboten wurde. Dennoch bleibt noch viel zu tun…
Wetttechnisch war es übrigens ein ziemlicher Flop-Tag für mich. Was ich am Sonntag in Wambel verloren habe, habe ich allerdings am Samstag in Sandown gewonnen. So ist eben das Zockerleben.