Ein Wiedersehen mit „Schnitzel” Rosicky
Diese Woche ist bekanntlich Champions League. Borussia Dortmund gastiert bei Arsenal London, von manchen inzwischen Arsenal Deutschland genannt. Aber ich freue mich nicht so sehr auf Pierre Mertesacker, Lukas Podolski, Mesut Özil oder den Ex-Dortmunder Junior Thomas Eisfeld. Mein Interesse gilt vielmehr Tomas Rosicky, in den Jahren 2001 bis 2006 einer der entscheidenden Spieler im Dress des BVB. Vor zwei Jahren beim Duell BVB-Arsenal fehlte er verletzt, diesmal sitzt er zumindest auf der Bank.
33 Jahre ist der Tscheche inzwischen. 20 war er, als er im Winter 2000/2001 von Sparta Prag zu Borussia Dortmund wechselte. Rosicky galt als großartiges Talent, ein Spielmacher-Typ mit hervorragenden technischen Qualitäten. In Tschechien sah man den Mittelfelspieler als Nachfolger des großen Pavel Nedved, „Fußball-Mozart“ nannte man ihn.
Der Westfale an sich ist jedoch für solche Vergleiche wenig empfangsbereit. „Schnitzel“ tauften ihn die Dortmunder nach seinen ersten Auftritten beim Hallenturnier in den Dortmunder Westfalenhallen – weil er so schmächtig daher kam und unbedingt ein paar zusätzliche Kilos benötigte.
Eigentlich hätte sich Borussia den Tschechen, für den es viele Interessenten gab, gar nicht mehr finanziell leisten können. Im Jahre 2001 war der Klub unter Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier schon finanziell ziemlich klamm, der Gang an die Börse war ein Indiz dafür, dass der BVB dringend Geld benötigte. Nur ahnten das damals nur Insider; Borussia Dortmund galt in der Öffentlichkeit als erste Adresse und finanziell potent.
Zudem wiederholten Niebaum und Meier nur die Strategie „Investition in Steine und Beine“, mit denen sie in den neunziger Jahre den Klub zu zwei Meisterschaften und einem Champions League-Titel geführt hatten.
Wie beim Eishockey: Rosicky trifft gegen den HSV ins leere Tor
Im Winter 2001 kam Rosicky (Ablöse 14,5 Mio); im Sommer 2001 folgten der tschechische Sturmtank Jan Koller (12,75 Mio. Euro) und der brasilianische Top-Torjäger Marcio Amoroso (Ablöse 21,5 Mio. Euro.). Außerdem wechselten in diesem Jahr noch Stürmer Ewerthon (Ablöse 7,1 Mio.) und ein junger talentierter Mittelfeldspieler mit dem Namen Sebastian Kehl für 3,2 Mio. Euro zur Borussia.
Besonders der Vertrag mit dem exzentrischen Amoroso galt später als einer der „Sargnägel“ für den klammen BVB. Doch im ersten Jahr zauberte Dortmunds neue Truppe. Rosicky führte gekonnt Regie, brillierte mit tollen Pässen und harmonierte prächtig mit Amoroso. Mit seinem Landsmann Jan Koller verstand er sich so und so prima. 2002 feierte die Mannschaft die Meisterschaft unter Trainer Matthias Sammer, profitierte natürlich auch vom Unvermögen/Pech der in dieser Spielzeit so starken Leverkusener.
Der Unsichtbare
Doch je länger Rosicky in Dortmund spielte, desto schwächer wurden seine Leistungen. Von einem potenziellen Weltklassespieler war er besonders in den Spielzeiten 2003/2004 und 2004/2005 meilenweit entfernt. „Rosicky auch dabei?“ lautete eine beliebte Frage auf der Südtribüne, denn der Edeltechniker versteckte sich gerne, wenn es mal nicht so gut lief. Man nannte ihn auch den Unsichtbaren.
Später, als er schon bei Arsenal spielte, habe ich ein Interview in einer englischen Zeitung/Zeitschrift mit ihm gelesen. Dort kritisierte der Tscheche Trainer Sammer: Er habe ihm den Spaß am Spiel genommen, weil er so viele Defensivaufgaben erfüllen musste. Das mag richtig sein, denn unter der Regie des heutigen Bayern-Sportdirektors spielte der BVB zum Schluss einen fürchterlich unattraktiven Fußball, der oft den Stadionbesuch zur Qual werden ließ.
Trotzdem hätte mehr von ihm kommen müssen. Unter Trainer Bert van Marwijk wurden Rosickys Leistungen dann auch wieder besser, dennoch waren seine Tage in Dortmund gezählt.
2006 wechselte er zu Arsenal London, um die eigene Karriere wieder international ins Rollen zu bringen. Die Jagd nach Titeln blieb aber erfolglos. Bei den Gunners kam der Tscheche nie über die Mitläufer-Rolle hinaus, den Sprung in die absolute Spitzenklasse schaffte er nicht. Nur zeitweise blitzte sein Können auf. Zudem verhinderten oft Verletzungen den Einsatz, seine
Krankenakte liest sich eindrucksvoll.
Auch vor dem erneuten Duell mit dem BVB in der Champions League musste Rosicky kurz passen. Immerhin darf er sich über die öffentliche Zuneigung seines Trainers führen. „Wir alle lieben Rosicky. Darum ist es gut, dass er wieder dabei ist“, sagt Arsene Wenger. Der Mann hat eben Ahnung vom Fußball.
Seine Bilanz beim
BVB
Die Bilanz bei
Arsenal
Fokus-Fußball
uknig22 am 22. Oktober 13
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96 mag den Donnerstag
Es gab Tage, da habe ich nach den Gastspielen von Hannover 96 das Dortmunder Westfalenstadion äußerst schlecht gelaunt verlassen. In düsterer Erinnerung ist mir beispielsweise ein DFB-Pokalspiel aus dem Oktober 2006 geblieben. Ich arbeitete damals in Nürnberg und befand mich gerade auf Heimaturlaub in Dortmund. Natürlich wollte ich den BVB sehen – nur war ich das Dortmunder Elend in dieser Saison nicht gewohnt. Borussia haute fast jeden Ball hoch nach vorne, dort stand jedoch nicht mehr der lange Jan Koller, sondern Nelson Valdez mit seinen knapp 1,80 Meter. Der hüpfte zwar wie ein Flummi, aber Hannovers körperlich überlegene Innenverteidigung hatte selten Probleme. 0:1
verlor Dortmund vor sage und schreibe 29 000 Zuschauern und Torwart Roman Weidenfeller flog zu allem Überfluss noch vom Platz.
Das ist aber schon einige Zeit her. In den letzten Jahren siegte der BVB ziemlich eindeutig gegen die Niedersachsen. In Hannover sah die Sache anders aus, das waren immer sehr enge Spiele.
Hannover 96 hat sich schon sehr positiv entwickelt. Inzwischen verkörpert der Klub gehobenes Mittelmaß, schaffte in den letzten drei Jahren zweimal den Sprung in die Europa League. Besonders die 60 Punkte aus der Saison 2010/2011 waren eine hervorragende Bilanz. Das lag auch an den cleveren Einkäufen des Ex-Managers Jörg Schmadtke. Dessen Verhältnis zu Trainer Mirko Slomka war zwar wie das von Hund und Katze, sportlich aber hatten sie Erfolg. Zuletzt verpassten die Niedersachsen aber die Europa League. Da möchte der Klub jetzt wieder hin.
Aktuelle Lage
Zuhause gut, auswärts schwach – so kann man den bisherigen Saisonverlauf von Hannover 96 bezeichnen. Vier Heimsiegen und einem Remis stehen drei Niederlagen in der Fremde gegenüber.
„Gar nicht erst antreten. Mit 3:0 abgeben das Spiel und unsere Spieler/Stürmer für wichtigere Aufgaben schonen“, empfiehlt für das Match in Dortmund folgerichtig
User JFK 80 im
Forum des 96-Fanmagazins. Der Blick auf die bisherigen Auswärtsgegner relativiert dann aber ein wenig den Begriff Auswärtsschwäche. Denn 96 verlor in München, Leverkusen und Gladbach.
Immerhin hat sich die personelle Lage ein wenig gebessert: Torjäger Mame Diouf könnte in Dortmund wieder zum Einsatz kommmen, auch Ex-Nationalspieler Schlaudraff und Innenverteidiger Salif Sane, Neuzugang vom AS Nancy, könnten wieder auf der Bank rücken.
Drei Spieler verdienen in meine Augen besondere Beachtung: Leonardo Bittencourt wechselte vor zwei Jahren mit großen Hoffnungen von Energie Cotttbus zu Borussia Dortmund, doch beim Meister 2011 und 2012 hatte der hochtalentierte Mittelfeldspieler keine Möglichkeiten. Daher verkaufte der BVB in für 2,8 Millionen Euro nach Hannover. Dort hofft der 19jährige auf mehr Spielpraxis. Bislang zeigte er auch ganz gute Ansätze.
Dann ist da Leon Andreasen, der sich nach mehreren schweren Verletzungen wieder ins Team kämpfte und dessen Kampfeswillen ich bewundere. Verletzungen prägten auch die Laufbahn von Christian Pander. Eigentlich müsste der Außenspieler mehr als nur zwei Länderspiele absolviert haben, doch war er in seiner Karriere mehr mit Klinik und Reha als Fußballspielen beschäftigt. Auch derzeit kämpft er mal wieder um den Anschluss.
Geschichte
Eines hat Hannover 96 Borussia Dortmund voraus: Der Verein war (mit seiner zweiten Mannschaft) dreimal Deutscher Amateurmeister (1960, 1964 und 1965). Immerhin war Hannover 96 auch zweimal „richtiger“ Deutscher Meister (1938 und 1954). Aber das war weit vor meiner Geburt und seitdem ich Fußball geistig verarbeite (immerhin seit Anfang der siebziger Jahre), spielte Hannover 96 nie eine große Rolle. Mal kickte der Klub in der ersten Liga, dann ging es in Liga 2 und dann landete der stolze Klub aus der Landeshauptstadt sogar in den Tiefen der drittklassigen Regionalliga. Sportliche und finanzielle Krisen waren ein ständiger Begleiter.
Der Tod von Torhüter Robert Enke schockte nicht nur Verein
und Fans von Hannover 96.
Bildnachweis: AxelHH via Wikipedia Commons
Für mich war der Klub immer das Beispiel eines Vereins mit großem Namen und erwartungsfrohem Umfeld, aber wenig sportlicher Kompetenz. Parallelen zu Hertha BSC Berlin waren durchaus da – großer Name, Landeshauptstadt bzw. Hauptstadt, aber eine völlig inkompetente Führung, die ihre Hilflosigkeit schon durch ständig wechselnde Übungsleiter bewies.
Auch der Pokalsieg 1992 als Zweitligist bedeutete keine Wende zum Guten. Im Gegenteil – es ging wieder runter in die Regionalliga. Das nächste Mal rückte Hannover 96 in das Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit, als es in Relegationsspielen zur 2. Liga gegen Energie Cottbus ging. Bescheuerte Zuschauer im Cottbusser Stadion der Freundschaft begleiteten jeden Ballkontakt von Otto Addo (dem späteren Dortmunder) und Gerald Asamoah (dem späteren Anti-Dortmunder) mit rassistischen Affengeräuschen.
2002 schaffte der Klub mit Trainer Ralf Rangnick den Wiederaufstieg in die deutsche Eliteklasse und seitdem hält sich Hannover 96 in dieser Liga. Richtig kritisch wurde es eigentlich in Sachen Klassenerhalt nur in der Saison 2090/2010, als der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke Mannschaft und Verein völlig verunsicherten.
Mit Trainer Mirko Slomka und dem damaligen Manager Jörg Schmadtke ging es wieder aufwärts bis in die Europa League. Und da möchte 96 auch wieder hin – die Spiele aus 2011/2012 sind unvergessen. Da scheiterten die Niedersachsen erst im Viertelfinale am späteren Sieger Atletico Madrid.
Das Letzte
Das Stadion ist (
korrekt ist war) benannt nach einem sehr umstrittenen
Strukturvertrieb für Versicherungen und Geldanlagen. Dessen Gründer Carsten Maschmeyer stammt bekanntlich aus Hannover. (
auch nicht wahr, Maschmeyer wurde in Bremen geboren).
Die
Bilanz der beiden Vereine in der Bundesliga
Ein Interview mit BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel auf der
96-Homepage
In der Serie "Rivalen des BVB" wird immer der Verein portraitiert, der am nächsten Spieltag in Dortmund gastiert. Das Ganze geschieht gewohnt subjektiv und ist gnadenlos persönlich.
Warum ich nicht mehr nach Mülheim fahre
Am Samstag war mal wieder Renntag auf der Galopprennbahn in Mülheim-Ruhr. 4500 Zuschauer waren laut
Veranstalter da, es gab einen Hauptsponsor, der einige Rennen unterstützte und auf der Rennbahn sein Betriebsfest feierte. Das freut mich, denn Sponsoren bedeuten Geld und sichern so die Existenz des Rennvereins. Nur ich war schon ewig nicht mehr auf dieser Rennbahn. Das letzte Mal war
am 1. Mai 2009.
Warum ich nicht mehr nach Mülheim fahre? Die Gründe sind vielschichtig und für einige kann der Veranstalter wirklich nichts. Generell gilt: Die Zeiten haben sich drastisch verändert, der Wettbewerb ist für den deutschen Rennsport viel härter geworden.
Dabei bin ich in früheren Tagen immer sehr gerne nach Mülheim gefahren. Zum einen war die Rennbahn von Dortmund relativ schnell erreichbar (sowohl mit Auto als auch Bahn), zum anderen war die Atmosphäre immer sehr angenehm. Nicht übermäßig Schicki-Micki, aber auch nicht zu prollig – die Mischung stimmte einfach. Es war eben ein heimeliges Plätzchen – auch wenn der Rennplatz zum Beispiel am 1. Mai sehr gut besucht war.
Dazu gab es immer sehr interessante Rennen. Dazu zählten nicht nur die sportlich und finanziell wertvollen wie den Preis der Diana oder die Winterkönigin, oft debütierten in den Maidenrennen zukünftige Cracks. Ich kann mich erinnern, dass ich spätere Derbysieger wie
All my Dreams oder
Lavirco das erste Mal am Mülheimer Raffelberg gesehen habe. In den neunziger und anfangs der 2000er Jahre war ich in der Regel vier bis fünf Mal auf der Rennbahn an der Stadtgrenze.
Ohne Chance
Und heute? Inzwischen machen die Mülheimer nur noch drei Renntage im Jahr. Das sportliche Programm ist Magerkost: Handicaps der unteren Kategorie, Sieglosen-Rennen etc, auch wenn diesmal die Felder groß waren und einige Rennen wie der Ausgleich 3 eine Menge Wettalternativen boten. Aber es fehlen einfach die besseren Rennen. Es ist zwar nachvollziehbar, dass man nur veranstaltet, wenn man Sponsoren für solche Prüfungen hat. Dennoch sind das Tage ohne Höhepunkt. Da steht Mülheim nicht alleine dar, zumal es inzwischen in Deutschland sehr schwierig ist, einen Ausgleich 2 geschweige denn einen Ausgleich 1 mit genügend Startern zu bekommen. Aber es lohnt sich definitiv nicht, für so ein Programm von Dortmund nach Mülheim zu fahren.
Dann ist da noch die Konkurrenz am Samstag. Gut, die Fußball-Bundesliga spielte an diesem Wochenende nicht. Aber am Samstag laufen auch Top-Rennen in England und die gab es diesmal im Dutzendpack in Newmarket und York. Dewhurst und Middle Park Stakes, zweimal Gruppe 1-Rennen für die Zweijährigen. Oder zwei Mega-Handicaps wie das Cesarewitsch in Newmarket und die Sprint Trophy in York. Das sind Prüfungen mit unzähligen Möglichkeiten, Adrenalin pur, quasi die hohe Schule des Wettens. Hinterher freuen sich meist die Buchmacher, weil ein 600-Schuss wie jetzt in Newmarket triumphierte. Diese Rennen kann ich in bester Qualität am heimischen PC verfolgen. Da hat kein Samstagsrenntag in Deutschland eine Chance gegen. Auch nicht Mülheim. Zumindest nicht mit einem Programm ohne Höhepunkte.
uknig22 am 14. Oktober 13
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