Freitag, 13. April 2012
Shakalakaboomboom im Grand National
Englands Buchmacher reiben sich am Samstag wieder die Hände: Das Grand National steht auf der Rennbahn in Aintree bei Liverpool auf dem Pogramm. Das ist ein Ereignis, bei dem scheinbar jeder erwachsene Engländer eine Wette tätigt.
Als deutscher Turf-Freund ist das National-Wochenende immer eine Reise auf die Insel wert. Man muss nicht unbedingt die Rennbahn in Aintree besuchen, zumal die BBC sehr umfänglich überträgt. Aber es ist einfach faszinierend zu sehen, wie so ein Rennen eine ganze Nation fesselt.
Dabei ist das Grand National auch in England nicht unumstritten. Die Bilder des letzten entkräfteten Siegers warben nicht gerade für den Sport. Auch diese Kolumne ist da durchaus gespalten. Einerseits ein großes Spektakel, andererseits schrecken die vielen Stürze einfach ab.
Immerhin haben die Verantwortlichen in diesem Jahr einige Aspekte etwas modifiziert. Meine Wettbilanz in diesem Rennen ist nicht unbedingt inspirierend, wenn es um den Sieger geht. Das Rennen ist natürlich eine ziemliche Lotterie – mit 40 Pferden, den ungewohnten Hindernissen und der langen Distanz. Noch immer ist die Prüfung der ultimative Test in Sachen Steh- und Sprungvermögen.

Wer gewinnt nicht
Fangen wir erst einmal an, wer von den meist gewetteten Pferden nicht gewinnt: Favorit könnte der Gold-Cup-Sieger Synchronised werden – allein schon deshalb, weil mit Tony Mc Coy der bekannteste Jockey im Sattel sitzt und die Einmal-im-Jahr-Wetter ihr Geld auif diesen setzen. Aber Synchronised trägt das stolze Höchstgewicht von 74,4 kg und dann wollen wir mal sehen, wie der Wallach die Strapazen des Gold Cups überstanden hat.
Zu hoch im Gewicht steht mir auch der Vorjahressieger Ballabriggs, obwohl er diese Hindernisse mag und aus einem absoluten Spezialisten-Stall für die Prüfung kommt. Bedenken habe ich zudem bei Junior (Springen), Seabass (Stamina), On his Own (zu unerfahren), Cappa Bleu (überbewertet) und Sunnyhillboy (steht sehr günstig im Handicap, springt aber oft nicht gut).

Wer gewinnt
Ich mag Shakalakaboomboom aus dem mächtigen Henderson-Stall – ein Pferd, das noch Reserven haben sollte und zudem über das nötige Stehvermögen verfügt. Außerdem gefällt mir, dass der Wallach seinen Aufgalopp in einem Hürdenrennen absolvierte. Das war in den letzten Jahren immer ein gutes Zeichen.
Wenn der Boden am Samstag schwer sein sollte, dann verdient West End Rocker besondere Beachtung. Denn auf so einem Boden gewann der Wallach die Becher Chase über den Kurs; auch sonst scheint er Stamina ohne Ende zu haben. Im letzten National fiel er übrigens am berüchtigten Beechers Brook.
Ansonsten gefallen mir noch Killyglen, Organizedconfusion (ein Lavirco-Sohn, mit 7 Jahren aber vielleicht noch etwas unerfahren) und Giles Cross sehr gut.

Nachtrag 18:00: Wer ein Pferd zu hoher Quoten haben will: According to Pete steht 34:1; Trainer Macolm Jefferson hat seine Pferde excellent in Schuss.

Heroen der Vergangenheit

Hindernis für Hindernis: Ex-Jockey Mick Fitzgerald stellt den Kurs vor



Freitag, 6. April 2012
Rennbahnen im Netz: Bremen
Karfreitag, wenn in allen anderen Bundesländern der Rennbetrieb ruht, ist traditionell Bremer Zeit. Dann beginnt auf der Rennbahn in der Vahr die Rennsaison. Im Netz fällt erst einmal der satte grüne farbliche Hintergrund auf.

Inhalt
Auf den ersten Blick wirkt das etwas irritierend: Auf der Startseite leuchtet zwar zentral das Rennplakat zum aktuellen Renntermin, in der Seitenspalte gibt es allerdings TV-Berichte, Bilder und Nachrichten von früheren Veranstaltungen. Erst wer nach unten scrollt, findet das offizielle Programm als pdf-Datei; dazu eine Informationsbroschüre zum Rennbahnbesuch (ebenfalls als pdf-Datei) und Informationen zu den Eintrittspreisen.
Ansonsten bietet der Bremer Rennverein die Schwerpunkte Location, Veranstaltungen, Firmenkunden, Medien, Service und Team GaloppBremen. Zu all diesen Punkten gibt es natürlich weitere Unterpunkte.



Informationen/Nutzwert
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Rennverein mal vor einiger Zeit ein sehr ambitioniertes Angebot ins Netz gestellt hat, aber irgendwie diesen Anspruch nicht ganz durchgehalten hat. Denn auch für den Bremer Rennverein waren die letzten Jahre nicht gerade wirtschaftlich erfolgreich, deshalb wird gespart. Zum Beispiel in der Presse- und Öffentlichkeitsabeit – und so enden die Pressemitteilungen im Jahr 2009. Zumindest im Internet: Immerhin kann der Besucher diese dann bis ins Jahr 2005 abrufen.
Die Bremer bieten ihren Besuchern einiges an Informationen, dennoch schreien manche Dinge einfach mal nach einer Überarbeitung.

Optik
Der grüne Hintergrund ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Und auch andere Dinge wirken optisch hausbacken und sollten einmal kritisch hinterfragt werden.

Fazit
Gute Ansätze, breites Angebot, aber für viele Dinge wäre einfach mal etwas frischer Wind nützlich – inhaltlich und optisch. Oftmals schaffen kleine Verbesserungen schon Klarheit: Indem beispielsweise auf der Startseite die rechte Leiste neu angeordnet wird und die aktuellen Veranstaltungen nach oben wandern.



Samstag, 31. März 2012
März-Wahnsinn im Signal Iduna-Park
Seit fast 40 Jahren gehe ich in das Westfalenstadion/den Signal/Iduna-Park, aber an so ein Wahnsinnspiel wie zwischen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart kann ich mich nicht erinnern. 4:4 endete die Begegnung. Dabei sah nach 49 Minuten alles nach einem weiteren Dortmunder Sieg und einem entspannten Wochenende mit der Hoffnung auf einen Bayern-Patzer aus. 2:0 hieß es zu diesem Zeitpunkt, der BVB zauberte gegen gar nicht mal so schlechte Stuttgarter einen Hochgeschwindigkeits-Fußball der Kategorie Wahnsinn auf den Rasen. Nur die Chancenauswertung ließ zu wünschen übrig.
Was dann aber kam, war schlichtweg unbegreiflich. Der Gast aus Schwaben drehte auf einmal das Spiel und schoss von Minute 70 bis 80 drei Tore. Einmal Ibisevic, zweimal Schieber und der VfB führte 3:2. Besonders beim zweiten Tor lieferte die BVB-Abwehr eine wahre Slapstickeinlage. Ausgerechnet Schieber, der so lange verletzt war und erst einmal in dieser Spielzeit traf.
Auf der Tribüne wird es fast fatalistisch. Der Block, indem, ich auf der Südtribüne stehe, könnte früher auch auf der alten Nordtribüne gewesen sein. Will sagen: Die Zahl der Zweifler und Schwarzseher ist relativ hoch, gerade in solchen Situation neigen manche zu Extremmeinungen. Selbst ich denke, dass das ganze Gerede mit dem Termin für die Double-Feier nach Meisterschaft und Pokal doch reichlich übertrieben war. Noch ist nämlich nichts gewonnen.


Herr Gentner hatte das letzte Wort
Doch es kam wieder Leben ins Stadion, die Zuschauer trieben den BVB an. Und zum Glück hat Borussia eine Mannschaft, die sich so schnell nicht geschlagen gibt. Mats Hummel, der smarte Rhetoriker, trifft für seine Stürmerkollegen. Und dann macht der eingewechselte Ivan Perisic nach 87 Minuten das 4:3 und stürzt das Stadion in einen kollektiven Jubeltaumel, wie ich ihn noch nie erlebt habe.
Dann kommt die Nachspielzeit. Auf der Tribüne pfiff inzwischen alles, was Schwarz-Gelb trägt. Schiedsrichter Weiner soll endlich abpfiffen. Das macht er dann auch, doch vorher traf Gentner für den VfB zum 4:4 – wieder nach einer ziemlichen Dortmunder Slapstickeinlage. Wahnsinn! Auf der Tribüne herrscht eine Mischung zwischen Wut und Staunen, aber Kompliment an beide Teams. Das war ganz großer Fußball und wenn ich einem Unbeteiligten die Faszination der Sportart erklären müsste, dann würde ich ihm dieses Spiel zeigen. Deutscher Meister wird dennoch nur der BVB.