Was bieten die Internetseiten der Galopprennbahnen für Profis und Anfänger? So langsam kommt die Grasbahnsaison ins Rollen und damit Anlass für nurpferdeundfussball, die Angebote der Rennvereine mal unter die Lupe zu setzen. Den Auftakt macht Frankfurt, dort wird am Sonntag auf der Bahn in Niederrad die Rennsaison eröffnet.
Die Querelen der Vergangenheit sind offenbar vorbei, der noch relativ „neue“ Frankfurter Rennklub präsentiert sich im Netz reichlich frisch und inspiriert. Das Konzept ähnelt dabei sehr in der Aufmachung den Seiten des Hamburger Rennvereins bzw. dem von Turf-Times. Das verwundert nicht: Die Handschrift von Dequia Media, die für obige Auftritte zuständig sind, lässt sich nicht leugnen. Was nicht schlecht ist – denn Turf-Times liefert reichlich Fachkompetenz zu den Seiten.
Inhalt
Schon auf ihrer Startseite punkten die Hessen: Dort wechseln sich verschiedene Aufmacher-Fotos von guter Qualität ab, darunter folgen die wichtigsten Meldungen der letzten Zeit. Weitere Extrapunkte gibt es zudem dafür, dass im Aufmacher-Text weitere Informationen verlinkt sind. Seitlich rechts steht eine Übersicht über die Renntermine des Jahres in Frankfurt – auch nicht schlecht. Die obere Leiste verlinkt zu den Themen Termine, Service, Wetter, Rennbahn, Hospitality, Training, Renn-Klub, Historie, und Media.
Informationen und Nutzwert
Das Angebot ist vollgepackt mit Informationen, sowohl Anfänger als auch der Profi kommen auf ihre Kosten. Für Neulinge beispielsweise: Im Segment Service unterstützen ein Rennsport-ABC und die Extraseite „Das erste Mal auf der Rennbahn“, im Bereich Wetten gibt es weitere Tipps. Und die Basics wie Anfahrt und Eintrittspreise sind leicht erkennbar.
Der Profi profitiert von der Kooperation mit Turf-Times. Das zeigt sich, dass im Programm eine Vielzahl an Informationen zu den Pferden abrufbar ist. Das Einzige, was etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist die Tatsache, dass sich kein neues Fenster öffnet und es nur mit der Zurück-Funktion wieder auf die Seite geht.
Auch in den anderen Bereichen wartet einiges Wissenswertes auf den Besucher. Die Texte sind zudem gut geschrieben und aktuell.
Optik
Die Mischung aus Rot, Grau und Weiß ist in Ordnung, vielleicht könnte die Schriftgröße an der Seite etwas größer sein. Aber in diesem Falle ist das Jammern auf hohem Niveau.
Fazit
Das Internetangebot der Hessen macht schon Eindruck. Ein fast perfekter Auftritt, zumal später noch Videos und weitere Fotos hinzukommen sollen.
Er wächst nicht gerade behütet auf, der 15jährige Charley, Hauptfigur in Willy Vlautins Buch „Lean on Pete“. Die Mutter schon lange tot, der Vater nie zu hause, Freunde hat er nicht. Wie sollte er auch, wenn er immer wieder mit seinem Vater den Ort wechselt. Die derzeitige Station heißt Portland. Doch auch hier kümmert sich der Vater nicht um den Sohn. Charley bleibt auf sich alleine gestellt – und nimmt einen Job auf der Rennbahn in Portland an. Sein Chef heißt Des Montgomery, ein Trainer von Galopprennpferden, dessen beste Zeiten aber schon lange vorbei sind.
Promo-Video für Lean on Pete: Willy Vlautin ist zudem Sänger der Band Richmond Fontaine. Diese wurde 1994 auf der Rennbahn Portland Meadows gegründet.
Es ist die Kehrseite des amerikanischen Traums, die Vlautin eindrucksvoll schildert. Dann stirbt auch noch der Vater von Charley. Nur einer spendet Trost: das Rennpferd Lean on Pete. Doch auch hier droht die Katastrophe: Trainer Montgomery will Lean on Pete zum Schlachter schicken, weil dieser seine Leistung nicht mehr bringt. Charley aber flüchtet mit dem Pferd – und verliert dann auch noch Lean on Pete auf der Flucht. Immerhin kommt es nach einigen Irrungen unterwegs zum Happy-End: Charley findet seine Tante.
Das hört sich an wie der Plot einer schlechten „Soap“ und hätte fürchterlich daneben gehen können. Doch Willy Vlautin umschifft diese Hürde problemlos. Weil er diese Geschichte ohne großes Pathos und falsche Gefühle erzählt und zudem erstaunlich unkompliziert schreibt.
Quarterhorse
Es ist kein Buch, das einen emotional groß mitnimmt, weil der Autor immer distanziert bleibt. Aber diese Distanz macht das Werk so lesenswert. Denn trotz allem Elend, das Charley zustößt, verfällt der Beobachter nicht in Mitdepressionen. Es ist ein Buch vom Durchhalten auch nach den härtesten Schicksalsschlägen, die Vlautin nicht groß dramatisch ausschmückt. Sie passieren einfach.
Natürlich habe ich das Werk hauptsächlich gelesen, weil es teilweise im Rennbahn-Milieu spielt. Vorher kannte ich von Vlautin bereits „Motel Life“, doch dieses Werk überzeugte mich nicht ganz.
Auch in „Lean on Pete“ schildert Vlautin die Schattenseiten: Lean on Pete ist ein Quarterhorse, das sich seinen Hafer in dubiosen Rennen auf dem Land verdient. Sein Jockey ist ein Säufer, sein alter Trainer chronisch abgebrannt. Charley bezahlt er nur unregelmäßig und auch sonst ist er ein Typ, der wenig sympathisch wirkt. Es geht ums wirtschaftliche Überleben – und das ist eben weit weg vom „Glamour des Turfs“, den viele Unbeteiligte immer mit Galopprennen verbinden. Eher Kreisliga statt Champions League …..
Fazit: Absolut empfehlenswert, ein wirklich packendes Buch.
Was für ein Drama im ersten Halbfinale des DFB-Pokals: Als alle schon mit einem Elfmeterschießen rechnete, schoss Borussia Dortmund doch noch das 1:0 in der Verlängerung gegen Greuther Fürth. Als Schwarz-Gelber freut das Ergebnis natürlich, dennoch verdient die starke Leistung der Fürther absoluten Respekt.
Die Begegnung weckte Erinnerungen. Denn von April 2006 bis Ende 2007 habe ich in Nürnberg gearbeitet. Wenn ich das Wochenende in Franken verbrachte, bin ich manchmal zum Ronhof ins benachbarte Fürth gefahren, um mir die Spiele der Spielvereinigung Greuther Fürth in der 2. Liga anzuschauen. Beim Nürnberger Club in der Bundesliga war allein schon deren Fanfreundschaft mit Schalke 04 ein K.o-Kriterium.
Arbeitskollegen aus Nürnberg, denen ich davon erzählt habe, schüttelten nur den Kopf. Fürth ist dort so etwas wie der kleine picklige Bruder, den man nicht für voll nimmt. Und auch zwischen dem Club und der Spielvereinigung herrscht große Rivalität. Schon zu Zeiten, als beide Vereine den deutschen Fußball prägten und die Meisterschaften untereinander ausspielten. Es gibt diese wunderschöne Geschichte, als beide Teams in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts die Nationalmannschaft bildeten, aber in verschiedenen Eisenbahn-Waggons anreisten, weil man sich so spinnefeind war.
Meine ersten Erfahrungen mit dem Fürther Fußball machte ich an einem Montag Ende April 2006. Greuther Fürth traf in der 2. Liga auf Energie Cottbus und es war ein entscheidendes Spiel um den Aufstieg in die erste Liga. In Dortmund hätte man bei dieser Brisanz 100 000 Karten verkaufen können; in Fürth habe ich eine Karte zwei Stunden vor dem Spiel erworben und war fast alleine am Stadion. Ich hätte auch noch ein Ticket eine halbe Stunde vorher bekommen, das Playmobil-Stadion war nicht ausverkauft, obwohl es gerade mal 15 500 Plätze fasste.
Kleeblatt
Auch im Inneren war einiges anderes: „Kleeblatt“ skandierten die Fürther Fans immer, Greuther war eher ein Schimpfwort. Weil der wahre Fürther Fan immer noch die Fusion der einst ruhmreichen Spielvereinigung mit dem Dorfverein Vestenbergsgreuth ablehnte.
Sehr gewöhnungsbedürftig war der Stadionsprecher, im Hauptberuf offenbar Moderator bei irgendeiner Jugendwelle im Radio. „Auf geht’s Kleeblatt“, animierte er immer wieder die Fans der Fürther. Zumindest beim Fanblock fand er Anklang, ein Hexenkessel sieht allerdings anders aus. Aber der war/ist der Signal Iduna-Park/Westfalenstadion auch nicht immer.
Das Spiel war wenig attraktiv: Cottbus stellte sich hinten rein, Fürth setzte viel zu sehr auf lange Bälle auf den schnellen Roberto Hilbert. Dennoch stand es lange 1:0, ehe dann ein reichlich dubioser Foulelfmeter zum 1:1 führte. Cottbus stieg letztendlich als Dritter auf, Fürth wurde 5.
Neues Jahr, neues Glück: Noch war die Euphorie nach der Fußball-WM 2006 zu spüren. Zum Saisonauftakt gegen den bayerischen Rivalen 1860 München kamen immerhin 14 000 Zuschauer. Geschätzt die Hälfte waren Anhänger des Münchener Traditionsvereins und die Begegnung hatte durchaus Unterhaltungswert. Bei Fürth spielte mit Christian Timm immerhin ein ehemaliger Dortmunder (Timo Achenbach, den anderen Ex-BVBer, hatte Trainer Benno Möhlmann vorerst verbannt), bei 60 saß ein gewisser Sven Bender auf der Ersatzbank.
Eigentlich hat 60 doch eine richtig vielversprechende Mannschaft, mit der sie oben mitspielen müssten, dachte ich. Aber wie das so ist bei den Löwen: Auch in dieser Saison gab es Querelen ohne Ende, die Münchener landeten nur im Mittelfeld.
Ansonsten war ich in dieser Spielzeit aber wenig bei den Grün-Weißen. Irgendwie passte das mit den Terminen nicht so recht. Nur zwei Besuche gab es: Gegen den damaligen Tabellenletzten Braunschweig und gegen den 1.FC Köln in der Woche vor dem Wiedereinstieg von Christoph Daum. Die Zuschauer maulten über den wenig attraktiven Fußball von Trainer Benno Möhlmann, der 1.FC Köln zeichnete sich bei seinem Gastspiel nur durch übergroße Härte aus.
Fußballgott
In der Saison 2007/08 war es wie so häufig in Fürth: Leistungsträger gingen, unbekannte Spieler kamen. Doch unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia machte das Kleeblatt auf einmal richtig Spaß, zumal der ehemalige Bundesliga-Stürmer im Gegensatz zum defensiveren Möhlmann offensiver spielen ließ. Es gab hochattraktive Heimspiele gegen St. Pauli, Mainz (mit Jürgen Klopp) und Aachen. „In Europa kennt Euch keine Sau“, skandierten die Alemannia-Fans, doch ihr Team war völlig chancenlos, zumal ihr damaliger Coach Guido Buchwald auf ein 6-4-0-System setzte.
Ein paar Wochen später schrien die Anhänger des SV Wehen immer „Ronny König Fußballgott“. Ich saß jetzt inmitten der Bedenkenträger, wo man zwar gut sehen konnte, die Stimmung aber eher kritisch war. Fürths Stürmer Stefan Maierhofer stand wegen seiner etwas ungelenken Spiel- und Laufweise im Fokus des Zuschauer-Genörgels. Die Stimmung kippte schon wieder, erstmals gab es Kritik an den Methoden des Herrn Labbadia. Und ich dachte: „Was mache ich hier?“
Die Zuschauerzahlen waren absolut enttäuschend: Mal 6000, mal 8000, fünfstellig nur äußerst selten. Der Verein erhielt einfach nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte.
So langsam bekam ich wieder richtig Sehnsucht nach BVB und erster Liga. Am Ende des Jahres war dann auch Schluss mit Nürnberg.