Montag, 14. März 2011
Last Hurrah für Denman
Irgendwie fehlt mir nach den traurigen Vorkommnisse in Japan etwas die Vorfreude auf den üblichen März-Wahn des morgen beginnenden Cheltenham-Festivals. Nichtsdestotrotz gibt es hier die Vorschau auf den Cheltenham Gold Cup, den Höhepunkt des Festivals am Freitag. Einer fehlt leider: Diamond Harry, Gewinner des Hennessy Gold Cups und lange Zeit einer der führenden Kandidaten im Wettmarkt. Eine Verletzung stoppte den Schützling von Trainer Evan Williams. Eine Analyse der chancenreichsten Starter.

Denman: Eines der Pferde, das in den letzten Jahren die englische Toprennen über die großen Sprünge maßgeblich geprägt hat. Seine größte Stunde hatte Denman zweifellos im März 2008, als er den Gold Cup beeindruckend gewann. Später war der Presenting-Sohn so schwer verletzt , dass es fast schon ein Wunder ist, dass er überhaupt wieder eine Rennbahn betrat. Im letzten Jahr (wie im Jahr zuvor) Zweiter im Gold Cup, der letzte Start war ein guter dritter Rang im Hennessy Gold Cup hinter Diamond Harry, der ihn zwar deutlich besiegte, aber auch deutlich günstiger im Gewicht stand. Danach unterzog sich der Presenting-Sohn einer leichten Gaumenoperation. Diese verlief gut, nach Aussage von Trainer Paul Nicholls ist Denman wieder fit und enthusiastisch. Die entscheidende Frage dürfte sein: Wie gut ist der 11jährige noch?


Der berühmteste Schimmel aller Zeiten: Desert Orchid kämpft sich zum Sieg im Gold Cup 1989.

Imperial Commander: Im letzten Jahr sprachen alle nur vom großen Zweikampf zwischen den Stallgefährten Denman und Kauto Star – sehr zum Leidwesen von Nigel Twiston-Davies, dem Trainer von Imperial Commander. Der Wallach gab die Antwort auf dem grünen Turf und gewann überzeugend zu lukrativen Odds. Imperial Commander mag die Bahn in Cheltenham, läuft dort fast immer gut. Die leichten Zweifel am Stehvermögen sind spätestens seit 2010 Geschichte. Da verwundert es nicht, dass er in diesem Jahr den Wettmarkt anführt. Im November gab es beim einzigen Saisonstart einem standesgemäßer Erfolg in der Betfair Chase in Haydock, auch wenn Tidal Bay noch nah anrauschte. Danach sollte er im nachterminierten King George in Kempton noch einmal starten, doch das klappte aus technischen Gründen nicht. Twiston-Davies ist allerdings zuversichtlich, dass der Wallach seinen Vorjahreserfolg wiederholt.

Kauto Star: Was für eine Bilanz: Vierfacher Gewinner der King George Chase, zweifacher Triumphator im Cheltenham Gold Cup – der Wallach mit der markanten Blesse zählt jetzt schon zu den Größten im englischen National Hunt-Sport. 2010 war er der hohe Favorit im Gold Cup, ein fürchterllicher Sturz am am 15. Hindernis stoppte ihn. Zum Glück überstand der 11jährige den Sturz ohne große Blessuren und gewann sein Jahresdebüt in Down Royal. Zuletzt enttäuschte er aber im King George, war dort chancenlos gegen Long Run. Die Frage ist ähnlich wie beim Stallgefährten Denman: Was hat er noch von seinem altem Leistungsvermögen?

Kempes: Der Wallach, der den Namen des großen Mario Kempes trägt, hat noch eine
Option für die Ryanair Chase
am Festival-Donnerstag. Kempes überzeugte bei seinem Sieg auf allerdings schwerem Boden im irischen Hennessy Gold Cup, davor gewann er unter anderem die Growise Champion Novice Chase während des Punchestown-Festivals. Das Pferd aus dem irischen Championtrainer-Stall von Willie Mullins lief erst einmal außerhalb der grünen Insel. 2009 war das, das Ergebnis war Platz 12 in der Supreme Novices Hurdle.

Long Run: Noch nie hat Nicky Henderson in seiner langen und erfolgreichen Trainer-Karriere den Cheltenham Gold Cup gewonnen. Das soll sich ändern: Long Run, sagt er, sei quasi beste Chance, diesen Makel zu tilgen. Mit sechs Jahren ist der Wallach quasi die jugendliche Alternative zu den „älteren Herren“ Imperial Commander, Kauto Star und Denman. Derzeit liegt er im Wettmarkt gemeinsam mit Kauto Star an Rang 2, verantwortlich ist sein imposanter Erfolg in den King George Chase, als er den Stallgefährten Kings Theatre und eben diesen Kauto Star deutlich hinter sich ließ. Manche Experten zweifeln aber, ob sein Stehvermögen für Cheltenham reicht. Zweimal war er dort Dritter und besonders in der RSA Chase 2010 zeigte er deutlich, dass ihm der Weg vielleicht doch etwas lang war. Man kann allerdings davon ausgehen, dass sich Long Run in diesem Jahr noch einmal deutlich gesteigert hat.

Midnight Chase: Einer der Entdeckungen der Frühsaison, vier Siege in Serie, davon dreimal in Cheltenham. Der Wallach ist ein excellenter Springer, der ein sehr gutes Tempo gehen kann. Mit Dougie Costello reitet ihn ein Jockey, der mit ihm hervorragend harmoniert. Aber so gut die Erfolge auch aussahen: Das waren Handicaps, auf Gegner dieser Klasse traf er noch nie. Zudem haben die von Midnight Chase geschlagenen Pferde die Formen so recht nicht bestätigt.

Pandorama: Fünf Starts über die Jagdsprünge, vier Erfolge. Auf dem Papier der führende irische Kandidat und mit Sicherheit noch nicht am Ende seines Leistungsvermögens. Den einzigen Flop gab es allerdings im Hennessy Gold Cup in Newbury, als er nie ins Rennen fand, ganz schlecht sprang, zudem behindert wurde und frühzeitig angehalten wurde. Alle seine Erfolge waren zudem auf weichem oder schweren Boden, den er in Cheltenham nicht antreffen wird.

Tidal Bay: Je älter er wird, desto länger werden die Distanzen, über die Tidal Bay läuft. 2008 gewann er einst den Arkle über zwei Meilen und nachdem Trainer Howard Johnson es im vergangenen Jahr im Hürdenmarathon versuchte, geht es jetzt in den Gold Cup. Kommt gerne spät, lief unter anderem im November in Haydock als Zweiter ein sehr gutes Rennen hinter Imperial Commander. Ein interessanter Kandidat zumindest für ein Platzgeld.

Urteil
Die alte Garde schlägt noch einmal zu. Viel liegt nicht zwischen Imperial Copmmander, Kauto Star und Denman. Ich entscheide mich für meinen alten Favoriten Denman, weil er die höchste Quote verspricht.

Die Quoten



Mittwoch, 9. März 2011
Schalke wie es singt und lacht
Was für eine Posse mal wieder auf Schalke! Da steht der Ruhrgebietsverein heute Abend in der Champions League vor einem der wichtigsten Spiele der Saison – und just am Morgen des Rückspiels gegen Valencia vermelden die Zeitungen der WAZ-Gruppe (WAZ, NRZ, Westfälische Rundschau, Westfalenpost) das Aus von Trainer Felix Magath zum Saisonende. Guter Stil sieht anders aus, zumal Magath am Vormittag von der Geschichte laut kicker noch gar nichts wusste. Auch von offizieller Schalker Seite gibt es bislang noch kein Statement.
„Spätestens zum Saisonende wird für Magath die Mission Schalke beendet sein“, schrieben die WAZ-Blätter am Morgen und berufen sich auf sichere Quellen. „Die Entscheidungsgremien trauen dem 57-Jährigen nicht mehr zu, seinen Masterplan, der den Gewinn der Meisterschaft bis spätestens zum Ablauf seines Vertrages im Jahr 2013 vorsah, in die Tat umzusetzen.“ Magaths Führungsstil, der auf Allmacht und Autorität basiert, schlug einen tiefen Riss in den Klub, heißt es weiter im Text.
„Fanvertreter sehen Magath als Symptom der Schalker Krise“, lautet die Überschrift eines weiteren Textes auf der westen, dem Internetportal der WAZ-Gruppe. Zitiert wird dort Artur Saager vom Schalker Fanclub-Verband. „Ihre (die Fans) Proteste gegen die kraftlosen Auftritte der Mannschaft, ihre Warnungen, Magath zerstöre mit seiner ausufernden Transferpolitik die Identifikation der Fans mit dem Verein, und ihre Rufe gegen einen Trainer Magath, den viele Fans als allmächtig und autoritär, manchmal sogar als arrogant den eigenen Anhängern gegenüber wahrnahmen – sie wurden kaum gehört. „Irgendwann bist du als Fan hilflos“, sagt Saager.
Interessant sind die Kommentare zu beiden Texten. Geschätzte 90 Prozent der Schreiber plädieren für Magath und distanzieren sich von ihren Fanvertretern. Das verspricht einen explosiven Champions League-Abend. Mal schauen, ob sich der Riss, der durch die Schalker Fangemeinde geht, auf den Rängen widerspiegelt.

Karimi und Charisteas
Abgesehen vom Zeitpunkt der Verkündung ist der Magath-Rausschmiss zum Saisonende durchaus verständlich. Zwar steht Königsblau im Finale des DFB-Pokals und hat gute Chancen, das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. In der Bundesliga enttäuschte das Team allerdings und ohne den überragenden Torhüter Manuel Neuer würde Schalke noch tiefer in der Tabelle stehen.
Hinzu kommt Magaths Transferpolitik: Die Verpflichtungen beispielsweise von Charisteas und Karimi, die bislang sportlich keine Rolle spielen, sehen eher nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für alt gediente Profis aus. In Schalke schaut man neidisch zum Erzrivalen Dortmund, der in dieser Saison mit einer jungen Mannschaft die Maßstäbe in der Bundesliga setzt.
Nicht nachvollziehbar ist allerdings die Kritik am Führungsstil von Felix Magath. Besonders von Seiten der Offiziellen: Denn Magath war immer autoritär und allmächtig. Das wussten die Schalker Verantwortlichen um Clemens Tönnies. Und so einen Trainer wollten sie ja auch als Nachfolger des eher weichen Fred Rutten.
Mit seinem Stil hatte Magath großen Erfolg – auch im letzten Jahr auf Schalke, als das Team völlig überraschend Vizemeister wurde. „Vereinsschädigend“ kommentiert die Welt und bezeichnet das Verhalten der Schalker Führungsspitze als lächerlich.

Nachtrag: Noch ein aufschlussreicher Artikel zum Thema Schalke und Magath, diesmal aus der Süddeutschen Zeitung. Rehhagel ante portas, würde der Lateiner sagen.



Mittwoch, 2. März 2011
Somersby gegen die großen Jungs
Es ist das große Spektakel am zweiten Tag des Cheltenham-Festivals: Die Queen Mother Champion Chase richtet sich quasi an die „Sprinter“ unter den Hindernispferden, denn es geht über die Minimum-Distanz von zwei Meilen. Die Prüfung ist eine der aufregendsten des ganzen Festivals, in der sowohl Tempo als auch Sprungsvermögen entscheidend sind. Das sind die wichtigsten Protagonisten in diesem Jahr.


Der Thriller aus dem Jahr 1994: Viking Flagship schlägt Travado und Deep Sensation in einem Herzschlag-Finale

Big Zeb: Der Sieger von 2010, der im letzten Jahr seinen „England-Fluch“ beendete und unter anderem den hohen Favoriten Master Minded hinter sich ließ. Der Wallach aus dem Stall von Colm Murphy hatte in Irland schon immer gute Formen gezeigt, nur in England lief er schwach oder fiel. Die gute Form aus Cheltenham setzte er danach fort: Drei Siege und ein zweiter Platz lautet die Bilanz. Zuletzt war er auf weichem Boden knapp hinter dem Erzrivalen Golden Silver, den er zuvor aber drei Mal besiegt hatte.

Captain Cee Bee: Der Sohn des auch in Deutschland bestens bekannten Germany steht bei manchen Buchmachern erstaunlich tief. Immerhin ist Captain Cee Bee bereits Cheltenham Festival Sieger (Supreme Novices 2008 gegen Binocular). 2010 war er weit geschlagen im Arkle (wo er Favorit war), gewann danach noch in Punchestown und im Oktober eine Grade 3-Chase in Naas. Gegen die irischen „Big Boys“ Big Zeb und Golden Silver war er allerdings in Leopardstown chancenlos, sprang dort auch nicht gut. Seine Umgebung zeigte sich danach aber wenig enttäuscht.

Golden Silver: Der Erzrivale von Big Zeb, den er in Punchestown endlich einmal schlagen konnte. Ansonsten liegt Golden Silver im direkten Duell aber 1:4 hinten gegen den Murphy-Schützling. Sehr konstante Form in Irland, zuletzt drei Siege in Serie, doch trifft er in Cheltenham nicht nur auf Big Zeb, sondern auf weitere schwere Gegner. Was mich etwas stört, ist die Tatsache, das er bereits sechs Saisonstarts hinter sich hat. Der Wallach mag schweren oder weichen Boden (denn er wahrscheinlich nicht antreffen wird), zudem waren seine bisherigen Leistungen in Cheltenham schwach.

Master Minded: Erst acht Jahre und damit für ein Jagdpferd wahrlich nicht alt, aber schon zweifacher Sieger dieser Prüfung. Im letzten Jahr war der Wallach aus französischer Zucht hoher Favorit in der Champion Chase, doch enttäuschte er erstmals und wurde nur Vierter. Die Kernfrage ist: Hat Master Minded noch die alte Klasse? Er ist einer der besten Springer, die ich kenne, aber vielleicht ist sein Leistungsvermögen nicht mehr ganz so herausragend. Dennoch ist seine Form in dieser Saison tadellos – drei Starts, drei Siege und jedes Mal konnte er gefallen. Zuletzt musste er aber gegen Somersby reichlich kämpfen.

Sizing Europe: Der nächste irische Herausforderer, schon Bahn- und Distanzsieger, weil er im letzten Jahr den Arkle knapp gegen Somersby gewann. In dieser Saison versuchte es Trainer Henry De Bromhead zuerst über längere Distanzen, heraussprang unter anderem ein ehrenvoller zweiter Platz hinter dem großen Kauto Star über drei Meilen. Doch zuletzt ging es wieder über zwei Meilen und da war Sizing Europe deutlich hinter Golden Silver und Big Zeb. Schwer vorstellbar, dass er diese Form dreht.

Somersby: Die Form aus Ascot hinter Master Minded, als er diesen beinahe noch abgefangen hätte, sah sehr gut aus. Das war über eine zweihundert Meter längere Distanz als in der Champion Chase, aber in Cheltenham ist es nie verkehrt, wenn Pferde eine etwas längere Distanz können. Im letzten Jahr lief Somersby ein großes Rennen im Arkle, als der Zielpfosten genau richtig für Sizing Europa stand. Der Wallach braucht zudem ein schnelles Rennen und das wird er in Cheltenham bekommen.
Einst feierte Trainerin Henrietta Knight große Erfolge mit dem Gold Cup-Sieger Best Mate, doch in letzter Zeit war es etwas ruhig um die Trainerin. Somersby ist ihre beste Chance seit langer Zeit auf einen Festival-Sieger.

Woolcombe Folly „Eines der am meisten verbesserten Pferde im Training“, sagt sein Trainer Paul Nicholls über Woolcombe Folly. Der Wallach verlor erst einmal (bei fünf Starts) über die schweren Sprünge, das war aber ausgerechnet im letzten Arkle als Letzter. Danach aber eine makellose Bilanz und besonders die letzte Form aus Cheltenham unter Höchstgewicht gegen gestandene Handicapper war einiges wert. Den letzten Start verpasste Woolcombe Folly wegen Hustens, doch jetzt ist laut Nicholls wieder alles in Ordnung. Dennoch ist die Champion Chase für den Sohn von Presenting ein ziemlicher Leistungssprung, so guter Gegner traf er noch nie. Und dafür ist mir ein Kurs von 7:1 zu wenig.

Urteil
Normalerweise ist Somersby eines dieser Pferde, auf die ich traditionell Geld verliere. Zu viele zweite Plätze in seiner Formbilanz, die Trainerin hat derzeit eine mäßige Erfolgsquote und vielleicht überschätze ich auch seine Ascot-Form: Aber das Pferd von Henrietta Knight ist die Alternative zu den „Big Guns“ Master Minded und Big Zeb zu lukrativeren Odds.

Wie die Buchmacher auf der Insel das Rennen einschätzen. Racebets hat selbstverständlich auch Quoten.