Antara rockt die Parkbahn - die Rennen aus Hoppegarten, Köln und Newmarket live
Der Tag vor dem Tag, an dem Sea The Stars endgültig in die Riege der vierbeinigen Legenden aufsteigen kann. Der Samstag selbst ist voller Knüller. Höhepunkte sind der Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten und das Cambridgeshire in Newmarket, eines dieser Monster-Handicaps aus England. Meine Tipps dort: Wannabe King und Greylami, einer wird die Nase vorn haben - hoffe ich zumindest. 14.00: Die ersten Rennen in Deutschland sind schon gelaufen. In Hoppegarten gewinnt Trainer Uwe Ostmann sein erstes Zweijährigenrennen in diesem Jahr - der Mann, der früher dank der vielen frühreifen Auenquelle-Pferde einer der führenden Trainer bei den Youngstern war. Offensichtlich kommt die Form so langsam wieder. In München war Derbystarter Double Handful in einer harmlosen Aufgabe endlich erfolgreich. 14.05: Gerade bei Betfair Greylami für Toto 210 im Cambridgeshire und Sing Sweetly im ersten Rennen Newmarket für Toto 145 gespielt. Mal schauen, wie sich später die Starting-Preise entwickeln und höher bzw. tiefer als der Betfair-Kurs sind. Manchmal kann man bei Betfair richtige Schnäppchen machen, manchmal geht das aber auch gewaltig daneben. 14.20: Schon wieder Uwe Ostmann in Hoppegarten, diesmal siegt der Mülheimer Trainer mit Nikitos. Offensichtlich kommen die Pferde spät,aber gewaltig... 14.40: Der dritte Ostmann-Streich des Tages, Omkareshwar gewinnt in Köln gegen durchaus gute Pferde.
In Newmarket ist im ersten Rennen das ganze Geld auf Lillie Langtry aus dem irischen O'Brien-Stall. Verständlich, das Pferd hat schon zwei Grupperennen gewonnen. Aber es sind zweijährige Pferde, da kann einiges passieren. My Tipp heißt Sing Sweetly mit Kieren Fallon. 15.05: Als Johnny Murtagh ernst auf der Favoritin Lillie Langtry in Newmarket machte, war das Rennen gelaufen. Erstaunlich gut lief Waveband aus dem Mark Johnston-Stall als 3., die Pferde des ehemaligen Tierarztes sind weiter in hervorragender Verfassung.
Mal schauen, ob jemand in Hoppegarten die Viererwette getroffen hat. Es gewann Violet Shelly (272:10) vor Nouvelle Amie (162:10), Tumult (123:10) und Iason (189:10). 15.20: 5 mal Godolphin, 4 mal Mark Johnston, 2 mal Aidan O'Brien - alles was Rang und Namen hat im Turf auf der Insel, hat Pferde in der Tattersalls Timeform Million am Start. Natürlich auch Trainer Sir Michael Stoute, der Markazzi sattelt, einem Zweijährigen mit besten Nennungen und Richard Hills im Sattel. Ich entscheide mich für Society Rock, der zuletzt in Newmarket gewonnen hat und dabei wie ein Pferd lief, dem die weitere Distanz entgegenkommt. 15.35: Das war ein weiser Entschluss, sich in Hoppegarten an die heutige Tagesform von Trainer Uwe Ostmann (bereits 3 mal erfolgreich) zu halten. Walero gewann souverän, stand bei 90:10 und zauberte mehr als ein Lächeln in mein Gesicht. Im Rennen zuvor in Hoppegarten zahlte die Viererwette satte 600009:10. Da kommt Freude auf.
Eine Sensation gab es auch im zweiten Rennen in Newmarket, als der 637:10 Außenseiter Oasis Dancer mit dem unverwüstlichen Seb Sanders im Sattel siegte. Im Vorteil waren die Pferde auf der Nicht-Tribünenseite der Bahn, meist ist das in Newmarket anders. Und wieder waren zwei Johnston-Pferde unter den ersten vier. 15.55: In Longchamp wurde gerade die große Goldikova entzaubert und jetzt kommt das Gruppe 1-Rennen in Newmarket. Geht es der klassischen Siegerin Ghanaati ähnlich? 16:05: Nächste Überraschung in Newmarket: Ghanaati verliert gegen den französichen Gast Sahpresa. Tja, "limited appeal" schrieb die Sun (natürlich ist das ein Schundblatt, die Racing Seiten am Samstag sind aber ganz gut) und fiel damit auf die Nase. Keine Chancen hatten hingegen die vorher angesagten Fantasia und Strawberrydaiquiri. 16.20: Da wird beim Buchmacher Schickle auf der Dortmunder Rennbahn aber jetzt einiges los sein. Denn die Besitzerin von Roque, der gerade souverän den Ausgleich 3 in Hoppegarten gewonnen hat, ist dort Stammgast. Glückwunsch! 16.25: Es kommen die Höhepunkte des Tages, in Newmarket steht das Cambridgeshire an, ein Handicap wie gemacht für die Buchmacher. 32 Pferde gehen an den Start und die wollen alle dieses Prestige-Handicap gewinnen. Da macht keiner hinterher. Meine Tipps sind Wannabe King und Greylami. Templegate, Tipster der Sun, tippt Applause, sein Kollege Tom Pepper Tryst.
Auch in der Racing Post ist die Meinung der Experten unterschiedlich: Spotlight hat die gleiche Meinung wie ich und nennt Wannabe King, Pricewise prophezeit Almiqdaad und Sirvino, Gerald Delamere hat sich für Applause entschieden, Big-Race Trends nennt Bushman und die Trading Post kündigt Supaesus als beste Each-Way-Wette des Tages an.
In Hoppegarten wette ich Liang Kay, der im letzten Jahr zu den besten Dreijährigen in Deutschland zählte und es jetzt seinen Stallkollegen nachmachen könnte, die alle heute schon gewonnen haben. 16.55: Der Mann von der Trading Post hat Recht behalten: Supaesus gewinnt ganz knapp gegen den Außenseiter Tartan Gigha, dahinter läuft der unverwüstliche Nanton auf Platz 3.
Auch in Köln steht ein interessantes Rennen an, ein Listenrennen für die Sprinter. Richtige Meinung dazu habe ich eigentlich nicht, mit Look Busy läuft aber ein interessanter Gast von der Insel mit, der allererste Chancen haben müsste. Bei Le Big passt mir die Distanz von 1000 Metern nicht, er ist besser über längere Wege. 17.03: Welch eine grandiose Vorstellung von Antara! Heimsieg also für den Hoppegartner Trainer Roland Dzubasz und Jockey Alex Pietsch. Die Bahn bebte regelrecht, als sich die Stute leicht von ihren Gegnern löste. Ich hatte trotz der tadelloser Form etwas Bedenken wegen der Distanz, weil sie bislang immer nur über 1600 Meter lief. Zweiter wurde mein Tipp Liang Kay, Dritter Tempelstern von Gerhard Schöningh, Besitzer der Parkrennbahn vor den Toren Berlins. 17.20: Es ist doch in Köln immer wieder von Vorteil, in den Sprints die Startbox 1 zu haben. Der 176:10-Außenseiter Best Joking gewann aus eben dieser Startbox den Listensprint über 1000 Meter fast Start-Ziel vor den Favoriten Look Busy und Mr. Big. 17.35: Eine Wette habe ich noch laufen: Pearly Wey im 17:50-Rennen in Newmarket. Bislang waren meine Wetten dort wenig erfolgreich. Dafür rettete Walero in Hoppegarten meine Bilanz. Pferd des Tages ist natürlich Antara, die grandiose Siegerin im Preis der Deutschen Einheit und vor einiger Zeit hier schon Galopper der Woche.
Unvergessen wird dieser Tag auch für Sabrina Wandt sein, die bei ihrem ersten Ritt Lord of the Dark in Köln beherzt Start-Ziel zum Sieg ritt. Glückwunsch!
Ein großes Wochenende im Galopprennsport naht: Am Sonntag der Arc in Paris-Longchamp und zahlreiche Toprennen im "Rahmenprogramm", in Deutschland steht mit dem St. Leger der letzte Klassiker der Saison auf dem Programm.
Im Monsterrennen Arc bestimmte im Vorfeld nur Sea The Stars die Schlagzeilen. Der englische Derbysieger steht in klarer Favoritenrolle. Eigentlich spiele ich gerne gegen einen Unter-Pari-Favoriten (Kurs unter 20), doch hier fehlt mir der Mut, zu überzeugend gewann der Sohn der Arc-Gewinnerin Urban Sea seine Rennen. Eine Formumkehr durch Fame and Glory oder Conduit ist nur schwer vorstellbar, bei den Franzosen fehlt das Überpferd - vielleicht wette ich Getaway Ita, also fest auf Platz 2.
Völlig offen ist hingegen das St. Leger in Dortmund, eigentlich lässt sich für jeden Teilnehmer etwas finden. Nur zwei Dreijährige sind im Feld: Wenn Ordenstreuer den weichen Boden kann, dann ist er für mich das gegebene Pferd. Der Hengst aus dem Stall von Roland Dzubasz Derby lief im Derby wie ein großer Steher, dem die zusätzlichen 400 Meter zugute kommen. Von den älteren Pferden hat Vorjahressieger Valdino endlich den Boden, den er braucht. Trainer Uwe Ostmann klang im Interview mit den Ruhr-Nachrichten auch durchaus optimistisch. Allerdings waren die Leistungen von Valdino in diesem Jahr ähnlich enttäuschend wie die Stallform der Ostmann-Pferde.
Gefunden bei YouTube und genau das Richtige zur Einstimmung auf den Prix De L' Arc de Triomphe am kommenden Sonntag: 1975 sorgte der damals fünfjährige Hengst Star Appeal für die große Sensation, als er als erstes (und bislang einziges) deutsches Pferd das vielleicht wichtigste europäische Rennen über die Derbydistanz von 2 400 Meter gewann. Ich kann mich vage (ich war damals 12 Jahre) daran erinnern, dass das Rennen live in der Ard übertragen wurde - auch wenn mich damals Fußball viel mehr interessierte. Der legendäre Adi Furler kommentierte und so ist dieses Video zugleich an eine Hommage an einen Journalisten, der den Galopprennsport quasi im Blut hatte.
Es waren nicht die Wochen der Schweizer Trainer in der Fußball-Bundesliga: Letzte Woche feuerte der VfL Bochum nach der Heim-Niederlage gegen Mainz 05 Marcel Koller, am Montag musste Lucien Favre bei Hertha BSC Berlin gehen.
Sportlich war die Saison für den Hauptstadtclub bislang eine einzige Katastrophe: Ein Sieg und sechs Niederlagen bedeuten den letzten Platz in der Tabelle, für das Torverhältnis von 6:17 klingt das Wort verheerend noch beschönigend. Zuletzt kassierte die Hertha mit 0:4 gegen Freiburg und 1:5 in Hoffenheim zwei demütigende Niederlagen, Trainer sind schon für weniger schlechte Leistungen geflogen.
Bei Favre nimmt das Ganze allerdings einen besonderen Charakter ein. Noch im Frühjahr verlängerten die Hertha-Verantwortlichen seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2011, weil der Verein sportlich so erfolgreich war. Berlin huldigte den Schweizer Trainer, weil die Hertha seit ewigen Zeiten mal wieder vorne mitspielte und bis kurz vor Saisonende noch Chancen auf die Meisterschale besaß. Favres Berliner waren in der letzten Spielzeit nur ganz schwer zu besiegen, der Systemfußball des Fußballlehrers, der in der Schweiz den FC Zürich zweimal zum Meistertitel führte, feierte große Erfolge. Die Mannschaft präsentierte sich als defensiv starke Einheit, die die Räume perfekt verengte und dem Gegner quasi keine Luft zur Entfaltung bot. Im Angriff sorgten dann die starken Individualisten wie Voronin oder Pantelic (wenn er mal spielte) für die entscheidenden Tore. Doch der Trainer mochte keine Stars.
Fehleinkäufe
„Favre verstand sich stets als Projektleiter einer Fußballmannschaft, die im Kollektiv seinen Kurzpassfußball spielen sollte, ohne dass darin viel Platz für Individualisten oder gar Stars gewesen wäre“, analysierte die FAZ treffend. Der exzentrische Stürmer Marko Pantelic, der aber hohes Ansehen im Mannschaftskreis genoss und in vier Jahren für Hertha 45 Tore erzielte, passte überhaupt nicht ins System des Schweizers und durfte am Ende der Saison abdanken.
Im Sommer verließen weitere wichtige Stützen den finanziell klammen Verein: Andrey Voronin, vom FC Liverpool ausgeliehen, war zu teuer für eine Verpflichtung, der herausragende Abwehrspieler Josip Simunic ging nach Hoffenheim. Manager Dieter Hoeneß – seit 1996 verantwortlich – verließ ein Jahr vor Ende seines Vertrages den Klub, auch weil er den Machtkampfes mit Favre und Präsident Gegenbauer überdrüssig war.
Die Neuen konnten die Abgänge in keiner Weise kompensieren. Heimkehrer Artur Wichniarek, schon einmal in Berlin gescheitert, blieb auch beim zweiten Anlauf bislang alles schuldig (kicker-Durchschnittsnote 4,80) und die für wenig Geld gekommenen Bengtsson, Janker, Cesar, Pejcinovic und Ramos zeigen bisher wenig Bundesligareife. Hinzu kommen Verletzungen und Formkrisen bei vielen Spielern des Vorjahres. Zur Misere passt auch, dass der erfahrene Florian Kringe, Neuzugang von Borussia Dortmund und absolut bundesligatauglich, sich bereits bei seinem ersten Einsatz verletzte und wochenlang ausfällt.
Der Fußball ist schnellebig: Hertha-Manager Dieter Hoeneß verkündet die Verlagsverlängerung mit Trainer Lucien Favre bis zum 30. Juni 2011. Nun ist keiner mehr im Amt. Hoeneß ging im Sommer, Favre am Montag.
Es gibt sie noch, die wirtschaftlich positiven Nachrichten aus dem deutschen Galopprennsport: Am Ende des Renntages am Sonntag durfte sich der Kölner Rennverein über einen Umsatz von 520 986 Euro freuen (Vorjahr 474 238 Euro), zum ersten Mal wurde in der Domstadt in dieser Saison laut GaloppOnline die 500 000 Euro-Marke überschritten (Quellen GaloppOnline, Kölner Rennverein).
„An beste Zeiten des Turfs" fühlte sich dann auch das Zentralorgan des deutschen Galopprennsports erinnert und berichtete von einer „rappelvolle Rennbahn“ und „einem Umsatz, wie man ihn kaum zu erträumen gewagt hatte“. Letzterer Satz ist nun doch etwas etwas übertrieben.
Denn die Verantwortlichen im Weidenpescher Park dürften im Vorfeld umsatzmäßig durchaus die 500 000 Euro-Marke angepeilt waren. Das Wetter stimmte und ließ die Besucher strömen, mit zwei Gruppe- und drei Listenrennen boten die Kölner ein sportlich exzellentes Programm, das viel Raum für Wettalternativen bot.
Zudem gab es im Rennen mit der Viererwette auch ohne Jackpot eine Garantiesumme von 50 000 Euro. Die Prüfung entwickelte sich zum Wett-Höhepunkt des Tages: 80000 Euro wurden alleine in der Viererwette gewettet, mit 125 000 Euro war es das umsatzstärkste Rennen der Karte – noch vor dem Preis von Europa.
Die anderen Zahlen des Wochenendes: Ein Plus pro Rennen verbuchte Mannheim, Dresden erreichte das Niveau des Vorjahres. Am Samstag blieb in Mülheim ein Minus (2009 126 000 Euro, 2008 139 000 Euro), obwohl rund 6 500 Besucher auf der Bahn waren.
In Gotha gab es laut GaloppOnline ein Plus von 50 000 Euro auf 61 000 Euro, obwohl im Vorjahr die Veranstaltung doch abgesagt wurde. Ich nehme daher einmal an, dass die Vergleichszahl aus dem Jahr 2007 stammt.