Montag, 28. September 2009
Der Galopper der Woche: Jukebox Jury
Er sah schon vor dem Rennen im Führring fantastisch aus und bestätigte sein Wohlbefinden dann auch eindrucksvoll im Rennen: Der dreijährige Hengst Jukebox Jury, trainiert von Mark Johnston in England und geritten von Royston Ffrench, gewann nach einer Kampfpartie gegen Eastern Anthem aus dem Godolphin-Imperium den Preis von Europa (Gr. 1) in Köln. Frankie Dettori im Sattel des Zweitplacierten schien das Rennen perfekt getimt zu haben, doch Jukebox Jury zeigte großen Kampfgeist und war am Ende knapp vorne.
„Dieses Pferd gewinnt nie mit großem Abstand“, erklärte Jock Benett, Vertreter von Johnston in Köln. „Doch wenn es zu einem Zweikampf kommt, ist er nur sehr schwer zu schlagen.“
Jukebox Jury dürfte durchaus noch Potenzial nach oben haben. Schon zweijährig galt der Schimmel als Derby-Hoffnung im großen Johnston-Quartier. Die Träume waren verständlich, denn als Youngster war der Montjeu-Sohn erfolgreich in den Royal Lodge Stakes (Gr. 2) in Ascot und belegte den zweiten Platz hinter Crowded House in der Racing Post Trophy (Gr. 1) in Doncaster.
Eine Verletzung stoppte die klassischen Pläne, doch die hohe Wertschätzung des Hengstes blieb: Jukebox Jury gab sein Comeback Anfang Juli im Eclipse (Gr.1) in Sandown. Dort hatte er allerdings keine Chance gegen die Spitzenpferde Sea The Stars, Rip Van Winkle und Conduit.
Es folgten ein Erfolg in einem Gruppe 3-Rennen in Haydock, ein etwas enttäuschender vierter Platz in den Great Voltiguer Stakes in York (Gr.2) und der Triumph im Grand Prix De Deauville (Gr. 2) gegen Pouvoir Absolu und Kasbah Bliss, eigentlich besser bekannt als Hürdler der Spitzenklasse. In Köln war jetzt der erste Gruppe 1-Erfolg fällig – auch für Jockey Royston Ffrench, der den Schimmel bei fast allen Starts ritt.
Für seinen Trainer Mark Johnston war es zudem ein denkwürdiger Tag: Denn auf der irischen Rennbahn The Curragh gewann Shakespearan aus seinem Quartier die Goffs Million Mile, dotiert mit 1,6 Millionen Euro.




Sonntag, 27. September 2009
Derby-Blues
Gerade habe ich seit Ewigkeiten mal wieder in den DSF-Stammtisch reingezappt und dabei nur den Kopf geschüttelt: „Eine gute Leistung“ attestierte die Runde dort dem BVB. Besonders Udo Lattek muss ein anderes Revierderby zwischen Dortmund und Schalke gesehen haben als ich und die meisten anderen Zuschauer im Stadion.
Dann mal Klartext: Schalke war von zwei schlechten Mannschaften die Glücklichere, das reichte allerdings, um das emotionsgeladene Derby zu gewinnen. Natürlich hatte Borussia Pech, dass der Schuss von Barrios unter die Latte nicht im Tor war. Ob er jetzt die Linie überschritten hat oder nicht, war selbst in der dritten TV-Wiederholung nicht eindeutig zu erkennen. Zudem foulte Farfan Schmelzer vor dem 1:0, der Treffer hätte also nicht zählen dürfen. Die Schalker wären aber gar nicht aus der eigenen Hälfte Richtung Dortmunder Strafraum gekommen, wenn ein Borusse mit einem taktischen Foul den Spielzug unterbunden hätte. Gelegenheiten gab es genügend dazu.
Selten war ich nach einem Stadionbesuch so geknickt wie nach diesem Spiel. Einfallslos versuchte Schwarz-Gelb meist mit hohen Anspielen auf die Stürmer zum Erfolg zu kommen. Am Anfang konnte Barrios noch ein paar Mal gut ablegen gegen Bordon und Höwedes, ansonsten aber bedankten sich die hoch gewachsenen Schalker Abwehrspieler für diese Bälle. Besonders in der zweiten Halbzeit fehlte im Spielaufbau jegliche Kreativität, zumal auch die Außen Owomoyela und Schmelzer schwach spielten.

Völlig verkrampft
Von der Spielkultur, die das Klopp-Team in der erfolgreichen Rückrunde im letzten Jahr zeigte, ist nichts mehr zu sehen. Das Team agierte gestern über weite Strecken völlig verkrampft.
Gründe für die Misere gibt es einige: Der verletzte Sebastian Kehl ist im Mittelfeld nicht zu ersetzen. Im Angriff war es reichlich naiv von den Verantwortlichen zu glauben, dass ein Barrios aus der chilenischen Liga sofort die Tore macht und einen Torjäger wie Alex Frei ersetzen kann. Zidan ist zu verspielt, Valdez kein Knipser und war gestern nach seiner Einwechslung ein Totalausfall. Und auch Rangelov ist derzeit keine Alternative. Nachteilig macht sich zudem bemerkbar, dass Borussia mit Lee und Kringe (der diese Position auch spielen kann) wertvolle Alternativen für die Außenbahn verkauft hat.
Dortmund in der gestrigen Form befindet sich im Steilflug Richtung Tabellenkeller. Schon tauchen die ersten Diskussionen um Trainer Jürgen Klopp auf, der im letzten Jahr noch als „Messias“ gefeiert wurde. Klopp ist jetzt als Psychologe gefordert. Doch er wird die Probleme in den Griff bekommen – da bin ich mir sicher. Ich hoffe, die Verantwortlichen auch...



Freitag, 25. September 2009
Es handelt sich nur um Fußball
Morgen gibt es das große Revierderby – und alle drehen mal wieder am Rad, wenn Borussia Dortmund auf den Erzrivalen Schalke 04 trifft. So befürchtet die Dortmunder Polizei Auseinandersetzungen, weil 5000 Schalker Fans vom Dortmunder Hauptbahnhof über den Wall und die Hohe Straße geschlossen Richtung Stadion marschieren möchten.
Das Revierderby war schon immer voller Emotionen. Die Stimmung wurde allerdings in den letzten Jahren immer aggressiver, im Vorfeld gab es diesmal einige Befürchtungen. Darauf haben BVB-Fanabteilung und auch Sponsor Evonik reagiert, der in seiner neuesten Anzeige vor dem Derby auf Versöhnung zwischen den Parteien setzt.
Auch nurpferdeundfussball ignoriert das ganze „Mutter aller Schlachten“-Gerede und beschränkt sich pädagogisch wertvoll auf eine rein sportliche Vorschau.

Dortmund: Doppelpack gibt Mut
Ein Sieg, drei Unentschieden und zwei deftige Niederlagen in Hamburg und gegen Bayern zuhause – Borussia Dortmund hat den Start in der Bundesliga kräftig vermasselt. Die Mannschaft, die in der letzten Rückrunde noch so souverän auftrumpfte, produzierte Fehler in allen Mannschaftsteilen. Roman Weidenfeller im Tor patzte mehrmals, die Abwehr mit Owomoyela, Santana, Subotic und Dede bzw. Schmelzer wirkte in vielen Situationen richtig fahrig, im Mittelfeld überzeugte eigentlich nur Nuri Sahin und im Angriff herrschte nach dem Abgang von Alex Frei oft die große Flaute. Der Abgang des Schweizer Nationalspielers war doch nicht so leicht zu kompensieren.
Schmerzlich vermissen die Dortmunder zudem den verletzten Kapitän Sebastian Kehl auf der 6er-Position, der nicht zu ersetzen ist, auch wenn auf dieser Position mit Mats Hummels und Sven Bender Alternativen für die Zukunft da sind.
Im Vergleich zu früheren Jahren blieb es allerdings im BVB-Umfeld ruhig, Trainer Jürgen Klopp und die Verantwortlichen trotzten allem Krisen-Gerede, werteten das matte 1:1 in Hannover als Schritt in die richtige Richtung. In dieser Woche folgte am Dienstag ein souveräner 3:0-Erfolg im DFB-Pokal beim Zweitligisten Karlsruhe. Und zumindest Lucas Barrios, Neuzugang von Colo Colo aus Chile und Nachfolger von Frei, tankte mit zwei Treffern Selbstvertrauen. Verständlicherweise hatte der „Welttorjäger“ zu Beginn einige Umstellungsprobleme, das Tempo in der Liga war für ihn um einiges zu schnell. Allerdings zeigte er schon, dass er weiß, wo das Tor steht – und das zeichnet einen Torjäger aus.

Schalke: Der neue Messias
Die Fans und den Boulevard hat er schon überzeugt: „Magath bei den Fans schon Meister der Herzen“ titelte BILD vor kurzem. Besonders gut bei den Anhängern kam dabei an, dass „Quälix“ die hochdotierten Schalker Profis in der Vorbereitung mit Medizinbällen malochen ließ. Auf Schalke kann man eben immer noch mit einfachen Gesten das Volk erfreuen. Vielleicht schweißt aber auch die Finanzmisere des Clubs Anhang und Mannschaft zusammen.
Felix Magath, der Meistertrainer aus Wolfsburg, soll die Blauen wieder nach oben führen. Erwartungsgemäß ließ er dabei keinen Stein auf dem anderen und überraschte mit vielen jungen Spielern, die vorher kaum einer kannte: Zambrano, Moritz, Kenia, Schmitz oder Pliatsikas – sie alle könnten am Samstag in der Startformation stehen. Und zumindest seinem „Stürmerstar“ Farfan hat der Fußball-Lehrer offensichtlich richtig Beine gemacht, denn der Peruaner trumpft in dieser Saison richtig stark auf.
Mit drei Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen fiel der Gelsenkirchener Start durchaus zufrieden stellend aus, spielerisch konnte die Mannschaft aber kaum überzeugen. Das, so Magath, sei allerdings auch noch nicht zu erwarten. Mal sehen, wer am Ende wen schafft – Magath Schalke oder Schalke Magath.
In den Niederlanden führt übrigens nach sieben Spielen der PSV Eindhoven ungeschlagen die Tabelle an: Trainer dort ist ein gewisser Fred Rutten, „als spielerischer Impulsgeber“ (kicker) überzeugt Orlando Engelaar.

Tipp
Es wird nichts für Fußball-Ästheten, Dortmund gewinnt 2:1.