Lieber Franz Müntefering,
schönes Interview, das Du der Bild am Sonntag gegeben hast. Ich darf Du sagen, ist doch bei den Genossen so Usus. Ein paar schöne Attacken gegen die Bundeskanzlerin in deren Hauspostille, so gehört sich das im Wahlkampf. Ganz großes Kino war auch, wie Du den Boulevard-Fuzzis prophezeit hast, dass der Abend des 27. September ein bitterer für diese wird.
Aber was lese ich da unten im Kasten bei Deinen Hobbys. Neben Lesen und Joggen magst Du Pils und Zigarillos und bist Fan von Schalke 04 und Borussia Dortmund. Wie bitte? Fan der beiden Erzrivalen im Ruhrgebiet – das geht gar nicht!
Nun gilt der Sauerländer ja gemeinhin als etwas dickköpfig, aber so was war mal höchstens in den 30er Jahren tolerierbar, als Schalke dem BVB sportlich meilenweit voraus war und die Schalker Meistermannschaft in Dortmund begeistert empfangen wurde.
Heute sind beide Vereine auf Augenhöhe, die Rivalität lässt sich auch durch irgendwelche Argumente pro Ruhrgebiet nicht wegdiskutieren. In Dortmund wird heute kein Schalker mehr freundlich empfangen. Weißt Du, lieber Franz, wann die Stimmung in Dortmund richtig überkocht, wenn das Spiel noch so müde ist? Wenn die Südtribüne „Schei…e 04“ anstimmt. Ich habe keine Ahnung, was der Erzrivale singt, weil ich die Turnhalle nicht besuche, aber dort wird es ähnlich sein, wenn der Schmähgesang gegen Schwarz-Gelb kommt.
Und wie ist das eigentlich beim Derby? Sagst Du dann, heute bin ich mal mehr Schalke, beim nächsten Mal wieder mehr für Dortmund. Wie war das denn beim berühmten Match im Mai 2007? Hast Du mit Dortmund gefeiert oder mit Schalke geweint? Das nächste Derby ist übrigens am Wochenende der Bundestagswahl.
Wählerstimmen bringt diese Haltung nicht. Kein Dortmunder Fan wählt jemanden, der Herne-Nord im Blut hat. Und kein Schalker stimmt für einen Politiker, der Fan des Vereines aus der Nähe von Lüdenscheid ist.
Wenn Du schon einen Verein zum Zweit-Fandasein suchst, dann nimm’ doch Schalke und Nürnberg. Oder Dortmund und Celtic Glasgow. Oder unterstütz’ Deine örtlichen Klub, den TuS Sundern. Der kickt in der Landesliga.
Ich gebe ja zu, dass der französische Rennsport bei mir etwas nebenher läuft und ganz klar der Fokus auf den englischen und deutschen Rennen liegt. Da entdeckt man manchmal außergewöhnliche Pferde etwas spät: Goldikova fiel mir erst auf, als sie die Breeders Cup Mile Ende 2008 in Santa Anita in den USA gewann.
Zweifelsohne ist die Stute das überragende Pferd in Europa auf der Meile. Das stellte sie am Sonntag im Jacques Le Marois in Deauville mal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Hochüberlegen siegte die Anabaa-Tochter gegen den Engländer Aqlaam und auch der Schlenderhaner Irian, erfolgreich im deutschen Mehl-Mülhens-Rennen, hatte nicht den Hauch einer Chance.
13 Starts, 9 Siege, 2 zweite Plätze, einmal Dritter lautet die beeindruckende Bilanz von Goldikova, die trainiert wird von Freddie Head und die berühmten blau-weißen Wertheimer-Farben trägt. Bei allen Erfolgen ritt sie Olivier Peslier, seit Jahren einer der besten französischen Jockeys.
Dreijährig stand die Wertheimer-Stute noch etwas im Schatten einer anderen Ausnahmestute: Im Poule D’Essai Des Pouliches, den französischen 1000 Guineas, war sie Zweite hinter Zarkava, im Prix De Diana belegte sie Rang 3 – die Siegerin hieß wiederum Zarkava.
Nach diesem Versuch über die längere Strecke gingen die Verantwortlichen auf die Meile zurück. Das zahlte sich aus: Goldikova gewann vier Mal in Folge, davon drei Gruppe I-Rennen. Höhepunkt war der Erfolg gegen die weltbesten Meiler während des Breeders Cup-Meetings.
Den einzigen Flop ihrer Karriere leistete sich die Stute, als sie zum Saison-Auftakt nur 7. im Prix D’Ispahan in Paris-Longchamp wurde. Zu diesem Zeitpunkt liefen allerdings alle Pferde aus dem Stall von Freddie Head schlecht.
Spätestens in den Falmouth Stakes im englischen Newmarket, die so völlig unangefasst gewann, zeigte sich Goldikova in alter Stärke. Die beiden Siege jetzt in Deauville bestätigten eindrucksvoll die Ausnahmequalitäten der Stute. Trainer Head schätzt sie übrigens höher als Miesque ein, die Stute, die er als Jockey zweimal zum Erfolg in der Breeders Cup Mile ritt.
Der Triumph des Derbysiegers: Es war der berühmte „Kampf auf Biegen und Brechen“ (GaloppOnline) und eines dieser Rennen, die noch lange im Gedächtnis bleiben. Im Rheinland-Pokal (Gruppe I, 2400 Meter) behielt der jüngere Protagonist Wiener Walzer hauchdünn nach Zielfoto die Oberhand gegen seinen Stallgefährten Getaway. Verlieren stand offensichtlich nicht auf der Agenda des von Fredrik Johansson gerittenen Schlenderhaners, denn immer wenn Getaway mit Adrie de Vries schon vorbei schien, zog Wiener Walzer wieder an. Beide Pferde werden von Jens Hirschberger vorbereitet. Dritter wurde der Godolphin-Schützling Eastern Anthem. Für den Derbyjahrgang warb zudem Schiller Danon (Trainer Waldemar Hickst/Eddie Pedroza), der als Außenseiter auf Platz 4 einlief. Die Enttäuschung kam ebenfalls aus dem Hickst-Stall: Flamingo Fantasy, einer der Entdeckungen der ersten Halbserie, hatte schnell sein Pulver verschossen und lief abgeschlagen als Letzter durchs Ziel.
Die Zahl des Tages: 146.541,70 Euro Umsatz konnte der Kölner Renn-Verein am Sonntag in der Wettchance des Tages, einem Ausgleich IV über 2 200 Meter, verbuchen. Das sei, so der Renn-Verein, einer der höchsten Wettumsätze seit vielen Jahren. Die bisherige Höchstmarke betrug 146.089,50 Euro im Preis von Europa des Jahres 2002. Natürlich lockte die Wetter die garantierte Auszahlung von 75 000 Euro in der Viererwette. Das Rennen gewann die vierjährige Stute My Summer of Love des Stalles Strebel mit Daniele Porcu im Sattel. Trainiert wird die Stute von Kevin Woodburn, als Jockey einst ein großer Stratege, als Trainer bislang allerdings mit weniger Fortune.
Die Serie des Andreas Wöhlers: Alle, die an diesem Wochenende die Pferde von Trainer Andreas Wöhler wetteten, durften sich am Ende über ein Plus freuen. Kein großes, denn die Pferde des jetzt in Ostwestfalen ansässigen Trainers notierten fast alle ziemlich niedrig am Toto. Indomable und Larello, die Sieger am Freitag in Hoppegarten, standen dann auch jeweils klar favorisiert bei 13:10. In Köln am Sonntag gewannen Mi Benedikt (14:10), Ceodora (25:10) und Sommermärchen (27:10). Das Sahnehäunchen setzte Rolling Home (67:10), der Start-Ziel den Preis der Spielbank Wiesbaden, einen Ausgleich I, entschied. Damit war an diesem Wochenende jedes Wöhler-Pferd, das an den Start ging, erfolgreich.
Der Blick auf die Tabelle der Bundesliga: Ja, liebe Anhänger des FC Schalke 04, Ihr dürft Euch nach langer Durststrecke mal wieder so richtig freuen. Nach dem 3:0 gegen den VfL Bochum sind die Königsblauen mit ihrem neuen Trainer Felix Magath jetzt gemeinsam mit Wolfsburg Tabellenführer der ersten Liga. Das Schalker Glück erst richtig rund machte aber die 1:4-Schlappe des Erzrivalen BVB beim Hamburger SV. Das war neben der Niederlage in Hoffenheim in der vergangenen Hinrunde die schlechteste Vorstellung des BVB unter Übungsleiter Jürgen Klopp.
Ein Renntag, der an bessere Zeiten im deutschen Galopprennsport erinnert: Im Mittelpunkt am Sonntag auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch steht der Rheinland-Pokal, ein Gruppe I-Rennen über 2400 Meter. Eine excellente Besetzung verspricht ein hochspannendes Rennen: An den Start kommen Wiener Walzer, der diesjährige Derbysieger, sein Stallgefährte Getaway, zuletzt erfolgreich im Deutschland-Pokal in Düsseldorf und Flamingo Fantasy, dreifacher Sieger in diesem Jahr und in Düsseldorf nur von Getaway geschlagen.
Peter Schiergen sattelt Saphir, der im Derby zwar enttäuschte, davon aber im Münchener Bavarian Classic den Kopf vorne hatte. Aus München reist Poseidon Adventure an, der häufig in solchen Top-Rennen sehr gut lief und dessen Quartier vor 14 Tagen mit Night Magic den Preis der Diana gewann.
Ein steigerungsfähiges Pferd ist mit Sicherheit Schiller Danon aus dem Stall von Waldemar Hickst, dessen ersten Waffe aber Flamingo Fantasy sein wird. Und dann ist da noch Eastern Anthem aus dem großen Godolphin-Stall. Im Sattel sitzt diesmal nicht Frankie Dettori, sondern Ahmed Ajtebi, der Mann, der beim World Cup-Tag in Dubai
für Aufsehen sorgte und zwei Rennen auf spektakuläre Art gewann. Eines davon war das Dubai Sheema Classic mit Eastern Anthem, bei dem er unter anderen auch Quijano schlug. Daher noch mal zum Genießen: Das Video des Dubai Sheema Classic.
Mein Tipp ist allerdings Flamingo Fantasy, weil ich glaube, das endgültige Leistungsvermögen des Hengstes ist immer noch nicht erkannt. Die Wahl ist mir aber sehr schwer gefallen, weil auch für die beiden Pferde von Jens Hirschberger einiges spricht. Ein mehr als gefährlicher Außenseiter ist Poseidon Adventure. Auch sonst bietet der Kölner Renntag ein packendes Programm mit dem Auktionsrennen für Zweijährige, diversen knackigen Handicaps und der Wettchance des Tages, bei der in der Viererwette 75 000 Euro garantiert ausgezahlt werden.