Donnerstag, 13. August 2009
It’s Gino – das Ende eines Turf-Märchens
Profisportler, so heißt es, sollten aufhören, wenn sie im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit sind. Offensichtlich haben Trainer Pavel Vovcenko und der Stall Stall 5-Stars, die Besitzer des Rennpferdes It’s Gino, die richtige Entscheidung getroffen. Der famose dritte Platz im letztjährigen Prix de l’Arc de Triomphe hinter Zarkava und Youmzain war der letzte Start des Hengstes. „Er hat einige gesundheitliche Einschränkungen, die ihn frühestens nächstes Jahr im Sommer wieder starten lassen“, sagte Trainer Pavel Vovcenko gegenüber GaloppOnline. Es sei fraglich, ob er noch einmal an alte Klasse anknüpfen könne. Daher suchen die Verantwortlichen jetzt einen Platz als Deckhengst für den Perugino-Sohn.
In Paris-Longchamp zeigte der Galopper des Jahres 2008 noch einmal das, was ihn so auszeichnete: Kampfgeist, Herz und Mut – es war eine beeindruckende Vorstellung, die er in dem Millionenrennen gegen den europäischen Turf-Adel ablieferte.



Manchmal schreibt der Turf die besten Geschichten eben selbst. „It’s Gino – ein modernes Pferde-Märchen“, titelte im vergangenen Jahr die Welt am Sonntag und beschrieb noch einmal dessen ungewöhnliche Karriere. Für 10000 Euro kaufte Dachdeckermeister Bernd Gerdes, dessen Pferde unter dem Namen Stall Silbersee laufen, einen braunen Hengst von Züchterin Birgit Nuttelmann. Zweijährig gewann er ein Rennen für Trainer Uwe Ostmann in Köln und schlug dabei den späteren Derby-Zweiten Dickens.
Doch dann gab es gesundheitliche Probleme und It’s Gino stand dreijährig auf der Koppel. Keiner wusste, was er hatte, doch dem Hengst tat die Pause gut und er kam wieder ins Training. Nach mehreren Stationen landete er bei Pavel Vovcenko in Bremen-Mahndorf und was dann folgte, beschreibt der Begriff Leistungsexplosion nur unzureichend.
It’s Gino gewann sechs Rennen in Serie, unter anderem zwei in Frankreich. Die Krönung war der Sieg im Großen Preis der Badischen Wirtschaft (Gr.2), wo er gegen Egerton und Poseidon Adventure die Oberhand behielt. Da war er schon nicht mehr im Besitz des Stalles Silbersee; Gerdes hatte das Pferd für 110 000 Euro an den Stall 5-Stars verkauft.
Die Siegesserie riss ausgerechnet im Hamburger Idee Hansa-Preis, als Egerton den Spieß umdrehte und den Vovcenko-Schützling knapp besiegte. Es folgten drei dritte Plätze in Gruppe I-Rennen, die zweifellos beste Leistung war die im Arc. Insgesamt lief It’s Gino in seiner Karriere nur 11 Mal, siegte davon sieben Mal, war vier Mal platziert, gewann Preisgelder in Höhe von 615.800 Euro und erreichte ein GAG von 102 kg.



Mittwoch, 12. August 2009
Der Berg kreiste im englischen Rennsport
Neu datierte Flach- und Hindernis-Championate, weitere Renntermine mit hochklassigen Rennen auf der Flachen, eine "Team"-Handicapserie an sechs Samstagen im Sommer, mehr Gruppe I-Rennen am Samstag oder Qualifikationsrennen für die großen Rennen des Hindernisfestivals in Cheltenham – mit diesen Vorschlägen möchte das „Racing for Change“-Projekt neue Zielgruppen für den Galopprennsport in England interessieren. (Quellen: The Times, Guardian und ein nicht mehr online frei verfügbarer Text der Racing Post)
Auch auf der Insel haben Galopprennen an Attraktivität verloren, manche munkeln sogar von einer Krise. Im Wettmarkt beispielsweise sind Fußball und Online-Spiele wie Poker gerade in der jüngeren Zielgruppe starke Konkurrenten. Ein weiteres Alarmzeichen: Die BBC will ihre TV-Übertragungen von den Rennbahnen um 50 Prozent reduzieren.
Aus deutscher Sicht mögen diese Probleme marginal sein, hier blickt man immer noch neidisch auf die Insel. Weil zum Beispiel jede große Zeitung – ob Broadsheet (seriös) oder Tabloid (Boulevard) – über einen eigenen Racing-Korrespondenten verfügt, liest man regelmäßig etwas über den Sport. Alle wichtigen Rennen werden von Channel 4 oder der BBC im Fernsehen übertragen. Wer einmal gesehen hat, mit welchem Aufwand dort Galopprennen präsentiert werden, der erträgt mit Freude den „Buddy-Journalismus“ zwischen Reportern und Verantwortlichen und fragt sich andererseits, was in Deutschland in den letzten 20 Jahren eigentlich alles falsch gelaufen ist.
Wie das so ist, wenn es Probleme gibt, bildete man auch in England eine Kommission und nannte sie „Racing for Change“. In ihr sitzen Vertreter der einzelnen Interessengruppen Rennbahnen, Buchmacher, Besitzer, Jockey und Regierung.

Champions Day
Anfang der Woche stellte die Kommission ihre Vorschläge vor, die 2011 in Kraft treten könnten.
• Die Championate auf der Flachbahn starten Mitte April mit dem Craven-Meeting in Newmarket und enden mit einem „Champions Day“, möglicher Termin wäre Ende September in Ascot.
• Die Championate auf der Hindernisbahn beginnen mit dem Open Meeting in Cheltenham (Mitte November) und enden mit dem Grand National Meeting Anfang April in Aintree.
• Weitere Top-Renntage mit hohen Preisgeldern auf der Flachbahn
• Mehr Gruppe 1-Renntage am Samstag
• Eine neue Serie von Flach-Handicaps an sechs Sommer-Samstagen mit möglichen Punktewertungen für Jockeys, Trainer, Pferde oder Besitzer.
• Qualifikationsrennen für die Top-Rennen des Cheltenham-Hindernisfestivals.
• Stärkere Verbindungen zwischen Cheltenham und Aintree, den Top-Hindernisfestivals.
Die ersten Reaktionen auf die Pläne waren gemischt. Kritik kam erwartungsgemäß von den Verantwortlichen der Rennbahnen in Doncaster und Sandown, aber auch von Hindernis-Championtrainer Paul Nicholls, der keinen Grund sieht, das bewährte System zu verändern.


Beim Festival in Aintree könnte sich zukünftig entscheiden, wer die Championate im Hindernissport gewinnt.



Montag, 10. August 2009
Sportschau statt Bundesliga live
Die Bundesliga startete am Wochenende in die neue Spielzeit – und sportlich ging es gut los. Borussia Dortmund gewann hochverdient mit 1:0 gegen einen allerdings ersatzgeschwächten 1.FC Köln (ohne Geromel, Novakovic und Podolski). Der BVB drehte besonders in der zweiten Halbzeit richtig auf, die arg defensiven Gäste durften sich bei ihrem Schlussmann Mondragon bedanken, dass sie nur ein Tor kassierten, auch wenn dieses durch ein Eigentor etwas unglücklich zustande kam. Am Freitag gab es ein sehr interessantes Auftaktspiel, dass Meister Wolfsburg letztendlich verdient gegen lange Zeit durchaus gleichwertige Stuttgarter gewann.
Selbst die stärkere Zerstückelung des Spielplanes auf fünf unterschiedliche Anstoßzeiten an drei Spieltagen zerstörte an diesem Wochenende nicht die Idylle für den Nicht-Sky/Liga Total-Kunden. Die ARD-Sportschau begann zwar wie gewohnt um 18 Uhr und startete unverändert mit drei Partien aus der 3. Liga. Doch danach folgten (das ist neu) zwei Spiele aus der 2. Liga und erst danach begannen die Begegnungen aus der ersten Liga, weil nur fünf Mal am Samstag Nachmittag zur Stammzeit um 15 Uhr 30 gekickt wird. Dafür läuft jetzt parallel zur ARD-Sportschau eine weitere Partie, Anstoß 18 Uhr 30 – Hoffenheim gegen Bayern an diesem Spieltag, also durchaus attraktiv.
Dennoch schauten im Schnitt 4,44 Millionen Zuschauer (Marktanteil 27,5 Prozent) an diesem Samstag die Sportschau. Damit sei die Sportschau sogar erfolgreicher als im letzten Jahr, denn 2008 sahen zum Auftakt nur 3,77 Millionen Zuschauer (Marktanteil 24 Prozent) zu, freut sich das Erste in einer Pressemitteilung. Allerdings: In der letzten Saison verfolgten durchschnittlich 5,27 Millionen Zuschauer die 34 Spieltage der Bundesliga.

Lahm und die Kaffeedöschen
Das 18 Uhr 30-Spiel ist die große Chance für das traditionsreiche ZDF-Sportstudio, das als erster Free TV-Sender berichten darf. Das einstige Flaggschiff des Zweiten war in den letzten Jahren quotenmäßig eingebrochen, was sich die Verantwortlichen auch selbst eingebrockt haben. 08/15-Berichte, belanglose Interviews, unregelmäßige Sendetermine – das Sportstudio gehört schon lange nicht mehr zu den Pflichtterminen. Ob ich jeden Samstag die Sendung angucke, ist weiter fraglich – dieses Wochenende habe ich mal eingeschaltet und es nicht bereut. Das mag daran liegen, dass Moderator Michael Steinbrecher mit Bayern-Spieler Philipp Lahm einen Gast hatte, der durchaus etwas zu sagen hat, wenn man nachfragt. Und das machte Diplom-Journalist Steinbrecher und Lahm erklärte dann auch brav die Taktik mit Hilfe von Kaffeesahnedöschen.
Pannen gab es zwar auch: Zwei Versuche, den Spielbericht Hoffenheim gegen Bayern zu starten, scheiterten, weil das Bild zwar da war, aber der Ton fehlte. Als der Zuschauer dann endlich Bela Rethy hörte, lieferte der einen durchaus brauchbaren Kommentar ab. Zu sehen war auch, wie Bayern-Kapitän Mark van Bommel sich bei einem versuchten Foul selbst verletzte.
Hervorragend fand ich die Zusammenfassung der Sonntagsspiele in West 3. Natürlich war das 3:3 zwischen Bochum und Gladbach ein faszinierendes Spiel, dennoch: In nur 25 Minuten fühlte ich mich bestens informiert. Natürlich ist das unfair gegenüber dem DSF, das als privates Unternehmen auf die Werbung angewiesen ist. Aber keiner dieser marktschreierischen DSF-Trailer, kein Her- und Dahlmänner, kein permanenter Schwenk auf den jubelnden Trainer – das war richtig erholsam.
Jemand hat aber definitiv die A...karte - und das sind die Anhänger der Teams der 2. Liga. Kein Wunder bei diesen Zeiten: Freitags 18 Uhr, Samstags 13 Uhr, Sonntags 13 Uhr 30, Montags 20 Uhr 15.