Dienstag, 28. Juli 2009
Der Galopper der Woche: Le Big
Dortmunder Siege in München sind etwas Besonderes. Weil sie so selten sind: Im Fußball hat das Borussia bei Bayern schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschafft, nur bei den kleineren Löwen gab es einige Erfolge, als diese noch in der Bundesliga kickten. Im Galopprennsport sind sie ebenfalls nicht alltäglich, zumal selten einmal Dortmunder Pferde den weiten Weg nach Riem wagen. Die Reise lohnt sich höchstens für Gruppe- oder Listenrennen – und dafür fehlt es den meisten in Wambel trainierten Vollblütern einfach an Klasse.
Das gilt nicht für Le Big, der am Sonntag in der Dallmayr Prodomo Trophy, einem Listenrennen über 1400 Meter, gegen Black out und Shinkos Best siegte. Der 5jährige Wallach dürfte das derzeit beste Pferd aus der Wambeler Trainingszentrale sein. Schon sein Erfolg Anfang Juni in Düsseldorf beeindruckte, als er ein formstarkes Feld im Ausgleich 1 mühelos distanzierte.
Der Triumph im Münchener Listenrennen krönte eine unvergessene Woche für seinen Betreuer Uwe Stoltefuß. Letzte Woche hatte er in Bad Harzburg seinen 2 000 Trainersieg geschafft – und damit ist der mehrfache Champion der derzeit erfolgreichste aktive Trainer in Deutschland. Wie viele seiner Kollegen in Deutschland hat auch Stoltefuß bessere Zeiten hinten sich, die Krise im deutschen Galopprennsport trifft gerade Trainer wie ihn, die nicht eines der großen Gestüte im Rücken haben.
Besitzer von Le Big ist das Gestüt Wittekindshof von Hans-Hugo Miebach, gleichzeitig auch Präsident des Dortmunder Rennvereins. Seine Pferde waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich, doch dieser Erfolg ging so ziemlich an den Dortmunder Trainern vorbei. Trainiert wurden die Pferde meist in Köln.
Und auch der Big Shuffle-Sohn stand zuerst bei Andreas Trybuhl auf dem Weidenpescher Hippodrom, debütierte zweijährig als Vierter hinter Pferden wie Persian Storm, Molly Max sowie Conillon und siegte danach in Mülheim. 2007 musste er verletzt pausieren und kam zu Uwe Stoltefuß nach Dortmund ins Training.
Mit Erfolg: 2008 gewann der Wallach bei 12 Starts zweimal und war sieben Mal platziert. In diesem Jahr dürfte er sich weiter verbessert haben. Geduld im Galopprennsport zahlt sich eben doch meist aus.



Sonntag, 26. Juli 2009
Wenn ein Livestream seinen Namen nicht verdient - die Rennen in München, Köln und Bad Harzburg
Gestern gab es nichts zum King George in Ascot, weil ich das Westfalenstadion, wo Borussia Dortmund auf Valencia und Udinese traf, bevorzugte. Dafür stehen heute wieder Galopprennen im Vordergrund: Ab 13 Uhr 30 Liveblog zu den Rennen aus München, Köln und Bad Harzburg.
13 Uhr 35: Dreijährige sieglose Pferde machen den Auftakt in München. Natürlich in der Favoritenrolle: die Gäste aus dem Westen Interian (19) und Palea (39). Erstaunlich stark gewettet wird Wyoming, Debütantin aus dem Glanz-Stall.
13 Uhr 45: Grauenhafte Bilder, schrecklicher Ton mit vielen Rückkopplungen - sie lernen es in Deutschland einfach nicht, ihr Produkt entsprechend zu präsentieren. Ich würde den Dienstleister, der dafür verantwortlich ist, schnellstens in die Wüste stecken. Das erste Rennen in München gewinnt der Favorit Interian aus dem Stall von Andreas Trybuhl, souverän zum Wahnsinnstoto von 13:10, dahinter kommen zwei Außenseiter. In Bad Harzburg geht es los mit einem Ponyrennen.
14 Uhr: Technische Probleme, daher erst mal keine Bilder aus Köln. In München steht ein Ausgleich 2 auf dem Programm: Klarer Favorit ist Lukian mit (lächerlichen) 12:10, zuletzt dreifacher Sieger in Serie. "Seitdem er kastriert ist, läuft es" meint der Experte aus dem Führring. Sonst werden noch Zoran und Aden Gulf gewettet.
Es gibt doch Bilder aus Köln. Rheinberger aus dem Stall von Uwe Stoltefuß gewinnt den Ausgleich 4 zum Auftakt, vielleicht schafft er ja noch den 3 000 Sieg seiner Karriere.
14 Uhr 20: Der dreijährige Aden Gulf aus dem Quartier von Peter Schiergen ist im Münchener Ausgleich 2 vorne, der Favorit hingegen geschlagen.
14 Uhr 30: Gerade mal 5 Starter im zweiten Rennen in Bad Harzburg. Hier hat der 13:10-Favorit Wasp souverän alles im Griff.
14 Uhr 45: Fast nur Favoritensiege bislang: Die beiden Favoriten enden in Köln auf den Plätzen 1 und 2.
15 Uhr 00: Es folgen die ersten zwei Höhepunkte: in Köln das Oppenheim-Rennen für Zweijährige, in München die Dallmayr Coupe Lukull für dreijährige und ältere Stuten, ich wette dort Antara aus dem Dzubasz-Quartier. In Köln ist Paradiese Rain das gemeinte Pferd..
15 Uhr 20: In Köln gewinnt der Favorit, im Münchener Listenrennen siegt Magic Eye aus der Löwe-Stall. Mein Tipp Antara wurde stark gewettet auf der Bahn, der Vorstoß innen kam aber zu spät - Platz 3. Na ja, der Dallmayr-Renntag war wetttechnisch noch nie ein Erfolg...
15 Uhr 35: Nachtrag zum Oppenheim-Rennen in Köln: Dort belegte Trainer Mario Hofer die Plätze 1 und 2, ich habe derzeit den Eindruck, dass bei den Zweijährigen bislang nur die Trainer Hofer und von der Recke dominieren.
15 Uhr 40: Verzögerung in Weidenpesch durch ein reiterloses Pferd. Ein durchaus interessantes Sieglosen-Rennen mit einigen spätreifen Vertretern großer Ställe. In München folgt das nächste Listenrennen, diesmal für die Sprinter über 1400 Meter. Mitfavorit ist der Stoltefuß-Schützling Le Big, ich tippe mal auf den Löwe-Schützling Ottomax.
15 Uhr 50: Wieder Favoritensieg in Köln, Sieger Illo aus dem Gestüt Schlenderhan scheint aber auch ein sehr talentiertes Pferd zu sein. Ein exzellentes Debüt gab Tres Rock Danon, der noch etwas grün lief, aber immerhin noch vor Brusco war. Und dieser Brusco schlug immerhin zuletzt Sordino, der später Zweiter im Deutschen Derby war.
16 Uhr 20: Zwischendurch ging hier am Server auch mal nichts. Dennoch Glückwunsch an den Rennweg nach Dortmund-Wambel, denn Le Big gewann in München in überzeugender Manier das Listen-Sprintrennen und sorgte damit für den zweiten Tagessieg des Dortmunder Trainers Uwe Stoltefuß. Und offensichtlich ist live doch nicht live, denn durch die Kölner Startverzögerung lief das Rennen schon vorher, bevor es im Stream gezeigt wurde. Auch in Harzburg kreisten die Pferde im Stream noch vor der Startstelle, das Rennen war aber längst gelaufen und konnte nicht mehr bewettet werden.
In München läuft jetzt übrigens Surabaja, ein Pferd von Bayern-Spieler Philipp Lahm, der damit auf den Spuren von Didi Hamann und Markus Babbel (?) wandelt. 19 500 Zuschauer sind im übrigen auf der Bahn in München - Respekt!
16 Uhr 45: Bueno Amigo (163:10) vor Oh Happy Day (160), Moriskentänzerin (216) und Allegrette (566) - wer die Viererwette in München in dieser Reihenfolge getroffen hat, der wird diesen Tag mit Sicherheit nicht vergessen.
Viererwette wurde laut Bahn nicht getroffen, mir hätten aber auch Einlauf (4043:10) oder Dreierwette (Quote 58117:10) gereicht und das Wort Amigo hätte für mich eine neue Bedeutung. In Bad Harzburg gab es einen fürchterlichen Sturz von Merlino, der mit den Rails kollidierte...
Köln wieder nicht live, im Stream kreisen sie noch vor den Startboxen, beim Rennort Köln steht schon das vorläufige Ergebnis: 1 - 10 - 2, vierter Tagessieg für Jockey Eddie Pedroza. Der Sieger Indomable scheint aber ein sehr talentiertes Pferd zu sein.
17 Uhr 05: Münchens Turf-Highlight steht an, der große Dallmayr-Preis, Gruppe I. Am Toto blinken die beiden Engländer Trincot aus dem Godolphin-Imperium und der Globetrotter Pressing, im letzten Jahr Zweiter in diesem Rennen. Beide sind natürlich brandgefährlich, zumal die Stallform der Godolphin-Pferde deutlich angezogen hat. Und auch Michael Jarvis, Trainer von Pressing, ist in Form.
Drei Fragen interessieren mich bei den deutschen Pferden:
Wie ist Liang Kay drauf? So ganze traue ich der Ostmann-Form nicht, ansonsten wäre der Hengst mein Tipp.
Kommt Precious Boy über die 2000 Meter? Sein Trainer meint ja.
Was können Lady Alida und Northern Glory, die Münchener Vertreter aus dem Figge-Stall? Besonders Lady Alida wird stark gewettet.
Die Viererwette im Rennen davor wurde übrigens nicht getroffen...
17 Uhr 30: Die Rennleitung überprüft den Rennverlauf in München. Vorne war Pressing vor Precious Boy, der angeflogen kam und bewies, dass er die Distanz von 2000 Meter kann. Es soll ein leichtes Kreuzen des Siegers gegen den Zweiten gegeben haben. Dritter wurde Trincot. Und die Form von Trainer Uwe Ostmann kann man weiter vergessen, denn Liang Kay kam nie vom Ende weg.
Nächstes Highlight des Tages ist die Silberne Peitsche in Köln, ein Gruppe 3-Sprint über 1.300 Meter. Auf dem Papier eine ziemlich offene Angelegenheit, richtig raus sticht kein Pferd...
17 Uhr 40: Der Kölner Sprintpreis ist gestartet, der Stream zeigt Bad Harzburg, wo das Ergebnis auch schon steht. Beeke gewinnt knapp. In Köln hat Contat die Nase vorn, auch wenn die Pferde im Stream sich noch vor den Boxen tummeln - und das seit ungefähr fünf Minuten. Mich würde einmal brennend interessieren, was dabei an Umsatz verschenkt wird. Aber zumindest hat man die Tonprobleme besser im Griff...
18 Uhr: Excellente Leistung von Contat: Auch für ihn gilt offensichtlich wie für viele Sprinter, dass sie mit dem Alter immer besser werden. In München blieb das Ergebnis unverändert. Der Sieg ging nach Newmarket in England, dort trainiert Michael Jarvis Pressing. Etwas unglücklich lief wieder Precious Boy, der aber dennoch über die ungewohnte Distanz überzeugte. Trainer Waldemar Hickst hatte Recht mit seiner Einschätzung.
18 Uhr 15: Keine Ahnung, warum die das mit dem Stream zeitlich nicht koordinieren können. Die Rennen in München und Bad Harzburg (Seejagdrennen) sind quasi nicht zu bewetten.
Guter Ritt im übrigen gerade von Alessandro Schikora auf Dagostino in München. Das Seejagdrennen gucke ich mir jetzt noch an, obwohl ich ja schon weiß, dass Allegan aus dem Stall von Elfie Schnakenberg im schönen Jerusalem gewonnen hat.
18 Uhr 25: Platz 1 und 2 für Elfie Schnakenberg, der einzige ernsthafte Gegner Supervisor ging nur mit viel Widerwillen ins nasse Element und war somit chancenlos. Das war es für heute - interessanter Rennsport, nur leider hinterher nicht mehr bewettbar. Was mir persönlich nichts ausmacht - nächste Woche ist "Glorious Goodwood".
18 Uhr 40: Gerade noch einmal Drama in Köln: Der 255:10-Schuss Mack Summerland steuert trotz rutschendem Sattels einem Sieg entgegen, doch kurz vor dem Zielpfosten fällt der Reiter Nick Hollenberg aus dem Sattel. Was ein Pech!



Donnerstag, 23. Juli 2009
Liga 3 – Dortmund ist dabei
Es wird wieder ernst im Fußball, am Samstag startet die 3. Liga in ihre zweite Saison. Das erste Jahr war, so die einhellige Meinung, ein großer Erfolg. Und auch das zweite Jahr verspricht viel Spannung, wenn Traditionsvereine wie Dynamo Dresden, Kickers Offenbach, Eintracht Braunschweig, Carl Zeiss Jena oder der VFL Osnabrück auf ehrgeizige Emporkömmlinge wie den SV Sandhausen, Holstein Kiel oder dem 1.FC Heidenheim treffen. Nicht zu vergessen die „schurkischen Reservemannschaften“ (11 Freunde) der Bundesligateams, die die meisten der Clubs am liebsten aus der Liga verbannen würden.
Dem BVB dürfte das egal sein. Denn die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund schaffte überzeugend den Aufstieg aus der Regionalliga West, nachdem das Team im Vorjahr die Qualifikation nur knapp verpasst hatte.
Spielerisch sollte Borussia 2 problemlos mithalten können, dennoch dürfte der Klassenerhalt das einzig realistische Ziel sein. Zumal mit Vrancic (Braunschweig), Hillenbrand (Sandhausen) oder Gordon (RW Oberhausen) drei wichtige Stützen der Aufstiegsmannschaft den Verein verließen. Zwei erfahrene Spieler – Heimkehrer Eggert und Hasanbegovic – sind neu, hinzukommen sechs Akteure der erfolgreichen A-Junioren, die immerhin Deutscher Vizemeister wurden.
Die Vorbereitung war allerdings wenig produktiv. Zum einen trainierten einige Stammspieler wie Hünemeier, Öztekin oder Kullmann bei den Profis mit, zum anderen stießen die A-Junioren verspätet zum Team. Dennoch: In Dortmund sind alle heiß auf Liga 3, die zweite Mannschaft ist gerade bei vielen Fans aus der Ultra-Szene ziemlich angesagt. Gespannt darf man darauf sein, wie sich die Talente des BVB gegen ihre routinierten und abgezockten Kontrahenten behaupten werden.
Wer sind die Favoriten? Naturgemäß die drei Absteiger Osnabrück, Ingolstadt und Wehen Wiesbaden, die alle jedoch mit ziemlich veränderten Kadern in die Saison gehen. Zumindest Osnabrück und Ingolstadt sollten aber eine gute Rolle spielen. Wer noch? Unterhaching verpasste nur um einen Punkt die Relegation, verlor aber mit Anton Fink seinen besten Stürmer. Weitere Kandidaten sind Offenbach, Dresden und Erfurt; überraschen können Sandhausen und Neuling Kiel, der spätestens in drei Jahren in der zweiten Liga spielen möchte.
Wer muss zittern? Burghausen war schon abgestiegen, kam erst durch den Rückzug von Kickers Emden in die Liga und verlor seine besten Spieler. Regensburg und die Zweite von Werder Bremen sollten es schwer haben; für Dortmund 2 und Mitaufsteiger Heidenheim zählt ebenfalls nur der Klassenerhalt. Zudem sind Wuppertal und Jena allein aufgrund ihres hektischen Umfeldes gefährdet.
Generell gilt aber: Es ist eine völlig ausgeglichene Liga, eine absolute Übermannschaft gibt es nicht.