Schiaparelli hat mit Stalljockey Frankie Dettori den Coutts Goodwood Cup (Gr. II) über die Steherdistanz von 3 200 Meter auf der Rennbahn in Goodwood gewonnen. Doch es war ein hartes Stück Arbeit für den einstigen deutschen Derbysieger, der jetzt in den blauen Godolphin-Farben läuft. Denn
Mouriyan, trainiert von Gary Moore und geritten von Sohn Ryan Moore, entpuppte sich als zäher Gegner.
Schiaparelli zeigte allerdings großes Kämpferherz. Immer wenn Ryan Moore zur Attacke blies, zog der Godolphin-Schützling wieder an und siegte am Ende sicher. Viel Geld am Toto bzw. bei den Buchmachern gab es erwartungsgemäß nicht: 25:10 zahlte der Sieger.
Dritter wurde
The Betchworth Kid mit Hayley Turner, der vierte Platz ging an den unglaubliche
Caracciola, inzwischen 12 Jahre alt, ältester Listensieger in England und einst bei Andreas Wöhler im Training, bevor er dann in den Hindernisstall von Nicky Henderson wechselte. Die größten Erfolge feierte Caracciola allerdings in den letzten Jahren auf der Flachbahn, als er im Cesarewitch in Newmarket triumphierte und zuletzt die Queen Alexandra Stakes während Royal Ascot gewann.
Schiaparelli trat damit in die Fußstapfen des diesmal fehlenden
Yeats, dem überragenden Steher auf der Insel der letzten Jahre. Etwas überraschend war es aber schon, dass Godolphin den Monsun-Sohn über die Steherdistanz laufen ließ. So gab es Zweifel bei einigen Experten am Stehvermögen, doch wenn diese sich mal die deutschen Formen genau angeschaut hätten, dann hätten sie gesehen, dass der Hengst einst im klassischen St. Leger in Dortmund über 2 800 Meter erfolgreich war.
Demnächst soll es jedoch wieder über Mitteldistanzen gehen. Wahrscheinlich, so Godolphin-Racing-Manager Simon Crisford in der
Racing Post, werde Schiaparelli im Großen Preis von Baden laufen.
P.S: Nicht alles, was Dettori macht, ist erfolgreich. Der Ritt in den Moet Hennessy Fillies Stakes (Gr. 3) auf
Starfala war völlig daneben. Warum er sich an der Spitze auf die Jagd mit
Victoria Montoya einließ und Starfala nicht mehr aus der Reserve ritt, wird sein Geheimnis bleiben.
Lange Schlangen an den Eintrittskassen waren der Beweis – Fußball-Dortmund hat Lust auf die 3. Liga. Am Ende kamen 3260 Zuschauer (davon natürlich viele aus Braunschweig) in die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde und sahen ein 0:0 zwischen der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig.
Das unglückliche 3:4 in Burghausen und das Remis gegen die Niedersachsen zeigen deutlich: Es wird eine schwierige Saison für den gelb-schwarzen Nachwuchs. Das 0:0 war aus Dortmunder Sicht höchst glücklich, die besseren Chancen hatten die Gäste.
Borussia tat sich schwer gegen die kompakt stehenden Braunschweiger. Das in der Regionalliga oftmals noch so flüssige Kombinationsspiel harkte, der letzte Ball erreichte häufig nicht den Mitspieler. Verantwortlich dafür war nicht nur der bessere Gegner, sondern auch die Tatsache, dass beim BVB die Vorbereitung höchst unzureichend war, weil einige Spieler bei der 1. Mannschaft trainierten und die A-Junioren erst spät zum Team stießen.
Da die Eintracht offensiv auch nicht viel auf die Reihe brachte, entwickelte sich eine langweilige Partie. Für Stimmung sorgte nur der BVB-Fanblock, an den Dauergesang muss sich der etwas ältere Beobachter allerdings erst gewöhnen.
In Abschnitt 2 ein ähnliches Bild – Dortmund fand nicht in die Partie und hatte Glück, dass die Eintracht ihre Torchancen kläglich vergab bzw. BVB-Schlusssmann Marcel Höttecke prächtig reagierte. Schwung brachte beim BVB erst kurz vor Schluss die Einwechslung von Daniel Ginczek, doch die BVB-Youngster vertändelten ihre Möglichkeiten.
Fazit: Ein Spiel für den Taktikfreund, der etwas lernen will über mustergültiges Verschieben und kompakt stehende Mannschaften. Für den Rest war es weniger aufregend, die Eintracht wird sich ärgern, dass sie zwei Punkte verschenkte.
Der Auftakt gab schon einen Vorgeschmack, was uns die nächsten fünf Tage erwartet:
Drumfire, 90:10-Schuss aus dem großen Stall von Mark Johnston, gewann die „Paul goes the Extra Mile Stakes“ – ein „Heritage Handicap“ über 1986 Meter, dotiert mit 50 000 Pfund. „Glorious Goodwood“ hat begonnen und das war ein typisches Handicap für das Festival: Viele chancenreiche Starter, unglaublich schwer zu entziffern. Und es gab die üblichen „Hard-Luck-Stories“ im Rennverlauf. Ich kenne keine Bahn, auf der es so oft zu Behinderungen kommt, auf der so häufig die „Bude dicht“ ist und das Pferd neu aufgenommen werden muss.
Bis einschließlich Samstag laufen die schnellen Vollblüter noch bei „Glorious Goodwod“, einem der Höhepunkte im britischen Sportkalender. Was auch an der idyllischen Umgebung liegt: Die Rennbahn im Süden England gilt bei vielen als die schönste im Land. Der
Film auf der Homepage der Bahn untermauert dies eindrucksvoll. Voraussetzung: Das Wetter im britischen Sommer spielt mit.
Selbst nüchterne Zeitgenossen wie Paul Ostermeyer alias „The Beast“ lässt die malerische Kulisse poetisch werden. „Es ist eine fantastische natürliche Kulisse mit großartigen Blicken auf die Sussex Downs auf der einen Seite und Chichester und das Meer auf der anderen Seite“,
schreibt der Experte für englische Rennbahnen. „Wenn Rennkurse menschlich wären, wäre Goodwood die perfekte Frau: Attraktiv, verführerisch, klassisch und mit vielen Kurven.“
Weil Sommer ist, ist in der Richmond Enclosure, „der besten Tribüne auf englischen Rennplätzen“ (Ostermeyer), der Dresscode nicht ganz so streng wie beispielsweise während Royal Ascot: Polo-Hemden unter dem Jacket sind ausdrücklich erlaubt, gerne getragen wird zudem der „Goodwood Panama Hut“.
Das sportliche Programm kommt nicht ganz an Royal Ascot heraus, ist aber immer noch außergewöhnlich gut. Sportliche Höhepunkte sind die BGC Sussex Stakes (Gr. 1) über die Meile am Mittwoch und die Blue Square Nassaus Stakes (Gr.1) für Stuten über die verlängerte Meile am Samstag. Außerdem stehen jeden Tag mehrere Rennen der Kategorien Gruppe 2 und Gruppe 3 auf dem Programm. Wett-Highlights sind die großen Heritage Handicaps wie die Totesport Mile am Freitag oder der Showdown der Sprinter, der Blue Square Stewards Cup, über 1200 Meter am Samstag.
Goodwood war in der Vergangenheit die Bahn, auf der ich mit die schlechteste Trefferquote auf der Insel hatte. Das hat sich glücklicherweise etwas geändert, dennoch war der Kurs früher ein Ort permanenter Demütigung. Jahrelang hatte ich dort ein Dauerabo auf Platz 2, wurde bevorzugt auf der Linie noch abgefangen. Oder der Rennverlauf war so schlecht, dass mein Tipp zu spät angebraust kam und am Ende mit einem kurzen Kopf geschlagen wurde. Dann war da noch der Stewards Cup 2007, als die Stewards im Zielfoto für
Zidane und gegen meinen Tipp
Borderlescott entschieden. Ich sehe das heute noch anders…
P.S: Die ersten drei Rennen waren mal wieder ernüchternd: Das Gamble auf
Tactic aus dem Stall von John Dunlop zahlte sich nicht aus, der Hengst wurde Vierter in den Betfair Gordon Stakes.
J J The Jet Plane, Südafrikas Sprinterstar, schlug im Betfair Cup nur ein Pferd, immerhin den Favoriten
Main Aim. Es gewann
Finjaan vor den Außenseitern
Baltazaar’s Gift und
Regal Parade. Ich leiste Abbitte, denn was habe ich vor der Saison über die englischen Sprinter gelästert.
Noch ein Nachtrag: Überhaupt nicht vom Ende weg kam
Waldvogel, einst trainiert von Andreas Wöhler und jetzt in der Obhut des englischen Trainers Luca Cumani, in den Deltica Summer Stakes über lange 2800 Meter. Morgens bei Betfair wurde das Pferd durchaus gehandelt, mit der Handicap-Marke wird der 5jährige Wallach es aber schwer haben.