
Otto Rehhagel amüsiert sich köstlich, Hans Meyer überreicht es dem Nachwuchs, HSV-Stürmer Mladen Petric guckt allerdings etwas verdutzt – sie alle haben das Sonderheft Bundesliga 2009/10 des
kicker-Sportmagazins in der Hand und posieren damit für den Fotografen.
Seit letzter Woche ist das Heft in einer Druckauflage von 1,2 Millionen Exemplaren auf dem Markt. Das Sonderheft zur Bundesliga ist ein Klassiker des Fachmagazins und vielleicht sein bekanntestes Produkt. „Das Original seit 1963“ prangt groß auf der Titelseite. Mein erstes Exemplar habe ich 1975 oder 1976 erworben, das älteste, das ich noch besitze, stammt aus der Saison 1983/84.
Seit dieser Zeit ist das Heft ein treuer Wegbegleiter, der während der Spielzeit regelmäßig im Einsatz ist. „Fremdgehen“ mit
Sport-Bild, dem großem Mitbewerber, kam mir nie in den Sinn – aus mehreren Gründen. Der wichtigste klingt banal: Das Sonderheft aus dem Springer-Verlag verzichtet auf Mannschaftsfotos der Erstligisten und enthält nur popelige Portraitfotos der Spieler. Was sich die Verantwortlichen aus dem Hause Sport-Bild dabei gedacht haben, weiß ich nicht. Aber worüber soll man sich denn dann noch in 10 Jahren amüsieren, wenn man das Heft in die Hand nennt?
Der Mitbewerber aus Nürnberg weiß, was seine Leser wünschen: Mannschaftsfotos sind natürlich Pflicht, die Super-Stecktabelle ebenso – in manchen Männer-Haushalten war das früher oftmals der einzige Wandschmuck.
Fakten und noch mal Fakten
Groß verändert hat sich das Konzept des Heftes in diesen Jahren eigentlich nie. Natürlich ist man etwas moderner geworden, haben sich die Ligen verändert, aber das Grundgerüst bleibt: Zu jedem Bundesligisten gibt es eine längeren Vorschau des jeweiligen kicker-Redakteurs, ein einseitiges Mannschaftsfoto und neuerdings drei Seiten Statistiken zu Spielern und Kadern. Die Vereine der 2. Liga werden auf zwei Seiten inclusive Mannschaftsfoto vorgestellt, dazu kommt ein kurzer Text. Den Klubs der dritten Liga widmet das Fachmagazin eine Seite mit einem halbseitigen Mannschaftsfoto. Und damit bekommt der Leser alle wichtige Fakten, die er zur „persönlichen Saisonvorbereitung“, um einmal Chefredakteur Rainer Holzschuh zu zitieren, benötigt.
Alles in der bewährten kicker-Qualität – manchmal etwas dröge, nicht immer fern von Klischees, aber immer solide recherchiert. Der Fokus liegt eindeutig auf fachlichen Aspekten und nicht irgendwelchen Boulevard-Nebensächlichkeiten.
Auch das 2009/2010-Heft macht keine Ausnahme: Es beginnt mit dem gewohnt sprachlich etwas holprigem Editorial des Chefredakteurs, es folgen eine Übersicht über das neue Fußball-Fernsehwochenende und ein solides Interview mit dem Neu-Schalker Felix Magath, der in dem Gespräch etwas genervt wirkt. Auf den nächsten Seiten werden die Teams ausführlich analysiert. Schade nur, dass die Redakteure in den letzten Jahren keinen Tipp wagen, wo die einzelnen Klubs am Ende der Saison landen. Leider gibt es auch keine DVD mehr, auf der
kicker-Chefredakteur Rainer Holzschuh gemeinsam mit
ARD-Sportschau-Moderatorin Monika Lierhaus die Saison analysiert. Das hatte manchmal unfreiwillig komische Elemente – und humoristisch könnte das Fachblatt durchaus zulegen.
Fazit
Das
kicker-Heft ist wie immer solides Handwerk ohne große Überraschungen, aber dennoch Pflicht für die Saison. In der kicker-Rangliste würde ich es „Im weiteren Kreis“ einordnen, der Sprung zur „Internationalen Klasse“ ist aber nicht weit. Die Kür kommt übrigens am morgigen Donnerstag – dann erscheint das Heft der
11 Freunde zur Saison 2009/2010.
Im Franz-Günther von Gaertner-Erinnerungsrennen, der ehemaligen Hamburger Meile, klappte es noch nicht ganz: Da war
Sehrezad, das Pferd im Besitz des Stalles Phillip, nach einem etwas unglücklichen Rennverlauf Zweiter und verpasste den Sieg denkbar knapp.
Earl of Fire rettete sich so eben noch ins Ziel, fünf Meter weiter hätte der vierjährige Hengst aus dem Quartier von Trainer Andreas Löwe triumphiert.
Der zweite Jahresstart im Fraport AG-Pokal (1600 m, Gr. 3) in Frankfurt brachte den verdienten ersten Jahressieg. Der Titus Livius-Sohn löste sich souverän in der Zielgeraden von
Querari und
König Concorde, gewann zum Schluss mit Jiri Palik im Sattel hochüberlegen mit neun Längen Vorsprung. „Das war eine Demonstration, nun steuern wir das Oettingen-Rennen in Iffezheim an", sagte Trainer Andreas Löwe nach dem Rennen
Galopp-Online.
Dass Sehrezad zu den Top-Meilern Deutschlands gehört, zeichnete sich schon im vergangenen Jahr ab. 2008 war er erfolgreich im damaligen Hamburger Jaxx-Pokal (dem Rennen, in dem er 2009 so unglücklich Zweiter war), hinzu kamen dritte Plätze im Frankfurter Fraport AG-Pokal und dem Darley-Oettingen-Rennen in Baden-Baden.
Für 21 000 Euro hatte Löwe einst Sehrezad auf der Auktion im englischen Newmarket erworben. Dabei hatte er, berichtet
Turf-Times, vom Stall Phillip einen klaren Auftrag: Er sollte ein Pferd kaufen, das am gleichen Tag Geburtstag wie einer der Besitzer hat. Löwe fand einen Titus Livius-Hengst mit markanter weißer Blesse, Geburtsdatum 22. April. Im Rückblick war das kein schlechtes Geschäft: Mit dem Sieg in Frankfurt galoppierte Sehrezad inzwischen über 100 000 Euro an Preisgeldern ein.