Die Lehren der Großen Woche 2017
Die große Woche 2017 in Baden-Baden ist Geschichte. Immer noch ein wichtiges – manche meinen sogar das wichtigste – Meeting im deutschen Turf. Ein paar Anmerkungen.

145. Großer Preis von Baden
Das Prestigerennen des Meetings, auch wenn die heutige Dotierung von 250000 Euro den Niedergang des deutschen Turfs dokumentiert. Denn vor 11 Jahren gab es noch 780000 Euro, davor sogar 800000 Euro, an Preisgeldern. Alle sprachen vorher vom Duell des aktuellen Derbysiegers Windstoß mit dem Vorjahreshelden Iquitos, doch die Prüfung war schon im Vorfeld mehr als ein Zweikampf. Gruppe 1-Sieger Guignol, der Union-Triumphator (und spätere Derby-Favorit) Colomano sowie die beiden Godolphin-Kandidaten Best Solution und Prize Money waren alles andere als Feldfüller.
Doch dieser Tag gehörte dem Pferd aus dem Stall Ullmann: Guignol gewann Start-Ziel, fand zum Schluss noch mal einen Extra-Gang und siegte überzeugend. Kompliment an Jockey Filip Minarik, der dem Hengst ein perfektes Rennen servierte und Trainer Jean-Pierre Carvalho, der Guignol auf den Punkt genau in Top-Form brachte. Iquitos mühte sich auf Platz 2, für Colomano und Windstoß blieben die Positionen Drei und Vier.

Schwache Dreijährige?
Colomano und Windstoß schlugen sich eigentlich ganz achtbar, eine richtige Siegchance hatten sie jedoch nicht. Allerdings sind Guignol und Iquitios neben Dschingis Secret auch die absoluten Top-Pferde Deutschlands über Distanzen ab 2000 Metern.
So gut haben die dreijährigen Hengste in den letzten Jahren im Großen Preis von Baden zudem nicht abgeschnitten. Im Vorjahr landeten Boscaccio und Dschingis Secret im geschlagenen Feld, selbst der im Vorfeld quasi als „unschlagbar“ geltende Derby-Triumphator Sea The Moon unterlag 2014 Our Ivanhowe (trainiert und geritten vom Sieger-Team 2017). Kamsin war 2008 der letzte erfolgreiche Derby-Held.
Sehr schade, dass die so großartig gesteigerte Diana-Gewinnerin Lacazar ihre Nennung im Großen Preis nicht wahrgenommen hat. Die Stute hätte für mich erste Chancen gehabt, zumal das Schiergen-Quartier gute Stallform hat. Zudem hatten die Ladies in den letzten Jahren eine gute Bilanz: Pagella war 2016 Dritte, Nightflower sogar 2016 und 2015 Zweite. Die grandiose Danedream triumphierte 2011, ehe sie dann bekanntlich zur Arc- und King George-Gewinnerin wurde.



Palace Prince bei seinem Erfolg im Gruppe 2-Rennen am ersten Tag.
(Bild Rühl/German Racing)


Andere Helden in den Top-Rennen
Geschichte wurde nicht geschrieben: Denn Palace Prince mit der bewährten Kombination Minarik/Carvalho verpasste nach seinem Samstags-Erfolg im Preis der Sparkassen-Gruppe den historischen Doppelsieg. Fünf Tage später im Darley-Oettingen-Rennen war der Bahnspezialist Pas de Deux zu gut, Palace Prince, einst Zweiter im Deutschen Derby, landete auf dem Ehrenplatz und zeigte dennoch eine starke Leistung.
Zwei Pferde aus dem Quartier von Peter Schiergen imponierten besonders am zweiten Samstag der Großen Woche: Sound Check war ein überlegener Sieger im Steher Preis, Ashiana triumphierte knapp zwei Stunden später im Zastrow-Stutenpreis.
Leider blieben in der einstmals Internationalen Woche Starter aus dem Ausland eine Rarität. Das ist schade, allerdings sind die schwachen Dotierungen der deutschen Rennen auch nicht gerade anziehend. Henri Pantall aus Frankreich ist das jedoch seit Jahren egal: Sein Son Cesio darf sich nach seinem Erfolg in der Goldenen Peitsche jetzt dreifacher Gruppe-Sieger nennen. Obwohl er hart gegen Daring Match kämpfen musste.

Handicap-Helden
Generell sind die Ausgleich-Rennen in Baden-Baden deutlich leichter für den Wetter geworden. Denn sie sind bei weitem qualitativ und quantitativ nicht mehr so überragend besetzt wie in früheren Jahren. Das macht die Auswahl einfacher. Überraschungen gab es dennoch: Zephir (204) oder Danon Perth (146, von mir für ganz kleines Geld getroffen) waren die Helden mit den besten Quoten. Immerhin schafft es Baden-Baden, weiterhin einigermaßen vernünftig besetzte Handicaps der Kategorie 1 und 2 zu veranstalten.

Jockey-Helden
Minarik auf Guignol, Martin Seidl auf Oriental Eagle – nur zwei von vielen Klasse-Ritten der Großen Woche. Aber meine Heldin der Woche heißt Sonja Daroszewski, die zwei quasi perfekte Ritte auf Perfect Swing hinlegte und damit einen Doppelerfolg mit dem Wallach für Trainer Christian von der Recke schaffte. Daroszewki fällt mir seit geraumer Zeit positiv auf – eine Reiterin mit Mut und viel Gefühl für die richtige Renn-Strategie. Sie reitet sowohl Hindernis- als auch Flachrennen ganz stark. Nur schade, dass die Rennen über die Sprünge in Deutschland zur Rarität werden.

Wen ich verpasst habe
Katzenberger und Glööckler. Und noch andere „Promis“. Muss man diese Privat-TV-Kandidaten eigentlich kennen? Was kann Katzenberger, was kann der sogenannte Modedesigner? Na ja, wer es mag.