Dienstag, 27. August 2013
Ein wenig müde in Sachen Turf
So richtig Lust auf Pferderennen habe ich derzeit nicht – zumindest darüber zu schreiben. Der letzte Beitrag zu diesem Thema in unserem kleinen Familienblog lief Ende Juli. Da ging es um das King George in Ascot, der Gruppe 1-Kracher aus Ascot, der bekanntlich mit dem grandiosen Triumph von Novellist endete.
Derzeit schreibe ich einfach lieber über Fußball und schaue mir Live-Spiele statt Galopprennen an. Die Kicks beim Rennen fehlen, das positive Adrenalin ist nicht da. Dafür ärgere ich mich zuviel über Pferde (die dafür nichts können) sowie fehlerhafte Jockeys und Trainer.
Dabei gab es genügend Themen aus der großen Welt des Pferdesports (die sich leider auf England, Deutschland und ein wenig Frankreich/Irland beschränkt), die ein paar Zeilen verdient hätten. Die sie hier aber nicht bekamen.

Natürlich der Triumph von Novellist. 2012 Danedream, jetzt der Schützling aus dem Quartier von Andreas Wöhler – das King George scheint inzwischen in deutscher Hand zu sein. Und wie Novellist seine Gegner distanzierte, war ein fast schon historischer Moment.

„Glorious Goodwood“, das Festival im Süden Englands. Sechs Tage – von Dienstag bis Samstag – gibt es Flachrennen hoher Qualität. (siehe dieser ältere Text).
Und nirgendwo geht es auf der Zielgeraden dramatischer zu. „Hard-Luck-Stories“ ohne Ende im Rennverlauf, weil auf einmal die Lücke dicht ist und es zu Behinderungen kommt. Am Festival-Mittwoch habe ich reingeschaut – und mich geärgert, weil meine Tipps so schlecht liefen. Was dazu passt, dass ich in dieser Zeit eh’ nichts traf beim Wetten. Am Samstag endete jedoch meine schwarze Serie, als ich den Sieger im Stewards Cup hatte.

Eine Würdigung von Uwe Stoltefuß: Der Tod des Dortmunder Galopptrainers hat mich schon geschockt, das Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Und auch wenn ich ihn nicht persönlich kannte, war er doch jemand, der mich mein ganzes Turfleben begleitet hat. Das fing in den achtziger Jahren an, als ich erstmals regelmäßig Rennbahnen besuchte, als Dortmunder natürlich die Winterbahnen. Dort war Uwe Stoltefuß mit seinen Pferden der führende Trainer.
Auch später habe ich mich über das Laufen seiner Pferde gefreut oder geärgert. Stoltefuß gehörte einfach dazu, auch wenn er später nicht mehr so viele Vollblüter betreute. Meistens entdeckte man ihn mit seinen Besitzern in den Rennpausen am Bierstand.
Ich hätte ihm manchmal nur ein paar bessere Pferde gegönnt. Wenn schon keine klassischen Sieger, dann wenigstens diese Kategorie wie Sommerabend oder Birthday Lion. Gute Ausgleich 1/Listenrennen-Galopper, aber für Starter dieser Leistungsklasse gibt es ja bald eh’ keine Rennen mehr in Deutschland.

Das Ebor-Festival in York. Eigentlich ein Pflichttermin und immerhin habe ich die Rennen am Donnerstag und Freitag am PC verfolgt. Aber der richtige Spaß fehlte. Das Ebor-Handicap am Samstag ist in der Regel ein Muss. Ich habe mir lieber die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gegen Jahn Regensburg angeschaut. Dritte Liga wohlgemerkt.

Muss sich der Leser also Sorgen machen? Ich sage mal nein. Derzeit läuft die Große Woche in Baden-Baden und der Termin am Mittwoch ist vorgemerkt. Allein im Gedanken an Uwe Stoltefuß, der bei diesem Festival immer zu beachten war. Besonders wenn er Pferde in den gelb-grünen (?) Farben von Frau G. Wusk trainierte, denn die siegten in Iffezheim sehr häufig.



Mittwoch, 21. August 2013
Werder in den Wechseljahren
Keine Ahnung, wie viele Spiele des SV Werder Bremen in Dortmund ich seit 1975 gesehen habe. 25, 30? Komischerweise ist kein Gastspiel der Hanseaten irgendwie länger im Gedächtnis geblieben, obwohl der SV Werder doch häufig spektakulären Fußball bot. Zwar sicherte sich der BVB durch einen Heimsieg gegen Werder Bremen 2002 die Meisterschaft, aber bleibende Spuren hinterließ dies nicht.
Aus schwarzgelber Sicht spielt natürlich das erfolgreiche Pokalfinale 1989 in Berlin eine große Rolle, weil es nach langer Durststrecke der erste Titel war. Zudem fallen mir kleine Anekdoten ein: Etwa, dass Bremens Defensiv-Kultfigur Dieter Eilts früher oft nur Dortmunds Mittelfeldmotor Andy Möller zu Spielbeginn einmal foulte und ihn danach böse anschaute, schon war es mit der Herrlichkeit des Dortmunders vorbei.
Ohne den BVB erinnere ich mich an grandiose Abende im Europapokal, an denen Werder hohe Niederlagen aus dem Hinspiel in einem begeisternden Rückspiel noch drehte. 1986 etwa gegen Spartak Moskau (siehe Video) oder 1988 gegen Dynamo Berlin. Da flippten die sonst ruhigen Norddeutschen richtig aus.



Magie des Europapokals: Werder dreht das Spiel gegen Spartak Moskau

Es gab Zeiten, da war Werder Bremen der „Lieblings-Zweitklub“ vieler Fans. Ich zählte zu diesen – auch weil Werder trotz völlig anderer Voraussetzungen oftmals den mächtigen FC Bayern ärgerte. Die Münchner nahmen den Gegner ernst: „Volksverhetzer“ beschimpfte Bayern-Manager Uli Hoeneß seinen damaligen Bremer Kollegen Willi Lemke. Beide verband eine ausgeprägte Abneigung. Auch politisch: SPD-Mann Lemke gegen den CSU-Anhänger (und Strauß-Bewunderer) Hoeneß.
Noch etwas unterschied die Bremer von vielen Mitbewerbern: Sie setzten auf Kontinuität, wechseln nicht bei jede Krise ihren Kapitän. So bildeten Otto Rehhagel (Trainer) und Willi Lemke (Manager) jahrelang ein erfolgreiches Gespann, ähnlich war es bei Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Der Erfolg gab ihnen Recht.

Aktuelle Lage
Am Samstag verabschiedeten die Bremer Anhänger noch einmal mit einer großen Choreografie Thomas Schaaf. 14 Jahre war er Trainer, davor die ganze Profi-Karriere treuer Abwehrspieler der Grün-Weißen. Eigentlich undenkbar, aber die sportliche Talfahrt ließ auch die Verantwortlichen in Bremen handeln. Zumal Manager Klaus Allofs, Schaafs langjähriger kongenialer Partner, schon früher zum Nordrivalen Wolfsburg wechselte.
Robin Dutt und Thomas Eichin sollen es jetzt richten. Der Start verlief erfolgreich nach zwei 1:0-Erfolgen gegen Braunschweig und Augsburg. Da war aber auch eine Riesenportion Glück dabei, zwei „schmutzige“ Erfolge sozusagen.
„Es bleibt ein Rätsel, was der letztjährige Abstiegskandidat zu leisten vermag“, schreibt der kicker. „Es bleiben Fragezeichen, wie sich das Format Werder ausnimmt.“
Immerhin hat das einstige Sorgenkind Mehmet Ekici endlich überzeugt. Den hielten viele in Nürnberg damals für noch besser als seinen Freund Ilkay Gündogan. Doch während Gündogan in Dortmund bekanntlich zum großen Antreiber des BVB wurde, enttäuschte Ekici in den bisherigen zwei Jahren bei Werder. Dagegen hat der exzentrische Marko Arnautovic nach diversen Skandalen keine Zukunft mehr in Bremen.

Geschichte
Die ersten Erinnerungen an Werder Bremen hängen unmittelbar mit dem Namen Helmut Poppen zusammen. Der war Reporter bei Radio Bremen, berichtete immer aus dem Weserstadion und hatte eine unglaublich nasale Stimme. Zudem fand ich als Pubertierender den Namen Poppen unheimlich lustig.
Jedenfalls spielte Werder in diesen Zeiten immer gegen den Abstieg, aber solange der Abwehrhaudegen Horst Dieter Höttges den Laden zusammenhielt, blieb der Klub in der Bundesliga. Als dann Höttges seine Laufbahn beendete, stieg Werder prompt ab.
Doch das Jahr in der 2. Liga nutzten die Norddeutschen zum Neustart. Otto Rehhagel kam als Trainer, Werder stieg sofort wieder auf und etablierte sich schnell in der Bundesliga. Es folgten sportlich hoch erfolgreiche Jahre. Das Abstiegsgespenst war verbannt, Werder mischte in der Liga vorne mit.
Rehhagel hatte die sportliche Kompetenz, für wirtschaftliche Dinge war Manager Willi Lemke zuständig. Diese Trennung funktionierte selbst bei solchen Alpha-Typen. Zudem hatte der Trainer ein gutes Gespür bei Neuverpflichtungen. Völler, Meier, Neubarth, Bratseth, Borowka, Burgsmüller oder Herzog sind nur einige Beispiele. Dazu kamen aus dem starken Nachwuchs Leute wie Sauer, Ordenewitz, Eilts oder Schaaf. Zwei Meistertitel, zweimal Pokalsieger, dazu als Sahnehäubchen 1992 den Europapokal der Pokalsieger waren eine eindrucksvolle Bilanz.
Bremens zweite große Phase kam mit Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs. Diese beiden verstanden sich auch menschlich sehr gut; sportlich hatten sie ihre Neuen ebenfalls gut gewählt. Ob Ailton, Frings, Özil, Micoud, Wiese oder Diego – oftmals schwierige Typen, die aber meist bei Werder ihren Karriere-Höhepunkt erlebten.
Nur zuletzt passte das nicht mehr so mit den Neuverpflichtungen: Carlos Alberto, Silvestre, Arnautovic oder Elia etwa blieben vieles schuldig. Ein Grund für den Absturz des SV Werder.

Die Bundesligabilanz des BVB gegen Werder Bremen.



Mittwoch, 14. August 2013
Popivodas Erben sind zu Gast
„Dortmund, wir kommen”, verkündet die Überschrift, im Hintergrund jubelnde Menschen in den Farben Gelb-Blau. Die Stadt Braunschweig geht in Dortmund per Plakat in die Offensive. „Wir sind wieder da“, heißt es selbstbewusst – plakatiert unter anderem am vielbefahrenen Königswall in der Nähe des Hauptbahnhofs. Eintracht Braunschweig spielt nach 28 Jahren Abstinenz wieder in der obersten deutschen Fußballklasse und die Kommune begleitet das. Am Sonntag gastiert der Aufsteiger vor mehr als 80 000 Menschen im Dortmunder Signal Iduna-Park/Westfalenstadion.
Am 28. Juli 2009 – beim letzten Gastspiel der Niedersachsen in Dortmund – waren die Anzeichen noch anders. Damals ging es in der 3. Liga gegen die zweite Mannschaft des BVB. Beim 0:0 waren etwas mehr als 3 000 Zuschauer (für die zweite Dortmunder Mannschaft ist das viel) im altehrwürdigen Stadion Rote Erde. Mindestens 1000 der Besucher unterstützten die Eintracht. Und sie schauten manchmal ein wenig ehrfürchtig auf das große Stadion im Hintergrund. Ob ihr Klub da in nächster Zeit mal spielen würde? Vier Jahre später ging ihr Wunsch in Erfüllung.
Aus der damaligen Braunschweiger Mannschaft zählen heute noch – zwei Ligen höher – die Torhüter Petkovic und Davari sowie die Feldspieler Dogan, Theuerkauf, Kruppke, Vrancic und Pfitzner zum Team. Zudem trainierte schon 2009 Torsten Lieberknecht, ein ehemaliger Mitspieler von Jürgen Klopp in Mainz, die Braunschweiger.
Der gebürtige Pfälzer ist einer der Garanten für den Aufschwung. Lieberknecht führte den lange kriselnden Traditionsclub gemeinsam mit Manager Marc Arnold von der dritten in die erste Liga – ohne große Stars, dafür mit viel taktischem Geschick. Die Zwei setzten zudem auf Kontinuität.
Besonders in der Hinrunde in der 2. Liga zeichnete sich die Eintracht durch ihre hohe mannschaftliche Geschlossenheit und ungemeine taktische Disziplin aus. Vielleicht stach Torjäger Kumbela etwas heraus, aber ansonsten galt hier wirklich einmal der Satz „Der Star ist die Mannschaft“.



Ein Spielbericht aus dem ZDF-Sportstudio, März 1975: Eintracht Braunschweig besiegte die Düsseldorfer Fortuna mit 3 :0. Die Eintracht spielte mit Franke, Grzyb, Haebermann, Hollmann, Merkhoffer, Ristic, Handschuh, Gersdorff, Erler, Frank, Weber; Trainer war Branko Zebec

Aktuelles
Auch in die Bundesliga geht die Eintracht ohne große Namen. Die Neuen heißen Caligiuri, Jackson, Hochscheidt, Oehrl oder Perthel – eben keine Stars, eher preiswert, aber entwicklungsfähig. Der Verein, sagte Manager Arnold, wäre dumm, wenn er die Erfolgsstrategie der letzten Jahre verlassen hätte.
Für viele Außenstehende ist die Eintracht der erste Absteiger. Der Kampf um den Klassenerhalt wird hart, vielleicht reichen taktische Disziplin, mannschaftliche Geschlossenheit und Euphorie. Es gibt Beispiele, wo das funktionierte – Mainz etwa oder Freiburg.
Der so wichtige Start ging jedenfalls daneben. Gegen die zuletzt so kriselnden Bremer gab es ein 0:1 vor heimischer Kulisse, schlechter waren die Braunschweiger jedoch nicht. Beim BVB folgt die nächste Mammutaufgabe.

Historie
Als ich aufwuchs in den siebziger Jahren, gehörte die Eintracht, immerhin Meister 1967, quasi zum Inventar der Bundesliga. Was konnte man immer punkten mit der Antwort auf die Frage, wer die Viererabwehr der Blau-Gelben in den siebziger Jahre bildete: Grzyb, Haebermann, Hollmann und Merkhoffer lautete die Antwort. Im Tor stand der reaktionsschnelle Bernd Franke, im Mittelfeld fiel der schnauzbärtige Gersdorff auf und vorne sorgte Mittelstürmer Wolfgang Frank, das Trainervorbild von Jürgen Klopp, für Tore.
Die Braunschweiger waren immer ein ziemlich harter Brocken und schwer zu spielen. Irgendwann tauchte dann mal Paul Breitner auf, verpflichtet vom damaligen Sponsor Günther Mast (Jägermeister). Nach den Stationen Bayern München und Real Madrid war die niedersächsische Provinz dem Herrn Breitner dann doch nicht gut genug; relativ schnell ging er nach München zurück.
Noch zwei Dinge verbinde ich mit den Niedersachsen. Zum einen waren sie der erste Verein mit Trikotwerbung (besagter Herr Mast und sein Jägermeister); zum anderen war da noch das Missgeschick des Danilo Popivoda, das ich nie vergessen werde, weil es eigentlich so ein klares Tor war.
Popivoda war ein begnadeter dribbelstarker Flügelflitzer aus dem ehemaligen Jugoslawien, doch an diesem Samstag im Frühjahr 1977 war er das personifizierte Elend. Zugegeben, der Rasen im Westfalenstadion glich damals einer Kraterlandschaft und diese verhinderte den Braunschweiger Sieg. Denn der Eintracht-Stürmer hatte nur noch den Dortmunder Torwart vor sich, doch dann hüpfte der Ball so komisch, dass Popivoda ihn nicht richtig traf und der Ball am Tor vorbeiging.
1985 stieg dann Braunschweig aus der Bundesliga ab, es begann eine lange Zeit in der Wildernis der zweiten und dritten Liga. Jetzt sind sie wieder da.
Die Bilanz von Borussia Dortmund gegen Eintracht Braunschweig

Zukünftig wird nurpferdeundfussball in der Serie "Rivalen des BVB" die Mannschaften der Bundesliga vorstellen. Portraitiert wird immer das Team, das in Dortmund gastiert. Den Anfang macht also Eintracht Braunschweig. Das Ganze geschieht gewohnt subjektiv und ist gnadenlos persönlich.