Liebe Leserinnen und Leser,
hier gab es einmal das offizielle Promotion-Video zum Arc-Meeting. Dummerweise wurde es hier von den Verantwortlichen aus urherrechtlichen Gründen entfernt. Schon reichlich dumm von ihnen....
Schon mal was zum Einstimmen: Nicht mehr drei Wochen bis zum großen Arc-Meeting in Paris-Longchamp und der offizielle Spot wärmt schon mal die Herzen für das große Rennsport-Wochenende am 5. und 6. Oktober. Und irgendwie hat dieser französiche Akzent irgendetwas.
Zwei grandiose Tage folgen mit dem absoluten Höhepunkt, dem Prix de l' Arc de Triomphe 2013. Die Besetzung ist großartig:
Novellist,
Orfevre,
Treve,
The Fugue,
Ruler of the World oder
Al Kazeem - ein deutscher King George-Triumphator, ein Superstar aus Japan, zwei Stuten der absoluten Extraklasse, der englische Derbysieger und der Dauersieger der Frühsaison. Und das sind nur einige.
Doch meistens kommt es anders als man denkt. Oder wer hätte im letzten Jahr
Solemia auf dem Schirm gehabt? Im Jahr davon siegte die große
Danedream aus Deutschland. Und diese
Sternstunde des deutschen Turfs kann man nicht häufig genug zeigen.
Es ist fast schon ein Klassiker des deutschen Fußballs: Am Samstag erwartet Borussia Dortmund den Hamburger SV, den „Dino“ der Fußball-Bundesliga. Zwischen den beiden Kontrahenten gab es unzählige packende
Duelle, an die mich gerne erinnere. Zeitweise existierte zwischen den Klubs sogar eine Art Fanfreundschaft, aber das ist längst vorbei.
Und nachdem der HSV in den Jahren zuvor immer ein dankbarer Gegner in Dortmund war und vom BVB regelrecht an die Wand gespielt wurde, sah es in der Vorsaison anders aus: 4:1 triumphierten die Hanseaten im Westfalenstadion und boten dabei gegen (zugegeben) schlappe Dortmunder eine Leistung, die ich ihnen nie zugetraut hatte. Denn zu schwach präsentierten sich die Hamburger in der Liga, zeitweise spielten sie wie ein Abstiegskandidat. Heung-Min Son hieß der überragende Mann des Tages, traf zweimal und wirbelte die Dortmunder Abwehr durcheinander.
Es war ein positiver Ausrutscher des HSV, denn schon bald befand sich das Team von Trainer Thorsten Fink wieder in den Negativ-Schlagzeilen. „Höhepunkt“ war das 2:9 in München, wo sich die Hamburger ohne große Gegenwehr abschießen ließen. Son spielt inzwischen auch nicht mehr in Hamburg, er wechselte zu Bayer 04 Leverkusen. Und der
Ur-Dortmunder Thorsten Fink steht beim HSV unter Dauerbeschuss.
Aktuelle Lage
Vier Punkte aus vier Spielen sind nicht unbedingt das, was man sich in Hamburg unter einem gelungenen Saisonstart vorstellt. Besonders nach dem desolaten 1:5 gegen Hoffenheim brannte mal wieder der Busch. „Taktisches Versagen“ attestierten die Kritiker Trainer Fink. Besonders die Abwehr wirkte ziemlich desolat.
Beim folgenden 0:1 bei Hertha BSC präsentierte sich zumindest die Defensive stabiler. Der 4:0-Heimsieg gegen schwache Braunschweiger sorgte wenigstens für etwas Ruhe im hektischen Umfeld.
Dennoch bleibt der HSV 2013 ein fragiles Gebilde: Zu sehr hängt das Offensivspiel von Rafael van der Vaart ab, auf den so wichtigen Sechser-Positionen sind die Hamburger eher schwach besetzt. Im Angriff hat der HSV mit Pierre-Michel Lasogga von Hertha einen neuen talentierten Angreifer verpflichtet, der jedoch in Berlin nicht zum Zuge kam. Zudem hofft Thorsten Fink, dass Maximilian Beister eine ähnlich positive Entwicklung wie im letzten Jahr Son durchläuft. Eine Investition für die Zukunft ist definitiv Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu, 19 Jahre alt und im letzten Jahr beim Karlsruher SC in Liga 3 herausragend.
Ein Tor für die Ewigkeit: Felix Magath trifft für den HSV gegen Torwartlegende Dino Zoff und entschied so 1983 das Landesmeister-Finale gegen Juventus Turin. Unglaublich, wie viel Platz die Spieler im Mittelfeld dort hatten und wie sie den Ball in aller Seelenruhe annehmen konnten.
Historie
1983 feierte der HSV den größten Triumph der Vereinsgeschichte: In diesem Jahr holte der Club nicht nur zum letzten Mal die Meisterschaft, sondern triumphierte auch im Finale des damaligen Europapokals der Landesmeister gegen Juventus Turin. In den Jahren zuvor hatte ein sehr starkes HSV-Team gemeinsam mit dem FC Bayern München die Bundesliga dominiert. Branko Zebec und Ernst Happel waren herausragende Trainer, Günter Netzer ein umsichtiger Manager und die Mannschaft eine gute Mischung aus Technikern und Kämpfern. Doch spätestens nach dem Abschied von Ernst Happel (1987) ging es bergab. Sein Nachfolger Josip Skoblar blieb alleine durch seinen Flop-Torhüter Mladen Pralija im Gedächtnis und auch sonst konnte der Traditionsclub nur noch gelegentlich glänzen.
21 Übungsleiter versuchten sich seit 1987, manche wie Benno Möhlmann und Frank Pagelsdorf blieben etwas länger, die meisten aber wurden wegen Erfolglosigkeit entlassen.
Dabei hat es der Nordrivale Werder Bremen mit seiner auf Kontinuität bauenden Personalpolitik doch vorgemacht. Doch während die Bremer Meisterschaften und Pokale einfuhren, gingen die Hamburger leer aus. Weil eben jeder Trainer sein eigenes Konzept hat und der Nachfolger wieder mit seinen Ideen bei Null anfängt.
Das hochgradig erregbare Umfeld leistet zudem seinen Beitrag. Den HSV zeichneten schon immer eitle Aufsichtsrat- und Vorstandsmitglieder aus, die gerne ihr eigenes Süppchen in der Öffentlichkeit kochten. Die Boulevardmedien in der Hansestadt freut das, bekommt man so doch immer wieder neues Material ins Haus geliefert.
In den letzten Jahren hat sich das alles noch verschlimmert. Spätestens mit dem Abschied von Manager Dietmar Beiersdorfer ging die letzte sportliche Kompetenz; seine Nachfolger mussten schnell feststellen, dass Profifußball nicht nur nach wirtschaftlichen Kriterien funktioniert.
Frank Arnesen sollte den Verein wieder sportlich nach vorne bringen, doch der ehemalige dänische Nationalspieler scheiterte. Ein Grund: Seine Einkäufe aus der Reserve des FC Chelsea floppten meist.
Jetzt soll es Oliver Kreuzer als Manager richten. Aber es bleibt ein schwieriges Unterfangen, siehe die Panik nach dem Hoffenheim-Debakel. Eben weil in Hamburg immer noch viele denken, aufgrund seines Status und seiner glorreichen Vergangenheit gehöre der HSV zur Liga-Spitze. Dieser Glaube ist falsch.
Die
Bilanz des BVB gegen den HSV
fokus.fussball
Nachtrag 17.09. 2013: HSV feuert Fink
Das vernichtende 2:6 in Dortmund war dann doch etwas zu viel. Der Hamburger SV hat seinen Trainer Thorsten Fink entlassen. Begründung: Die üblichen Phrasen (Wohl des Vereines usw.). Warum Fink in Hamburg scheiterte, weiß
dieser launige Text.
Am Sonntag gab es noch einmal ein paar Emotionen:
Overdose, der einstige Wundersprinter aus Ungarn, feierte auf der Rennbahn Kincsem Park in Budapest seinen Abschied. 19 Starts, davon 16 Siege, lautet die Bilanz. Der größte Triumph war ein Gruppe 2-Rennen. Das sind die nüchternen Fakten – doch dieses Pferd war mehr als nur diese Zahlen.
Kaum ein Vollblut bewegte im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre die Menschen mehr als dieser kleine dunkelbraune Hengst. Vom „Budapest Bullet“ schrieb die englische Fachpresse. Welcher Vollblüter aus Europa schafft es in die
New York Times? Oder in die deutsche
Zeit. Die
Bild am Sonntag präsentierte ihn als
doppelseitiges Innenposter und erklärte so den Körperbau von Vollblütern. Selbst die große
Danedream bekam diese Ehre nicht.
Overdose galt als Hoffnungsträger einer ganzen Nation. Es ist die alte „Underdog-Geschichte“, die immer wieder die Herzen erwärmt. Zu diesem Hengst passt sie hundertprozentig.
Der Kauf von Rennpferden gleicht oft einer Lotterie: Man picke sich nur zum Beispiel einmal ein beliebiges Maidenrennen im englischen Newmarket heraus. Da wimmelt es nur von Pferden, die sechsstellige Summen gekostet haben und die später in ihrer Laufbahn kein einziges Rennen gewonnen haben.
„Ich habe meine Hand nur zum Spaß gehoben, weil ich die Aufregung von Pferde-Auktionen mag“,
erzählt Zoltan Mikoczy. Ganze 2500 Euro umgerechnet kostete Overdose auf der Auktion 2006 in Newmarket. „Ich dachte, kein Pferd wird so billig verkauft, irgendein anderer wird schon noch mehr bieten.“
Nun blaublütig war der Hengst wahrlich nicht gezogen: Sein Vater
Starborough war ein ordentlicher Meiler, aber in der Zucht hinterließ er wenig Spuren. Die Mutter
Our Poppet lief einmal und endete abgeschlagen auf der Allwetterbahn in Lingfield. Auch optisch machte Overdose nicht viel her.
Rakete
Es war vielleicht der berühmteste Irrtum der Tufgeschichte: Mikoczy nahm das Pferd mit nach Ungarn und schickte es zu Trainer Sándor Ribárszki. „Der hässliche Vogel, den keiner wollte“ entpuppte sich als sehr schnelles Rennpferd. Bereits zweijährig gewann er fünf Prüfungen in Serie in Ungarn und Österreich.
Der 18. Mai 2008 machte ihn in Deutschland berühmt. Erster Auftritt im Lanson-Cup (dem ehemalige Scherping-Rennen) in Baden-Baden, einem Listenrennen über 1200 Meter für dreijährige Pferde: Overdose deklassierte die Gegner regelrecht, neun Längen waren es zum Schluss. Und Rennkommentator Manfred Chapman sprach die berühmten Worte: „Der geht ja ab. Das ist ein Rennpferd der Extraklasse.“
Spätestens jetzt war der Hengst in aller Munde, das Wort vom Wunderpferd machte die Runde. Es folgten weitere Erfolge unter anderen in Hamburg und Baden-Baden und immer fielen diese Siege beeindruckend aus. Nur der größte Triumph war keiner: Overdose gewann im Oktober 2008 den Prix De L'Abbaye (Gr. I) in Paris-Longchamp. Wegen eines angeblichen Fehlstarts wurde das Rennen aber am Ende der Karte noch einmal gelaufen. Nur diesmal fehlte der Hengst. Dennoch wählten die Ungarn ihn 2008 zu ihrem Sportler des Jahres.
Der berühmte Erfolg am Arc-Tag, der keiner war: Fehlstart. Die meisten Reiter bekamen das nicht mit
Der verdammte Huf
2009 sollte der große Angriff auf die renommierten englischen Sprintrennen erfolgen. Haydock und Ascot standen auf dem Programm, doch kamen erstmals die berühmten
Hufprobleme zum Vorschein: Nur einen Start absolvierte Overdose, natürlich siegreich.
2010 kam mit Jozef Rozival ein neuer Trainer; zwei weitere Siege folgten und schraubten die Erfolgsbilanz auf 14. Doch irgendwann endet einmal jede Serie: Die des Ausnahmegaloppers endete in der Goldenen Peitsche in Baden-Baden: Nur Platz 7, es gewann
Amico Fritz.
2011 begann es standesgemäß mit einem souveränen Triumph in Hoppegarten. Das sollte der Aufgalopp für weitere Heldentaten sein, doch in beiden Gruppe 1-Sprints in Haydock und Ascot war Overdose letztendlich chancenlos, auch wenn die Form in Ascot als Vierter hinter
Prohibit gar nicht so schlecht war. Immerhin gestaltete der Hengst seinen Abschluss im italienischen Capannelle erfolgreich, auch wenn die alte Klasse nicht mehr da war.
Danach verhinderten die Hufprobleme weitere Starts. Es tauchten immer wieder Comeback-Geschichten auf, doch diese realisierten sich nicht. Zum Glück: Denn wer will einen Overdose sehen, der nicht mehr richtig fit ist und abgehängt im Feld endet. Diese Kolumne wünscht ihm ein glückliches Dasein als Deckhengst oder Rentner.
Die
Bilanz von Overdose