Noch ein Lesetipp: Simon Johnson ist Chefreporter des Londoner Evening Standard und berichtet seit 13 Jahren unter anderem über den FC Chelsea. Johnson war jetzt in Dortmund und hat Borussia Dortmund mit dem FC Chelsea verglichen. Das Ergebnis ist eine sehr interessante Serie in den Dortmunder Ruhr-Nachrichten, Teil 1 beschäftigt sich mit den Fans beider Klubs, Teil 2 nimmt die Medienarbeit der Klubs unter die Lupe.
Weitere Teile sollen folgen, dennoch kann man schon ein Fazit ziehen: Die Bundesliga ist quasi eine Insel der Glückseligkeit – besonders für Fans und Journalisten. Das ist natürlich etwas übertrieben, aber die Premier League und der Abramowitsch-Klub kommen eindeutig schlechter weg. Dazu gibt es noch einen anderen Text, den Johnson für den Evening Standard verfasst hat: Die Bundesliga bedroht zunehmend die Spitzenposition der Premier League.
Günstige Tickets, tolle Stimmung: Die Bundesliga hat klare Vorteile gegenüber der Premier League, meint zumindest Simon Johnson
Immer eine Notiz wert: Reiner Calmund, einst "Vitzemeister" mit Bayer Leverkusen, reagiert auf die Aussagen von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zu Traditionsvereinen und Werksclubs. Das ist zwei Minuten lang Emotion pur, da gibt "Calli" in seinem rheinischen Singsang mal eben schnell jedem eine mit. Er könne diesen Schei...nicht mehr hören, so Calmund, aber "Tradition schießt keine Tore". Aber seht selbst, wie der einstige Bayer-Manager nach Luft ringt.
Es ist vollbracht: Peddlers Cross siegte in der Howies Restaurants Edinburgh Hurdle in Musselburgh und holte damit den ersten Sieg eines Pferdes unser 6tofollow-Kolumne.
Trainer Donald Mc Cain hatte dem Wallach auf seiner Comeback-Tour eine auf dem Papier leichte Aufgabe ausgesucht, denn der einstige Spitzenhürdler stand nach Rating meilenweit über den Konkurrenten. Am Ende aber war es eine engere Angelegenheit als geplant, denn die Stute Cue to Cue erwies sich als sehr zähe Gegnerin und war nur um eindreiviertel Längen geschlagen. „Peddlers gets the job done“, titelte die Sporting Life - übersetzt würde man es als Arbeitssieg bezeichnen.
„Mein erster Gedanke war, dass er etwas eindrucksvoller hätte gewinnen können“, sagte Trainer Mc Cain nach dem Rennen zu Racing UK. Allerdings sei Jockey Jason Maguire hochzufrieden gewesen und Peddlers Cross so geritten worden, dass er über die Distanz kommt. „Sie sehen nicht das Beste dieser Pferde, wenn sie kein Championship-Tempo gehen und sich besser beruhigen“, so der Trainer weiter.
Das Ziel in Cheltenham sei jetzt die längere World Hurdle und nicht die Champion Hurdle.
Manchmal liefert die Lektüre des Fachblattes kicker doch neue Erkenntnisse: Daniel Simmes ist seit kurzem Trainer des belgischen Erstligisten Lierse SK. Daniel wer werden jetzt jüngere Leser fragen, doch Ältere werden sich erinnern: Ein pfeilschneller Flügelstürmer, der am Anfang seiner Karriere ziemlich abräumte, aber auch schon relativ früh aus dem Blickpunkt verschwand.
Als Dortmunder und jemand, der ebenfalls in der Mitte der sechziger Jahre geboren wurde und selbst Fußball spielte, fällt mir zum Ur-Dortmunder Simmes einiges ein. Erstmals tauchte sein Name Ende der siebziger Jahre auf: Da meldete die Lokalzeitung, ein D-Jugendspieler (Alter 10-12) habe über 100 Tore für seinen Klub erzielt. Das war eben dieser Daniel Simmes für den Vorortverein DJK Karlsglück Dorstfeld (heute fusioniert mit dem einstigen Lokalrivalen Fortuna zu Eintracht Dorstfeld).
So ganz sicher bin ich mir den 100 Toren übrigens nicht mehr, aber jedenfalls leistete der junge Stürmer Außergewöhnliches und so einen verpflichtete natürlich der BVB als erster Verein am Platz. Simmes durchlief die Jugendmannschaften des Klubs, verdiente als A-Jugendlicher ohne Bundesliga-Einsatz angeblich bereits 5000 DM im Monat (die Betonung liegt auf angeblich), gewann 1984 die U16-Europameisterschaft (Mitspieler unter anderem Bodo Illgner und Stefan Reuter) und schaffte ziemlich schnell den Sprung ins Profiteam. Höhepunkt war sein Sololauf 1984 gegen Bayer Leverkusen, der zum Tor des Jahres gewählt wurde.
Herzfehler
Doch dann stockte die Karriere, die Gründe dafür kann man hier nachlesen. Erst 2003 stellte sich heraus, dass Simmes einen angeborenen Herzfehler hatte, der zu Herzrhythmusstörungen führte und damit seine Leistung beeinträchtigte. Der Traum vom großen Fußballruhm fand ein Ende.
Belgische Ärzte fanden das heraus. Dort lebte Simmes nach Ende der aktiven Zeit, trainierte Jugendmannschaften und taucht jetzt laut kicker (Artikel leider nicht online) wieder als ein Trainer des abstiegsbedrohten Erstligisten Lierse SK auf. Für diesen Klub, der übrigens die gleichen Vereinsfarben wie der BVB hat, spielte der ehemalige Dortmunder auch.
Sein Chef dort ist ein alten Bekannten: Hany Ramzy, der erste Ägypter in der Bundesliga und einst in Diensten von Werder Bremen und dem 1.FC Kaiserslautern, arbeitet als Manager von Lierse SK. Besitzer des Klubs ist Maged Samy, laut kicker „schwerreich und höchst umstritten“ und zudem Inhaber des ägyptischen Klubs Wadi Degla. Belgische Medien nennen Lierse inzwischen SK Ägypten, in dieser Saison ist Abstiegskampf angesagt. Aber das kennt Daniel Simmes noch aus seiner BVB-Zeit: Zwischen 1984 und 1988 ging es für Schwarzgelb auch meist um den Klassenerhalt.