Nur Angst vor Alptraum Magath
Die Kunst des Stehens: Erleben die besten Fans der Liga auf Dortmunds gigantischer Südtribüne eine weitere legendäre Saison?
Es wird Zeit, dass die Bundesliga wieder anfängt. Immerhin sind die Sonderhefte inzwischen alle erhältlich und die
11 Freunde haben wieder ein Beiheft im auffälligen Reclam-Gelb gemacht. Dieses enthält neben historischen Mannschaftsbildern unter anderem die Antworten eines Bloggers zu vorgegebenen Fragen. Bei Borussia Dortmund stand wieder jemand vom formidablen Fanzine Schwatzgelb.de Rede und Antwort. Doch es gibt – erstaunlich – auch andere Anhänger der Schwarz-Gelben, die bloggen – zum Beispiel der Autor dieser beliebten Seiten.
Exklusiv hier also meine Weisheiten zur Saison 2012/2013.
Die neue Saison wird legendär, weil
…also legendär waren schon die letzten beiden Spielzeiten in Dortmund. Diese zu übertreffen, sollte schwierig sein – außer der BVB rollt die Champions League auf.
An die alte Saison werde ich mich noch lange erinnern, weil
…Dortmund dreimal die Bayern geschlagen hat und auch sonst fast alle Wünsche erfüllt wurden.
Drei Wünsche frei für die nächste Saison? Hier sind sie:
Dortmund trumpft in der Champions League auf, Fürth hält die Liga und der Lothar findet endlich einen ordentlichen Job.
Huaaah! Mein größter Alptraum:
Dass sich in der obligatorischen kleinen Dortmunder September-Minikrise Watzke, Zorc und Klopp mächtig streiten und „Kloppo“ die Sachen hinschmeißt. Als Nachfolger kommt Felix Magath, der trainiert bis Weihnachten so hart, dass die Mannschaft keinen Punkt mehr holt. Daraufhin holt Magath 15 neue Spieler in der Winterpause.
Mein Lieblingsspieler im aktuellen Team ist:
Sebastian Kehl – Nach all den Seuchenjahren mit Verletzungen ein bemerkenswertes Comeback. Es ist ihm zu gönnen.
Mein Held vergangener Jahre:
Wolfgang Feiersinger – Legendär sein Ausspruch zur Begrüßung, dass er eigentlich besser Ski fahren kann. Sein Debüt ging fürchterlich daneben und die humorlose Dortmunder Lokalpresse haute ihm obiges Zitat genussvoll um die Ohren. Doch sie lag daneben. Immer wenn Matthias Sammer verletzungsbedingt fehlte, vertrat ihn Feiersinger elegant und fast fehlerfrei. Gesegnet sind eben die Skifahrer.
Lustigster Fangesang der letzten Saison war:
Ein Schuss, kein Tor – die Bayern.
Nie wieder! Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?
Wenn wir irgendwann Red Bull Dortmund oder Mc Donalds Dortmund oder … heißen. Oder wenn Felix Magath hier auftaucht.
Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil:
Ich fahre nicht zu Auswärtsspielen. Mir reichen die Heimspiele, zumal ich auch noch andere Hobbys habe. Zum Beispiel schnelle Pferde…
Unser aktuelles Trikot ist…
Gelb und teuer…
Wenn Kathrin Müller-Hohenstein und Olli Kahn im nächsten Jahr auch die Champions League moderieren, dann…
…ist das auch nicht mehr zu verhindern.
Wonti, ich komme! Hier ist meine beinharte These für den nächsten Doppelpass:
Wonti, mach Schluss! Ich gucke keine Sendung, in der 70 von 90 Minuten über den Zustand des FC Bayern diskutiert wird.
Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…
Ich brauche weder Wurst noch Bier im Stadion, zumal die Qualität der Rostbratwurst oft zu wünschen lässt. Wenn, esse ich meine Wurst außerhalb des Stadiums am Freibad und unterstütze so den Unterhalt des maroden Schwimmtempels in Dortmund.
Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge:
Den von Oliver Kahn seit dieser großartigen ZDF-Sendung zur Fußball-EM.
Wer verpflichtet in der Winterpause Otto Rehhagel?
Niemand, doofe Frage.
Und wer Rolf Schafstall?
Immerhin haben die Bochumer mit Rolf Schafstall ihre erfolgreichste Zeit gehabt. Ansonsten aber gönne ich Schafstall die Rente.
Wer klagt sich nach dem Relegationsspiel durch alle Instanzen?
Vielleicht Felix Magath.
Die Erste Liga verlässt nach unten…
Vielleicht mal Wolfsburg oder der HSV als Strafe für jahrelange Misswirtschaft. Wird aber leider nicht passieren, aber ich hoffe, dass zumindest Fürth oder die Fortuna die Klasse hält.
Letzte Weisheit
Vermeidet Radiosender, die Bon Jovi spielen.
uknig22 am 13. August 12
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Gute Freunde, alte Bekannte: Faszination Sprint
1200 Meter, gerade Bahn, 27 Pferde, der Favorit steht um die 100. Stewards’ Cup in Goodwood/England – eines dieser Handicaps, die die britischen Buchmacher so mögen. Viele Starter, viele Möglichkeiten, viele Chancen – verständlich, dass bei Ladbrokes, William Hill und den anderen großen Buchmachern die Kassen klingeln, wenn es über die kurze Distanzen geht. Der Stewards’ Cup ist das Wettrennen während „Glorious Goodwood“, einem Höhepunkt der englischen Rennsaison.
Die Rennen über die Kurzstrecken von 1000 und 1200 Metern erscheinen oft wie eine andere Welt verglichen mit den Prüfungen über längere Distanzen. Weil Faktoren eine Rolle spielen, die bei Strecken ab 1400 Metern wenig aussagekräftig sind. Die Position der Startbox beispielsweise: Auf welcher Seite ist der bessere Boden, wo sind die Tempomacher. Das sieht dann in der Praxis so aus, dass zwei Pulks über die Bahn jagen. Wer als Rennkommentator seine Reifeprüfung ablegen möchte, der sollte so eine Prüfung mit 30 Pferden mal kommentieren.
Große Felder, große Gelder
Sprints sind populär auf der Insel. Kaum ein Renntag kommt ohne Rennen über 1000 oder 1200 Meter aus. Und fast immer geht es über die gerade Bahn – in Deutschland kenne ich das nur noch aus Iffezheim oder Hoppegarten, früher bestand die Möglichkeit auch in Dortmund. Die Rennen für die schnelle Brigade genießen in Großbritannien einen deutlich höheren Stellenwert als hier. Und während die kleineren Rennen in England sehr dürftig dotiert sind, gilt das nicht für die großen Sprint-Handicaps wie etwa das Wokingham (Royal Ascot), der Epsom Dash (Epsom) oder den Ayr Gold Cup in Ayr/Schottland. Über 62 000 Pfund bekam zum Beispiel der Gewinner im Stewards’ Cup.
Hawkeyethenoo heiß der Held des Tages an diesem Nachmittag, der knapp die Nase vorn hatte. Ich ärgerte mich, weil ich das Pferd ursprünglich auf Sieg wetten wollte, dann aber davon absah, weil der Trainer des Starters, Jim Goldie, ziemlich außer Form war. Ich entschied mich für meinen alten Freund
Borderlescott, der leider drei Längern hinter dem Sieger endete.
Beide Pferde sind typische Vertreter dieses Genres. Beide sind schon etwas älter, beide werden zudem von eher „kleineren“ Trainern betreut. Sie wurden mit zunehmendem Alter immer besser. Vielen dieser Starter begleiten einen schon seit Jahren, manches Pferde wie der jetzt seinen Ruhestand genießende
The Tatling sind regelrecht Kult. Das Pferd hat seine eigene Facebook-Seite.
Hawkeyethenoon stammt immerhin vom einstigen Ballydoyle-Flaggschiff
Hawk Wing und hat auch schon über die Meile gewinnen. Das war noch für Mick Easterby, doch so richtig kam er für den Altmeister aus Sheriff Hutton nicht ins Rollen. Nach 12 Starts wechselte der Wallach zu Trainer Jim Goldie nach Schottland und dort platzte der berühmte Knoten: Hawkeyethenoo siegte sofort in seinem ersten Einsatz für Goldie im September 2009 über 1000 Meter in Musselburgh und arbeitete sich Schritt für Schritt im Handicap hinauf.
34 Starts, acht Siege lautet die aktuelle Bilanz. Höhepunkte war – neben dem aktuellen Erfolg – der Triumph im Victoria Cup in Ascot über 1400 Meter. Allerdings war das Pferd auch schon Zweiter im Epsom Dash über schnelle 1000 Meter. „Er hat uns nie enttäuscht“, sagte Goldie nach dem Erfolg in Goodwood. Im Sattel saß im übrigen Graham Lee, der derzeit gerade einen erstaunlichen Wandel vom erfolgreichen Hindernis- zum erfolgreichen Flachjockey vollzieht.
Dandy Nicholls statt Stoute
Es sind nicht die großen Trainernamen, die die Siegerlisten in den Sprint-Handicaps prägen. Die Herren Cecil, Stoute oder Gosden sucht man ergeblich und auch Aidan O’Brien oder Saeed Bin Suroor fehlen. Weil sie eben andere Typen von Pferden trainieren, für die nur der klassische Erfolg ab 1600 Metern zählt.
Die Kurzstrecken dominieren andere Betreuer. Dandy Nicholls zum Beispiel, der scheinbar nur Sprinter in seiner Obhut hat. Mit 641 Starts in den letzten 12 Monaten zählt er allerdings nicht zu den kleinen Trainern im Lande. Und auch Goldies Stall ist nicht klein: 506 Mal sattelte der schottische Coach in Flach- und Hindernisrennen. Aber es sind überwiegend Handicaps, in denen ihre Pferde laufen.
Deutlich weniger Vollblüter liefen immer für Robin Bastiman: Dessen bestes Pferd und „ganzer Stolz“ ist
Borderlescott, inzwischen 10 Jahre alt. Schon seine Bilanz liest sich nicht schlecht: 58 Starts, 13 Siege, 17 zweite Plätze, sieben dritte Plätze. Höhepunkt seiner Karriere war der Gruppe 1-Erfolg 2009 in den Nunthorpe Stakes in York. Spätestens nach dem Erfolg im Stewards’Cup 2006 zählte der Wallach zu meinen absoluten Favoriten. Das änderte sich auch nicht nach dem Drama im Stewards’Cup ein Jahr später, als ich mich schon über den lukrativen Sieg zum Toto 130 freute, doch die Zielrichter in Goodwood
Zidane mit einem kurzen Kopf vorne sahen. Ich bin ja der Meinung, dass die Stewards in Goodwood mir dafür immer noch einen schulden.
Heute ist Borderlescott nicht mehr ganz so gut wie in seinen Glanzzeiten. Er kann aber immer noch mitmischen, zumal er im Handicap Nachlass gefunden hat. Zudem gab es vor dem Rennen fast schon euphorische Töne aus dem Bastiman-Camp. Schlecht lief er dann auch nicht, aber eine echte Siegchance hatte er nicht. Aber es sind solche Pferde, die lang genug dabei sind, die die Faszination Sprint ausmachen. Weil sie eben nicht wie ihre blaublütigen Verwandten spätestens mit vier Jahren in die Zucht gehen und man lange genug mit ihnen seinen Spaß hat.
Ein
Interview mit Jim Goldie nach dem Stewards’ Cup
uknig22 am 08. August 12
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Nur die öffentlich-rechtliche Deutschtümelei nervt
Die olympischen Sommerspiele in London dominieren derzeit die öffentliche Wahrnehmung. Bei mir persönlich rückt da sogar ein Galopp-Festival wie
Glorious Goodwood etwas in den Hintergrund. Es ist Olympia, die Jugend der Welt misst sich im Wettkampf und auch wenn man nicht mehr zu Letzterer gehört, ist das doch für 14 Tage eine willkommene Abwechslung. Zumal man Sportarten erlebt, die man sonst eben nicht erlebt.
ARD, ZDF und Eurosport übertragen bis zum Umfallen, leider nutzen die Öffentlich-Rechtlichen nicht ihre Digitalkanäle für zusätzliche Angebote. Dafür gibt es im Internet entsprechende Streams und nach anfänglichen Pannen laufen zumindest die Streams des ZDF meist tadellos. Die ARD vermasselte das schon am ersten Tag mit langen Ladezeiten – sehr peinlich. Inzwischen funktionieren die Streams aber auch.
Live oder nicht live
ARD und ZDF haben viel Prügel bekommen, weil sie in ihrer Sendung nicht genau kennzeichnen, was denn live ist oder nicht. Das ist allerdings schwierig, wenn ich zeitgleich mehrere Entscheidungen habe und alle in der Sendung haben möchte. Also etwas zu viel der Aufregung – verständlich ist die Kritik aber dennoch, zumal die Öffentlich-Rechtlichen bei der Fußball-EM die UEFA kritisiert hatte, weil ihr Broadcaster nicht Live-Bilder in die Übertragung geschnitten hatte.
Viel schlimmer finde ich jrdoch diese übertriebene „Deutschtümelei“ in der Berichterstattung. Es zählen nur deutsche Medaillen, Top-Leistungen anderer Länder fallen durchs Raster. Besonders schlimm war es auf beiden Kanälen an den ersten Tagen, als die deutschen Medaillen noch fehlten. Das grenzte teilweise schon an Hysterie, am meisten nervte ARD-Schwimmexperte Tom Bartels, der schon fast den Untergang herbei rief, bevor dann Paul Biedermann mit einer guten Leistung über 200 Meter Freistil die Gemüter beruhigte. „Trauerberichterstattung“ schrieb die
Süddeutsche Zeitung. Ebenfalls schlimm: Expertin Franziska von Almsick, die Meisterin der Phrasen.
Ansonsten aber fällt mein Fazit so schlecht nicht aus. Weil an vielen Orten die Stimmung toll ist und die Engländer ein hervorragendes Sportpublikum sind, die auch Leistungen anderer Athleten würdigen. Wenn ich zum Beispiele sehe, was an der Ruderstrecke los ist – grandios.
Große Momente
Es gibt einige Sportarten, die haben bei mir richtig an Achtung gewonnen. Tischtennis zum Beispiel ist ein schneller, spannender und artistischer Sport. Oder Badminton: Das habe ich selber mal hobbymäßig gespielt; aber ich habe noch nie die Top-Leute gesehen. Wie die die Bälle schlagen, wie viel Spin diese bekommen. Da staunt der Laie nur.
Am Montag habe ich mir drei Stunden lang die Geländeprüfung in der Vielseitigkeit im Stream angetan. Zwar etwas langatmig, aber großen Respekt an Ross und Reiter, was diese leisten. Selbst Tennis – ein Sport, den ich zu Zeiten eines Boris Becker nie groß gemocht habe – punktete. Angelique Kerber gegen Altmeisterin Venus Williams am Dienstag war hochdramatisch, nur etwas laut, weil beide Spielerinnen so laute Geräusche beim Ballwechsel machten.
Natürlich gibt es immer noch ein paar Sportarten, mit denen ich nichts anfangen kann. Zum Beispiel Turnen, besonders bei den Frauen oder sagen wir lieber Kinder, weil die meisten Teilnehmerinnen aussehen wie 12. Früher war das in totalitären Staaten wie der damaligen UdSSR, Rumänien oder China ganz groß angesagt, inzwischen finden das auch die Amerikaner ganz toll. Und die Engländer ebenfalls...
uknig22 am 02. August 12
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