Mittwoch, 25. Juli 2012
Turf viel schöner als die Formel 1
Am Samstag war es mal wieder so weit. Eines dieser Rennen, die man nicht vergisst. Danedream oder Nathaniel? Mit bloßem Auge sind sie kaum zu trennen. Adrenalin pur: Die King George VI Stakes, einer der Sommerhöhepunkte der englischen Turf-Saison, endet mit einem Herzschlagfinale. Schließlich siegt Danedream mit einer Nase. Wen solche Rennen nicht bewegen, dem ist nicht mehr zu helfen.
Natürlich steigt die Euphorie, weil ein deutsches Pferd quasi in der „Höhle des Löwen“ ein wichtiges Rennen gewonnen hat. Der berühmte Underdog-Effekt– auch wenn ich sonst mit Schwarz-Rot-Gold wenig zu tun habe und weder Danedream noch Nathaniel gewettet habe. Mein Tipp war bekanntlich Dunaden.
Für mich und zahlreiche andere Turf-Anhänger war Danedream das Highlight des Wochenendes. Doch wie viele Leute interessiert das in Deutschland? 500 000? Eine Million? Weiß das einer?
Natürlich gab es das Rennen nicht live im TV und auch die ARD-Sportschau am Abend verzichtete auf bewegte Bilder. Stattdessen Drittliga-Fußball, eine ellenlange Übertragung vom Triathlon und dann noch eine Schalte nach London, wo Herr Antwerpes das Olympia-Studio zeigte, in dem er und Herr Delling dann moderieren werden.
Immerhin wurde darüber berichtet - sowohl online als auch in den Printausgaben der Zeitungen. Meist kurz und besser als nichts, aber dennoch der Sache nicht angemessen. Zumal die gute Danedream Turf-Geschichte schrieb.



Oftmals der spannendste Moment in der Formel 1: Der Start, aber leider sehen die Leute auf ihren teueren Tribünenplätzen diesen auch nur bruchstückhaft.

Formel 1 auf allen Kanälen
Am Wochenende gastierte auch der Formel 1-Zirkus im Land: Der Große Preis von Deutschland auf dem Hockenheim-Ring stand auf dem Programm, fast sechs Millionen Zuschauer guckten das am Samstag live bei RTL, dazu noch einige weitere bei Sky. Wer sich lieber einen sonnigen Nachmittag gönnte, der bekam abends Zusammenfassungen bei ARD und ZDF.
Und Sonntag und Montag sind die Zeitungen voll mit Geschichten über die Formel 1.
Was hat also die Formel 1, was der Galopprennsport nicht hat? Warum ist das Fahren im Kreis soviel attraktiver als das Laufen im Kreis? Ein – zugegeben - etwas subjektiver Vergleich….

Spannung
Galopp: Zwei Minuten Adrenalin pur, dann kann sich der Besucher 30 Minuten lang erholen und die nächste Dosis Spannung kommt. Empfiehlt jeder Arzt…
Formel 1: Selbst hartgesottene Anhänger geben zu, dass manchmal das einzig interessante in einem Rennen der Start ist. Ansonsten passiert nicht viel und wenn mal einer überholt, bekommen das die meisten Zuschauer gar nicht mit. Und das drei Stunden lang,,,,,
Klarer Punkt für die Pferde: 1:0

Lage
Galopp: Die meisten Rennbahnen liegen schön im Grünen und auch wenn manche Tribüne auf Deutschlands Bahnen nur noch von der Farbe zusammengehalten wird, strahlen viele Hippodrome doch Beschaulichkeit aus.
Formel 1: Außer Monaco befinden sich fast alle Kurse irgendwo weit draußen, natürlich keine Bäume und kein Grün, nur Straße und Sonne.
Nächster Punkt für die Pferde: 2:0

Eintrittspreise
Galopp: Gut, in Ascot wäre der Besucher bestimmt 50 Pfund für einen halbwegs gescheiten Platz losgeworden, wenn er Danedream begleitet hätte. Aber das ist England, in Deutschland ist der Eintritt auf Rennbahnen eine preisgünstige Angelegenheit. Mit 10 bis 15 Euro ist man dabei – und das ist noch der obere Bereich. Auf vielen Bahnen liegen die Preise darunter.
Formel 1: Da haut der Bernie Ecclestone mal richtig rein. Tagestickets am Hockenheim-Ring kosten 229 bzw. 279 Euro, das Wochenende beginnt ab 99 Euro mit Plätzen ganz weit draußen, gescheite Karten gibt es ab 149 Euro, nach oben ist noch einiger Platz.
Klarer Punkt für Galopp: 3:0

Popularität
Jeder kennt Schumi, Vettel und Ferrari, nur ein paar Insider kennen Schiergen, Starke und Danedream. Traurige Wahrheit und völlig unverdient.
Punkt für Formel 1: 1:3

Fazit
Klarer Sieg für Galopp. Nur was bringt uns das.



Freitag, 20. Juli 2012
Dritte Liga: Dortmund 2 ist dabei
Es ist der ideale Zeitvertreib für Fußball-Nerds in der balllosen Zeit: Mal einfach per Tabellenrechner die Spiele der kommenden Spielzeit tippen. Der Autor machte dies bei Spox (kann man auch wo anders), das Ergebnis für die 3. Liga 2012/2013 steht fest: Danach steigen der VfL Osnabrück und der FC Heidenheim direkt in die 2. Liga auf, der SV Wehen Wiesbaden erreicht die Relegationsspiele gegen den 16. der 2. Liga. Absteiger? Siehe Foto, aber entscheidend ist ja immer noch auf dem Platz, liebe Anhänger von Babelsberg, VfB Stuttgart und Darmstadt.



Warum auf einmal diese Liebe zu Liga 3? Ältere Leser dieser Kolumne werden sich daran erinnern, dass ich bereits in der Saison 2009/10 regelmäßig über das Unterhaus geschrieben habe, weil die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund damals dort kickte. Und nun schaffte der Nachwuchs des Deutschen Meisters in einer bemerkenswerten Serie den Aufstieg: Hatte das Team am 16. Spieltag nach einer 0:1-Niederlage gegen Rot-Weiß Essen 22 Punkte und damit 12 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter SF Lotte, verlor der BVB in der ganzen Rückrunde nur noch ein einziges Spiel (und spielte einmal Remis) und schaffte noch den Aufstieg aus der Regionalliga. Irgendwie schien es so, dass der Erfolg der ersten Mannschaft auch auf das 2. Team abblättern würde.
Und jetzt hat also nicht nur BVB-Trainer David Wagner große Vorfreude auf die „stärkste 3. Liga“. „Es bringt mir ein Lächeln ins Gesicht, dass wir da mitmachen dürfen. Ich bin total positiv eingestellt, dass unsere Jungs da voll mitziehen. Wir sind eine außergewöhnliche zweite Mannschaft, die nicht zuletzt wegen ihrer großen Strahlkraft in der 3. Liga gut aufgenommen wird“, sagte der Coach im Interview mit den Ruhr-Nachrichten.

Geldverbrennungsliga
Von den Namen ist es schon eine interessante Liga: Die Absteiger Aachen, Karlsruhe und Rostock etwa. Oder Preußen Münster, Kickers Offenbach, Arminia Bielefeld, der Chemnitzer FC, der VfL Osnabrück oder RW Erfurt. Hinzu kommen aufstrebenden Klubs wie Heidenheim oder Wehen Wiesbaden oder die weiteren Aufsteiger Hallescher FC und Stuttgarter Kickers – Tradition also im Überhand. Für die Kickers freut es mich besonders, weil sie bei meinem missglückten beruflichen Aufenthalt im Schwabenland einer der Lichtblicke waren.
Doch glücklich sind viele der Klubs in der 3. Liga nicht. „Viel Kult, wenig Kohle“, titelte der kicker in seiner Printausgabe am Donnerstag, für viele Teilnehmer bedeute die Liga eher Existenzkampf. „Sportlich ist die 3. Liga nicht viel schlechter als die 2. Liga“, zitiert das Fachblatt Bielefelds Geschäftsführer Marcus Uhlig. Aber der Kostenapparat sei fast genauso hoch wie in der 2.Liga, dafür seien die Erlöspotenziale erheblich niedriger. Geldverbrennungsliga“ nennt sie Klaus Brüggemann, Geschäftsführer des SV Babelsberg.
Jedenfalls geht es am Freitag erst mal los mit Arminia Bielefeld gegen Alemannia Aachen, live zu sehen bei West 3 und obwohl die EM noch gar nicht lange zu Ende ist, genau das Richtige für die Sommerpause.
So ganz objektiv waren meine Tipps (siehe oben) jedoch nicht: Natürlich steigt Borussia Dortmund 2 nicht ab und auch die Stuttgarter Kickers halten dank einer erstaunlichen Serie zum Saisonschluss die Klasse.



Mittwoch, 18. Juli 2012
Dunaden der Tipp in einem offenen King George
Ascot statt Hoppegarten: Danedream, die deutsche Arc-Heldin, läuft am Samstag in den King George VI Stakes in Ascot und nicht im Großen Preis von Berlin in Hoppegarten. Sportlich eine mutige Entscheidung, denn die Gegner in England sind doch um einiges stärker als die in der Hauptstadt. Vielleicht kann sie ja Orsini übertreffen. Denn dessen Platz 5 war bislang die beste Placierung eines deutschen Pferdes, wie ich dem Blog des Feldmarschalls entnehmen kann. Das ist jedoch schon Ewigkeiten her. In den letzten 20 Jahren, in denen ich das Rennen verfolge, kann ich mich an keinen deutschen Starter erinnern. Das sind die Gegner von Danedream.

Brown Panther: (Trainer Tom Dascombe/Jockey Kieren Fallon): Im letzten Jahr Favorit im Deutschen Derby, zuletzt leichter Sieger in einem Listenrennen in Pontefract. Auch der zweite Platz hinter Masked Marvel im englischen St. Leger (immerhin vor Sea Moon) liest sich gut, aber das King George ist noch eine andere Liga.

Dunaden (Trainer M. Deszangles/Craig A. Williams): Christophe Lemaire wird sich an seinen letzten Ritt auf Dunaden in den Hardwicke Stakes in Royal Ascot nur ungern erinnern. Denn irgendwie lief alles schief an diesem Tag: Erst behinderten zurückfallende Pferde ihn, dann war mehrmals die Lücke zu – Widrigkeiten, die Dunaden an diesem 23. Juni das Leben schwer machten. Dass das Pferd zum Schluss noch mal beschleunigte und Platz 2 erreichte, spricht für sein Können. 2011 war Dunaden, der seine Laufbahn einst auf der Dortmunder Sandbahn begann, einer der Aufsteiger mit Erfolgen im Melbourne Cup und in Hongkong. Sein Trainer meint, dass er den Speed für 2400 Meter hat – ich teile seine Meinung

Masked Marvel (John Gosden/Frankie Dettori): Immerhin Sieger im englischen St. Leger 2011, in dieser Saison war die Form bislang eher flau. Zudem sollte der gut bis weiche Boden nicht ideal sein.

Nathaniel (John Gosden/ William Buick): Der Vorjahressieger, der nach Aussage seines Trainers John Gosden die Bahn in Ascot liebt. Zuletzt überzeugender Sieger in den Eclipse Stakes in Sandown vor 14 Tagen und gerade diese Zeit ist das Fragezeichen: Nur 14 Tage zwischen beiden Rennen ist eine kurze Pause für einen Mittelstreckler und auch Trainer Gosden hat da seine Bedenken. Ansonsten sind Boden und Distanz ideal.

Reliable Man (Alain de Royer-Dupre/Olivier Peslier): Ein durchaus formbeständiges Pferd, das nur im Arc abgeschlagen eintrudelte. Aber eher ein Kandidat für 2000 Meter, zuletzt letztendlich chancenlos in Royal Ascot gegen So You Think, Carlton House oder Farhh.



Deep Brillante (oben) gewinnt das japanische Derby mit einer Nase oder ähnlich. Jetzt stehen Europa und das King George auf dem Programm

Robin Hood (Aidan O’Brien/J A Heffernan): Tempomacher für den Stallgefährten St. Nicholas Abbey.

Sea Moon (Sir Michael Stoute/Ryan Moore): Gut gesteigerter Schützling von Trainer Stoute, der früher für diese Art von Pferden berühmt war. Zuletzt überzeugender Sieger in den Hardwicke Stakes, im letzten Jahr Zweiter hinter St. Nicholas Abbey im Breeders Cup Turf. Die Gegner sind am Samstag noch mal etwas stärker als in den Hardwicke Stakes, aber ich traue dem Hengst noch weitere Steigerung zu, zumal der weiche bis gute Boden ihm entgegenkommt.

St. Nicholas Abbey (Aidan O’Brien/Joseph O'Brien: Die erste Ballydoyle-Waffe, dessen größte Stunde als Gewinner des Breeders Cup Turf schlug. In diesem Jahr schon erfolgreich im Coronation Cup in Epsom. Hier trifft er aber bessere Gegner, im letzten Jahr enttäuschte der Hengst zudem im King George. Zudem ist seine Bilanz auf Rechtskursen wie Ascot nicht besonders gut.

Windsor Palace (Aidan O’Brien/Nichtstarter): Wahrscheinlich ebenfalls Tempomacher für St. Nicholas Abbey. Allerdings hat er diesen 2012 schon einmal als 66:1-Schuss überrascht.

Danedream (Peter Schiergen/Andrasch Starke): Nach Timeform-Rating steht Danedream an der Spitze des Feldes. In diesem Jahr kam die Arc-Siegerin etwas schleppend vom Start, wobei die letzte Form aufgrund des fehlenden Tempos zu ignorieren ist. Auch im letzten Jahr dauerte es etwas, bis der Knoten geplatzt war. In der Arc-Form wäre die Stute kaum zu schlagen, der Boden könnte aber nicht optimal sein.

Shareta (Alain de Royer-Dupre/Nichtstarter): Sehr konstante Stute aus Frankreich, aber das letzte Stück Klasse in dieser Kategorie fehlt.

Deep Brillante (Trainer Yoshito Yahagi/Yasunari Iwata): Der große Unbekannte aus Japan, kommt aber mit fast perfekten Referenzen als japanischer Derbysieger und Dritter in den dortigen 2000 Guineas nach Europa. Was diese Formen wert sind, weiß ich nicht. Landsmann Heart’s Cry war 2006 immerhin mal Dritter hinter Hurricane Run.

Urteil
Danedream steht derzeit natürlich bei Kursen um 10:1 sehr verlockend im Rennen, zumal sie auch im letzten Jahr erst in Spätsommer und Herbst richtig ins Rollen kam. Es sind allerdings schon sehr gute Gegner. Seit dem verpatzten Lauf in den Hardwicke Stakes habe ich Dunaden auf meiner Liste ganz oben. Und immerhin gibt es zu ihm auch eine Verbindung nach Deutschland.

Nachtrag 19.07.2012
Zwei Korrekturen im Text, vielen Dank für die Hinweise. Erst einmal deutsche Starter der letzten 20 Jahre: Übersehen habe ich Prince Flori, der 2007 chancenlos war. Platini lief 1993, wie hier zweifellos zu sehen ist.
Und dann habe ich noch Dunaden in den Wallach-Status befördert. Das wollte ich natürlich nicht, aber: Bei einem sechsjährigen mit so einer wechselhaften Karriere denkt man nicht unbedingt, dass er noch Hengst ist.