Samstag, 10. Dezember 2011
Denman: "The Tank" wird Rentner
Vor einigen Wochen brachte die englische Racing Post eine nette Geschichte. Das Fachblatt portraitierte die Betreuerin des großen Kauto Star aus dem Stall von Trainer Paul Nicholls. Kauto Star charakterisierte die Frau als einen „netten und freundlichen, immer gutgelaunten Typen.“ Denman hingegen, der alte Rivale, sei ein „grimmiger alter Herr“, der meist „grummelnd“ in seiner Box steht. So ähnlich habe ich es zumindest im Gedächtnis – und wohlgemerkt, es handelt sich um Rennpferde, präziser: um zwei der besten Hindernispferde dieser Epoche auf der Insel. Der gutgelaunte Kauto Star feierte vor kurzem ein grandioses Comeback, der mürrische Denman beendete jetzt wegen einer Sehnenverletzung seine große Karriere. Wer diese Kolumne regelmäßig verfolgt, weiß, dass der in den Ruhestand wechselnde zu meinen absoluten Favoriten gehört.
Es war an einem trüben Tag Ende November 2007, als der schon als Nachwuchssteepler sehr erfolgreiche Wallach quasi zum Erwachsenen wurde. Der Hennessy Gold Cup in Newbury, eines der großen Wettrennen der englischen National Hunt-Saison, stand auf dem Programm. Denman trug Höchstgewicht und die Gegner waren auf dem Papier sehr stark. „Das geht nicht“, dachte ich mir. Es folgte eine Sternstunde des englischen Hindernissports, eine Vorstellung, die all das verkörpert, was die Anhänger so an diesem Sport fasziniert. Der Wallach spielte mit seinen Gegner, glitt fehlerlos über die großen Sprünge und deckte gnadenlos die Schwächen der Gegner auf. Er „lachte“ quasi die Opposition aus. Am Ende siegte Denman hoch überlegen und wer ihn da noch nicht kannte, der kannte ihn spätestens jetzt. Vier Monaten später gewann er den Cheltenham Gold Cup mit einer beeindruckenden Vorstellung gegen den alten Rivalen Kauto Star.

Der Tank
Schwere Herzprobleme stoppten dann die Laufbahn des Spitzensteeplers und eigentlich, sagte sein Trainer Paul Nicholls, sei es ein Wunder, dass Denman überhaupt wieder eine Rennbahn betrat. Noch einmal triumphierte der Wallach mit Höchstgewicht im Hennessy gegen den Stallgefährten What a Friend, aber auch die zweiten Plätze im Cheltenham Gold Cup waren aller Ehren wert. Es gab eben mit Kauto Star noch ein weiteres Ausnahmepferd. Im März belegte Denman nach einer fantastischen Leistung noch einmal den Ehrenplatz im Cheltenham Gold Cup hinter dem deutlich jüngeren Long Run.
„He was a tank of an horse“ , twitterte Tony Mc Coy martialisch – ein Panzer von einem Pferd. „Es war seine schiere Größe, die herausstand“, schrieb Sam Thomas, der im Gold Cup 2008 sein Reiter war, in der Racing Post. Ein herausragender Springer und ein Kraftpaket mit Speed, an guten Tagen sprang er so präzise wie ein Uhrwerk. Thomas: „Kein anderes Pferd gab mir so ein Gefühl von Stärke, so wie er sprang und sich im Rennen bewegte.“ Und auch zur Charakterisierung „mürrischer Typ“ hat Sam Thomas was zu sagen: „Wenn Denman ein Mensch wäre, wäre er der Typ, den du als besten Freund haben möchtest, weil er immer für dich da ist.“



Donnerstag, 8. Dezember 2011
Wenn der Traum zum Alptraum wird
Das letzte Spiel in der Champions League gegen Olympique Marseille war noch einmal typisch für das Auftreten von Borussia Dortmund in der europäischen Königsklasse: 2:0 führte die Borussia gegen die Franzosen und beherrschte den Gegner eindeutig. Und wenn Arsenal vielleicht mitgespielt hätte und mit seiner B-Elf in Piräus gewonnen hätte, hätte es vielleicht das berühmte Fußballwunder gegeben. So aber verkürzten die Franzosen mit ihrer ersten Chance noch vor der Pause auf 1:2 und drehten sogar mit zwei Treffern kurz vor Schluss die Begegnung noch. Dadurch erreicht OM das CL-Achtelfinale, Piräus geht nur in die Europa League (die Griechen werden stocksauer auf den BVB sein) und dem BVB bleibt mit gerade mal vier Punkten und einem Torverhältnis von 6:12 der letzte Platz.
Die Komplimente, die Dortmund auch nach der letzten Partie erhielt, kann ich bald nicht mehr hören. „Wohl kaum jemals ist eine Mannschaft in der Champions League auf so sympathische Weise derart grandios gescheitert“, schreibt etwa der Kollege von schwatzgelb.de.
Das ist alles richtig, aber Fakt ist auch: Der BVB war noch zu doof für die Champions League. Die Mannschaft machte Fehler, die sie in der Bundesliga nicht macht und die gnadenlos von den Arsenals, Olympiques und Olympiakosses bestraft wurde. Und zumindest Piräus und Marseille waren Gegner, die schlagbar waren.
Nun besteht kein Grund zur Panik, weil Dortmunds Spielern die Zukunft gehört. Hummels, Subotic, Schmelzer und co. werden aus ihren Erfahrungen lernen und dies erfolgreich umsetzen. Auch der Trainer-Stab um Jürgen Klopp wird es aus den schlechten Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen. Diese Lernfähigkeiit war bislang eine große Stärke des Übungsleiters Klopp. Wie gesagt: Kein Grund zur Panik, aber ärgern darf man sich als Fan dennoch….



Mittwoch, 7. Dezember 2011
Zum Tode von Socrates
Der große Socrates ist tot. Einen schönen Nachruf auf einen der einflussreichsten brasilianischen Mittelfeldspieler der achtziger Jahre kann Mann oder Frau auf spielverlagerung.de lesen. Ich erinnere mich an die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien: Es waren triste Tage des Fußballs. Die Spiele waren fürchterlich langweilig, weil die meisten Mannschaften nur das Spiel zerstören wollten. Dazu wurde eine der schlimmsten deutschen Fußball-Nationalmannschaften aller Zeiten auch noch Vize-Weltmeister.
Natürlich wurde nicht das Team, das den besten Fußball spielte, Champion. Brasilien zauberte das letzte Mal so richtig, Socrates war der große Taktgeber. Doch die Südamerikaner scheiterten an den Defensivkünstlern aus Italien mit dem furchterregenden Abwehrspieler Claudio Gentile. Die Gerechtigkeit blieb auf der Strecke.