Freitag, 11. November 2011
Der Kampf um die Sportwetten
Es war ein zähes Ringen: 15 Bundesländer haben sich Ende Oktober auf einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag geeinigt Damit endet die Zeit des staatlichen Monopols für Sportwetten.
Ein Land fehlte: Schleswig-Holstein scherte bereits im September aus. Das Kieler Gesetz erlaubt es privaten Anbietern von Sportwetten, in unbegrenzter Zahl Lizenzen zu beantragen. Poker-Seiten und auch das eine oder andere Online Casino können Spieler in Schleswig-Holstein bald ganz legal besuchen.
Aber auch die anderen Länder haben den ursprünglichen Entwurf deutlich modifiziert. So sollten ursprünglich nur sieben Lizenzen an private Anbieter vergeben werden und das bei einer Abgabe von rund 17 Prozent. Im neuen Entwurf einigten sich die Bundesländer auf bis zu 20 Anbieter und eine Spieleinsatzsteuer von fünf Prozent. Spielautomaten & Co. soll es jedoch im Internet hierzulande weiter nicht geben.
In Schleswig-Holstein geht man nicht nur in Sachen Pokern weiter. Was im spanischen und französischen Fußball schon üblich ist, könnte bald zum Bild des schleswig-holsteinischen Sports gehören: Logos von Sportwettenanbietern auf den Trikots der Spieler. Real Madrid und Olympique Lyon werden von Glücksspielunternehmen gesponsert. Für die Vereine kein schlechtes Geschäft: der Vertrag zwischen Bwin und Real Madrid beispielsweise beschert dem Verein 23 Millionen Euro jährlich. Dieses Geld könnte bei einer Öffnung des Marktes auch bald deutschen Klubs zugute kommen.
In Schleswig-Holstein müssen das nicht unbedingt die Fußballer sein. Denn Holstein Kiel und der VfB Lübeck kicken als höchste Repräsentanten gerade mal in der viertklassigen Regionalliga. Aber dafür ist man im Norden im Handball Spitzenklasse. Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt haben den Kickern dort schon lange den Rang abgelaufen.
Und was bedeutet das Ganze für den deutschen Turf, für Galopp und Trab? Offizielle Stellungnahmen liegen bisher weder von German Racing als auch von Vertreterm der Traberseite vor. Im Gegensatz zum Frühjahr, als Untergangsszenarien laut wurden. Zudem gab es zwischen Galopp und Trab deutliche Differenzen über den richtigen Weg.

Nachtrag: Es gibt doch eine Reaktion aus dem Galopperlager.: Andreas Tiedtke im Interview bei GaloppOnline.



Dienstag, 8. November 2011
Als Hamburg-Horn noch schwarz-weiß war
Stimmungsvolle Bilder nicht nur aus aus Hamburg-Horn, Epsom oder The Curragh: Derbyreportagen aus der Vergangenheit gibt es bei www.britishpathe.com, zum Beispiel hier vom Deutschen Derby oder hier vom englischen Pendant in Epsom. Auch heute haben diese Filme nichts von ihrem Zauber verloren.
Im übrigen sind die Seiten nicht nur für Freunde des Galopprennsports interessant. Wer sich für historische Filmaufnahmen interessiert, ist dort richtig. British Pathe ist nach eigenen Angaben eines der ältesten Medienunternehmen der Welt und produzierte unter anderem die berühmte Wochenschau im Kino.



Montag, 7. November 2011
Drosselmeyer
Das ist schon ganz großes Kino. Am Wochenende waren die Rennen des Breeders Cup auf der Rennbahn Churchill Downs in Kentucky/USA – von den Amerikanern immer großspurig als World Championchips im Galopprennen angekündigt. Nun fehlt zu einer Weltmeisterschaft noch einiges, reicht es eben nicht aus, wenn ein paar europäische Pferde am Ende einer anstrengenden Saison nach Amerika kommen – auch wenn das Vollblüter der Eliteklasse sind.
Dennoch: Es ist ein fantastisches Spektakel, es sind zwei Abende voller Magie, die mich blendend unterhalten haben. Besonders Teil 1 am Freitag, zumal man dort – über einige Umwege – die Übertragungen des US-Sportsenders ESPN bewundern konnte. Natürlich triefte das alles ziemlich vor Pathos, aber gerade aus deutscher TV-Turf-Diaspora-Sicht faszinierte es, wie die Amerikaner so eine Übertragung aufziehen. Zahlreiche Bills und Bobs im Studio analysierten das Geschehen, es gab Interviews mit dem siegreichen Jockey vom Pferd direkt nach dem Rennen. Und dann immer wieder rührenden Geschichten wie die des Senior-Trainers „Scooter“ Dickey, der im hohen Alter mit Flat Out einen chancenreichen Starter im 5 Millionen-Dollar-Spektakel namens Breeders’ Cup Classic stellte. Dazu packende Bilder voller Siegerglück – es ist eine Top-Veranstaltung und so muss man diese kommunizieren.

Stopshoppingmaria
Tag zwei war eigentlich der sportlich wertvollere, aber leider gab es keinen ESPN-Stream, sondern „nur“ den offiziellen Breeders’ Cup-Stream. Der war auch nicht schlecht, aber es fehlte doch etwas die Magie. Keine Ahnung also, was ESPN aus dem knapp gescheiterten vierten Versuch der großen Goldikova, die Breeders’ Cup Mile Turf zu gewinnen, gemacht hat. Wobei Olivier Peslier auf Goldikova da schon einen reichlich „ruppigen“ Ritt hingelegt hat.
Egal, die Amerikaner lieben die Sieger. Riesenaußenseiter etwa wie den Mile-Sieger Court Vision oder den Classic-Gewinner Drosselmeyer. Was für ein Name: Drosselmeyer klingt nach deutscher Musiklehrerin. Oder Haushaltswaren Drosselmeyer. Oder nach einer Romanfigur: Drosselmeyer stand vor mir und riss die Arme hoch. Sein Leben hatte bislang nur wenige Höhepunkte gehabt. Doch dieser Moment gehörte nur ihm…Und natürlich Jockey Mike Smith, im letzten Jahr mit Zenyatta knapp unterlegen.
In der Namens-Hitliste war der Classic-Sieger aber nicht die Nummer 1. Diese Ehre gebührt Stopshoppingmaria, knapp geschlagene Zweite am ersten Tag im Breeders’Cup Juvenile Fillies' Turf.
Trainer Aidan O’Brien rettete die europäische Ehre mit zwei Erfolgen und wird diesen Tag nicht nur deshalb so schnell nicht vergessen. Denn Trainersohn Joseph legte einen fantastischen Ritt auf St. Nicholas Abbey hin und besiegte meinen Tipp Sea Moon. Ansonsten habe ich immerhin zwei Mal getroffen: My Miss Aurelia und Regally Ready, zwei sehr überzeugende Gewinner und beide im Training bei Steven Asmussen. Seinen Bruder Cash mochte ich nie als Jockey, aber der Bruder ist in Ordnung. Und irgendwann werde ich auch einmal lernen, dass europäische Pferde auf Dirt chancenlos sind gegen die amerikanischen Spezialisten. Auch wenn sie So You Think heißen…