Dem ist zudem nichts mehr hinzuzufügen: “Winner is a bloody superstar” kommentierte User gazovic in der Racing Post. Das übersetze ich mal nicht, weil es jeder versteht. Die deutsche Stute Danedream triumphierte im Prix De Arc de Triomphe in Paris-Longchamp. Und wie: Die Stute des Stalles Burg Eberstein und Neubesitzer Teruya Yoshida distanzierte dieses hochklassige Feld und sorgte damit für eine Sternstunde des deutschen Turfs.
Es waren beeindruckende Bilder, die dem Sieg folgten: Die Besitzer außer sich vor Freude; Trainer Peter Schiergen und seine Söhne auf dem Geläuf; die Freudetränen der Pferdeführerin und natürlich Jockey Andrasch Starke nach dem größten Triumph seiner Karriere. Grandios, wie ihn erst „Konkurrent“ Olivier Peslier umarmt und dann Frankie Dettori mit einer Euphorie um den Hals fällt, als wenn er selbst gewonnen hätte.
Ich habe diese Bilder erst heute gesehen, weil ich zwei Tage weit weg von Rennbahnen, Buchmachern und Internet war. Immerhin hat diese Kolumne einen großen Stuten-Tag im Arc vorausgesagt und zumindest damit recht gehabt. Zweiter wurde die Außenseiterin Shareta, Dritte unser Tipp Snow Fairy. Danedream habe ich diesen Triumph aber nicht zugetraut. Egal: „Deutschland wird verrückt werden“, meinten BBC-Moderatorin Clare Balding und Jockey-Legende Willie Carson nach dem Rennen und prophezeiten, dass der kriselnde deutsche Turf davon profitieren wird. Dann hoffen wir mal, dass die zwei Recht behalten.
So war es 2010: England vor Japan, Workforce besioegt knapp Nakayama Festa, das Pferd aus Asien (Foto: France Galop).
Der gute alte Prix de l'Arc de Triomphe! Satte vier Millionen Euro Preisgeld gibt es in diesem Prestigerennen über 2400 Meter in Paris-Longchamp - nur ich bin wahrscheinlich nicht dabei: Lang geplanter Kurzurlaub, wahrscheinlich kein Internet und damit keine Möglichkeit, das Rennen zu sehen. Schade ist, dass meine ursprüngliche Idee eines Siegers – nämlich Nathaniel – nicht an den Start kommt, weil der Boden zu trocken ist.
Der fantastische Spot des Veranstalters macht aber richtig Appetit auf die Prüfung. Deutsche Interessen sind zudem dabei: Danedream wurde für viel, viel Geld ebenso wie Masked Marvel und Meandre nach genannt. Ob jedoch ganz Turf-Deutschland mit der Stute zittert, sei mal dahingestellt...
Die Franzosen
Ganz vorne im Wettmarkt steht Sarafina. Eine hochklassige Stute im Besitz des Aga Khan, die im letzten Jahr klassische Siegerin im Prix De Diane und Dritte im Arc war. In diesem Jahr gab es drei Siege bei vier Starts, zuletzt im Prix Foy schlug die Stute von Trainer Alain De Royer-Dupre knapp den japanischen Gast Hiruno D’Amour. Den wird sie im Arc wieder treffen, ebenso St. Nicholas Abbey und Nakayama Festa. So richtig kann ich diese französischen Formen wie zuletzt im Prix Foy nicht einschätzen: kleine Felder, wenig Tempo und hinterher wird das Rennen zum Sprint. Speed hat sie zweifellos, aber der Kurs ist mir einfach zu niedrig.
Die dreijährige Galikova gewann zuletzt eindrucksvoll auf sehr weichem Boden den Prix De Vermeille. Allerdings sollte man Formen auf diesem Untergrund mit etwas Skepsis betrachten, dennoch war ich von ihrem Speed sehr beeindruckt. Am Sonntag wird der Boden eher das Gegenteil sein, dennoch glaubt Trainer Freddy Head, dass die Halbschwester der großen Goldikova genau der richtige Typ für den Arc ist. Zumal sie deutliche Gewichtsvorteile hat. Reliable Man gewann im Juni etwas überraschend das französische Derby, enttäuschte dann im Grand Prix de Paris als Dritter hinter Meandre, drehte dann aber gegen diesen den Spieß im Prix Niel um. Trainer Alain De Royer-Dupre ist skeptisch wegen des festen Bodens, erst am Sonntag entscheidet sich, ob der Hengst überhaupt in die Boxen einrückt.
Kein Bedenken wegen des Bodens hat man hingegen im Lager von Meandre, der nach genannt wurde. Offensichtlich ein deutlich verbessertes Pferd: Im Mai gewann er noch ein Listenrennen unter anderem gegen den Schlenderhaner Ibicenco, dann kam der Triumph im Gruppe 1-Grand Prix De Paris. Normalerweise sollte zwischen ihm und Reliable Man nicht viel liegen.
Die Starter von der Insel
Drei Starter schickt wahrscheinlich Ballydoyle ins Rennen: Nummer 1 unter den Pferden von Aidan O’Brien ist So You Think, hinzu kommen St. Nicholas Abbey und Treasure Beach. O’Brien denkt ja Wunderdinge von Australien-Import So You Think, in den Irish Champion Stakes musste er gegen die tapfere Snow Fairy ziemlich kämpfen. Das war über 2000 Meter, zweifelhaft ob die 400 Meter längere Distanz im Arc ideal ist. Der interessanteste Starter ist quotenmäßig Treasure Beach, immerhin klassischer Sieger im Irischen Derby und Zweiter auf gut bis festem Boden im englischen Pendant in Epsom. Ich befürchte, dass er den Tempomacher für den Stallkollegen So You Think spielen muss. Er lief aber in Epsom von der Spitze aus ein großes Rennen, nur Pour Moi fing ihn noch ab.
Eigentlich wäre der Vorjahressieger Workforce der ideale Kandidat gewesen. 2400 Meter ist seine beste Distanz, sein ständiger Reiter Ryan Moore ist wieder fit und Trainer Sir Michael Stoute weiß genau, wie man in großen Rennen die Nase vorn hat. Nur: Der feste Boden ist nicht passend, Sir Michael äußert große Bedenken.
Richtig angesagt bei den englischen Buchmachern war in den letzten Wochen b>Snow Fairy. Der Kurs fiel auf 10:1. Dreijährig war die Stute aus dem Quartier von Ed Dunlop die überragende Stute ihres Jahrgangs; vierjährig dauerte es aber etwas, bis sie ins Rollen kam. Die letzte Form, als sie über 2000 Meter So You Think fast noch überraschte, war sehr gut. Die 2400 Meter sollten optimal sein. Masked Marvel tat dieser Kolumne kürzlich einen großen Gefallen, als er im englischen St. Leger die Nase vorn hatte. Offensichtlich ist er noch in blendender Form, sonst hätte man ihn nicht nach genannt. Ein sehr interessanter Starter mit einigem Potenzial nach oben, aber hat er die Qualität gegen diese Gegner?
Deutschland und Japan
Nicht unterschätzen sollte man die beiden japanischen Teilnehmer Nakayama Festa und Hiruno D’Amour. Erstgenannter war im letzten Jahr immerhin Zweiter zu Workforce, ist in diesem Jahr aber weit von dieser Form entfernt. Der stärkere Teilnehmer sollte Hiruno D’Amour sein, Trainer Mitsugui Kun ist jedenfalls mehr als nur zuversichtlich. Beide Starter wird offensichtlich zielgerichtet auf den Start in Europa vorbereitet.
Und dann ist da natürlich noch Danedream, aktuell wohl das beste deutsche Pferd und als dreijährige Stute günstig im Gewicht. Die letzten Erfolge in Baden-Baden und Hoppegarten waren hoch überlegen, nur sind die Gegner im Arc deutlich stärker als die in den deutschen Grupperennen. Das Schiergen-Pferd ist eine gefährliche Außenseiterin, mehr aber nicht. Immerhin kennt sie die Bahn in Longchamp, weil sie 2010 (unplaciert) im Prix Marcel Boussac startete.
Urteil: Ein offene Angelegenheit, aber es könnte ein großer Stutentag werden. Snow Fairy war immer ein Pferd mit viel Potenzial und zeigte zuletzt großen Aufwärtstrend. Größte Gegner sind Galikova und Sarafina. Freunde einer sehr hohen Quote sollten sich mit Treasure Beach beschäftigen.
kicker-Sonderheft CL: Viel Nutzwert, wenig Feuilleton
Es war ein denkwürdiger Abend: Nach neun Jahren Abstinenz feierte Bprussia Dortmund sein Comeback in der Champions League. Die Zutaten stimmten: Flutlicht, ein packendes Spiel gegen den FC Arsenal und ein spektakuläres Tor von Ivan Perisic zum 1:1, das die gute Leistung des BVB wenigstens halbwegs belohnte. Die europäische Königsklasse fasziniert – besonders wenn man solange wie der Champions League-Gewinner von 1997 nicht mehr mit am Tisch saß.
Früher gab es im Westfalenstadion (das damals wirklich noch so hieß) mal Pfiffe beim Ertönen der Champions League-Hymne. In den neunziger Jahren kritisierten viele Fans auf diese Weise den Kommerzfußball, den die neue Eliteklasse so wunderbar symbolisierte. Nostalgiker sehnten sich nach dem alten Europapokals der Landesmeister mit seinem K.o-System.
Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Natürlich gibt es in der Königsklasse viel Geld zu verdienen, natürlich gewinnen immer die gleichen Reichen, dennoch ist das Image bemerkenswert gut. Nur drei von vielen Gründen: Das Spielniveau ist sehr hoch, der Zuschauer sieht dort die besten Fußballer der Welt und der Modus mit nur einer Gruppenrunde und den folgenden K.o-Spielen verspricht viel Spannung.
Seit Mitte der neunziger Jahre begleitet das Fachmagazin kicker Sportmagazin mit seinem Sonderheft das Geschehen. „Uns ging es nicht darum, als Erster auf dem Markt zu sein, sondern für Sie das beste Heft zu produzieren“, verkündet Chefredakteur Klaus Smentek im Editorial des Heftes 2011/12. Der späte Erscheinungstermin hat seine Vorteile: So sind die Kader aktuell, weil der Transferschluss vor dem Redaktionsschluss lag, Wobei das mit der Konkurrenz in diesem Jahr nicht so dramatisch sein dürfte: Die Sport Bild, stärkster Rivale, wirft in diesem Jahr kein Heft auf den Markt.
Inhalt
Wie bei seinem Bundesliga-Sonderheft setzt der kicker auch in der Saison 2010/11 auf Bewährtes, Veränderungen gibt es höchstens marginal. Warum auch nicht, warum soll man erfolgreiche Dinge nicht fortführen? Es gibt also wieder ein Interview mit einem Top-Spieler, in diesem Jahr Andres Iniesta vom Sieger FC Barcelona. Ambitionen und Ziele der drei deutschen Teams werden auf jeweils zwei Seiten (inklusive Kurz-Interview mit einem der Spieler der Klubs) vorgestellt. Für die restlichen Klubs gibt es eine Seite Redaktion. Hinzu kommen Mannschaftsfotos und eine Seite Statistik mit Spielerdaten, Vereinserfolgen etc. aller Teilnehmer. Im hinteren Teil bietet der kicker dann noch einmal ein paar Seiten zur Euroleague mit längeren Texten zu den deutschen Klubs und Kurzvorstellungen der Gegner.
Positiv
Der kicker ist ein Fachmagazin und verzichtet glücklicherweise auf boulevardeske Reißereien. Wie auch in den Jahren zuvor ist das Heft ein guter Begleiter während der CL-Saison. Nicht nur wegen der umfangreichen Daten und Statistiken: Die Texte zu den ausländischen Teilnehmern sind klar strukturiert: Die Autoren informieren über den Verein, die Taktik sowie Stärken und Schwächen. Dazu wird der nach Meinung der Autoren herausragende Spieler der Mannschaft noch einmal extra vorgestellt. Weiterhin gibt es eine Wunschelf und eine Bewertung der Teilnehmer mit Sternen. Das ist alles schon nutzwertig und bietet viele kompakte Informationen. Der kicker profitiert von seiner guten Vernetzung, die fachliche Qualität ist hoch.
Negativ
Das Positive hat auch einen negativen Effekt: Es wirkt alles etwas monoton, ein paar weitere Reportagen wie die über den SSC Neapel würden dem Heft gut tun, das Ganze etwas auflockern und den Lesefluss fördern. Natürlich wirkt manches etwas floskelhaft, das lässt sich offensichtlich in der Sportberichterstattung nicht vermeiden. Und das Iniesta-Interview ist leider durch zu viele PR-Quellen gegangen. Es ist wie in vielen Gesprächen mit großen Namen: Sie sagen eigentlich nicht sehr viel.
Urteil
Solide deutsche Facharbeit vom kicker, eigentlich wie immer. Optimal wäre eine Mischung aus kicker und 11 Freunden: Die Fakten aus Nürnberg, dazu einige Reportagen im Stil des Berliner Magazins für Fußballkultur - man wird ja noch einmal träumen dürfen.