Mittwoch, 19. Oktober 2011
Hiebe, die nicht schmerzen
Noch einmal ein kleiner Nachtrag zur Peitschen-Debatte in England, auch weil mir inzwischen die „Wendy-Fraktion“ in dieser Sache so ziemlich auf den Geist geht. Allen, die Top-Jockeys wie Dettori, Moore, Mc Coy oder Fallon als „Metzger“ bezeichnen, nur weil diese im Endkampf manchmal etwas energischer reiten, widme ich diesen Selbsttest von Guardian-Journalist Greg Wood.
Wood hat sich nämlich von Jockey Jim Crowley peitschen lassen. Dreimal schlug der Jockey den Pressevertreter auf die besonders sensible Innenfläche der Hand, das dritte Mal so hart „wie ich jemals ein Pferd geschlagen habe“, so Crowley. Das Ergebnis: Wood fühlte kaum etwas. Weil die moderne Reitpeitsche heute leichtgewichtig und schaumstoffgepolstert sei und nichts mehr mit der Ledervariante vergangener Jahr zu tun habe. „Diese Peitsche verletzt keinen Menschen, so kann sie auch kein Pferd verletzen", meint der Reiter. Im übrigen ist der Job des Metzgers ein ehrenwerter Beruf.
Der komplette Text
Vielen Dank an user robertob aus dem Galopperforum, der diesen Link dort gepostet hat.



Dienstag, 18. Oktober 2011
Peitschen-Posse überstrahlte Frankel und co.
Am Ende dieser Woche soll entschieden werden, ob die umstrittene neue Peitschenregel in England modifiziert wird. Das ergab ein Treffen verschiedener Jockeys sowie Kevin Darley von der Professionell Jockeys Association am Montag mit Vertretern der British Horce Racing Authority (BHA).
Wahrscheinlich wird es Änderungen geben, der Image-Schaden bleibt jedoch. Was für eine Posse, was für ein Kommunikations-Gau: Denn erstmals gab es im englischen Galopprennsport einen Champions Day. In Ascot trafen sich die vierbeinigen Superstars: Frankel, So You Think, Fame and Glory oder Top-Sprinter Deacon Blues zum Beispiel. Ein würdiger Höhepunkt und eigentlich eine wunderbare Gelegenheit, um den Galopprennsport auf der Insel mal wieder richtig in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen.
Dummerweise haben das die Funktionäre der British Horse Racing Authority (BHA) ziemlich vermasselt. Denn in der letzten Woche sprach eigentlich keiner auf der Insel vom Champions Day. Die neuen Regeln zum Einsatz der Peitsche im Rennen, die am letzten Montag in Kraft taten, bestimmten die Schlagzeilen. Mit Richard Hughes gab ein Top-Jockey seine Lizenz zurück, weil er zum zweiten Mal gegen die neuen Richtlinien verstoßen hatte, eine Sperre von weiterin zehn Tagen kassierte und so unter anderem Ritte beim prestigereichen Breeders Cup verpasst. Er werde erst wieder in den Sattel steigen, wenn die Regeln überarbeitet werden, so Hughes. Es drohte sogar ein Streik der Flach- und Hindernisjockeys.

Journeymen
Spätestens nach den Bildern des Grand Nationals stand fest, dass die Funktionäre in Sachen Peitschengebrauch handeln würden. Denn Millionen Zuschauer sahen dort live, wie Jockey Jason Maguire dem völlig entkräfteten Sieger Ballabriggs nach dem letzten Hindernis noch kräftig mit dem Stock bearbeitete. Solche Bilder beschädigen das Image des Sports, zumal Millionen das sehen, die sonst eher nicht zu den Turf-Interessenten gehören.
Nun ist Maguire ansonsten kein wüster Prügler, aber einen Sieger im Grand National reitet man nun mal nicht jeden Tag. Es geht in den englischen Top-Rennen schon hart zur Sache, auch wenn die Peitschen „entschärft“ wurden. Die Jockeys waren jedenfalls auch der Meinung, dass die bestehenden Regeln verändert werden müssen.
Nun hätten die Funktionäre ja einfach den Gebrauch der Peitsche – wie etwa in Skandinavien – verbieten können. Das machten sie aber nicht, weil die Peitsche aus Sicherheitsgründen notwendig sei, so die BHA. Deshalb begrenzten sie die Zahl der Schläge auf sieben (Flachrennen) bzw. acht Schläge (Hindernisrenn), davon fünf auf den letzten 200 Metern. Das schlimmste allerdings sind die Strafen, die in keiner Relation zum Vergehen stehen. Verlust des Preisgeldes, dazu lange Sperren mit Wegfall des Einkommens: Die Stars der Branche, die einen lukrativen Stalljockey-Kontrakt haben, können dies finanziell verkraften, die vielen „journeymen“, die selbständig ihr Geld verdienen und keinen großen Stall im Rücken haben, hingegen nicht.
Wahrscheinlich wird es Änderungen geben, aber die Kritik an der BHA bleibt. Zwei interessante Artikel zu dieser Thematik: Zum einen Nic Doggett in der Sporting Life, zum anderen Greg Wood im Guardian. Und selbst am Champions Day standen Frankel und co. nicht allein im Blickpunkt: Die Stewards in Ascot bestraften Christophe Soumillon für seinen siegreichen Ritt auf Cirrus Des Aigle, weil er sein Pferd sechs statt fünf Mal traf. Futsch war das üppige Preisgeld, für den Sieg gab es immerhin 737 237 Pfund. Der Belgier war nicht darüber amüsiert…



Donnerstag, 13. Oktober 2011
„Ruhrpottler“ soll den HSV erwecken
Er wird wissen, was er sich da antut: Thorsten Fink wird neuer Trainer des krisengeplagten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV und verlässt damit die beschauliche Schweiz. Wobei so ruhig dürfte das Arbeiten beim FC Basel, dem Topklub der Eidgenossen, auch nicht gewesen sein. Erfolgreich war er zumindest dort: 2010 und 2011 Schweizer Meister, 2010 zudem Schweizer Pokalsieger.
In der Alpenrepublik ist man voll des Lobes über den 43jährigen. „Fink gewinnt nicht nur Titel, er lässt sogar noch einen spektakulären Fußball spielen“, zitiert der kicker Marcel Rohr, den Sportchef der Basler Zeitung. Der FC Basel untermauerte das zuletzt mit einer eindrucksvollen Vorstellung in der Champions League bei Manchester United, als das Team erst in der Schlussphase das 3:3 kassierte und Fink quasi den Trainer-Ritterschlag in Form eines Lobes von Alex Ferguson erhielt. „Ich habe in zweieinhalb Jahren kein schlechtes Wort über den Trainer gehört. Das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt“, meint Alex Frei, einst in Diensten von Borussia Dortmund, über den gebürtigen Dortmunder.
Beim HSV, dem letzten Gründungsmitglied der Bundesliga, erwartet ihn eine schwierige Aufgabe. Dem Bundesliga-Dino droht der Abstieg und wie ein Absteiger präsentierte sich die Mannschaft auch in den ersten sieben Spielen. Zehn Trainer haben die Hanseaten in den letzten zehn Jahren verschkissen, zuletzt musste Michael Oenning gehen, der diesen Job auch erst seit März 2011 innehatte.
Spätestens nach dem Abgang von Dietmar Beiersdorfer leistete sich die HSV-Führungsspitze Peinlichkeiten im Dauerpack.
Seit Sommer ist der neue Manager Frank Arnesen da, die Mannschaft befindet sich im Neuaufbau. Der verläuft allerdings schwierig: Die etablierten Spieler wie etwa Aogo, Westermann, Janssen, Jarolim oder Petric enttäuschten bislang, die geholten Nachwuchsleute kommen so in ein nicht funktionierendes Mannschaftsgefüge. „Ich bin ein echter Ruhrpottler, ich habe gelernt zu kämpfen“, sagt Thorsten Fink.

Technisch gut, aber zu weich
Und damit sind wir bei dem, was Fink für diese Kolumne interessant macht. Denn ich verfolge den Weg des einstigen Mittelfeldspielers schon seit seinen Anfängen bei Borussia Dortmund. Besonders intensiv seit Ende der achtziger Jahre, nachdem ein Studienkollege, der Thorsten Fink aus der Berufsschule kannte, diesen als „arroganten, hohlen Schönling“ bezeichnete.
Fink begann seine Karriere beim längst vergessenen Dortmunder Vorortklub Roland Marten (der 1993 mit dem etablierten Ortsrivalen Arminia fusionierte) und wechselte dann zu Borussia Dortmund. Dort wurde er deutscher B-Juniorenmeister, spielte in der Jugend und in der Amateurmannschaft (die damals auch noch so hieß). Er galt damals als „technisch begabt, aber zu weich“, den Sprung ins Profiteam schaffte er nicht.
Erst bei Wattenscheid 09 gelang ihm der Durchbruch in der Bundesliga, etablierte sich beim Karlsruher SC und setzte sich dann überraschend beim FC Bayern München durch. Der FC Bayern hatte damals eine völlige „Unsympathentruppe“ mit Matthäus, Kahn, Effenberg oder Jancker, die ich regelrecht gehasst habe. Weil sie so erfolgreich waren, weil sie so arrogant auftraten, weil der BVB zu diesem Zeitpunkt mit den Bayern konkurrierte - vieles sprach dafür, den bayerischen Klub nicht zu mögen. Jedenfalls gewann er mit den Münchenern 2001 die Champions League, war aber auch maßgeblich am berühmten 1:2 gegen Manchester United im Champions League-Finale 1999 beteiligt.
Als Trainer ist Fink in Deutschland kaum zu bewerten: Er stieg zwar mit dem FC Ingolstadt 04 2008 in die 2. Liga auf. Im April 2009 wurde er dort allerdings nach einer Negativserie gefeuert, die Ingolstädter stiegen dennoch ab.
Fink bevorzugt den Offensivfußball. Das erstaunt wiederum, weil einer seiner Lehrmeister in Salzburg Giovanni Trappatoni war. Und der gilt nun wahrlich nicht als Prophet der gepflegten Attacke.