So richtig gepackt hat sie mich noch nicht, die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft. Parallel läuft gerade die Partie Schweden gegen die USA, aber sie dient nur als Geräuschkulisse im Hintergrund, während ich diese Zeilen schreibe.
Damit zähle ich offensichtlich zu den Außenseitern im Lande. Die Stimmung ist prima, auch wenn es zum Beispiel hier in Dortmund kein Public Viewing gibt und auch nicht massenweise schwarz-rot-goldene Fahnen durch die Stadt fahren. Aber ARD und ZDF dürfen sich über sehr gute Quoten freuen, die Stimmung in den gut besuchten Stadien ist richtig euphorisch. Es scheint ein ganz anderes Publikum als bei den Männern da zu sein: Keine Pfiffe gegen die Gegner, dafür geht die Welle schon frühzeitig durch die Arenen – egal, was auf dem Rasen abläuft. Fußball als harmloses, sauberes Familienvergnügen? Da ist zwar ganz schön, aber nicht unbedingt erstrebenswert: Zum Fußball gehören Leidenschaft, Emotionen und natürlich sportliche Rivalitäten. Aber immerhin verkürzt die WM die Wartezeit auf die Sonderhefte von
kicker und
11 Freunde zur neuen Bundesliga-Saison.
Die Lehren der ersten zehn Tage
• Wenn Deutschlands Frauen wie zuletzt das Männer-Team Dritte würden, wäre das eine Riesenenttäuschung. Bislang merkte man dem zweifachen Weltmeister die Nervosität an, immerhin gab es drei Siege und das letzte Spiel gegen die starken Französinnen war schon viel besser. Irgendwie erinnerte das Spiel gestern an die Spiele der Männer in den achtziger Jahre: Die athletischen Deutschen entzaubern die technisch guten Franzosen. Im Gegensatz zu den Männern der 80er haben die deutschen Mädels auch technisch einiges drauf.
• ARD und ZDF übertragen ausgiebig, das Niveau ist besonders bei der ARD eher mäßig. Zum Glück musste „Expertin“ Franziska von Almsick später zur Hochzeit nach Monaco (
Danke liebes Fürstenhaus), gegen die manchmal reichlich nervenden Livereporter Tom Bartels und Bernd Schmelzer half Eurosport.
• Manche Leistungen der Schiedsrichterinnen sind schwach, das zeigt nicht nur diese inzwischen
berühmte Szene. Oder die Frau aus Südkorea, die Deutschland gegen Nigeria pfiff.
• Die Leistungsunterschiede sind geringer als prognostiziert, richtige Kanterergebnisse fehlten diesmal. Überraschungen blieben dennoch aus – obwohl besonders die Frauen aus Äquatorialguinea wenigstens einen Punkt verdient gehabt hätten. Allein wegen der großartigen Anonma. Oder wegen Bruna, dem Schrecken von Brasiliens Top-Spielerin Marta (siehe Video unten…)
Ja hier stand mal ein Video, tolle Bilder wie Bruna die große Marta in "Manndeckung" nahm. Leider nimmt uns die FIFA diesen Spass, meint dass das eine Verletzung des Urheberrechts sei. Was ein Unsinn ...
Die Anspannung ist vorbei, das Deutsche Galopp-Derby 2011 (das
Rennvideo) ist Geschichte. Es ist der Tag danach und es war wie so oft im wichtigsten Ereignis des Turfjahres: Wieder nicht den Derbysieger getroffen, zuletzt war das übrigens
Adlerflug im Jahre 2007. Dabei habe ich den Sieger
Waldpark schon hoch eingeschätzt, nur gespielt habe ich andere Kandidaten. Entscheidend ist „eben auf’m Platz“: Da war auf weichem Boden in Hamburg-Horn Waldpark das eindeutig beste Pferd.
Es war ein großer Tag für Andreas Wöhler, dem Mann mit der besten
Trainer-Homepage im deutschen Turf. Denn er sattelte auch noch den Zweiten
Earl of Tinsdal und feierte damit einen legendären Doppelerfolg.
Auch Jockey Jozef Bojko wird seinen Enkeln (wenn er diese mal hat) noch von diesem Tag erzählen: Seit einer gefühlten Ewigkeit ist er in Deutschland, ritt früher unter anderem viel für das Quartier von Hubertus Fanelsa. Der Mann mit der Vorliebe für elegante Hutkreationen hat sich aus dem Rennsport zurückgezogen, seit geraumer Zeit ist Bojko nun zweiter Jockey hinter Eddie Pedroza im Wöhler-Stall. Wie immer hatte Pedroza die erste Wahl und entschied sich für den späteren Zweiten Earl of Tinsdal: Der lief großartig, untermauerte eindrucksvoll seinen Ruf als Pferd mit einem exzellenten „turn of foot“. Nur einer war an diesem Tag besser: der Stallgefährte Waldpark mit eben diesem Bojko im Sattel.
Der gebürtige Slowake hat ein Problem, was er mit anderen Jockeys aus dem ehemaligen Ostblock teilt: In Deutschland gelten sie höchstens als gute Jockeys für die kleinen Rennen, für die großen Prüfungen wird oftmals ein prominenter Reiter aus England, Irland odee Frankreich eingeflogen. Auch im Vorfeld hätten viele lieber einen ausländischen Top-Jockey auf Waldpark gesehen. Doch Trainer und Besitzer blieben stur und wurden belohnt. Bojko arbeitete sich im Horner Bogen nach vorne, ritt das perfekte Rennen, machte einfach alles richtig an diesem Tag. Und schon waren die Kritiker ruhig.
Es war zudem ein großer Tag für das Gestüt Ravensberg, den Besitzer des Derbysiegers. Ein
einst großer Name des deutschen Turfs, dessen Erfolge jedoch weit vor meiner Zeit lagen. In den letzten Jahren war es eher ruhig um die Vollblüter in den golden-blauen Farben. Das letzte richtig gute Pferd aus dem Quartier war
Wurftaube. Die Stute, einst trainiert von Harro Remmert, wurde mit den Jahren immer besser, gewann unter anderem Gerling-Preis und Deutsches St. Leger und lief besonders bei weichem Boden stark. Damit schließt sich der Kreis: Denn Waldpark ist der Sohn der Wurftaube und ihr bislang bester Nachkomme. Bislang brachte sie einige ganz ordentliche Pferde wie etwa den Steher
Waldvogel, aber ein Gruppe 1-Triumphator war noch nicht dabei. Waldpark kommt aus dieser berühmten W-Familie, in der es schon mal mit
Waidwerk und
Wilderer zwei Derbysieger gab.
Der Panther wurde zur Katze
Wo Sieger sind, sind die Verlierer nicht weit:
Brown Panther zum Beispiel, der Gast aus England. Jockey Richard Kingscote ritt ihn sehr offensiv von der Spitze aus, zum Schluss fehlten auf dem anstrengenden Boden die Reserven. Das sei eigentlich gar nicht der Plan gewesen, erklärte
Kingscote nach dem Rennen. Hätte das Pferd von Michael Owen bei etwas ökonomischerer Reitweise gewonnen? Kaffeesatzleserei, vielleicht waren die Gegner bei seinem überlegenen Sieg in Royal Ascot doch nicht so gut, es war ja nur ein Handicap. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf seine weitere Karriere. Brown Panther ist weitaus besser als seine Hamburger Form und wird noch für Aufsehen sorgen – jede Wette.
Lange Gesichter ebenfalls beim Gestüt Schlenderhan: Der „FC Bayern des deutschen Turf“ (so ein User des
Galopperforums, nicht nur die Farben passen ja durchaus zu den Münchenern) hatte einen Derbyjahrgang wie schon lange nicht mehr und stellte mit
Arrigo, Ibicenco und
Mawingo drei Top-Chancen. Das Ergebnis war enttäuschend: Von den fünf Startern endete Mawingo auf Platz 4 noch am besten, immerhin lag Stalljockey Adrie de Vries mit seiner Wahl richtig. Was auch kein echter Trost ist.
Nichts wurde es zudem mit der Turfmärchen namens Gereon: Das Pferd von Besitzertrainer Christian Zschache wurde zwar kräftig gewettet, endete aber geschlagen auf Platz 10. Der schlagzeilenträchtige Jockeywechsel von Georg Bocskai auf John Murtagh blieb ohne Erfolg.
Und dann waren da noch meine Wetttipps, letztendlich alle chancenlos: Brown Panther siehe Text oben, der Schlenderhaner Ibicenco lag eigentlich gut im Rennen, war aber einfach nicht gut genug. Dann war da noch meine Langzeitwette
Sommernachtstraum: Der war immerhin in Baden-Baden Zweiter hinter Waldpark, wurde sogar vom späteren Derbysieger etwas behindert. Im Derby kam er mit Nasenbluten aus dem Rennen und war letztlich völlig chancenlos. Und nichts wurde aus dem Sommernachtstraum zum Toto 200.
Schlenderhan gegen den Rest der Welt – so könnte man das Deutsche Derby 2011 am Sonntag in Hamburg-Horn charakterisieren. Da kann der deutsche Rennsport noch so kriseln, die Faszination des Derbies bleibt. Auch in diesem Jahr stellt diese Kolumne wieder die Starter im wichtigsten Rennen der Turfsaison vor. Eine erste Vorschau gab es bekanntlich
bereits im Mai, aber da waren die wichtigsten Vorbereitungsrennen noch nicht gelaufen.
1 Arrigo (Jens Hirschberger/Gestüt Schlenderhan): Sieger in der Union, dem wichtigsten Derby-Trial in Deutschland, gewann dort äußerst knapp gegen den Stallgefährten Ametrin, zeigte aber viel Speed. In den Bavarian Classics unterlag er hauchdünn Mawingo, ebenfalls aus Schlenderhan. Stehvermögen ist vorhanden, lief bislang nur auf gutem Boden, bevorzugt aber angeblich durchlässiges Geläuf.
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2 Ametrin (Jens Hirschberger/Gestüt Schlenderhan): Noch sieglos, zeigte aber seine bislang beste Form als Zweiter in der Union hinter Arrigo, wo er anfangs sogar noch etwas grün lief. Ein Pferd, das noch Reserven haben dürfte, aber ich bin bei Frontrennern im Derby immer etwas skeptisch – außer der Boden ist schwer. Das wird er wahrscheinlich nicht sein.
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3 Lindenthaler (Peter Schiergen/Gestüt Ebbesloh): In Deutschland noch unbesiegt, Sieger im Krefelder Busch-Memorial. Dort ging es aber über 1700 Meter. Danach war der Schiergen-Schützling chancenlos in einem französischen Gruppe 2-Rennen über 2200 Meter. Die vor ihm Placierten waren danach allesamt geschlagen – liefen aber auch in Top-Rennen. Leichte Fragezeichen zudem, ob die 2400 Meter für Lindenthaler nicht zu lang werden. Der Hengst ist nicht die Wahl des Stalljockeys.
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4 Mawingo (Jens Hirschberger/Gestüt Schlenderhan): Adrie de Vries durfte wählen und hat sich etwas
überraschend aus dem großen Schlenderhaner Aufgebot für Mawingo entschieden. Nach den reinen Leistungen ist das aber nachvollziehbar, unter anderem schlug er in einer Kampfpartie den Stallgefährten Arrigo in den Bavarian Classics. Dort ging es jedoch über 2000 Meter, ob er über die Derbydistanz von 2400 Meter kommt, ist als Sohn des Spitzenmeilers Tertullian durchaus fraglich.
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5 Ibicenco (Jens Hirschberger/Gestüt Schlenderhan): „Ein Rennen für den Richter“ meinten die Kommentatoren nach dem
Prix Du Lys, einem Gruppe 3-Rennen über 2400 Meter in Chantilly. Nur hauchdünn unterlag Ibicenco auf der französischen Derbybahn. Die Gegner würde ich mal als gute französiche zweite Wahl einschätzen, aber die Leistung sah schon sehr gut aus.
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6 Gereon (Christian Zschache/Christian Zschache): Das Pferd mit dem unglücklichen Rennverlauf in der Union, zumindest wäre Gereon noch näher an den zwei Erstplacierten gewesen, wenn er ein glattes Rennen gehabt hätte. Besitzertrainer Christian Zschache wechselte darauf den Jockey, statt Altmeister Georg Bocskai reitet jetzt mit Johnny Murtagh ein Top-Name der Szene. Zumindest lief Gereon wie ein Steher in der Union. Sehr gute Möglichkeiten, den Spieß diesmal umzudrehen.
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7 Saltas (Peter Schiergen/Gestüt Ittlingen): Der Ritt von Asterblüte-Stalljockey Andrasch Starke. Lief eigentlich nie richtig schlecht, aber immer fehlte der letzte Tick, um den Sieger zu gefährden.
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8 Brown Panther (Tom Dascombe/Owen Promotions Ltd.): „Das ist der deutsche Derbysieger 2011“ war meine erste spontane Reaktion. Gerade hatte Brown Panther mit der berühmten „Finger in der Nase“ die
King George V Stakes während der Rennwoche Royal Ascot gewonnen. Das war zwar nur ein Handicap, aber eines der Top-Kategorie. Die Sieger dieser Prüfung sind meist potenzielle Gruppe-Pferde. Bei Brown Panther können wir das potenziell vergessen, er dürfte noch zu ganz anderen Taten bereit sein. Es war der dritte Erfolg in Serie und bereits die Form aus Haydock, als der Scirocco-Sohn nach schlechtem Rennverlauf beschleunigte und noch leicht gewann, sah nach hohem Leistungsvermögen aus. Das einzige, was mich stört, ist die Tatsache, dass Brown Panther wahrscheinlich als Favorit an den Ablauf kommen wird.
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9 Theo Danon (Peter Schiergen/Stall D’Angelo): In der Union letztlich chancenlos, davor aber ein überzeugender Sieger im Hannoveraner Derby-Trial, wo er immerhin Ametrin schlug. Nach Abstammung nicht unbedingt ein sicherer Steher, auch fehlt vielleicht das letzte Stück Klasse.
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10 Silvaner (Peter Schiergen/Margot Herbert): Der Winterfavorit 2010, in diesem Jahr aber noch sieglos, zuletzt ohne echte Chance gegen Mawingo und Arrigo im Bavarian Classic. Steher, aber nur Außenseiter. Immerhin reitet ihn Terry Hellier, früher einmal ein Spezialist für die Wartetaktik. Das funktionierte in großen Prüfungen oftmals sehr gut, im Derby aber noch nie.
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11 Earl of Tinsdal (Andreas Wöhler/Sunrace Stables): Ein Pferd mit viel Kampfgeist und die Wahl von Stalljockey Eddie Pedroza. Für die letzte schwächere Form ist er entschuldigt, weil er ein Hufeisen verlor. Davor gewann der Wöhler-Schützling drei Mal in Serie, unter anderen den Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler in Frankfurt. Läuft gerne von vorne, nur gewinnt man so nicht oft das Derby.
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12 Waldpark (Andreas Wöhler/Gestüt Ravensberg): Der Sohn der grandiosen Wurftaube, unter anderem Siegerin im Gerling-Preis und im St. Leger. Ihr Nachkommen hat noch eine weiße Weste, siegte im Mai als Dreijähriger mühelos im Ausgleich 3 und dann ebenfalls leicht im Iffezheimer Derbytrial. Nicht die Wahl des Stalljockeys, aber ein Pferd, das noch nicht alle Karten aufgedeckt haben könnte. Auf so starke Gegner traf er jedoch noch nie.
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13 Sommernachtstraum (Waldemar Hickst/Lars-Wilhelm Baumgarten, Sebastian J. Weiss): In dieser Kolumne im Mai angesagt und von mir zum Toto 200 gespielt. Normalerweise triumphieren Sieglose nicht im Derby und vielleicht kommt das Rennen noch etwas zu früh. Denn auch im Iffezheimer Derby-Trial lief der Scirocco-Sohn etwas grün. Zudem behinderte ihn der spätere Sieger Waldpark, Doch dann zog der Hengst noch einmal gut an, ohne Waldpark jedoch zu gefährden. Die längere Strecke wird ihm entgegenkommen. Und dann hoffen wir einfach mal auf ein glattes Rennen.
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14 Ordensritter (Horst Steinmetz/Stall Nizza): Die gleichen Farben gewannen einst mit Nicaron das Derby. Ordensritter dürfte jedoch kaum in dessen Fußstapfen treten – Riesen-Außenseiter.
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15 Tahini (Jens Hirschberger/Gestüt Schlenderhan): Der Schlenderhaner, der am höchsten am Toto stehen wird. Ganz chancenlos ist er nicht, zumal der Medicean-Sohn sein Stehvermögen schon mehrmals bewiesen hat und noch einiges an Reserven haben könnte. **
16 Appleby (Sascha Smrczek/Stall Schloss Benrath): Wer unbedingt einen Starter für eine lukrative Platz-Wette haben möchte, der sollte sich mal Appleby anschauen. Der ist zwar noch sieglos, lief aber bislang gar nicht so verkehrt. Zuletzt in der Bremer Derbyvorprüfung kam der Mamool-Sohn noch mit viel Speed auf Platz 2. Zudem hat Sascha Smrczek seine Pferde derzeit glänzend in Schuss. Allerdings muss sich Appleby schon ziemlich verbessern, um hier eine Platzchance zu haben.
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17 Mi Senor (Andreas Wöhler/Stall Darboven): Lange hielt er vorne stand im Bremer Derby-Trial, doch dann wurden ihm die 2200 Meter zu lang. Kein Wunder, war die Schwester Mi Emma doch eine Meilerin, aber eine von sehr hohem Format. Davon ist Mi Senor noch weit entfernt.
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18 Hoseo (Erika Mäder/Roswitha Sturm): Nach keiner bislang gezeigten Form hier mit dem Hauch einer Chance.
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Fazit: Das überragende deutsche Pferd fehlt in diesem Jahr, dafür hat Schlenderhan einen starken klassischen Jahrgang mit fünf Startern. Und erstaunlicherweise hält die Stallform eigentlich seit April. Ein Scirocco-Sohn wird gewinnen:
Brown Panther, der Schlenderhaner
Ibicenco oder als ganz verwegener Tipp
Sommernachtstraum.
Was bedeuten die Sterne
***** Top-Favorit
**** sehr gute Chancen
*** Chancen, wenn alles passt
** Außenseiter mit geringen Chancen
* Dabei sein ist alles.