Donnerstag, 24. Februar 2011
Harte Nuss für Xi und Sauer
Normalerweise interessieren mich die Flachrennen auf der Allwetterbahn im englischen Lingfield nicht besonders, doch am Samstag um 15.40 Uhr mache ich da mal eine Ausnahme: Der Grund ist ein Rennpferd mit dem Namen Xi . Es wird trainiert auf der Rennbahn in Dortmund von Norbert Sauer und läuft am Samstag um 15:40 Uhr in den Clever Stakes, einem Listenrennen über 1200 Meter. Dotiert ist das Rennen mit 35 000 Pfund und dafür lohnt es sich, dass sich Sauer und Mitbesitzer Christian Bruer am Freitag ins Auto setzen und über Calais und Dover den Ort nördlich von London ansteuern. Mit dabei im Anhänger ist eben dieser Xi, am Jockey sollte es nicht scheitern: Im Sattel sitzt die grandiose Hayley Turner.
„Das ist natürlich eine große Herausforderung für das Pferd. Aber warum sollen wir es nicht einfach mal probieren“, sagte Sauer der Dortmunder Tageszeitung Ruhr-Nachrichten. Es ist der erste Starter des Trainers im Mutterland des Turfs, obwohl der 71jährige schon lange im Geschäft ist.
Warum sollte er auch nicht? Dreimal gewann der Hengst, der vorher in Ungarn gelaufen war, mit dem berühmten Finger in der Nase über 1200 Meter auf der Dortmunder Sandbahn. Das waren zwar nur Handicaps der Kategorien 3 und 4, aber Xi siegte wie ein Pferd, das noch einiges an Reserven hat. Jetzt geht es allerdings gegen gestandene englische Sprinter in einem Listenrennen. Am Mittwoch gab es noch 19 Nennungen für das Rennen. Ein Blick auf seine wahrscheinlich stärksten Gegner.

Hitchens (Racing Post Rating 117): Bahn- und Distanzsieger, bewährt in zahlreichen großen Sprinthandicaps auf der Insel. Der letzte Start war ein Erfolg im November in den Listed Golden Rose Stakes in Lingfield über 1200 Meter. Dort war der Schützling von Trainer David Barron bereits vor einigen Gegnern, die er am Samstag wieder trifft.

Angels Pursuit (RPR 127): Trainiert vom Championtrainer Richard Hannon, das Pferd mit dem höchsten Rating im Rennen. Siebter in dem von Hitchens gewonnenen Listenrennen, zuletzt Vierter in einem gut besetzten Handicap in Kempton, davor dort Sieger – jedoch beides Mal über 1400 Meter. Angels Pursuit war auch schon über 1200 Meter siegreich.

Arganil (RPR 119): Die Bilanz von acht Siegen bei 15 Starts auf Sand liest sich sehr gut, mehrfacher Listensieger auf diesem Belag. Aktuelle Form ist auch nicht schlecht.

Beauchamp Victory (RPR 124): Ein weiterer Allwetterspezialist, der aber auf längeren Strecken stärker einzuschätzen ist.

Brave Prospector (RPR 121): Gute Form bereits in diesem Jahr, war Dritter hinter Hitchens in den Golden Rose Stakes, auf Turf bereits platziert in Grupperennen.

Duff: (RPR 120): Neunjähriger Sprintveteran, bewährt in vielen Turf-Schlachten, zuletzt Rang 3 in den Sunbury Stakes (Listenrennen) in Kempton über 1400 Meter. Hat aber auch schon starke Formen über 1200 Meter gezeigt.

Five Star Junior (RRP 116): mehrfacher Bahn- und Distanzsieger, zuletzt erfolgreich auf dieser Bahn in einem gut besetzten Handicap. Davor Zweiter hinter Anne of Kiev, die er am Samstag aber deutlich im Gewicht ungünstiger trifft.

Anne of Kiev (RPR 117): Lingfield-Spezialistin, Form dort in fünf Starts 1-1-1-5-2, zuletzt erfolgreich gegen Five Star Junior, obwohl sie mehr Gewicht trug. Traf noch nie auf solche Gegner, der Sprung in die Listenklasse sollte aber möglich sein.

Nachtrag 25.2.: Jetzt startet Xi doch nicht in England. Der Grund dafür steht hier.



Montag, 21. Februar 2011
Dortmunder Zauberfußball
Wo Torhüter zu Helden werden: Der Signal-Iduna-Park, das ehemalige Westfalenstadion, ist bislang in der Rückrunde ein guter Ort für Torhüter der Dortmunder Gegner. Thomas Kessler machte da am Samstag keine Ausnahme: Der Keeper des FC St. Pauli reagierte mehrfach prächtig bei Dortmunder Torchancen, ohne ihn hätte der Aufsteiger vier oder fünf Tore kassiert. Der kicker gab ihm die Note 1,5 und wählte den ehemaligen Kölner zum „Spieler des Spiels“: „Beschützte sein Team mit herausragenden Rettungstaten. Ohne ihn wäre die Partie für St. Pauli zum Fiasko geworden“, urteilte das Fachblatt.
„Spieler des Spiels“ waren vorher auch schon Manuel Neuer (Note 1, er war sogar „Mann des Tages“) und Sven Ulreich (Note 2), die Schlussleute der ersten beiden BVB-Heimgegner Schalke und Stuttgart. Im Gegensatz zu Kessler sicherten sie allerdings ihren Teams das Remis – was besonders für den Revierrivalen Schalke 04 höchst schmeichelhaft war, weil die Borussia in diesem Derby haushoch überlegen war und den Gegner teilweise regelrecht vorführte.
Kesslers Team ging hingegen leer aus. Bis zur 39 Minute hielt der FC St. Pauli das 0:0, dann brachen alle Dämme: Barrios machte das 1:0 und selten wirkte ein Jubel befreiender als nach diesem Tor. Ganze Gesteinsbrocken fielen den Besuchern vom Herzen, wenn sie denn mit Schwarz-Gelb sympathisierten. Denn vorher hatte der BVB wieder famos kombiniert, nur der verdiente Treffer wollte nicht fallen.
„Meine Mannschaft hat eine indiskutable Vorstellung abgeliefert. Das war katastrophal, einfach desolat, ein echter Tiefschlag“, meinte Holger Stanislawski, Trainer des Kiezclubs, frustriert nach dem Spiel.
Da kann man nur sagen: Einspruch, Herr Stanislawski! Nicht St. Pauli war so schwach, der BVB war so stark. Nur die Chancenverwertung ist ein Problem, ansonsten gilt: Es ist derzeit einfach ein Genuss, Borussia Dortmund spielen zu sehen. Ich gehe lang genug ins Stadion, aber so phänomenal wie diese Mannschaft kombiniert, das habe ich noch von keinem Dortmunder Team der Vergangenheit gesehen. „Purer Lustfußball“ nannte das der kicker treffend in seiner Match-Analyse. Das Gerede von der Krise nach drei Unentschieden in der Rückrunde ist einfach nur dummes Zeug.

Breite Brust
Am letzten Mittwoch war ich fasziniert von der Partie Arsenal gegen Barca in der Champions League. Beide Mannschaften waren unglaublich passsicher, kombinierten in höchstem Tempo. Natürlich hat die Champions League ein höheres Niveau als die Bundesliga und es wäre vermessen, den BVB auf eine Stufe mit Barca zu stellen. Dennoch nähert sich die Borussia der Saison 2010/2011 diesem Level. Auch das Team von Jürgen Klopp kombiniert ungemein passsicher, verfügt durch die Bank über spielstarke Leute. Ein Mats Hummel spielt beispielsweise als Innenverteidiger Pässe, da hätten sich deutsche Abwehrspieler früherer Generationen die Beine gebrochen.
Nächste Woche geht es zum Gipfel nach München. Selten fuhr ein Dortmunder Team mit so breiter Brust zu den Bayern, auch wenn der BVB dort schon ewig nichts mehr geholt hat. Es gibt eine ganze Menge Leute, die sagen, wenn Dortmund dort siegt, ist das Meisterschaftsrennen gelaufen. Falls Bayern allerdings gewinnt, wird es noch einmal eng.
Ich bin da anderer Meinung: Auch wenn der BVB mit einer Niederlage zurückfährt, hat er noch zehn Punkte Vorsprung auf die Bayern. Auf Leverkusen wären es sieben, wenn Bayer in Bremen gewinnen würde. Und das reicht allemal bis zum Saisonende: Weil sowohl Bayern auch Bayer noch Spiele verlieren werden, zumal sie auch noch in Champions League bzw. Europa League spielen müssen. Und auf internationaler Ebene ist ja Dortmund - wenn auch reichlich unglücklich - bereits gescheitert.



Donnerstag, 17. Februar 2011
Der ewige Arsene
Etwas flapsig nennt man das wohl „vorglühen“: Weil Borussia Dortmund im nächsten Jahr mit hohen Wahrscheinlichkeit wieder in der Champions League spielt, schaue ich mir die Spiele der europäischen Königsklasse noch genauer an. Zum Beispiel das Duell am Mittwoch zwischen Arsenal London gegen FC Barcelona: Zwei Mannschaften der europäischen Spitzenklasse, die eine ähnliche Spielphilosophie auszeichnet. Beide Teams sind offensiv ausgerichtet, es dominiert das gepflegte Kurzpassspiel, viel Direktspiel – und alles passiert in einem Wahnsinnstempo. Da waren Erwartungen und Vorfreude groß.
Zum Glück erfüllte das „Duell der Passkünstler“ (kicker) dann auch die Erwartungen. Es war ein tolles Spiel zweier technisch perfekter Teams. 60 Minuten dachte ich, dass Barca die Partie locker nach Hause bringt. Der Ball lief grandios durch die Reihen der Katalanen; Xavi, Iniesta, Messi und co. bewiesen eindrucksvoll, dass sie derzeit das beste Vereinsteam der Welt sind. Doch dann lockerte Barca das Tempo; Arsenal fand zurück ins Spiel, profitierte beim 1:1 von einem Fehler von Victor Valdes im Barcelona-Tor, erarbeitete sich weitere Chancen und kam sogar zum 2:1 durch den eingewechselten Arshavin.
Barcelona ist also auch ohne den berühmten „Bus“ schlagbar. Mit dieser Taktik hatte Jose Mourinho im letzten Jahr mit seinem damaligen Klub Inter Mailand die Katalanen in der Champions League ausgeschaltet. Mourinho hatte strikte Defensive angeordnet, quasi einen „Bus in den Strafraum“ geschoben.
So eine Taktik widerspricht allerdings völlig der Philosophie von Arsenal-Manager Arsene Wenger. „Er will schönen Fußball spielen wie Barcelona, er weigert sich, die irre anmutenden Transfersummen für die Top-Stars zu zahlen, und er glaubt an den Aufbau von Mannschaften mit jungen Spielern, die er selbst ausgebildet hat“, charakterisierte der kicker den Franzosen sehr treffend in seinem Champions League-Sonderheft.
Seit September 1996 trainiert der Elsässer den Londoner Traditionsklub – und er hat im Laufe der Zeit den Verein gründlich umgekrempelt. „French Revolution“ schrieben die englischen Gazetten häufig in den ersten Jahren, „Boring Arsenal“, wie die Westlondoner aufgrund ihrer ergebnisorientierten Spielweise gerne in den achtziger Jahren tituliert wurden, war längst Vergangenheit.

Fish, Chips und Lager
Wenger setzte auf Offensive und Kurzpass, brachte moderne Trainingsmethoden in den Verein und kümmerte sich auch um Dinge wie die Ernährung seiner Spieler. Das war offensichtlich völlig neu für englische Profis: Nach dem Vormittagstraining ging es häufig nach einer ordentlichen Portion Fish und Chips zum nachmittäglichen Umtrunk ins nächste Pub. Da verwunderte es nicht, dass eine Arsenallegende wie der kantige Abwehrspieler Tony Adams zum Alkoholiker wurde.
Drei Mal holte Arsenal unter Wenger den Titel in der Premiere League, vier Mal den FA-Cup. In den letzten Jahren stand er allerdings erstmals etwas in der Kritik. Denn der letzte Titel lag schon einige Jahre zurück (2005 FA-Cup), sein Jugend-Konzept fand nicht mehr überall Anklang. Zudem monierten manche Kritiker, dass kaum noch ein Engländer im Startteam stand.
Die großen Namen fehlten bis auf Arshavin auch in den letzten Jahren bei den Neueinkäufen. Allerdings kamen mit Squillaci, Vermaelen, Koscielny und Charmakh etwas routiniertere Spieler. Aber keine großen Namen, andere Vereine der Premiere League rüsten da ganz anders auf. Das Gerüst bilden weiter Spieler, die früh zu den Gunners kamen und die Wenger und sein Trainerteam formten.
In dieser Spielzeit läuft es in der Premiere League ganz ordentlich, nur haben die Westlondoner Pech, dass der alte Rivale Manchester United eine fast perfekte Saison statt. Mit seinem Managerkollegen Alex Ferguson verband Wenger lange Zeit eine heftige Rivalität, inzwischen verstehen sich diese beiden Alpha-Tiere des englischen Ligafußballs aber besser.
Das Emirates Stadium, in dem Arsenal seit 2006 spielt, ist fast immer ausverkauft. Ohne Mitgliedschaft läuft gar nichts – bei Eintrittspreisen, bei denen man in Deutschland nur die Ohren anlegt. Die Premiere League ist ein kostspieliger Spaß und in London noch einmal besonders teuer. „Wer 50 Pfund für ein Fußballspiel bezahlt, der erwartet ein Spektakel“, meint Wenger. Und das bekamen die Zuschauer am Mittwoch zweifellos..