Wer hätte das gedacht? Den spektakulärsten Fußball bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft spielte bislang Deutschland. Wie schon 2006 setzte das deutsche Team, das früher seine Spiele mit Effizienz und Kampfkraft gewann, spielerische Akzente und kreierte Torchancen wie kein anderer Teilnehmer. Schon schwappt die Euphorie-Welle durchs Land und ist für manche Mesut Özil schon der deutsche Lionel Messi. Abwarten, zumal Australien es dem deutschen Team leicht machte, wie auch die Taktikexperten von zonalmarking feststellten. Dennoch: Deutschland spielte Fußball, kein Vergleich zu Zeiten, wo die Adlerträger Vizeweltmeister mit fünf Vorstoppern wurden.
Ansonsten war die erste Woche in Südafrika nicht gerade ein Festival des Offensivfußballs: Argentinien setzte einige Akzente, Südafrika im zweiten Abschnitt gegen Mexiko und auch Südkorea hatte einige nette Aktionen gegen schwachen Griechen. Und heute Chile gegen Honduras, das 1:0 war viel zu wenig. Generell war der Unterhaltungswert aber eher mau.
Taktikgott Hitzfeld
Niemand möchte verlieren im erste Spiel und so kamen eher die Freunde einer packenden Defensivleistung auf ihre Kosten: Ottmar Hitzfelds Schweiz, die mit viel taktischer Disziplin und (viel Glück) den Europameister und Favoriten Spanien 1:0 schlug und damit für die einzige Sensation des Turniers sorgte. Nordkorea verteidigte ebenfalls geschickt gegen (zumindest in der ersten Halbzeit) reichlich inspirationslose Brasilianer und schaltete immer wieder geschickt in die Offensive um. Dänemark verteidigte eine Halbzeit nahezu perfekt gegen die Niederlande und hatte dann aber keine Antworten in der Offensive, als sie nach einem kuriosen Eigentor selbst aktiv werden mussten.
Einige Spiele waren erschreckend schwach. Ich kann mich nicht erinnern, jeweils in der Bundesliga so einen Grottenkick wie zwischen Japan und Kamerun erlebt zu haben. Immerhin spielt bei den Afrikanern ein Weltstar wie Samuel Eto’o, aber davon war nichts zu sehen. Kamerun kickte wie eine Tresenmannschaft, die sich gerade zum ersten Mal zum gepflegten Zock auf dem Bolzplatz getroffen hat.
Morgen ist es wieder soweit: Royal Ascot beginnt am Dienstag. Das königliche Festival auf der berühmten Galopprennbahn in der englischen Graftschaft Berkshire ist beste britische Tradition. Feedback gibt es dann auch von deutschen Zeitungen und Zeitschriften, für die Galopprennen ansonsten ein Buch mit sieben Siegeln sind. Wobei die Pferde weniger interessant sind: Irgendein ein Royal auf Freiersfüßen, Promis im Frack und überdimensionale Hüte machen sich gut auf den bunten Seiten der Blätter.
Manche meinen ja, dass die Galopprennen bei diesem englischen Oberschichten-Besäufnis nur stören. Aber es ist eben Tradition und die ist auf der Insel heilig. So gibt es wieder Flachrennen der absoluten Extraklasse zu sehen. Allein die ersten drei Rennen der Karte am Dienstag sind – und hier passt der Ausdruck absolut – der völlige Hammer.
Der australische Gast Nicconi bei seinem letzten Erfolg
Es geht los mit den Queen Anne Stakes, Gruppe 1-Rennen über die 1600 Meter. Und es kommt zum Showdown von Paco Boy, Rip Van Winkle und Goldikova, den drei besten europäischen Pferden über die Meile. „The Big Three lock horns“ würde die Racing Post titeln. Allein bei diesem Rennen bekommen manche feuchte Hände.
Es folgen die schnellen Pferde in den King’s Stands Stakes über 1000 Meter, natürlich auch Gruppe 1. In der Prüfung waren in den letzten Jahren australische Sprinter sehr erfolgreich. Seit 2003 gab es vier Gewinner aus Down Under, keinWunder, dass der Favorit Nicconi aus Australien kommt. Mit dabei vom fünften Kontinent ist auch Gold Trail. Auf sie wartet die englische Sprint-Elite, unter anderem Kingsgate Native, Borderlescott, Equiano oder Total Gallery. Eine weitere Prüfung zum Genießen…
Aber es kommt noch besser: In den St. James Stakes für dreijährige Pferde über die Meile trifft der englische 2000 Guineas-Sieger Makfi auf den irischen Triumphator Canford Cliffs und den Zweiten aus England und Frankreich, Dick Turpin. Was will man mehr?
Drei Tage läuft die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika jetzt. Was bleibt bislang haften? Erst einmal die Dauerbeschallung durch die Vuvuzelas, die an einen Hornissenangriff in einem B-Movie erinnern. Und dann die Tatsache, wie wichtig der Fußball doch für die Stimmung im Lande ist.
Zum Beispiel Deutschland – Deutschland hat „die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten“ (Süddeutsche Zeitung), die derzeit in der Öffentlichkeit ein jämmerliches Bild abgibt. Da wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel freuen, dass wenigstens die deutsche Nationalmannschaft etwas von ihren Problemen ablenkt: Locker mit 4:0 gewann das Team von Joachim Löw zum Auftakt gegen allerdings schwache Australier. Doch diese waren auch so schwach, weil Deutschland sie so gut im Griff hatte. „Es war der perfekte Abend“, schwärmte ZDF-Experte Oliver Kahn.
Zum Beispiel Ghana – John Mensah lief eine Ehrenrunde mit der Landesfahne. Sie feierten, als wenn sie den Titel gewonnen hätten. Dabei war es nur ein Spiel der Vorrunde: 1:0 besiegte Ghana in der „deutschen Gruppe C“ Serbien, aber schickte damit offensichtlich einen ganzen Kontinent in Partystimmung. Es war ein eher müder Kick, in dem Ghana das etwas bessere Spiel zeigte und der „böse“ Kevin-Prince Boateng mal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte, welch großartiger Fußballer er doch ist. Und Serbien? Die Realität auf dem Platz war enttäuschend und entsprach gar nicht den enthusiastischen Vorberichten.
Zum Beispiel England – Fabio Capello soll es richten und nach über 40 Jahren den Titel wieder ins Mutterland des Fußball holen. Und wie immer war die Euphorie vor dem Start grenzenlos. Doch von wegen „Let’s spank the Yanks“, wie der englische Boulevard, in diesem Fall der Daily Star, gewohnt zartfühlend vor dem Spiel getitelt hatte. Englands Fußball-Nationalmannschaft bekam zum Auftakt der WM in Südafrika den ersten Dämpfer: Nur 1:1 gegen die USA. Die erste Halbzeit erinnerte an längst vergangene Zeiten. Die Bälle flogen nur hoch nach vorne und dann führte Keeper Paul Green die Tradition der Kollegen Seaman, James und Robinson fort, als er einen harmlosen Ball passieren ließ.
Zum Beispiel Argentinien – Es war unglaublich, was Lionel Messi mit Nigerias Abwehrspielern anstellte. Rechts vorbei, links vorbei – der kleine Ausnahmefußballer war an diesem Nachmittag kaum zu stoppen. Nur einer hatte etwas dagegen: Nigerias Torhüter Vincent Enyeama reagierte mehrmals phänomenal und verhinderte ein Debakel. Es blieb beim 1:0 für das Team von Diego Maradona, das defensiv zudem einige Schwächen offenbarte und den ansonsten harmlosen Westafrikanern einige gute Möglichkeiten schenkte.
Zum Beispiel Südafrika – Was war nicht vorher alles über Südafrikas Bafana Bafana geschrieben worden. Schwächster Gastgeber aller Zeiten, Kanonenfutter, Punktelieferant – alles dummes Geschwätz. Gegen die nicht schlechten Mexikaner war Südafrika dem Sieg nahe, kam nach nervösen Beginn gut ins Spiel, schoss ein herrliches Tor, traf den Pfosten und wurde ein klarer Elfmeter verweigert. Nur einmal passten sie in Halbzeit 2 nicht auf und das nutzten die abgezockten Mexikaner zum Ausgleich.
Zum Beispiel Frankreich – Ganz so emotional sind die Franzosen nicht mit ihrer Equipe Tricolore verwachsen. Allerdings gibt diese schon seit Jahren ein eher trauriges Bild ab und das war auch nach dem trostlosen 0:0 gegen die Defensivkünstler aus Uruguay so. Und normalerweise versenkt Uruguays Torjäger Forlan so einen Ball, den er an diesem Abend weit neben das Tor setzte.