Sorry, you need system administrator rights for that.


Mittwoch, 28. April 2010
Herzensbrecher für Herne-West


Derbysieger 2007: Da dachte Christoph Metzelder noch nicht an Einsätze für S04, eher an kleine T-Shirts, die diesen historischen Tag dokumentieren.

Manchmal ist man doch reichlich naiv. Zum Beispiel, wenn man glaubt, dass Profi-Fußballer keine Söldner sind, denen es ziemlich egal ist, bei welchem Verein sie ihr Geld verdienen. Weil selbst einem Profi klar ist, das dieser Klub eine Seele hat und vielen anderen Menschen Identität und Lebensinhalt spendet. Und ein Akteur, der sieben Jahre im Klub gespielt hat, dort vom unterklassigen Nachwuchs- zum Nationalspieler und Kapitän wurde und auch in schwierigen Verletzungsphasen vorbildlich unterstützt wurde, sollte eigentlich wissen, dass manche Dinge überhaupt nicht gehen. Beispielsweise zum Erzrivalen zu wechseln.
Und dann entpuppen sich diese Gedanken mal wieder als reine Folklore, die von der Wirklichkeit im harten Profi-Business weit entfernt sind: Christoph Metzelder, ehemaliger BVB-Kapitän und von 2000 bis 2007 in Diensten von Borussia Dortmund, geht im Sommer von Real Madrid zum FC Schalke 04 – nach Herne-West zum Dortmunder Erzrivalen.
Und damit brachen im Ruhrgebiet, wo Schalke oder Dortmund vielfach eine fußballerische Glaubensfrage ist, alle Dämme. Die Ruhr-Nachrichten setzten den Metzelder-Wechsel sogar als Aufmacher auf die Titelseite, im Sportteil erschien diese Geschichte. Über 500 Postings verzeichnete das Schwatzgelb-Forum – bei fast allen Schreibern dürfte Metzelder zukünftig chancenlos sein. Einblicke in die blaue Fanseele habe ich mir erspart, mit einem Sympathiebonus wird er dort jedoch nicht unbedingt rechnen können.
Und da war ja noch diese Geschichte, 2007 nach dem Derbysieg und der damit verpassten Schalker Meisterschaft entstanden. Nicht nur die schwarz-gelbe Fraktion ist darüber jetzt empört, auch auf Schalke wird diese Geschichte noch lang nachwirken.



Dienstag, 27. April 2010
Ziel erreicht: Labbadia muss gehen
Kein Wunder nach dem 1:5-Debakel von Hoffenheim: Der Hamburger SV hat seinen Trainer Bruno Labbadia entlassen – drei Tage vor dem Halbfinale in der Europa League beim FC Fulham in London.
Und irgendwie habe nicht nur ich den Eindruck, dass die Akteure des HSV an diesem Sonntag bewusst gegen ihren ungeliebten Coach gespielt haben. Das wird zwar kein Profi jemals zugeben, doch viel Gegenwehr leisteten die Hanseaten nicht bei einem Gegner, der selber in der Rückrunde meist desolate Leistungen bot.
Wenn ich nur die ersten drei Tore sehe: Beim 0:1 nach zwei Minuten verstolpert Mathijsen auf fast schon groteske Weise den Ball, beim 0:2 springt „Nationalspieler“ Jerome Boateng auch eher halbherzig mit hoch – Ibisevic sagt zweimal danke. Beim 3:0 laufen zwei Hamburger neben 1899-Verteidiger Eichner her, ohne auch nur den Ansatz zu machen, ihn ernsthaft zu stören. „Bei denen (den Hamburgern) stimmten die Zuordnungen nicht, fast allen Hamburgern fehlte es an Engagement“ schrieb der kicker in seiner Analyse. „Da fehlen mir die Worte“, kommentierte Piotr Trochowski nach dem Spiel.

Ein Mann für eine Serie
Dass das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaften zerrüttet war, war allerdings kein großes Geheimnis. Bruno Labbadia mag ein akribischer Arbeiter sein und einiges von Taktik verstehen, im Bereich Menschenführung muss der der einstige Vollblutstürmer noch einiges lernen. Spielzeiten unter Labbadia verlaufen ähnlich: Schon beim Zweitligisten Greuther Fürth lobten alle am Anfang seine Arbeit, die Mannschaft spielte sehr gut. Im Laufe der Zeit ebbten die Lobeshymnen jedoch ab, zum Schluss waren die Fürther Verantwortlichen froh, dass Labbadia den Verein Richtung Leverkusen verließ.
Das Gleiche bei der Werkself: Bayer bekam zu Beginn Komplimente ohne Ende für spektakuläre Spiele und mischte an der Tabellenspitze mit. Ihr Fußball-Lehrer galt als einer der zukünftigen Top-Trainer in Deutschland.
In der Rückrunde folgte dann jedoch der Absturz, das Verhältnis zwischen Mannschaft und Übungsleiter verschlechterte sich von Spiel zu Spiel und selbst der ansonsten eher zurückhaltende kicker schoss sich auf Labbadia ein.
Auch in Hamburg begann Labbadia viel versprechend, doch spätestens als die Tage kürzer wurden, setzten die ersten Konflikte ein. Die Hamburger Truppe ist zudem völlig überbewertet – einige große Namen, einige Talente, aber fast alle blieben in dieser Spielzeit unter den Erwartungen.
Der Traditionsverein wirkt wie ein Schiff ohne fähigen Kapitän: In den letzten sieben Jahren verschliss der HSV sieben Trainer. Und im Sommer feuerte Vereinsboss Bernd Hoffmann mit dem Sportlichen Leiter Dietmar Beiersdorfer denjenigen, der noch über den meisten Fußball-Sachverstand im Verein verfügte.



Montag, 26. April 2010
Warum Erfolge von der Spitze so schön sind
Der Veteran Church Island und der Youngster Barizan sorgten für meine Höhepunkte des Rennwochenendes.

Church Island (Trainer Michael Hourigan/Jockey Adrian Heskin), Sieger im bet365 Gold Cup Chase Handicap (Grade 3), 5 900 m, Sandown Park (GB)
Wettechnisch war die NH-Saison 2009/2010 nicht unbedingt der große Renner. Da ist es doch ein kleiner Trost, dass das letzte große Rennen die Saison mit einem Bang endet. Satte 210:10 gab es auf den Erfolg des bereits 11jährigen Wallachs Church Island – und das kompensiert etwas für die permanente zweiten Plätze, auf denen meine Tipps meist landeten.
Es war eines dieser Rennen, bei dem ich die letzten Hindernisse quasi mit gesprungen bin. An diesem Tag war Church Island allerdings eine Klasse für sich, flog meist wie ein Hirsch über die schweren Sandown-Sprünge und bekam das Rennen von seinem jungen Piloten glänzend eingeteilt. Der Schützling von Trainer Michael Hourigan aus dem irischen County Limerick war immer an zweiter Stelle platziert und als sich seine Co-Pilotin Piraya nach hinten verabschiedete, übernahm Jockey Adrian Heskin selbst das Kommando. Und der junge Mann und sein Anhang mussten nicht zittern: Church Island stapfte unangefochten zum Sieg.
Von den diesjährigen Formen konnte man ihn nicht unbedingt spielen. Allerdings lief der Wallach diesmal auf passendem Boden und Stehvermögen hat er ohne Ende. Immerhin war er Vierter in diesem Rennen 2009 und auch mal Zweiter im Irish Grand National.

Barizan (Trainer Evan Williams/Jockey Jason Maguire), Sieger in der Airshow 100 Champion Four Year Old Hurdle, 3200 Meter, Punchestown (Irland)
Wenn Jockey Jason Maguire irgendwann mal seinen Enkel von seiner Karriere im Sattel erzählen wird, dann dürfte das Jahr 2010 einen besonderen Raum einnehmen. Und einer dieser Höhepunkte war der Erfolg mit Barizan im irischen Meisterschaftsrennen für die vierjährigen Nachwuchshürdler während des Punchestown-Fstivals, dem irischen Pendant zu Cheltenham und Aintree. Denn dieser Barizan, Stolz seines walisischen Trainers Evan Williams, war bislang immer eher ein „Sieger der Herzen“ gewesen. In Cheltenham und Aintree hatte er ein halsbrecherisches Tempo an der Spitze vorgelegt, doch am Ende am Ende fing ihn aber immer noch ein anderes Pferd ab. In Punchestown drückte Maguire, der erstmalig den Wallach ritt, ebenfalls kräftig auf das Gaspedal und galoppierte damit seine Gegner quasi aus den Hufen. Am Ende hatte er 12 Längen Vorsprung auf Carlito Brigante und verdiente sich damit redlich nach drei harten Rennen innerhalb eines Monats auf den großen Festivals seinen Sommerurlaub.