Immer wieder ein beliebter Zeitvertreib vor oder nach großen Rennen: Die Kollegen aus dem englischen Racingforum haben darüber diskutiert, wer die fünf besten Sieger der letzten 15 Jahre in den englischen 2000 Guineas waren. Und irgendwann fiel natürlich der Name Zafonic, auch wenn dessen Triumph 1993 auf der Rowley Mile in Newmarket nicht mehr ganz in dieses Zeitfenster passt. Der französische Hengst war ein Meiler mit unglaublichem Speed.
Es war eine Zeit, in der ich begann, mich für englischen Rennsport zu interessieren. Seit einiger Zeit liefen die Rennen von der Inseln über SIS bei den Buchmachern – und von Zafonics Triumph (im Video ist das Rennen 3, vorher gibt es den Prix de la Salamandre und die Dewhurst Stakes) war ich mächtig beeindruckt. Diese Beschleunigung und mit welcher Leichtigkeit er ein Top-Pferd wie Barathea stehen ließ – das war ganz großes Kino. „Das ist ein Flugzeug“, schwärmte der legendäre SIS-Kommentator Derek Stripplin (keine Ahnung, ob der Name richtig geschrieben ist. Aber wer ihn kennt, weiß, wen ich meine). Jockey Pat Eddery konnte an diesem Tag das machen, was er am besten kann: Einen Sieger elegant nachhause reiten.
Die Engländer wussten allerdings schon, was für ein Kaliber der französische Toptrainer Andre Fabre da sattelte: Der Hengst im Besitz des saudi-arabischen Prinzen Khaled Abdullah blieb zweijährig ungeschlagen, triumphierte unter anderen in den Dewhurst Stakes in Newmarket, dem wichtigsten Rennen für zweijährige Hengste in England. Die Generalprobe für die 2000 Guineas vermasselte er aber, als er überraschend im Prix de Djebel geschlagen wurde.
Und ein Start nach den 2000 Guineas war dann schon Schluss mit der Rennkarriere: Zafonic verletzte sich in den Sussex Stakes in Goodwood. Nach nur sieben Rennen wechselte er in die Zucht und zeugte immerhin Gruppe 1-Sieger wie Xaar oder Iffraaj, aber auch mit Dupont und Pacino zwei Gewinner des Mehl-Muelhens-Rennen, dem deutschen Pendant zu den 2000 Guineas.
Sein Ende war tragisch: 2002 verletzte er sich tödlich auf der Koppel in Australien, wo er seine Laufbahn als Deckhengst fortsetzen sollte.
Ein kranker Tipp und ein französisches Doppel in Newmarket
Das Ergebnis war ernüchternd. „Spannte am Ende völlig aus“, lautete der Kurzkommentar im Rennergebnis. Nicht nur diese Kolumne hatte Ronja in den German 1000 Guineas in Düsseldorf, dem ersten klassischen Galopprennen der Saison auf dem Düsseldorfer Grafenberg, getippt – und lag daneben. Es siegte die 114:10-Chance Kali vor Reine heureuse und Neon Light, Ronja wurde nur enttäuschende 12. und Letzte. „Ein Laufen, das bei allen Unwägbarkeiten des Galopprennsports nach den Vorleistungen und Trainingseindrücken der letzten Woche(n) weder zu erwarten war, noch stimmen konnte“, meinten die Besitzer des Stalles Domstadt. Sie ließen Ronja daraufhin ärztlich untersuchen, Ergebnis: Die Stute litt unter einer schweren Atemwegserkrankung. Und damit war die schwache Form erklärt.
Die Siegerin steht im gleichen Stall – Waldemar Hickst trainiert Kali für das Gestüt Park Wiedingen von Helmut von Finck. Die 114:10-Chance muss sich in den letzen Wochen weiter verbessert haben, denn bislang hatte sie nur ein Maidenrennen in Düsseldorf gewonnen, dessen Wertigkeit noch schwer einzuschätzen ist.
Am Ende gewann Kali leicht, zeigte Reserven und profitierte von einem gut eingeteilten Ritt ihres Jockeys Adrie de Vries. De Vries hatte die Stute immer prominent placiert und das zahlte sich wie so häufig am Grafenberg aus. Andere Starterinnen wie Vanjura oder Devillish Lips hatten ein viel ungemütlicheres Rennen.
Sensation durch Makfi
Die ersten Klassiker standen auch auf der britischen Insel auf dem Programm: Bei den 2000 Guineas für die Hengste auf der Bahn in Newmarket gab es ein echtes Schockresultat. „Mak wer?“ lautete am Samstag meine erste Reaktion, als ich vom BVB-Spiel nach Hause kam und mir die Rennergebnisse des Tages anschaute.
Der Sieg im ersten englischen Klassiker der Saison ging nach Frankreich: Der 33:1-Schuss Makfi, trainiert von Mikel Delzangles und geritten von Christophe Lemaire, gewann leicht gegen das Hannon-Paar Dick Turpin und Canford Cliffs. Mein Tipp Xtension lief ein braves Rennen, nur leider war die Prüfung kein Handicap mit vier Platzgeldern.
Der Gewinner stammt aus dem Shadwell-Imperium von Sheikh Hamdan Al Maktoum und war zweijährig bei Markus Tregoning im Training. Dort traute man dem Dubawi-Sohn offensichtlich nicht viel zu, Makfi wurde nach Frankreich verkauft und kam zu Delzangles ins Training. Mit Erfolg: Zuletzt war er leichter Sieger im Gr. 3 Prix Djebel in Maisons Laffitte – und dennoch hatte ihn kaum einer (ich natürlich auch nicht) auf der Rechnung.
Denn viele Experten hatten schon im Vorfeld mal wieder einen Wunderkandidaten aus dem Quartier von Aidan O’Brien endeckt: Alles drehte sich um St. Nicholas Abby, 2009 unter anderem überzeugender Gewinner der Racing Post Trophy. Natürlich war der Hengst klarer Favorit bei den Buchmachern. Doch deren Mienen hellten sich während des Rennens wieder auf: St. Nicholas Abbey hatte spätestens nach etwa 1200 Metern sein Pulver verschossen und lief wie ein Pferd, das dieses Rennen unbedingt noch braucht - eigentlich ungewöhnlich für das Quartier, das die Flachrennen in England und Irland in den letzten Jahren ziemlich dominierte.
Die Stewards entschieden
In den siebziger Jahren hatte Henry Cecil mal mit der 33:1-Chance Bolkovski in den 2000 Guineas triumphiert. Am Sonntag hätte der in England von vielen Turffans fast vergötterte Trainer beinahe einen noch größeren Coup in den 1000 Guineas für die Stuten gelandet. 66:1-Schuss Jacqueline Quest, zuletzt noch deutlich unterlegen, war mit einer Nase vor der Favoritin Special Duty im Ziel vorne. Doch im Finish schwankte der Ritt von Tom Queally nach rechts und hatte damit nach Meinung der Stewards die französischen Mitfavoritin behindert. Die Richter stuften das Cecil-Pferd auf Platz 2 zurück und machten so Special Duty zur klassischen Siegerin. Eine harte Entscheidung besonders für Jacqueline Quests Besitzer Noel Martin, den deutsche Neonazis in den 90er Jahren lebensbedrohend verletzt hatten.
Es war zudem ein eher unbefriedigendes Rennen. Weil die Pferde, die eine niedrige Startbox-Nummer hatten, eindeutig im Vorteil waren. Die ersten fünf Pferde kamen alle an der „Stand-Side“, wer Mitte des Kurses war, blieb chancenlos. Meine Tipps
Pollenator und Pipette, beide mit hohen Startbox-Nummern, wurden 11. bzw. 13. Und auch im nachfolgenden Sprint kamen Sieger und Placierte aus dem Bereich der niedrigen Nummern.
Erster Erfolg beim ersten Lebensstart: Ronja gewinnt beeindruckend zweijährig in Krefeld. Ein größerer Sieg könnte folgen: Sie ist die Favoritin dieser Kolumne für die German 1000 Guineas.
Wer hat an der Uhr gedreht? Noch sind die Hindernis-Festivals in Punchestown und Aintree nicht ganz verarbeitet, stehen schon auf der Flachen die ersten Klassiker auf dem Programm. Den Auftakt in Deutschland machen wie immer die dreijährigen Stuten, die sich auf dem Düsseldorfer Grafenberg zu den 90. German 1000 Guineas (Gr. II, 1600 Meter) versammeln.
Es ist eine Prüfung, in der es hinterher bei den Favoritenwettern oftmals lange Gesichter gab, weil ein Außenseiter triumphierte. 2008 etwa hatte Briseida als vermeintlich dritte Schiergen-Farbe zum Kurs von 212 die Nase vorn, Shapira aus dem Stall von Trainer Andreas Löwe gewann 2004 sogar zum Kurs von 524.
Kein Zweifel: Das Rennen ist schwierig. Dreijährige Stuten, von denen sich viele über Winter verbessert haben, sind schwer prognostizierbar. Hinzu kommt der enge Düsseldorfer Kurs, der nicht jedem Pferd behagt.
Frontrenner haben auf der Grafenberger Bahn eine gute Bilanz. Siehe 2009, als Penny’s Gift den Sieg nach England ins Quartier von Richard Hannon mitnahm. Noch eindrucksvoller war 2007 der Erfolg von Mi Emma, die ihre Gegnerinnen regelrecht aus den Hufen galoppierte.
Andreas Wöhler trainierte Mi Emma und Wöhler ist auch zuständig für die wahrscheinliche Favoritin Neon Light. Die Stute aus dem Stall Titan ist nach zwei Starts noch ungeschlagen und imponierte 2009 besonders im Preis der Winterfavoritin, dem wohl besten deutschen Rennen für zweijährige Ladies. Und genauso wie Mi Emma mag Neon Light Rennen von der Spitze. Wenig aussagekräftig ist die Tatsache, dass die Stute Jahresdebütantin ist. Denn die Dreijährigen aus dem Wöhler-Quartier zeigten sich bei ihrem ersten Start bislang in großartiger Verfassung – nicht nur optisch.
Top-Zweijährige gegen Aufsteigerinnen
Danach folgt im Wettmarkt Vanjura aus dem Quartier von Roland Dzubasz in Hoppegarten. Auch sie zählte zweijährig zu den Spitzenstuten des Jahrgangs, gewann drei Rennen und unterlag in Baden-Baden nur Zazou, dem zur Zeit wohl besten Hengst des Jahrganges und zuletzt leicht im Busch-Memorial erfolgreich.
Zu den Aufsteigerinnen im Jahrgang gehört hingegen Ronja aus dem umtriebigen Stall Domstadt. Zweijährig einmal überzeugende Siegerin, gewann sie mit viel Speed den Henkel-Stutenpreis und schlug dabei mit dem englischen Gast Kinky Afro, Reine Heureuse, Prakasa, Devilish Lips, Artica sowie Genovesa Gegnerinnen, auf die sie am Samstag wieder trifft. Zugegeben, es war höllisch knapp auf den ersten Plätzen, doch wie Ronja aus fast unmöglicher Position beschleunigte, das sah richtig nach Rennpferd aus. Von den Kandidatinnen, die hinter ihr waren, schätze ich Reine Heureuse ziemlich hoch ein, zumal die Ostmann-Pferde ihren ersten Start traditionell meist noch brauchen. Urteil: Was Egon nicht für den Stall Domstadt schaffte, könnte Ronja gelingen – einen Sieg in einem klassischen Rennen. Die Gegnerinnen sehe ich in Neon Light, Vanjura und Reine Heureuse. Für den Kurs von 140:10 ist der englischen Gast Kinky Afro definitiv eine kleine Wette wert.