Mittwoch, 21. April 2010
Ein Hauch von Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Twist Magic


Manchmal wäre es wirklich wünschenswert, wenn Pferde reden könnten. Zum Beispiel Twist Magic, dieser Wallach aus deutscher Zucht, der in Bestform zur absoluten Elite in den Top-Jagdrennen über zwei Meilen zählt und in dieser Saison bereits zwei Grade 1-Prüfungen gewinnen konnte.
Nur ist dieser Twist Magic manchmal etwas launisch. Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem er sein zweites Gesicht zeigte: Bei der Champion Chase in Punchestown , dem irischen Pendant zum Cheltenham-Festival, blieb er am Start einfach stehen und würde dort jetzt noch stehen, wenn ihn sein Reiter AP Mc Coy nicht weggeführt hätte.
„Mr. Nicholls“ hätte Twist Magic vielleicht seinem Trainer Paul Nicholls gesagt. „schon wieder über diese hohen Sprünge. Mir schmerzen immer noch die Beine von diesem Rennen auf dieser Sch..bahn in Cheltenham, die ich so hasse, weil es dort immer rauf und runter geht. Und außerdem habe ich dieses Jahr schon genug gewonnen.“ Und Nicholls hätte ein Einsehen gehabt und Twist Magic in die Sommerferien geschickt.
Leider war das nicht so: Nicholls sattelte ihn in Irland, zumal der Wallach in den letzten Jahren nach den Enttäuschungen von Cheltenham immer siegreich war – unter anderem 2008 in obigen Rennen in Punchestown.
Und vielleicht sollte man auch mal einige tröstende Worte für das Pferd mit dem schönen Namen Forpadydeplasterer finden. Denn der wurde zum sechsten Mal in Serie Zweiter in diesen Grade 1-Prüfungen. Diesmal erwies sich Golden Silver als zu gut. Das Erstaunliche: Der Sieger aus dem irischen Championstall von Willie Mullins galt bislang immer als Pferd, das auf schwerem Boden seine besten Leistungen zeigt. Und jetzt triumphiert er auf gutem Geläuf. Wenn Pferde doch reden könnten...



Dienstag, 20. April 2010
Sonntagsruhe an der Amateurbasis
Sonntag, 15:30: Über 80 000 Menschen schauen das Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim im Westfalenstadion. Zeitgleich laufen zahlreiche Spiele der Amateurligen in Dortmund. Die Zuschauerzahlen dort dürften noch niedriger sein als sonst – kein Wunder bei der übermächtigen Konkurrenz der Profis.
Der Sonntag gehört dem Amateurfußball – diese Regel gilt schon lange nicht mehr. Neu in dieser Saison ist nur, dass eine Begegnung um 15:30 läuft – parallel zum klassischen Spieltermin der unteren Ligen in Nordrhein-Westfalen.
Das führte im vergangenen Jahr zu einigen Protesten der Basis. Auch in Dortmund regte sich leiser Widerstand, allerdings nicht so stark wie in anderen Kreisen wie etwas Gelsenkirchen, wo sogar ein kompletter Spieltag boykottiert werden sollte.
Ein Jahr später herrscht offenbar Ruhe an der Amateurfront in Dortmund. Offiziell – inoffiziell schimpft fast jeder Vereinsvertreter über die Sonntagsspiele. Allerdings: Die meisten haben eingesehen, dass ihre Proteste chancenlos sind und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ihr Programm durchzieht, weil sie eben die Einnahmen aus dem Pay-TV braucht und daher seinem Partner Sky möglichst viel Exklusivität bieten muss. Dass das Ganze bislang wenig erfolgreich war und Sky weiter hinter seinen Zielen bleibt, ist wieder ein anderes Thema.

Kaum Spielverlegungen
Bislang sind die Dortmunder Amateurvereine zudem glimpflich davongekommen. Das Heimspiel gegen Hoffenheim – wohlgemerkt am 31. Spieltag – war das Erste (und Letzte) in dieser Saison um 15:30 am Sonntag. Auch um 17:30 hatte der BVB nur zwei Heimspiele.
Entsprechen gelassen war die Reaktion am letzten Spieltag: Nur zwei Landesligisten verlegten ihre Heimspiele auf den Freitag, Westfalenligist Hombruch kickte bereits um 13 statt 15 Uhr. Ob es was gebracht hat? Wobei es zudem für die meisten Vereine schwierig ist, auf den Samstag zu gehen, weil dann die Jugendmannschaften die Plätze belegen. Und auch ein Ausweichen in die Woche fällt derzeit flach, weil durch die vielen Spielausfälle im Winter die Dienstage, Mittwoche und Donnerstage für Nachholspiele vorgesehen sind.
Der BVB bot zudem ein Trostpflaster für die Dortmunder Amateurklubs: Die Profis traten Anfang November 2009 gegen eine Dortmunder Amateurauswahl an, die Einnahmen gingen an den Fußballkreis. Die Zuschauerresonanz war mit 1900 Besuchern aber eher bescheiden....



Freitag, 16. April 2010
Zu grün für Liga 3
Es war die dritte Niederlage in Folge – mit 1:3 verlor am Mittwoch die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gegen Erzgebirge Aue und bleibt damit auf einem Abstiegsplatz in Liga 3. Und irgendwie bleibt nur die Hoffnung auf ein Fußballwunder, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Es sind zwar noch fünf Spiele zu absolvieren und es fehlen nur drei Punkte zum rettenden Platz 17, den derzeit die zweite Mannschaft von Werder Bremen belegt. Allerdings ist Regensburg auf Rang 16 schon sechs Punkte entfernt und lauert auf Platz 19 Wuppertal mit einem Punkt und einem Spiel weniger.
Die Leistungen der letzten Wochen geben wenig Anlass zur Hoffnung. Nur eines (gegen Sandhausen) der letzten fünf Heimspiele gewann Borussias Nachwuchs. Besonders an den Spielterminen am Mittwoch hagelte es Niederlage auf Niederlage.
Der gestrige Mittwoch machte da keine Ausnahme: Gegen eine sehr starke Mannschaft aus Aue blieb der BVB chancenlos. Der Tabellenzweite aus dem Erzgebirge spielte wie ein Aufstiegskandidat, bestrafte die Anfängerfehler der unerfahrenen BVB-Abwehr und hatte die Lage auch nach dem 1:2-Anschlusstreffer jederzeit im Griff.
Die Verunsicherung drückte sich auch dadurch aus, dass das ansonsten technische so versierte Team von Theo Schneider viel mit (ungenauen) langen Bällen agierte. Zudem fehlte mit Uwe Hünemeier in der Innenverteidigung der herausragende Spieler; entsprechend konfus agierte die schwarz-gelbe Deckung.

Abgezockte Kontrahenten
Borussias Nachwuchsspieler sind einfach noch zu grün für diese Liga. Spielerisch können sie jederzeit mithalten. Solche Spiele wie gegen Aue waren die Ausnahme; die meisten Niederlagen waren eigentlich ziemlich überflüssig.
Wenn Dortmunds Zweite ein „normales“ Team wäre, würden die Verantwortlichen vier oder fünf Routiniers verpflichten, die den Nachwuchs führen. BVB 2 ist jedoch – wie jede Reservemannschaft – eine Ausbildungsmannschaft für das erste Team und da müssen sich die Spieler selbst durchbeißen. Weil die Nachwuchskräfte in der dritten Liga viel lernen können, gegen ziemlich abgezockte Gegner antreten und so einiges in Sachen Selbstbehauptung und Widerstand mitbekommen. Die dritte Liga ist quasi die ideale Ausbildungsliga für Nachwuchsspieler.
Übrigens ist Borussias Restprogramm ziemlich happig: Zuhause gegen den starken Mitaufsteiger Heidenheim, den Spitzenreiter Osnabrück und Regensburg; auswärts geht es nach Erfurt und zum Tabellenletzten Kiel. Und wer jetzt vom Heimvorteil spricht: siehe oben! Die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde ist leider keine Festung mehr.