Cheltenham, Teil 4: In der Arbeit eine Ziege, im Rennen ein Champion
Es ist geschafft. Dritter Tag, fünftes Rennen und endlich der erste Sieger in Cheltenham: Great Endeavour triumphierte mit Danny Cook als 190:10-Schuss in der Byrne Group Plate Handicap Chase. Das Rennen war schwer zu entschlüsseln, die Favoriten wie Song of Songs wollte ich nicht. Zum Glück gibt es Kriterien wie die Trainerform: Im zweiten Rennen war Buena Vista aus dem Stall von David Pipe mit einem anderen Claimer (Haddon Frost) erfolgreich, jetzt ritt Cook, ein weiteren talentierten Nachwuchsreiter aus dem Pipe-Quartier, Great Endeavour. Dessen Formen reichten zwar nicht aus, aber als Novice könnte er noch einiges im Tank haben.
Der junge Mann machte dann auch alles richtig, servierte dem ausgezeichnet springenden Wallach einen perfekten Rennverlauf. Die restlichen Tipps des Tages? Ainama hätte auf einer kürzeren Strecke gewonnen, ansonsten vergessen…...Besonders Barbers Shop in der Ryanair Chase lief ganz schwach, von wegen gutes Ding.
Auch Trainer Paul Nicholls war die Erleichterung nach der World Hurdle anzumerken: Denn sein Banker Big Buck’s siegte als hoher Favorit und eiferte nicht seinem Stallgefährten Master Minded nach, der gestern in der Champion Chase eine bittere Schlappe einstecken musste. Big Buck’s gewann leicht und ziemlich unangefasst. Als der Jockey auf dem tapferen Time for Rupert schon schwer arbeitete, saß Ruby Walsh noch seelenruhig. Walsh bemühte dann kurz seinen Schützling und der löste sich leicht. Dabei hatte Big Buck’s „noch am Samstag wie eine haarige Ziege gearbeitet“, verriet sein Trainer Paul Nicholls nach dem Erfolg. Ich habe allerdings den tapferen Zweiten angefeuert, der als Novice ein fantastisches Rennen lief.
Das Duell der Giganten
Nicholls steht auch am Freitag in Cheltenham im Mittelpunkt: Es ist Gold Cup-Tag und das Aufeinandertreffen der von Nicholls trainierten Titanen: Kauto Star gegen Denman, eine ausführliche Vorschau erschien auf diesen Seiten schon etwas früher. Die Gewichte haben sich noch weiter in Richtung Kauto Star verschoben, der in blendender Verfassung seinen dritten Erfolg im Gold Cup anpeilt. Denman warf beim letzten Rennen hingegen seinen Reiter ab.
Aber vielleicht versaut ja ein anderer die Party: Imperial Commander zum Beispiel läuft in Cheltenham immer gute Rennen. Cooldine gewann 2009 die RSA Chase im Stile eines Kandidaten, der künftig die Toppferde fordern kann. Die diesjährigen Formen zeigen dies jedoch nicht, auch wenn der irische Gast aus dem Quartier von Willie Mullins sich zuletzt verbessert zeigte.
Die Tipps des Tages 14:30: Advisor 15:05: Noble Prince 15:40: Tell Massini 16:20: Denman 17:00: Trust Fund 17:40: Clova Island 18:15: You’re The Top
Manchmal wundere ich mich, dass andere Leute auch so doof sind. Zum Beispiel Pettifour im ersten Rennen zu wetten, weil man glaubt, dass das Pferd nur für dieses Rennen seine bisherige Allergie gegen die schweren Sprünge ablegt. Auf 90:10 wetteten ich und meine Mittäter den Schützling von Trainer Nigel Twiston-Davies in diesem 20-Pferde-Amateur-Marathon herunter (der Favorit stand 75:10). Das Ergebnis: Pettifour trottete immer hinterher, weil er entweder zu flach sprang und das Hindernis touchierte bzw. so hoch sprang, als wäre er beim Springreiten.
Es war St. Patricks Day und am irischen Feiertag wird das Guinness heute noch mehr fließen. Denn die Iren räumten groß ab in Cheltenham und triumphierten in den zwei Grade 1-Prüfungen. Big Zeb, bislang mit einem Auswärtskomplex versehen, überwand diesen und zwang seinen Trainer Colm Murphy zu einem bemerkenswerten Jubelsprint. Damit verhinderte Big Zeb den Hattrick von Master Minded in der Champion Chase, der enttäuschender Vierter wurde. Immerhin gewannen Ruby Walsh und Trainer Paul Nicholls immerhin noch mit dem guten Ding Sanctuaire die Fred Winter Juvenile Novices’ Handicap Hurdle. Rubys Schwester Katie war zudem erfolgreich. Nur im „Bumper“ dominierten die Iren diesmal nicht: Der hochüberlegene Sieg des 410:10-Schusses Cue Card hinterließ einen fast sprachlosen Trainer Colin Tizzard.
Die Vorschau für den dritten Tag fällt diesmal reichlich kurz aus, weil morgen andere Dinge Vorrang haben (es ist eine normale Arbeitswoche und das gilt auch für mich als Freiberufler). Daher gibt es nur die besten Tipps des Tages.
Im Hauptrennen, der World Hurdle (16:20), sehe ich keine Opposition gegen Big Buck’s. Er steht allerdings auch kurz genug. Wer ihn zu diesen Kurs (maximal 18:10) wetten möchte, möge das tun, ich mache es nicht, weil man sich danach umso mehr ärgert, wenn er scheitert.
Auch Leon Blanche von Boylesports tippt Big Buck's
Cheltenham, Teil 2: Minenfelder und ein Champion der Herzen
Wenn uns der erste Tag des Cheltenham Festivals etwas lehrt, dann ist das Demut. Zum Beispiel über den Ausgang der Champion Hurdle: Binocular gewann auf eine Weise, wie man ihm das im letzten Jahr als Top-Favorit zugetraut hatte. Mein Favorit war er definitiv nicht. Dunguib trug in der Supreme Novice die „Hoffnungen einer ganzer Nation“, doch wer außen zusätzliche Meter galoppiert und einige dumme Fehler an den Hürden macht, dem fehlen auf der ansteigenden Zielgerade die Reserven und es reicht nur zu Platz 3. Und der Triumphator in der Cross Country Chase kam diesmal nicht aus dem Stall von Enda Bolger. Die Vorschau für den Mittwoch...
• 140th Year Of The National Hunt Chase Challenge Cup, 4 m
Der Mittwoch startet mit einem weiteren Rätselraten: ein Marathon für Amateurreiter. Bei den meisten Teilnehmern überwiegen die Fragezeichen, spricht mehr gegen sie als dafür. Der Mitfavorit Any Currency (Quote 7:1), Far More Serious und Youngstown sind Pferde mit guter Form, die auch mit der Distanz zurechtkommen könnten. Aber vielleicht haut der Twiston-Davies-Stall wieder einen raus wie im letzten Jahr, als Tricky Trickster (läuft jetzt im Gold Cup für Paul Nicholls) gewann. Pettifour zählte als Hürdler zur erweiterten Spitzengruppe über die langen Distanzen. Die bisherigen Formen in Jagdrennen reichen nicht aus, doch diese dürften nicht das letzte Wort sein. Tipp: Pettifour
• Neptune Investment Management Novices' Hurdle (baring Bingham Novices' Hurdle) (grade 1), 2m 5f
Die Favoriten kommen mit Rite of Passage und Quel Espirit (hat noch eine Nennung für Freitag) aus Irland, doch das englische Lager ist gut gerüstet: Zum Beispiel mit Finians Rainbow, Peddlers Cross und Reve de Sivola. Ich entscheide mich für Reve de Sivola wegen der besseren Quote. Nicht zu unterschätzen ist Manyriverstocross (20:1) aus dem Stall von Alan King, dem die längere Strecke liegen wird. Tipp: Reve de Sivola
• RSA Chase (grade 1), 3 m 110 y
Das zweite große Rennen für den Nachwuchs über die Jagdsprünge. Nicky Henderson dürfte bestens gerüstet sein und schickt die Favoriten Long Run und Punchestowns sowie den chancenreichen Außenseiter Burton Point an den Start. Viel Potenzial hat ebenfalls Diamond Harry - wenn er vernünftig springt. Tipp: Punchestowns
Viking Flagship gegen Deep Sensation und Travado - legendäres Finish in der Champion Chase 1994
• Seasons Holidays Queen Mother Champion Chase (grade 1), 2 m Master Minded gegen den Rest: Den dritten Sieg in Serie peilt das Pferd von Trainer Paul Nicholls an, doch so einfach wird es nicht. Beim Jahresdebüt verletzte sich der Wallach in Cheltenham, lieferte im Februar ein ganz ordentliches Comeback ab, auch wenn er einige Fehler machte und am letzten Hindernis fast gefallen wäre. Natürlich ist Master Minded das zu schlagende Pferd, doch er hat Konkurrenz. Zum Beispiel seinen Stallgefährten Twist Magic, der in dieser Saison offensichtlich seine Neurosen abgestellt hat und ein ganz anderes Pferd geworden ist. Was stört, ist seine schlechte Form in Cheltenham.
Viel Potenzial nach oben hat noch Kalahari King, der in Doncaster ein Handicap mit Höchstgewicht gegen erfahrene Gegner beeindruckend gewann. Im letzten Jahr war er im Arkle knapp geschlagener Zweiter hinter Forpadytheplasterer. Kann er Master Minded und Twist Magic gefährden? Eher noch nicht…
Mit dabei ist auch Forpadytheplasterer, in dieser Saison dreimal deutlich geschlagener Zweiter. Der weiche bis gute Boden kommt ihm allerdings entgegen. Wenn das Rennen in Irland wäre, dann wäre mein Geld auf Big Zeb, der Master Minded in Punchestown beinahe geschlagen hätte. Doch in England enttäuschte der Schützling von Colm Murphy bislang immer.
Und dann ist da noch mein alter Freund Well Chief, einst Sieger im Dortmunder Sparkassenpreis. Er wäre ein wahrer Champion der Herzen, wenn er auf seine alte Tage noch mal gewinnen würde. Tipp: Das Herz schlägt für Well Chief, aber ohne Wette.
• Coral Cup (Handicap Hurdle) (Grade 3), 2m 5f
Wie immer ein absolutes Mysterium. Wishfull Thinking, James De Vassey, City Theatre und Silk Affair sind nur einige von vielen potenziellen Siegkandidaten. Letzterer bekommt meine Stimme, weil er bereits beim Cheltenham Festival erfolgreich und ihm die längere Distanz liegen sollte. Tipp: Silk Affair
• Fred Winter Juveniles Novices Handicap Hurdle (Grade 3), 2 m 110 y
Ein weiteres Minenfeld für Wetter: 24 nicht voll erfasste Youngster gehen an den Start. Sanctuaire (kommt mit guten Formen aus Frankreich), Bothy (gewann dreimal in Folge und zeigte viel Sprungvermögen) sowie die Pipe-Pferde Notus de la Tour und Hunterview sollten gute Chancen haben. Bothy verspricht die beste Quote. Tipp: Bothy
• Weatherbys Champion Bumper (Grade 1), 2m 110y
Das Flachrennen war in den letzten Jahren immer eine irische Domäne. Doch diesmal könnten die Engländer mit Al Ferof so gut wie schon lange nicht mehr gerüstet sein sein. Dennoch kommen die Favoriten aus Irland: Drumbaloo ist nur eine von vielen Möglichkeiten, weitere Kandidaten sind das Weld-Paar Elegant Concorde und Hidden Universe, Day of a Lifetime und Up Ou That von Willie Mullins sowie Tavern Times. Tipp: Drumbaloo