Donnerstag, 4. März 2010
Punjabi und Celestial Halo gegen den Rest
Nicht mehr zwei Wochen Zeit bis zum Cheltenham Festival, dem Höhepunkt der National Hunt-Saison auf der Insel. Sportlicher Höhepunkt des ersten Tages ist die Champion Hurdle über zwei Meilen. Im Gegensatz zum Gold Cup, der Champion Chase und der World Hurdle – den anderen Top-Rennen des Festivals – ist das Meisterschaftsrennen über die Hürden eine völlig offene Angelegenheit. Und es ist die beste Chance für einen irischen Sieg, denn Solwhit und Go Native führen den Wettmarkt an. nurpferdeundfussball stellt die wichtigsten Kandidaten vor.

Zaynar (Trainer Nicky Henderson/Kurs 80:10): Gewinner 2009 der Triumph Hurdle (siehe Video), mag den Kurs in Cheltenham, kann auch guten Boden. Überzeugende Erfolge im November und Dezember in Ascot und Cheltenham, auch wenn die Distanz etwas länger war. Doch dann kam der Rückschlag am 18. Februar, als er als haushoher Favorit in Kelso geschlagen wurde. Trainer Nicky Henderson machte dafür den schweren Boden verantwortlich. Den wird er wahrscheinlich im März nicht haben, dennoch stieg er bei den Buchmachern. Was mich allerdings mehr stört: Es ist erst sein sechster Start, mit fünf Jahren ist er noch ein richtiger Youngster. Ob das gegen die routinierte Konkurrenz reicht?
Solwhit (Trainer Charles Byrnes/Kurs 50:10): Die erste Hoffnung von der grünen Insel, gewann die wichtigsten Hürdenrennen in diesem Jahr in Irland. Alle aber auf weichem bei schwerem Boden, auf gut bis weichen Boden enttäuschte er beim Saisondebüt in Newcastle. Gewann zwar auf gutem Boden im April die Aintree Hurdle, doch das war über längere Distanz und gegen nicht so starke Gegnerschaft. Bei schwerem Boden ist Solwhit das gemeinte Pferd, auf gutem Boden jedoch nicht.
Go Native (Noel Meade/Kurs 50:10): Der zweite irische Mitfavorit jagt das große Geld, denn nach den Siegen in der Fighting Fifth (Newcastle) und der Christmas Hurdle (Kempton) winkt ihm bei einem Triumph in der Champion Hurdle ein Millionenbonus. Imponierte bei seinen Siegen mit viel Speed, ist aber – wie sein ehemalige Stallgefährte Harchibald – ein Pferd, das unter Druck nicht mehr viel macht und so beinahe in Kempton gegen Starlight verloren hätte. In Cheltenham reitet ihn wieder Paul Carberry, nach Aussage von Trainer Noel Meade der optimale Jockey für das Pferd. Mag guten Boden, hat im letzten Jahr hauchdünn die Triumph Hurdle gegen Medermit gewonnen. Ein Kandidat mit allerbesten Chancen.
Punjabi (Nicky Henderson/Kurs 90:10): Der Überraschungssieger des Vorjahres, 2008 zudem guter Dritter hinter Katchit. Weiß also, um was es geht und ist zudem im Frühjahr auf gutem Boden viel stärker einzuschätzen. Die letzte Pflichtaufgabe löste er ohne große Anstrengung, der zu schlagende Kandidat.
Celestial Halo (Paul Nicholls/Kurs 160:10): Der Zweite aus dem Vorjahr, als er nach hartem Kampf Punjabi unterlag. Für ihn gilt das Gleiche wie für den Titelverteidiger Punjabi: Auf gutem Boden ist er im Frühjahr ein viel besseres Pferd, von daher kann man die schlechten Boden auf weichem oder schweren Boden ignorieren. Und für diesen Kurs ist er definitiv eine kleine Sieg-Wette wert.
Khyber Kim (Nigel Twiston-Davies/Quote 90:10): der Aufsteiger des Winters, gewann zwei gute Rennen im Winter in Cheltenham, schlug dabei zuletzt Celestial Halo, Medermit und Punjabi, hatte allerdings gegen den Zweiten und Vierten Gewichtsvorteile. Kyber Kim braucht aber unbedingt mindestens weichen Boden, auf guten Boden ist er deutlich schlechter.
Starluck (Alan Fleming/Quote 160:10): Sein Trainer meint, dass er noch einiges im Tank hat und sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert hat. Hervorragendes Rennen in der Christmas Hurdle in Kempton, als er nur knapp von Go Native geschlagen wurde. Im letzten Jahr wurden ihm die 3400 Meter auf der Zielgerade in Cheltenham etwas lang.
Medermit (Alan King/Quote 90:10): Sprintete im letzten Jahr die Cheltenham-Zielgerade in der Supreme Novice Hurdle herunter, danach zweimal hinter Khyber Kim und zuletzt Sieger mit Gewichtsvorteilen gegen Punjabi. Ein weiterer chancenreicher Kandidat.

Tipp: Ich gehe mal davon aus, dass der Boden im März gut sein wird. Punjabi und Celestial Halo sind meine Kandidaten in einem sehr ausgeglichenen Rennen.

Quoten racebets



Montag, 1. März 2010
Viel Prügel für die einstige „Hand Gottes“


Zuletzt war er – glaube ich zumindest – bei der WM 2006 in Deutschland. Dort saß Diego Maradona fröhlich grinsend mit einer seiner Töchter auf der Tribüne, bis ihm die Gesichtszüge entgleisten, als Argentinien im Viertelfinale an Deutschland scheiterte. Jetzt kommt der „Pibe de oro“ (Goldjunge) als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft wieder zum Freundschaftsspiel gegen das deutsche Team nach München.
Diego Armando Maradona war der genialste Fußballer aller Zeiten. Kein anderer Spieler beherrschte den Ball so perfekt, kein anderer Spieler verkörperte diese Mischung aus Genie und Wahnsinn so wie er. Die Menschen vergötterten ihn, in Neapel ist er immer noch der Stadtheilige. Er war „Die Hand Gottes“ und im gleichen Spiel gegen England der Schütze eines der sensationellen Tore der Fußballgeschichte, als er von der Mittellinie mehrere Engländer wie Slalomstangen umkurvte. Die FIFA kürte diesen Treffer zum Tor des Jahrhunderts.
Und irgendwie stellte Maradona auch die Fußball-Weisheit in Frage, dass zu einem Erfolg 11 Spieler gehören. Beim WM-Triumph der Argentinier 1986 in Mexiko schoss er quasi allein die Gegner ab.
Doch wo Maradona war, da war auch der Absturz nie fern: positive Dopingproben, Kokain, falsche Freunde aus dem organisierten Verbrechen, gesundheitliche Probleme – eigentlich ließ Diego nichts in seinem Leben aus. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass er noch lebt.

„wie mein A…gespielt“
Doch 2005 verbesserte sich Maradonas Gesundheitszustand wieder. Im Oktober 2008 übernahm er den Posten des Cheftrainers der argentinischen Nationalmannschaft – und hier weht ihm nach verheißungsvollem Beginn mit Siegen in Schottland und Frankreich der Wind ziemlich heftig ins Gesicht. Argentinien qualifizierte sich mit Ach und Krach für die WM 2010 in Südafrika, trauriger Höhepunkt war ein 1:6 in der Höhenluft von Bolivien. 102 Spieler berief Maradona bislang zu 16 Spielen – Fußball ohne jegliches System, werfen ihm seine zahlreichen Kritiker unter anderem vor. „Er macht nichts richtig“, urteilte die Zeitung La Nation. Oft habe Argentinien „wie mein A..gespielt“, meinte Ex-Coach Cesar Luis Menotti. Und auch Maradona Aufforderung zum Oralsex an seine Kritiker nach geschaffter WM-Qualifikation entspannte nicht gerade die Lage.



Freitag, 26. Februar 2010
Kauto Star so gut wie noch nie
Optimistische, fast schon euphorische Töne kommen aus dem Camp von National Hunt-Trainer Paul Nicholls – zweieinhalb Wochen vor dem Cheltenham Festival (16. bis 19. März), dem Höhepunkt der Hindernissaison auf der Insel. Zum Beispiel über Kauto Star, Titelverteidiger und Favorit für den Gold Cup, dem wichtigsten Rennen des Meetings.
„Er war noch nie in einer so guten Verfassung“, sagte Nicholls. „Wenn er in dieser Form in Cheltenham an den Start geht, dann bedarf es einer außergewöhnlichen Leistung, ihn zu schlagen.“
Der Championtrainer hatte die englischen Medienvertreter in sein Quartier eingeladen, um über die Chancen seiner Starter beim Festival zu sprechen. Und die „Hacks“ waren zahlreich erschienen.
Nun muss man solche Aussagen immer etwas kritisch sehen, denn kein Trainer wird zugeben, dass sein Pferd chancenlos ist und eigentlich nur läuft, weil sein Besitzer das nun mal will. Zudem liegt Nicholls mit seinen Statements als Kolumnist in der Samstags-Racing Post manchmal ziemlich daneben. Allerdings gibt er – Gegensatz zu anderen Trainern – oftmals sehr detailliert Auskunft.
25 Siege feierte Paul Nicholls bislang beim Cheltenham Festival, 52 Starter wird er diesmal wahrscheinlich satteln. In drei der vier wichtigsten Rennen stellt er die klaren Favoriten: Kauto Star (Gold Cup), Big Buck’s (World Hurdle) und Master Minded (Champion Chase). Mit Denman und Twist Magic schickt er in Gold Cup und Champions Chase sogar den zweiten Favoriten ins Rennen. Nur Celestial Halo geht als chancenreicher Außenseiter in die Champion Hurdle.
So schätzt Nicholls seine Top-Pferde ein. Die ausführliche Version mit weiteren Startern des Quartiers gibt es hier.
Kauto Star (Gold Cup): „Sein Erfolg in der King George in Kempton war die beste Leistung seines Lebens. Er sieht fantastisch aus, ich bin hochzufrieden mit ihm.“

Denman (Gold Cup): „Bis auf die Fehler war ich mit seiner Leistung in Newbury (wo er seinen Reiter abwarf) zufrieden. Er hat hervorragend heute Morgen gearbeitet, wir haben aber noch drei Woche harte Arbeit vor uns. Jeder, der ihn abschreibt, macht das auf seine eigene Gefahr.“

Big Buck’s (World Hurdle): „Er ist ungeschlagen seit seinem letzten Start in der World Hurdle. Big Buck’s sieht fantastisch aus, er wird sehr, sehr schwer zu schlagen sein.“

Master Minded (Champion Chase): „Er sieht so gut wie lange nicht mehr aus. Seine Verletzung hat er gut überstanden, in Newbury ging er und sprang bis zur letzten Hürde gut.“

Twist Magic (Champion Chase): „In den letzten Jahren baute er immer im Frühjahr ab und sah grauenhaft aus. Nun sieht er so gut wie noch nie zu dieser Zeit aus. Er lief immer etwas unglücklich in Cheltenham – mental ist er allerdings ein viel besseres Pferd als früher.“

Celestial Halo (Champion Hurdle): Zweiter in der Champion Hurdle im letzten Jahr, Sieger in der Triumph Hurdle – Celestial Halo mag die Bahn. Der Schlüssel zu diesem Pferd ist der Boden. Seine beiden Rennen in Cheltenham waren alle auf gutem Frühlingsboden.“



Sehnsucht nach Fred Rutten
Nur auf Platz 10 setzte die 11 Freunde-Redaktion das Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund in ihrer Rangliste „Derby – die 50 härtesten Duelle der Welt“. Davor landeten unter anderem das Glasgower Stadtduell Celtic gegen Rangers, Fenerbahce gegen Galatasaray aus der Türkei und das Londoner Hauerduell West Ham gegen Millwall. Gespräche und der Blick in die Fanforen beider Mannschaften sagen allerdings anderes aus: Der Revierklassiker ist das Spiel der Spiele. Heute abend findet in der Gelsenkirchener Turnhalle die nächste Auflage statt.
Dabei trennte nicht immer Häme und Hass die Anhänger beider Lager: 1934 gewannen die Schalker Knappen in Berlin mit 2:1 gegen den Nürnberger Club ihre erste Deutsche Meisterschaft, mit dabei waren unter anderem die Mythen Ernst Kuzorra und Fritz Szepan. Auf dem Rückweg stoppte der Zug in Dortmund. „Schon dort ein begeisterter Empfang“, schreibt Georg Röwekamp in seinem(durchaus empfehlenswerten) Werk „FC Schalke 04 – Der Mythos lebt“. „Noch gibt es keine Rivalität zwischen Schalke und Dortmund; die Spieler tragen sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Das ganze Revier feiert die Meisterschaft als Erfolg der Region.“


Mai 2005, letzter Dortmunder Sieg in der Turnhalle: Lars Ricken untermauerte mal wieder seinen Ruf als der Mann für die entscheidenden Tore

Zu dieser Zeit begann der kometenhafte Aufstieg der Schalker, die in der Zeit des Nationalsozialismus die führende Mannschaft in Deutschland waren. Der BVB spielte hingegen nur eine untergeordnete Rolle; erst in den fünfziger Jahre überflügelten die Schwarz-Gelben erstmals Königsblau. Und seitdem ist die erbitterte Rivalität zwischen beiden Fanlagern da, kochen die Emotionen hoch und retten Siege gegen den Erzrivalen manchmal sogar eine verkorkste Saison wie zum Beispiel 2007, als Borussia die Schalker Meisterschaftsträume zerstörte.
Vor der heutigen Partei appellierten die Verantwortlichen mal wieder an die Vernunft in beiden Fanlagern. Die Hardcore-Fraktionen der zwei Klubs hatten sich zuletzt bei einem A-Junioren-Spiel in Gelsenkirchen eine wüste Schlägerei geliefert. Sportlich ist es ein Spitzenspiel: der 3. (Schalke) trifft auch den 5. (Dortmund).

„Quälix" schmeißt den Laden
Zum Verdruss der BVB-Anhänger spielt Schalke unter Neutrainer Felix Magath bislang eine ganz starke Saison. Irgendwie sehnt man die Chaos-Tage unter Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller wieder herbei, als sich eine völlig lethargisch wirkende Schalker Mannschaft, die sich im Stile einer Altherrentruppe bewegte, regelmäßig blamierte. Die Zuschauer in der Turnhalle pfiffen, Herr Schnusenberg und sein Chef Tönnies gaben dubiose Interviews und auch Alt-Manager Rudi Assauer machte, flankiert von der Bild-Zeitung, kräftig Stimmung. Es war eben Schalke, wie es lacht und singt.
Unter Felix Magath ist das alles anders: Die Herzen vieler Fans gewann er schon allein dadurch, dass er in alter „Quälix-Manier" die verhätschelten Profis in der Vorbereitung bis zum Kotzreiz malochen ließ. Finanziell ging es zwar im Herbst drunter und drüber, doch sportlich zahlte sich die harte Vorbereitung aus.
Schalke spielt zwar nicht schön, aber gewinnt eben meist. Nur 17 Gegentore sind der beste Wert der Liga, vorne trifft der im letzten Jahr von den eigenen Fans noch ausgelachte Kevin Kuranyi regelmäßig und wird dabei assistiert von Jefferson Farfan, der vorher als kostspieliger Fehleinkauf galt.
Magath veränderte das Team: Mit Moritz, Schmitz und Matip baute er unter anderem drei vorher völlig unbekannte junge Spieler ein, dafür trennte sich der Verein von Routiniers wie Levan Kobiashvili oder Halil Altintop. In der Winterpause kamen noch einmal acht Neue - zum großen Teil absolute No-Names.
Der Trainer spricht zwar nicht von der Meisterschaft, doch wenn einer den Schalker Meisterfluch beenden kann, dann er. Nur der Zeitpunkt ist noch offen.