Mamlook und Fair Along die Trümpfe im Cesarewitch-Rätsel
So kurz vor Ende der grünen Flachsaison sollte man sich eigentlich mit Wetten etwas zurückhalten. Oder irgendeinen Außenseiter unterstützen, weil die Formen nicht mehr unbedingt entscheidend sind. Viele Pferde sind über ihren Leistungshöhepunkt hinaus, entsprechend "komisch" fallen manche Resultate aus.
Das Wettrennen des Wochenendes ist am Samstag das Cesarewitch über die weite Distanz von 3600 Metern, eines dieser Megahandicaps mit über 30 Startern auf der Inseln. Das Rennen ist natürlich sehr schwer, beim ersten Überblick kam ich auf 12 Pferde, die für mich erste Chancen haben.
Mit dem dreijährigen Darley Sun gibt es aber einen würdigen Favoriten, der noch viel Potenzial hat und durchaus günstig im Handicap steht. Mein Geld bekommen allerdings andere. Im letzten Jahr gewann der unverwüstliche Caracciola aus dem Hindernisstall von Nicky Henderson und Hindernistrainer wie Philip Hobbs oder David (bzw. früher sein Vater Martin) Pipe haben im Cesarewitch eine hervorragende Bilanz. Fair Along (Hobbs) und Mamlook (Pipe) sollten erste Chancen haben, weil sie auf der Flachen wenig geprüft sind und beide durchaus Reserven haben dürften. Viel Vertrauen schenkten die englischen Wetter in dieser Woche Sereth. Barney Curley trainiert jetzt den ehemaligen Schlenderhaner und schon schrillen bei den Buchmachern die Alarmglocken. Denn das ist ein Stall, der schon manchen Wettcoup landen konnte.
Sportliche Highlights in Newmarket sind zwei Gruppe I-Rennen: Favorisiert in den Dewhurst Stakes für zweijährige Pferde sind die irischen Gäste Chabal und Steinbeck. Ich würde eine kleine Wette auf High Twelve riskieren, weil dieses Pferd bei seinen Starts ziemlich imponiert hat und zuletzt ein grottenschlechtes Rennen hatte.
Überhaupt keine Meinung habe ich zu den Champion Stakes. Klarer Favorit ist der irische Derbysieger Fame and Glory, der aber wie die meisten Pferde eine harte Saison hinter sich hat und zuletzt im Arc auch nicht mehr ganz so frisch wirkte. Stärkster Gegner könnte Mawatheeq sein, der allerdings hier auf viel bessere Gegner trifft. Zumindest wäre der Erfolg in den Champion Stakes ein weiteres Sahnehäubchen einer fantastischen Saison für Jockey Richard Hills.
Im Blickpunkt in Deutschland steht der Preis des Winterfavoriten in Köln, die wichtigste Zweijährigenprüfung in Deutschland. Die große Frage ist natürlich, was der Debütant Fierce Storm aus dem Stall von Jens Hirschberger kann. Wenn sein Trainer ihn in einer solchen Prüfung debütieren lässt, dann muss er schon einiges zuhause gezeigt haben. Der Winterfavorit ist diesmal aber mehr ein Rennen zum Gucken als zum Wetten - zumal der Boden in Köln wahrscheinlich weich sein wird. Gewinnen kann eigentlich jeder. nurpferdeundfussball macht jetzt erst einmal Pause, weil ich mir einige Tage Urlaub gönnen werden. Wahrscheinlich geht es Donnerstag in diesem Kino weiter.
Was lehren uns die Qualifikationsspiele zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, nachdem die Mehrheit der Teilnehmer in Südafrika feststeht? Fußball ist viel wichtiger als alles andere, siehe Honduras, das sich zum zweiten Mal nach 1982 für eine WM qualifizieren konnte. Putsch, politische Krise, Armut – alles vergessen. Die Kicker aus Mittelamerika spielen in Südafrika und sorgten für einen nationalen Freudentaumel.
Die Qualifikation war hochdramatisch, denn bis zur Nachspielzeit fuhr Costa Rica direkt zur WM. Doch dann schoss die USA den Ausgleich und Costa Rica trifft nun in einem Qualifikationsspiel auf den 5. der Südamerika-Qualifikation. Der Gegner heißt Uruguay, die Argentinien mit 0:1 unterlagen. Und damit erspart sich Argentinien die Schmach des Entscheidungsspieles.
Dennoch lieferte das Team des großen Diego Maradona, der als Trainer offensichtlich aber noch einiges lernen muss, eines der größten Dramen dieser Qualifikation. Mit Ach und Krach schaffte die Großmacht den Sprung nach Afrika, der Bauchklatscher von Diego Maradona im Regen von Buenos Aires nach dem 2:1-Zittersieg gegen Peru am Samstag war eines der Bilder der Woche.
Diegos Bauchklatscher im Regen: Palermo hat getroffen gegen Peru
In Europa jubelten am lautesten die Slowaken, die zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte an einer Fußball-WM teilnehmen. Dafür bleiben die ehemaligen Brüder aus Tschechien zuhause, dort hat man den Generationswechsel noch nicht geschafft. Zu den Verlierern gehörten die Schweden, die Türkei (bei denen unter anderem Jürgen Klinsmann als Nachfolger von Fatih Terim gehandelt wird, allerdings hat er nur Außenseiterchancen), Kroatien, Rumänien (bei denen lief gar nichts, Rang 5, 9:17 Tore) oder Schottland (deren letzte WM-Qualifikation auch schon lange zurückliegt).
Souveräner Europameister
Einige der Großmächte kamen mit einem blauen Auge davon und müssen jetzt in den Relegationsspielen nachsitzen: Portugal mit Cristiano Ronaldo sicherte sich erst ganz zuletzt den zweiten Platz vor Schweden, Frankreich setzte die schwachen Leistungen der EM fort. Neben diesen beiden Teams müssen Griechenland, Ukraine, Russland, Irland, Slowenien und Bosnien-Herzegowina noch zittern, wobei für die beiden letzten Teams schon die Teilnahme an den Spielen ein großer Erfolg ist und entsprechend frenetisch gefeiert wurde. Einer von den Großen ist fällig in der Qualifikation – ich setze mal auf die Franzosen, damit sie endlich ihren unfähigen Trainer Domenech feuern können.
Und Deutschland? Neben Dänemark, der Schweiz, der Slowakei, Spanien (ohne Punkteverlust), England, Serbien, Italien und den Niederlanden löste das Team von Joachim Löw mit acht Siegen und nur zwei Unentschieden die Fahrkarte nach Südafrika ziemlich souverän. Auch wenn sie inzwischen das Motto „Jedes Pferd springt nur so hoch wie es muss“ ziemlich verinnerlicht hat. Gegen Finnland ging es um nichts mehr, entsprechend pomadig präsentierte sich die Mannschaft vor eigenem Publikum in Hamburg und schaffte nach einer unterirdischen Leistung gerade mal ein 1:1 gegen die Skandinavier.
Im zarten Alter von 57 Jahren hat Josef Vana mit dem achtjährigen Wallach Tiumen die 119. Velka Pardubicka im tschechischen Pardubice gewonnen. Vana trainiert auch den Sieger und zudem die Zweite, die Schimmelstute Sixteen. Tiumen galt von den vier Vana-Startern im Vorfeld als der mit den geringsten Chancen.
„Es war ein taktisches Meisterstück, auf das AP Mc Coy und Ruby Walsh stolz gewesen wäre“, beschreibt Markus Armytage im Daily Telegraph den Ritt des ältesten Hindernisjockeys der Welt, im Video zu erkennen an den rot-weiß-gerauteten Rennfarben. Armytage muss es wissen, er gewann selbst 1990 mit Mr Frisk das Grand National in Aintree. Die Velka Pardubicka galt zu Zeiten des kalten Krieges als das "Grand National hinter dem eisernen Vorhang".
Der siegreiche Reiter und Trainer kennt das Gefühl des Triumphes in der umstrittenen Prüfung. Fünf Mal gewann er das Rennen als Jockey, sechs Mal als Trainer. Es war sein 23. Ritt in der Velka Pardubicka.
Das Rennen in Tschechien gilt neben dem Grand National in Aintree als das härteste und gefährlichste Hindernisrennen der Welt und führt über weite 6900 Meter. Auf die Starter warten 32, teilweise sehr unkonventionelle Hindernisse. Den Taxis-Graben bezeichnen viele Experten als das schwerste Hindernis der Welt.