Dienstag, 13. Oktober 2009
Der Galopper der Woche: Gullible Gordon
Im Winter gibt es eine Alternative zu den faden deutschen Rennen auf der Allwetterbahn. Wenn die Tage kürzer werden, konzentriert sich in England das Interesse auf die National Hunt (NH)-Saison. Die wichtigen Hindernis- und Jagdrennen werden im Winter gelaufen; Höhepunkt der Saison ist das Cheltenham-Meeting im März, ein Termin, bei dem jeder Anhänger des Hindernissports feuchte Augen bekommt.
Mit dem Meeting im walisischen Chepstow beginnt für viele die NH-Saison erst richtig, weil dort die ersten hochdotierten Prüfungen auf dem Programm stehen. So stellt Championtrainer Paul Nicholls gerne an diesem Tag viel versprechende Talente für den Hindernissport vor. Und aus seinem Quartier kam auch die eindrucksvollste Vorstellung des Tages: Der sechsjährige Wallach Gullible Gordon gewann die Free Bets Novices Chase überlegen mit 23 Längen Vorsprung.
Natürlich ist die Form schwer einzuschätzen, obwohl die geschlagenen Gegner wie Carrick Oscar oder Theatrical Moment mit durchaus soliden Formen an den Ablauf kamen. Sie hatten allerdings nicht den Hauch einer Chance an diesem Tag: Gullible Gordon legte bei seinem Start über die schweren Jagdsprünge einen imponierenden Takt vor, flog wie ein Routinier fehlerlos und sicher über die Hindernisse. Schon weit vor dem Ziel konnte Ruby Walsh das Tempo rausnehmen, ansonsten wäre der Erfolg noch deutlicher ausgefallen. Es war eine Demonstration, die den Nicholls-Schützling zweifellos für bessere Aufgaben empfahl.
Seine Hürdenform las sich zwar solide, aber wenig eindrucksvoll: Bei acht Starts siegte er einmal und war dreimal platziert. Seine beste Form zeigte der Wallach im Februar 2008, als er in einem Handicap-Hürdle auf weichem Boden in Taunton unter anderem Kayf Aramis besiegte. Kayf Aramis gewann immerhin in diesem Jahr das Pertemps Final, eines dieses Mega-Hürden-Handicaps des Cheltenham-Festivals.



Sonntag, 11. Oktober 2009
Billig-TV mit wenig Flair
Sonntag nachmittag im DSF: Es läuft mal wieder „wettstar.de – Pferderennen live“. Immer wenn der Privatsender – bekannt für seine dubiosen Telefonshows – offensichtlich nichts anderes hat, um sein Programm zu füllen, bietet er eben Pferderennen an. So gab es an diesem Sonntag Galopprennen aus Frankfurt und Düsseldorf sowie die Trabrennen aus Gelsenkirchen und Berlin-Mariendorf live im Free-TV.
Neu ist die Sendung nicht, schon 2006 und 2007 liefen die schnellen Pferde im DSF. Am Anfang saß noch Exjockey Olaf Schick als Experte im Studio und tippte im breiten Ruhrgebietsslang die Rennen, was manchmal wirklich unfreiwillig komisch war.
Das Konzept ist einfach: Moderator Jens Garling analysiert gemeinsam mit zwei Experten – einer für Galopp, der andere für Trab – die einzelnen Rennen, die Experten geben dann ihre Tipps und animieren den Zuschauer zum Wetten – am besten über die Wettplattform wettstar.de. Die Sendezeit ist (wahrscheinlich) bezahlt, oben rechts im Bild steht permanent der Schriftzug Werbung.
Mit Journalismus hat die Sendung daher wenig gemeinsam. Es gibt keine Interviews mit Trainern oder Jockeys vor den Rennen, keine Reaktionen von Siegern oder Besiegten danach, es geht um Wetten, Wetten und noch mal Wetten. Erzählt wird dennoch viel, das Phrasenschwein des DSF-Stammtischs am Sonntag morgen wäre nach dieser Sendung gut gefüllt.
Die Qualität der Expertentipps? Beide haben sie ihre Fachzeitschriften gut gelesen, aber originell waren die Voraussagen in der Regel nicht. Meist tippten sie den Favoriten, der gerade bei den Trabern vielfach unter 20 stand. Ich habe nicht mitgezählt, wie viel Wetten getroffen wurde, ein großes Plus dürfte aber niemand gemacht haben.

Wer guckt das?
Dass meine Aufmerksamkeit nachließ, lag auch daran, dass das Konzept dank seiner Monotonie ziemlich ermüdend ist. Zwei Stunden Sendezeit mit zahlreichen Werbepausen, in denen immer die gleiche Werbung läuft, laden geradezu ein, auf andere Kanäle zu zappen.
Unklar ist zudem, wen die Macher mit der Sendung erreichen wollen. Der Hardcore-Fan ist entweder auf der Bahn, beim Buchmacher oder verfolgt per Livestream im Internet die Rennen. Oder wollen sie neue Zielgruppen, etwa die vielgesuchte junge Generation, die sowohl bei den Galoppern als auch den Traber fehlt, ansprechen? Dafür ist „wettstar.de – Pferderennen live“ nicht peppig genug, sind die Bilder zu schlecht, weil es eben die gleichen sind, die auch beim Buchmacher bzw. in den Streams zu sehen sind. Um die Faszination der schnellen Pferde optisch zu vermitteln, müssten die Verantwortlichen ein paar Kameras mehr einsetzen, aber das kostet wiederum Geld.
Die Tipps animieren auch nicht unbedingt zum Wetten, wenn die Experten immer nur die Favoriten ansagen und ich zum Beispiel für 5 Euro Einsatz gerade mal 9 Euro zurückbekomme. Die Zuschauer wollen Sieger, die viel zahlen. Deutschland ist ein Land von Lottospielern, die mit möglichst wenig Einsatz viel Geld verdienen wollen.
Ärgerlich an diesem Sonntag war, dass das Hauptrennen der Düsseldorfer Veranstaltung nicht mehr in der Sendung zu sehen war, weil es fünf Minuten nach Sendeschluss gestartet wurde. Wenn die Rennvereine das Format ernst nehmen würden, dann würden sie ihre Rennzeiten entsprechend koordinieren.
Aber vielleicht spielt in diesem Fall die rheinische Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf eine Rolle. Denn hinter der Wettplattform wettstar.de steht die Wettstar GmbH in Ismaning, die laut Pressemitteilung Wetten im Auftrag des Kölner Renn-Vereins 1897 e.V in den Totalisator vermittelt.



Samstag, 10. Oktober 2009
Gary Lineker hatte mal wieder Recht
Es gibt ein Gen, das offenbar jeder deutsche Fußballer in sich trägt: Das Sieges-Gen in den Qualifikationsspielen zu Welt- oder Europameisterschaften. So war es auch diesmal: Durch einen 1:0-Sieg in Russland, dem schärfsten Rivalen um den Gruppensieg, qualifizierte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft direkt für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und spart sich damit zwei nervenaufreibende Relegationsspiele.
Undenkbar, dass Deutschland bei solchen Großereignissen mal fehlt – andere Großmächte des Fußballs wie England oder die Niederlande (beide diesmal allerdings schon für Südafrika qualifiziert) kennen hingegen das Gefühl des Scheiterns. In Moskau bewahrheitete sich zudem mal wieder der alte Spruch von Gary Lineker, dass am Ende immer die Deutschen gewinnen.

Russenfrust dank Adler
Es war nämlich ein mehr als enges Spiel, in dem die Mannschaft von Joachim Löw ziemlich viel Glück hatte. Nach 35 Minuten brachte der in der Bundesliga chronisch erfolglose Klose Deutschland nach einer schönen Kombination über Özil und Podolski in Führung, während die Russen beste Möglichkeiten vergaben bzw. am herausragenden Oliver Adler im deutschen Tor scheiterten. Wie immer in den letzten Jahren, wenn es darauf ankam, zeigte sich das DFB-Team hochkonzentriert und zeigte von Beginn an, dass man nach Moskau kam, um zu gewinnen.
Verlief die erste Hälfte noch ziemlich ausgeglichen, änderte sich das Bild in der zweiten Halbzeit: Die spielstarken Russen um den herausragenden Arshavin drehten jetzt richtig auf, doch wie bei der Europameisterschaft 2008 bewiesen sie eindrucksvoll, dass sie das Tore schießen nicht erfunden haben. Und wenn ein Bild mal auf das Tor kam, stand da immer noch ein Rene Adler in Überform. Zehn Deutsche – der Debütant Jerome Boateng sah nach 69. Minuten Gelb-Rot – kamen kaum noch zu Entlastungsangriffen und hatten zudem Glück, dass der Schweizer Schiedsrichter ein elfmeterreifes Foul von Friedrich gegen Bystrov nicht ahndete.
Das letzte deutsche Qualifikationsspiel gegen Finnland am Mittwoch ist damit nur noch Schaulaufen. Nach den letzten Leistungen der Mannschaft in solchen Spielen, in denen es um nichts mehr geht, kann man sich das als Zuschauer durchaus schenken.