Sonntag, 11. Oktober 2009
Billig-TV mit wenig Flair
Sonntag nachmittag im DSF: Es läuft mal wieder „wettstar.de – Pferderennen live“. Immer wenn der Privatsender – bekannt für seine dubiosen Telefonshows – offensichtlich nichts anderes hat, um sein Programm zu füllen, bietet er eben Pferderennen an. So gab es an diesem Sonntag Galopprennen aus Frankfurt und Düsseldorf sowie die Trabrennen aus Gelsenkirchen und Berlin-Mariendorf live im Free-TV.
Neu ist die Sendung nicht, schon 2006 und 2007 liefen die schnellen Pferde im DSF. Am Anfang saß noch Exjockey Olaf Schick als Experte im Studio und tippte im breiten Ruhrgebietsslang die Rennen, was manchmal wirklich unfreiwillig komisch war.
Das Konzept ist einfach: Moderator Jens Garling analysiert gemeinsam mit zwei Experten – einer für Galopp, der andere für Trab – die einzelnen Rennen, die Experten geben dann ihre Tipps und animieren den Zuschauer zum Wetten – am besten über die Wettplattform wettstar.de. Die Sendezeit ist (wahrscheinlich) bezahlt, oben rechts im Bild steht permanent der Schriftzug Werbung.
Mit Journalismus hat die Sendung daher wenig gemeinsam. Es gibt keine Interviews mit Trainern oder Jockeys vor den Rennen, keine Reaktionen von Siegern oder Besiegten danach, es geht um Wetten, Wetten und noch mal Wetten. Erzählt wird dennoch viel, das Phrasenschwein des DSF-Stammtischs am Sonntag morgen wäre nach dieser Sendung gut gefüllt.
Die Qualität der Expertentipps? Beide haben sie ihre Fachzeitschriften gut gelesen, aber originell waren die Voraussagen in der Regel nicht. Meist tippten sie den Favoriten, der gerade bei den Trabern vielfach unter 20 stand. Ich habe nicht mitgezählt, wie viel Wetten getroffen wurde, ein großes Plus dürfte aber niemand gemacht haben.

Wer guckt das?
Dass meine Aufmerksamkeit nachließ, lag auch daran, dass das Konzept dank seiner Monotonie ziemlich ermüdend ist. Zwei Stunden Sendezeit mit zahlreichen Werbepausen, in denen immer die gleiche Werbung läuft, laden geradezu ein, auf andere Kanäle zu zappen.
Unklar ist zudem, wen die Macher mit der Sendung erreichen wollen. Der Hardcore-Fan ist entweder auf der Bahn, beim Buchmacher oder verfolgt per Livestream im Internet die Rennen. Oder wollen sie neue Zielgruppen, etwa die vielgesuchte junge Generation, die sowohl bei den Galoppern als auch den Traber fehlt, ansprechen? Dafür ist „wettstar.de – Pferderennen live“ nicht peppig genug, sind die Bilder zu schlecht, weil es eben die gleichen sind, die auch beim Buchmacher bzw. in den Streams zu sehen sind. Um die Faszination der schnellen Pferde optisch zu vermitteln, müssten die Verantwortlichen ein paar Kameras mehr einsetzen, aber das kostet wiederum Geld.
Die Tipps animieren auch nicht unbedingt zum Wetten, wenn die Experten immer nur die Favoriten ansagen und ich zum Beispiel für 5 Euro Einsatz gerade mal 9 Euro zurückbekomme. Die Zuschauer wollen Sieger, die viel zahlen. Deutschland ist ein Land von Lottospielern, die mit möglichst wenig Einsatz viel Geld verdienen wollen.
Ärgerlich an diesem Sonntag war, dass das Hauptrennen der Düsseldorfer Veranstaltung nicht mehr in der Sendung zu sehen war, weil es fünf Minuten nach Sendeschluss gestartet wurde. Wenn die Rennvereine das Format ernst nehmen würden, dann würden sie ihre Rennzeiten entsprechend koordinieren.
Aber vielleicht spielt in diesem Fall die rheinische Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf eine Rolle. Denn hinter der Wettplattform wettstar.de steht die Wettstar GmbH in Ismaning, die laut Pressemitteilung Wetten im Auftrag des Kölner Renn-Vereins 1897 e.V in den Totalisator vermittelt.



Samstag, 10. Oktober 2009
Gary Lineker hatte mal wieder Recht
Es gibt ein Gen, das offenbar jeder deutsche Fußballer in sich trägt: Das Sieges-Gen in den Qualifikationsspielen zu Welt- oder Europameisterschaften. So war es auch diesmal: Durch einen 1:0-Sieg in Russland, dem schärfsten Rivalen um den Gruppensieg, qualifizierte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft direkt für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und spart sich damit zwei nervenaufreibende Relegationsspiele.
Undenkbar, dass Deutschland bei solchen Großereignissen mal fehlt – andere Großmächte des Fußballs wie England oder die Niederlande (beide diesmal allerdings schon für Südafrika qualifiziert) kennen hingegen das Gefühl des Scheiterns. In Moskau bewahrheitete sich zudem mal wieder der alte Spruch von Gary Lineker, dass am Ende immer die Deutschen gewinnen.

Russenfrust dank Adler
Es war nämlich ein mehr als enges Spiel, in dem die Mannschaft von Joachim Löw ziemlich viel Glück hatte. Nach 35 Minuten brachte der in der Bundesliga chronisch erfolglose Klose Deutschland nach einer schönen Kombination über Özil und Podolski in Führung, während die Russen beste Möglichkeiten vergaben bzw. am herausragenden Oliver Adler im deutschen Tor scheiterten. Wie immer in den letzten Jahren, wenn es darauf ankam, zeigte sich das DFB-Team hochkonzentriert und zeigte von Beginn an, dass man nach Moskau kam, um zu gewinnen.
Verlief die erste Hälfte noch ziemlich ausgeglichen, änderte sich das Bild in der zweiten Halbzeit: Die spielstarken Russen um den herausragenden Arshavin drehten jetzt richtig auf, doch wie bei der Europameisterschaft 2008 bewiesen sie eindrucksvoll, dass sie das Tore schießen nicht erfunden haben. Und wenn ein Bild mal auf das Tor kam, stand da immer noch ein Rene Adler in Überform. Zehn Deutsche – der Debütant Jerome Boateng sah nach 69. Minuten Gelb-Rot – kamen kaum noch zu Entlastungsangriffen und hatten zudem Glück, dass der Schweizer Schiedsrichter ein elfmeterreifes Foul von Friedrich gegen Bystrov nicht ahndete.
Das letzte deutsche Qualifikationsspiel gegen Finnland am Mittwoch ist damit nur noch Schaulaufen. Nach den letzten Leistungen der Mannschaft in solchen Spielen, in denen es um nichts mehr geht, kann man sich das als Zuschauer durchaus schenken.



Mittwoch, 7. Oktober 2009
Sie nannten ihn die Deislerin
Als „Basti Fantasti“ feierte ihn einst die Boulevardpresse. Doch Sebastian Deisler wollte nie ein Liebling der Massen sein, hatte regelrecht Angst vor dieser Rolle. Der technisch herausragende Mittelfeldspieler galt als Ausnahmetalent im kriselnden deutschen Fußball der Nach-Bosman-Ära. Er war der Hoffnungsträger, der die deutsche Nationalmannschaft als Spielmacher zum Weltmeistertitel im eigenen Land führen sollte.
Daraus wurde nichts, beim Sommermärchen fehlte Deisler. Im Januar 2007 war dann Schluss: Mit nur 27 Jahren beendete der einstige Hoffnungsträger, der in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC Berlin und Bayern München spielte, seine Karriere. Zahlreiche schwere Verletzungen an Knie und Leiste forderten ihren Tribut. Zudem litt Deisler unter schweren Depressionen und gab dies zu – ein Novum in der Männerwelt des Fußballs, in der man Schwächen nicht zeigt.
Auf einmal war das einstige Ausnahmetalent von der Bildfläche verschwunden. Zweieinhalb Jahre später kommt nun seine Biografie (Michael Rosentritt: Sebastian Deisler.Zurück ins Leben) in die Buchläden. Dazu hat der einstige Fußballprofi der Wochenzeitung Die Zeit ein Interview gegeben, das tiefe Einblicke in das System des Profifußballs mit all seinen Eitelkeiten bietet.