Freitag, 16. Oktober 2009
Opium für's Volk
Was lehren uns die Qualifikationsspiele zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, nachdem die Mehrheit der Teilnehmer in Südafrika feststeht? Fußball ist viel wichtiger als alles andere, siehe Honduras, das sich zum zweiten Mal nach 1982 für eine WM qualifizieren konnte. Putsch, politische Krise, Armut – alles vergessen. Die Kicker aus Mittelamerika spielen in Südafrika und sorgten für einen nationalen Freudentaumel.
Die Qualifikation war hochdramatisch, denn bis zur Nachspielzeit fuhr Costa Rica direkt zur WM. Doch dann schoss die USA den Ausgleich und Costa Rica trifft nun in einem Qualifikationsspiel auf den 5. der Südamerika-Qualifikation. Der Gegner heißt Uruguay, die Argentinien mit 0:1 unterlagen. Und damit erspart sich Argentinien die Schmach des Entscheidungsspieles.
Dennoch lieferte das Team des großen Diego Maradona, der als Trainer offensichtlich aber noch einiges lernen muss, eines der größten Dramen dieser Qualifikation. Mit Ach und Krach schaffte die Großmacht den Sprung nach Afrika, der Bauchklatscher von Diego Maradona im Regen von Buenos Aires nach dem 2:1-Zittersieg gegen Peru am Samstag war eines der Bilder der Woche.



Diegos Bauchklatscher im Regen: Palermo hat getroffen gegen Peru

In Europa jubelten am lautesten die Slowaken, die zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte an einer Fußball-WM teilnehmen. Dafür bleiben die ehemaligen Brüder aus Tschechien zuhause, dort hat man den Generationswechsel noch nicht geschafft. Zu den Verlierern gehörten die Schweden, die Türkei (bei denen unter anderem Jürgen Klinsmann als Nachfolger von Fatih Terim gehandelt wird, allerdings hat er nur Außenseiterchancen), Kroatien, Rumänien (bei denen lief gar nichts, Rang 5, 9:17 Tore) oder Schottland (deren letzte WM-Qualifikation auch schon lange zurückliegt).

Souveräner Europameister
Einige der Großmächte kamen mit einem blauen Auge davon und müssen jetzt in den Relegationsspielen nachsitzen: Portugal mit Cristiano Ronaldo sicherte sich erst ganz zuletzt den zweiten Platz vor Schweden, Frankreich setzte die schwachen Leistungen der EM fort. Neben diesen beiden Teams müssen Griechenland, Ukraine, Russland, Irland, Slowenien und Bosnien-Herzegowina noch zittern, wobei für die beiden letzten Teams schon die Teilnahme an den Spielen ein großer Erfolg ist und entsprechend frenetisch gefeiert wurde. Einer von den Großen ist fällig in der Qualifikation – ich setze mal auf die Franzosen, damit sie endlich ihren unfähigen Trainer Domenech feuern können.
Und Deutschland? Neben Dänemark, der Schweiz, der Slowakei, Spanien (ohne Punkteverlust), England, Serbien, Italien und den Niederlanden löste das Team von Joachim Löw mit acht Siegen und nur zwei Unentschieden die Fahrkarte nach Südafrika ziemlich souverän. Auch wenn sie inzwischen das Motto „Jedes Pferd springt nur so hoch wie es muss“ ziemlich verinnerlicht hat. Gegen Finnland ging es um nichts mehr, entsprechend pomadig präsentierte sich die Mannschaft vor eigenem Publikum in Hamburg und schaffte nach einer unterirdischen Leistung gerade mal ein 1:1 gegen die Skandinavier.



Mittwoch, 14. Oktober 2009
Der Senior triumphierte in der Velka


Im zarten Alter von 57 Jahren hat Josef Vana mit dem achtjährigen Wallach Tiumen die 119. Velka Pardubicka im tschechischen Pardubice gewonnen. Vana trainiert auch den Sieger und zudem die Zweite, die Schimmelstute Sixteen. Tiumen galt von den vier Vana-Startern im Vorfeld als der mit den geringsten Chancen.
„Es war ein taktisches Meisterstück, auf das AP Mc Coy und Ruby Walsh stolz gewesen wäre“, beschreibt Markus Armytage im Daily Telegraph den Ritt des ältesten Hindernisjockeys der Welt, im Video zu erkennen an den rot-weiß-gerauteten Rennfarben. Armytage muss es wissen, er gewann selbst 1990 mit Mr Frisk das Grand National in Aintree. Die Velka Pardubicka galt zu Zeiten des kalten Krieges als das "Grand National hinter dem eisernen Vorhang".
Der siegreiche Reiter und Trainer kennt das Gefühl des Triumphes in der umstrittenen Prüfung. Fünf Mal gewann er das Rennen als Jockey, sechs Mal als Trainer. Es war sein 23. Ritt in der Velka Pardubicka.
Das Rennen in Tschechien gilt neben dem Grand National in Aintree als das härteste und gefährlichste Hindernisrennen der Welt und führt über weite 6900 Meter. Auf die Starter warten 32, teilweise sehr unkonventionelle Hindernisse. Den Taxis-Graben bezeichnen viele Experten als das schwerste Hindernis der Welt.



Dienstag, 13. Oktober 2009
Der Galopper der Woche: Gullible Gordon
Im Winter gibt es eine Alternative zu den faden deutschen Rennen auf der Allwetterbahn. Wenn die Tage kürzer werden, konzentriert sich in England das Interesse auf die National Hunt (NH)-Saison. Die wichtigen Hindernis- und Jagdrennen werden im Winter gelaufen; Höhepunkt der Saison ist das Cheltenham-Meeting im März, ein Termin, bei dem jeder Anhänger des Hindernissports feuchte Augen bekommt.
Mit dem Meeting im walisischen Chepstow beginnt für viele die NH-Saison erst richtig, weil dort die ersten hochdotierten Prüfungen auf dem Programm stehen. So stellt Championtrainer Paul Nicholls gerne an diesem Tag viel versprechende Talente für den Hindernissport vor. Und aus seinem Quartier kam auch die eindrucksvollste Vorstellung des Tages: Der sechsjährige Wallach Gullible Gordon gewann die Free Bets Novices Chase überlegen mit 23 Längen Vorsprung.
Natürlich ist die Form schwer einzuschätzen, obwohl die geschlagenen Gegner wie Carrick Oscar oder Theatrical Moment mit durchaus soliden Formen an den Ablauf kamen. Sie hatten allerdings nicht den Hauch einer Chance an diesem Tag: Gullible Gordon legte bei seinem Start über die schweren Jagdsprünge einen imponierenden Takt vor, flog wie ein Routinier fehlerlos und sicher über die Hindernisse. Schon weit vor dem Ziel konnte Ruby Walsh das Tempo rausnehmen, ansonsten wäre der Erfolg noch deutlicher ausgefallen. Es war eine Demonstration, die den Nicholls-Schützling zweifellos für bessere Aufgaben empfahl.
Seine Hürdenform las sich zwar solide, aber wenig eindrucksvoll: Bei acht Starts siegte er einmal und war dreimal platziert. Seine beste Form zeigte der Wallach im Februar 2008, als er in einem Handicap-Hürdle auf weichem Boden in Taunton unter anderem Kayf Aramis besiegte. Kayf Aramis gewann immerhin in diesem Jahr das Pertemps Final, eines dieses Mega-Hürden-Handicaps des Cheltenham-Festivals.