Freitag, 11. September 2009
Monitor Closely gegen Godolphin und Ballydoyle


Der letzte Klassiker der englischen Turfsaison, das St. Leger, steht am Samstag auf der Rennbahn in Doncaster auf dem Programm. Die Zeiten, in denen die Spitzenpferde des Jahrgangs in diesem Rennen über weite 2 800 Meter an den Start kamen, sind auch auf der Insel schon lange vorbei. Die Triple Crown – 2000 Guineas, Derby und St. Leger – war daher auch nie ein Thema für Sea The Stars, den Guineas- und Derbysieger. Immerhin gewann im letzten Jahr mit Conduit (siehe Video) ein Pferd das Rennen, das in diesem Jahr im King George in Ascot triumphierte. Und wenigstens öffnen die Engländer das Rennen noch nicht für ältere Pferde.
Acht Pferde kommen in diesem Jahr an den Start. Für einigen Ärger sorgte die kurzfristige Abmeldung des Mitfavoriten Age of Aquarius aus dem Aidan O’Brien-Stalles wegen Lahmheit.

Die Starter im Portrait
1 Above Average, Trainer Barry Hills/Jockey Michael Hills, beste Quote 66/1 : Außenseiter aus dem Erfolgsstall von Barry Hills, nur schwer vorstellbar. Chancenlos gegen mehrere Konkurrenten in York und Newmarket.

2 Changingoftheguard, Aidan O’Brien/Johnny Murtagh, beste Quote 3/1 : Nach dem Fehlen von Age of Aquarius die Wahl von Stalljockey Johnny Murtagh. Steher durch und durch, der sich über die Handicaproute ins Rennen gearbeitet hat. Zuletzt knapp geschlagener Zweiter im Ebor-Handicap gegen kampferprobte Handicapper über die St. Leger-Distanz. Lief noch unreif, hatte auch nicht das beste Rennen, hat hier allererste Chancen.

3 Father Time, Henry Cecil/Jamie Spencer, beste Quote 5/1 : chancenlos gegen Monitor Closely und Mastery im Great Voltigeur in York über 2400 Meter, davor erfolgreich in den King Edward Stakes. Als Dansili-Sohn einige Fragezeichen beim Stehvermögen. Die Mutter konnte immerhin 2400 Meter, die Geschwister waren eher Pferde für Distanzen von der Meile bis 2000 Meter.

4 Kite Wood, Saeed Bin Suroor/Frankie Dettori, beste Quote 11/4 : Die Stallform stimmt derzeit bei Godolphin und Kite Wood ist bei vielen Buchmachern Favorit. Zweijährig bei Michael Jarvis im Training, hatte der Hengst zu Beginn einige Umstellungsprobleme und war im Epsom-Derby chancenlos. Zuletzt gewann Kite Wood gegen ältere Pferde über weite 2 700 Meter in den Geoffrey Freer Stakes in Newbury. Gewann zwar auf festem Boden, im Stall hat man allerdings etwas Bedenken wegen des Untergrunds. 2 800 Meter sollten kein Problem sein, mit guten Chancen unterwegs.

5 Mastery, Saeed Bin Suroor/Ted Durcan, beste Quote 14:1 : Zweite Waffe aus dem Godolphin-Imperium, ohne Chance gegen Monitor Closely als Zweiter im Great Voltigeur. Die beste Leistung seiner Karriere war Rang 3 im Grand Prix de Paris (Gr. 1) hinter Cavalryman auf gut bis weichem Boden. Nicht zu unterschätzen, aber 2800 Meter könnten etwas lang werden.

6 Monitor Closely, Peter Chapple-Hyam/Jimmy Fortune, beste Quote 9/2: Vater Sprinter, Mutter Meilerin – nach Abstammung dürfte Monitor Closely nie das notwendige Stehvermögen besitzen. Doch der Sohn von Oasis Dream überraschte alle als 28:1-Schuss alle im Great Voltiguer, schlug Mastery und Father Time und lief wie ein großer Steher, dem auch die weitere 400 Meter keine Probleme bereiten sollten. Vorher ziemlich enttäuschend, in der York-Form mit allerersten Chancen.

7 Mourayan, John Oxx/Fran Berry, beste Quote 8/1 : Dreimal chancenlos gegen den irischen Derbysieger Fame and Glory, zuletzt unterlag er als Favorit dem stark gesteigerten Profound Beauty. Bei Distanz und Boden gibt es zu viele Fragezeichen, nicht mehr als ein chancenreicher Außenseiter.

8 Von Jawlewsky, Aidan O’Brien/Colm O’Donoghue, beste Quote 150/1 : Der Hengst mit dem preußischen Namen gewann im Juni ein Maidenrennen in The Curragh, dürfte das Tempo für seinen Stallgefährten Changingoftheguard machen.

Urteil: Changingoftheguard, Kite Wood oder Monitor Closely – ich sehe kein Pferd gegen die drei Favoriten. Wegen der besseren Quote ist Monitor Closely meine Wahl.



Donnerstag, 10. September 2009
BVB – Bayern, Teil 2: Kung Fu-Attacken und geplatzte Träume
12 Siege, 17 Unentschieden, 11 Niederlagen - so lautet die Heimbilanz des BVB gegen den FC Bayern München und auch im letzten Jahr gab es ein 1:1. Dortmund schwächelt bislang noch etwas, der FC Bayern unter Neutrainer Louis van Gaal zeigte sich nach katastrophalem Start gegen Meister Wolfsburg wieder von besserer Seite. Daran hatte Arjen Robben, den die Bayern für 25 Millionen Euro Ende August von Real Madrid verpflichteten, großen Anteil. Einer, der in Dortmund immer für Kontroversen gut war, hat hingegen seine Karriere beendet: Oliver Kahn hütet seit 2008 nicht mehr das Bayern-Tor. Unser Rückblick auf drei weitere denkwürdige Spiele.

3. April 1999: Borussia Dortmund – Bayern München 2:2 (2:0), 68 600 Zuschauer
Natürlich gehört es sich nicht, gegnerische Spieler mit Affengeräuschen zu begrüßen und mit Bananen zu bewerfen. Oliver Kahn musste dies jahrelang in den Bundesligastadien ertragen – und er hat sich das redlich erarbeitet. Sportlich akzeptierten ihn die meisten Fans, doch seine provokative Art und dominierende Rolle als Leitwolf der vielfach verhassten Bayern polarisierten das Publikum.
Auch in Dortmund, zum Beispiel am 3. April 1999: Der BVB lieferte in der Ära Skibbe eines seiner besten Spiele in einer ansonsten durchwachsenen Saison. 2:0 lautete der Stand nach 32 Minuten, zweimal traf Heiko Herrlich. Nach 36 Minuten gab es den nächsten Aufreger: Bayern-Innenverteidiger Sammy Kuffour sah Rot. Das alles erzürnte den Bayern-Schlussmann: Zweimal flippte Kahn während des Spiels völlig aus, versuchte Herrlich ins Ohr zu beißen und attackierte Stephane Chapuisat mit einem Kung Fu-Sprung, der zum Glück sein Ziel verfehlte. Schiedsrichter Bernd Heynemann sah nichts, das Fachmagazin kicker auch nicht und bewertete Heynemann mit einer generösen 2,5.
Doch der FC Bayern war im ersten Jahr unter Ottmar Hitzfeld ein Team, das nur schwer zu schlagen war. Zudem sah bei Dortmund Stefan Reuter nach 51. Minuten Gelb-Rot. Bayern glich innerhalb von fünf Minuten durch Zickler (58.) und Jancker (63.) aus. Zu allem Überfluss scheiterte Lars Ricken noch mit einem Foulelfmeter an Kahn, der zu diesem Zeitpunkt schon längst hätte Rot sehen müssen. Am Ende wurde Bayern mit 15 Punkten Vorsprung souverän Meister, Dortmund endete mit 21 Punkten Rückstand auf Platz 4.

8. September 2001: Borussia Dortmund – Bayern München 0:2 (0:1), 68 600 Zuschauer
Vor der Spielzeit hatte der BVB noch einmal groß investiert: Neu waren der kantige Tscheche Jan Koller und der brasilianische Goalgetter Marcio Amoroso, bereits im Winter war der begnadete Techniker Tomas Rosicky von Sparta Prag gekommen. Sportlich waren die Neulinge absolute Knüller, finanziell beschleunigten sie allerdings den Weg in den Abgrund. Und Borussia legte richtig gut los, blieb zu Saisonbeginn viermal ungeschlagen und besonders Amoroso traf aus allen Lagen. Entsprechend optimistisch erwartete Dortmund den FC Bayern – und kassierte den ersten Dämpfer der Saison.
Die Münchener erwiesen sich an diesem Nachmittag als viel zu clever, beherrschten den Gegner nach Belieben und gewannen hochverdient durch Tore von Salihamidzic (22.) und Santa Cruz (58.). Ausgerechnet Salihamidzic, der Dauer-Provokateur im Bayern-Dress, war einer der Torschützen. Es war ein bitterer Nachmittag für alle, die mit Schwarz-Gelb sympathisierten. Am letzten Spieltag lachten aber die Dortmunder, die vom Unvermögen der Leverkusener profitierten und letztmals die Meisterschaft holten. Für Bayern München blieb nur Platz 3.

26. Januar 2007: Borussia Dortmund – Bayern München 3:2 (1:2), 80 700 Zuschauer
Am Ende der Hinrunde 2006/07 war der Weihnachtsfrieden in Dortmund gestört: Nach einer indiskutablen Leistung im letzten Heimspiel gegen Leverkusen protestierten die Fans, Trainer Bert von Marwijk musste gehen. Sein Nachfolger wurde Jürgen Röber und der legte mit einem 3:2 gegen Meister Bayern einen Traumstart hin. 2:1 führten die Münchener zur Pause durch van Buyten und Makaay, nachdem Alex Frei die Borussia in Führung geschossen hatte. Früher hätte man da zur Pause nach Hause gehen können, denn so einen Vorsprung hätten die Bayern mit allen Mitteln über die Zeit gebracht. Doch die Gäste präsentierten sich an diesem Abend sehr schwach und fanden keine Mittel gegen den überragenden Alex Frei, der das 2:2 selber schoss und den 3:2-Siegtreffer durch Tinga vorbereitete.
Die Träume von einer erfolgreichen Dortmunder Rückrunde endeten aber sehr schnell: Zum einen gewann gegen diese Bayern in der Rückrunde fast jeder, zum anderen rutschte der BVB durch unglaublich schlechte Leistungen in die Abstiegszone. Vor Ostern 2007 war nicht nur ich der festen Meinung, dass der BVB in die 2. Liga absteigen muss, so schwach präsentierte sich die Mannschaft. Die Wende brachte ein 4:1 am 28. Spieltag in Aachen unter dem neuen Trainer Thomas Doll, es folgte noch das berühmte 2:0 gegen Schalke, das dem Erzrivalen die Meisterschaft kostete. Und schon war die Spielzeit für viele BVB-Fans gerettet. Für den FC Bayern war die Saison 2006/07 eine einzige Demütigung: nur Platz 4, UEFA-Cup und keine Qualifikation zur Champions League.



Mittwoch, 9. September 2009
BVB – Bayern, Teil 1: Wenn Teenager zu Helden werden
Die Wochenenden, an denen die Nationalmannschaft um die EM- oder WM-Qualifikation kickt, sind in meinen Augen immer richtig erholsam. Doch wenn sie vorbei sind, freue ich mich wieder auf den wöchentlichen Bundesliga-Stress. Zumal am nächsten Samstag einer der Kracher der Saison auf dem Papier steht: Der BVB erwartet den FC Bayern München. In der Niemeier-Ära, als der BVB mit den Bayern sportlich auf Augenhöhe war, habe ich die Münchener gehasst wie keinen anderen Verein. Das hat sich etwas gelegt; ich jubele nicht mehr so laut, wenn Bayern in der Champions League ein Gegentor kassiert. Dennoch bieten die Duelle BVB gegen FCB immer noch viel Brisanz. Ein Rückblick auf sechs denkwürdige Spiele in Dortmund. Die ersten drei Geschichten gibt es heute; Fortsetzung demnächst in diesem Theater.

12.8.1978: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0 (1:0), 46 402 Zuschauer
Heute undenkbar – das Spiel war nicht ausverkauft, nur 46 402 Zuschauer füllten das Westfalenstadion, das zu diesem Zeitpunkt ein Fassungsvermögen von 54 000 Plätzen hatte. Aber das war Ende der siebziger Jahre, eine Zeit, in der der Fußball immer unansehnlicher wurde. Vielleicht waren manche Fans auch noch sauer auf das blamable 0:12 in Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag der Saison 77/78. Dortmund gewann an diesem ersten Spieltag 1:0 durch ein Tor von Manni Burgsmüller nach 32 Minuten, in Erinnerung blieb mir aber das phänomenale Debüt des damals 17jährigen Eike Immel im BVB-Tor, der die Bayern-Stürmer um den großen Gerd Müller zur Verzweiflung brachte. Doch Immel wurde später nach schwächeren Spielen wieder vom eigentlichen Stammkeeper Horst Bertram abgelöst, erst in der Saison danach wurde er die Nummer 1 im Dortmunder Gehäuse, später dann Nationalkeeper und endete dann irgendwann im Dschungel-Camp von RTL. Neben Immel und Burgsmüller kickten bei Borussia noch Spieler wie Huber, Theis, Segler oder Geyer. Beim Gast aus München ging die große Ära der Maier, Müller, Schwarzenbeck oder Hoeneß so langsam zu Ende, Franz Beckenbauer hatte den Verein schon 1977 in Richtung Cosmos New York verlassen.

1.8.1987: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:3 (0:1), 49 104 Zuschauer
Und auch neun Jahre später konnte man bei Gastspielen des FC Bayern noch problemlos seine Karte direkt vor dem Spiel erwerben, denn auch das 87-Gastpiel der Münchener war nicht ausverkauft. Im Stadion trugen fast nur Hardcore-Fans auf den Stehplätzen Trikot. Auf den Sitzplätzen sah man Fanfarben fast gar nicht, hier dominierte die „Nörgel-Fraktion“, die nur bei Erfolgen jubelte. Nach Jahren des sportlichen Niedergangs war die Saison 1986/1987 aus BVB-Sicht ein echter Hoffnungsschimmer, denn unter Trainer Reinhard Saftig qualifizierte sich das Team überraschend für den UEFA-Cup. So starteten die Westfalen mit viel Euphorie in die neue Runde – doch gegen den abgezockten Meister aus München gab es einen ersten Dämpfer. 3:1 gewannen die Bayern nach Toren von Michael Rummenigge, Roland Wohlfahrt und Lars Lunde, Frank Mill traf zum zwischenzeitlichen 1:2. Bei allen drei Toren sah BVB-Keeper „Teddy“ de Beer nicht besonders glücklich aus. Am Ende sicherte sich der BVB erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt, der FC Bayern aber in seiner ersten Saison unter Jupp Heynckes verpasste die Meisterschaft. Der Titel ging nach Bremen.

18.03.1998: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0 n.V (0:0, 0:0), Champions League-Viertelfinale, 48 500 Zuschauer
Es war das Jahr nach Ottmar Hitzfeld, der nach dem Triumph in der Champions League – und das ausgerechnet im Münchener Olympiastadion – den Trainerposten aufgab und BVB-Sportdirektor wurde. Der neue Dortmunder Trainer hieß Nevio Scala und mit ihm spielte Borussia eine enttäuschende Bundesliga-Saison. Die Helden von München waren in die Jahre gekommen und Einkäufe wie Harry Decheiver oder Manfred Binz halfen der Mannschaft auch nicht recht weiter. Nur in der Champions League konnte der BVB überzeugen. Im Viertelfinale traf man auf den alten Rivalen aus München, im Hinspiel erreichte Dortmunder mit sehr viel Glück ein torloses Unentschieden. Im Rückspiel lebte der alte Geist wieder auf, im Stadion herrschte die berühmte Gänsehaut-Atmosphäre, weil nicht nur die Süd, sondern alle Tribünen (bis auf die Bayern-Fans auf der Nord) das Team frenetisch unterstützte. Stephane Chapuisat erzielte in der 109. Minute das goldene Tor, das zum Weiterkommen reichte. Im Halbfinale war dann aber Real Madrid Endstation.
Bayern wurde zu dieser Zeit von Giovanni Trappatoni trainiert und der hatte kurz vorher seine berühmte Wutrede („was erlauben Strunz“) gehalten. Und besagter Thomas Strunz musste sich lange Zeit vor der Südtribüne warmlaufen. Es war ein wahres Spießrutenlaufen.