Dienstag, 25. August 2009
„Auf einsamer Höhe“ in Westdeutschland
Am Samstag beginnt die Große Woche 2009 in Baden-Baden. Was den Besucher alles an den sechs Renntagen auf dem Rennplatz in Iffezheim erwartet, darüber weiß GaloppOnline bzw. die Presseabteilung des Internationalen Clubs einiges zu berichten. nurpferdeundfussball blickt hingegen 35 Jahre zurück und bedient sich dabei eines Artikels der Wochenzeitung Die Zeit, die unter der Überschrift „Badener Rennwoche ein Erfolg“ auf die Große Woche des Jahres 1974 zurückblickt.
Dieses Jahr war ein ganz besonderes, nicht nur weil Deutschland zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister wurde. 1974 war der Große Preis von Baden-Baden, seit ewigen Zeiten der Höhepunkt des Meetings, so begehrt, dass 22 Pferde starteten und das Rennen in zwei Abteilungen gelaufen wurde. Die erste Abteilung gewann der Franzose Meautry, in der zweiten Abteilung triumphierte der damalige deutsche Derbysieger Marduk.
Autor W.F Kleffel berichtet von einer ebenso „großzügigen wie souveränen Entscheidung“ des Präsidenten des Internationalen Clubs, das Preisgeld auf eine halbe Million DM zu erhöhen und lobt, dass nach dem „Verlust von Berlin mit all seinen rennsportlichen Einrichtungen der Badener Rennplatz in dem noch verbliebenen westdeutschen Raum auf einsamer Höhe steht“.



Montag, 24. August 2009
Der Galopper der Woche: Borderlescott
Vor zwölf Monaten weinte er noch Tränen des Glücks, diesmal nahm es Trainer Robin Bastiman schon gelassener. Der von ihm trainierte 7jährige Wallach Borderlescott hatte zum zweiten Mal in Folge die Nunthorpe Stakes (Gr. I) über 1000 Meter gewonnen – diesmal in York, nachdem 2008 das Ebor Meeting dort wegen starker Regenfälle ausfiel und Newmarket in die Bresche sprang.
Zwei Dinge machen speziell die Rennen über die kurze Distanzen so populär beim englischen Publikum: In den Sprinterszene dominieren nicht die großen Ställe mit ihren teuren Vollblütern, oftmals sind dort kleinere Trainer mit nicht so blaublütigen Pferden erfolgreich. Sprinter sind zudem ähnlich wie Hindernispferde oft über einen längeren Zeitraum aktiv, das Publikum kennt und mag sie.
Robin Bastiman und Borderlescott passen in diese Kategorien. Bastiman trainiert etwa 20 Vollblüter in Cowthorpe, acht Meilen von der Rennbahn York entfernt. Keines seiner anderen Pferde hat nur annähernd die Klasse des Wallachs.
Borderlescott hat sich im Laufe der Jahre über die großen Sprint-Handicpaps in die Gruppe-Klasse gelaufen. 2006 gewann er zum Beispiel den Stewards Cup in Goodwood. Oft hatte er auch Pech, war knapp geschlagener Zweiter oder Dritter. Der Wallach ist unheimlich beständig, kennt eigentlich keine schlechten Rennen und ist natürlich der absolute Liebling im Bastiman-Stall.
„Das ist seine Zeit des Jahres“, meinte sein Trainer nach dem Sieg in York. „Es dauert zwar etwas, bis er fit ist, aber nun wird er besser mit jedem Rennen.“
Nur einer konnte sich am Ende nicht freuen: Pat Cosgrave, zuletzt fast immer Sattel von Borderlescott, unter anderem auch beim Gruppe I-Sieg in Newmarket. Diesmal ritt ihn Neil Callan. „Ich weiß, dass Pat darüber krank ist“, so Bastiman nach dem Rennen. Mit einem alten Pferd könne man aber drei Dinge machen, um es zu verbessern: Scheuklappen oder Visor anlegen oder aber die Hände wechseln, die reiten. „Wir haben die Hände gewechselt.“
Die Nunthorpe Stakes 2009 sowie alle anderen Rennen des famosen Ebor-Meetings kann man hier noch mal sehen.



Mittwoch, 19. August 2009
BVB und S04 - das geht gar nicht
Lieber Franz Müntefering,
schönes Interview, das Du der Bild am Sonntag gegeben hast. Ich darf Du sagen, ist doch bei den Genossen so Usus. Ein paar schöne Attacken gegen die Bundeskanzlerin in deren Hauspostille, so gehört sich das im Wahlkampf. Ganz großes Kino war auch, wie Du den Boulevard-Fuzzis prophezeit hast, dass der Abend des 27. September ein bitterer für diese wird.
Aber was lese ich da unten im Kasten bei Deinen Hobbys. Neben Lesen und Joggen magst Du Pils und Zigarillos und bist Fan von Schalke 04 und Borussia Dortmund. Wie bitte? Fan der beiden Erzrivalen im Ruhrgebiet – das geht gar nicht!
Nun gilt der Sauerländer ja gemeinhin als etwas dickköpfig, aber so was war mal höchstens in den 30er Jahren tolerierbar, als Schalke dem BVB sportlich meilenweit voraus war und die Schalker Meistermannschaft in Dortmund begeistert empfangen wurde.
Heute sind beide Vereine auf Augenhöhe, die Rivalität lässt sich auch durch irgendwelche Argumente pro Ruhrgebiet nicht wegdiskutieren. In Dortmund wird heute kein Schalker mehr freundlich empfangen. Weißt Du, lieber Franz, wann die Stimmung in Dortmund richtig überkocht, wenn das Spiel noch so müde ist? Wenn die Südtribüne „Schei…e 04“ anstimmt. Ich habe keine Ahnung, was der Erzrivale singt, weil ich die Turnhalle nicht besuche, aber dort wird es ähnlich sein, wenn der Schmähgesang gegen Schwarz-Gelb kommt.
Und wie ist das eigentlich beim Derby? Sagst Du dann, heute bin ich mal mehr Schalke, beim nächsten Mal wieder mehr für Dortmund. Wie war das denn beim berühmten Match im Mai 2007? Hast Du mit Dortmund gefeiert oder mit Schalke geweint? Das nächste Derby ist übrigens am Wochenende der Bundestagswahl.
Wählerstimmen bringt diese Haltung nicht. Kein Dortmunder Fan wählt jemanden, der Herne-Nord im Blut hat. Und kein Schalker stimmt für einen Politiker, der Fan des Vereines aus der Nähe von Lüdenscheid ist.
Wenn Du schon einen Verein zum Zweit-Fandasein suchst, dann nimm’ doch Schalke und Nürnberg. Oder Dortmund und Celtic Glasgow. Oder unterstütz’ Deine örtlichen Klub, den TuS Sundern. Der kickt in der Landesliga.