Samstag, 20. Juni 2009
Favoritenstürze und ein alter Herr trumpft auf - Royal Ascot live
15:10: Letzter Tag Royal Ascot, erstes Rennen sind die Chesham Stakes für Zweijährige über 1400 Meter, nach Einschätzung der Racing Post das schwächste Youngster-Rennen des Festivals. Gewettet werden die beiden Aidan O'Brien-Pferde Beethoven und Emperor Claudius, von drei Vertretern von Mark Johnston scheint Shakespearan laut Wettmarkt der stärkste zu sein. Unter 100 steht noch Aerodynamic, wenig Anklang findet bislang Honor in Peace von US-Trainer Wesley Ward.
15:35: Packender Endkampf im ersten Rennen, am Ende hat der vorher noch sieglose Big Audio mit Richard Hughes die Nase knapp vorn gegen Emperor Claudius aus dem O'Brien-Quartier, der vom letzten Platz angeflogen kam und 10 Meter weiter gewonnen hätte. Die Buchmacher können aufatmen, denn der Hannon-Schützling war kaum gewettet. Ein tolles Rennen lief zudem der Dritte, Party Doctor. Die beiden ATR-Experten schlagen vor, dass Richard Hannon endlich mal von der Queen geadelt wird.
15:55: Auf dem Papier sind die Hardwicke Stakes ein Rennen zwischen zwei Pferden: Campanologist und Doctor Freemantle. Gerard Butler, Trainer des Allwetterspezialisten Dansant, hat etwas Bedenken wegen der Startbox und des Bodens. Das Pferd sei allerdings gut in Form. Sohn Butler sagt allerdings, dass Dansant gewinnt. Ich wette mal Dettori, Godolphin und Campanologist, auch wenn ich mit den Königsblauen immer daneben liege.
16:10: Es reicht so langsam! Ausgerechnet Bronze Cannon aus dem Stall von John Gosden, der die gesamte Woche noch wirklich nichts gerissen hat, schlägt meinen Tipp Campanologist. Vor einem Monat wäre das noch umgekehrt ausgegangen....
Sohn Butler lag gar nicht so schlecht, aber eine Siegchance hatte Dansant wie der Favorit Doctor Fremantle nicht.
16:23: Trotz allem Frust: Es geht weiter und jetzt kommt das Rennen, das ich schon die ganze Woche erwarte. Gruppe 1, Golden Jubilee Stakes, 1200 Meter: Overdose und auch Takeover Target aus Australien sind zwar nicht dabei, doch internationale Pferde sind zuhauf am Start: J J The Jet Plane aus Südafrika, Sacred Kingdom aus Hongkong, Cannonball aus den USA oder der ungeschlagene Ialysos aus Griechenland, den jetzt Luca Cumani trainiert. Gerade lobt Cumani seinen neuen Schützling, weil er so gelassen ist und bei der Überfahrt aus Griechenland nicht erst DVDs geguckt habe, sondern sofort eingeschlafen sei. Griechenlands Turfstolz trifft hier aber ganz andere Gegner.
Ich bin ein großer Anhänger von J J The Jet Plane, der wahrscheinlich als Favorit startet. Bei meinem derzeitigen Glück bedeutet das, dass er knapp geschlagen wird.
16:55: "What a strange race": Nicht nur die ATR-Experten sind fassungslos, die Buchmacher werden sich freuen: Der 210:10 Außenseiter Art Connoisseur gewinnt die Golden Jubilee vor dem US-Herausforderer Cannonball und dem Riesen-Außenseiter Lessons in Humilitity aus dem Formstall von Karl Burke. All die gemeinten Pferde wie JJ The Jet Plane oder Sacred Kingdom waren geschlagen. Der Südafrikaner kommt dennoch als Hintergrundbild auf mein Handy.
Der Gewinner siegte zweijährig in überlegener Manier in den Coventry Stakes während Royal Ascot 2008 und da dachte man im Quartier von Michael Bell, Art Connoisseur sei ein Pferd für die 2000 Guineas. Die hochtrabenden Pläne realisierten sich nicht, das Pferd enttäuschte danach mehr oder weniger regelmäßíg. Und jetzt dieser Paukenschlag - die ältere Dame in den Pastellfarben verteilte höchstpersönlich die Ehrenpreise.
Cannonball als Zweiter war nur knapp geschlagen: Beim Dienstag über 1000 Meter war er noch outpaced, doch sein Quartier war absolut optimistisch und rechnete mit einem großen Lauf. Sie hatten Recht!
17:10: Geoff Lester erzählt gerade, dass das Wokingham eines seiner glücklichsten Rennen sei und ihm einst einen Urlaub in Lloret de Mar finanziert habe. Der Glückliche, aber eine Busreise nach Lloret per Bus gab es früher schon für 29 DM! 27 Pferde über 1200 Meter, das Wokingham ist eines der schwersten Rennen im britischen Turfkalender. Wer gewinnt? Keine Ahnung, meine Tipps Zidane und Evens and Odds sind mehr Verzweiflung als Wissen...
Die Favoritenrolle hält Jimmy Styles.
17:35: Endlich gute Laune bei Trainer William Haggas, nachdem diese Woche noch gar nichts lief: Mitfavorit High Standing, unter anderem angesagt von Racing Posts Pricewise, siegt knapp vor Godolphins Asset und Rock of Rochelle, allesamt mit hohen Startboxen. Zocker Harry Findlay freut sich wie ein Schneekönig, denn er ist Mitbesitzer. Das war definitiv kein Resultat für die Buchmacher. Meine Tipps laufen immer noch...
17:45: Zwei haben wir noch und jetzt geht es wieder über längere Distanzen. Die Duke of Edinburgh Stakes, ein Heritage Handicap, ist aber auch nicht leichter. Geld kommt für Young Mick, drei Pferde sattelt Mark Johnston. Meine Tipps verrate ich diesmal ncht...
Trainer William Haggas, gerade erfolgreich, nennt die vergangene Woche hochtraumatisch, verrät aber auch Big Fat John Mc Cririck nicht, wann seine wettfreudigen Besitzer den nächsten Coup planen.
18:05: Wenn man die Seuche hat, dann hat man die Seuche. William Buick fällt schon beim Start von meinem Tipp Hatton Flight, der ohne Reiter das Rennen gewinnt. Geht natürlich nicht, vorne sind Drill Seargent und Record Breaker aus dem Mark Johnston-Stall, beide stehen am Toto 150. Einen haben wir noch und dann ist dieses Martyrium zuende. 30. Sieg im übrigen für Mark Johnston bei Royal Ascot.
Aber nicht nur in Ascot triumphieren die Außenseiter, in Düsseldorf gewinnt eine sträflich unterschätzte Bella Platina aus dem Dortmunder Stall von Uwe Stoltefuß für Toto 180:10 das Listenrennen.
18:20: Ein Rennen steht noch an, die Queen Alexandra Stakes über weite 4370 Meter. Mein Tipp ist auch noch Mitfavorit, steht bei lächerlichen 40:10, am morgen wurde er noch für 80:10 gehandelt. Nicky Henderson sattelt auch den Ex-Deutschen Caracciola, zuletzt triumphaler Sieger in York und mit 12 Jahren das älteste Pferd, das jemals ein Listenrennen gewann.
18:40: Der alte Caracciola gewinnt zum Abschluss. "Er wird besser und besser mit 12 Jahren" meinen die Experten. Respekt! Mein Tipp war natürlich geschlagener Vierter. Zweiter Tyyrells Wood, Dritter Amerigo.
Das war Royal Ascot 2009. Wetttechnisch ein Desaster, die Pressetipps der englischen Zeitungen waren aber auch nicht besser.
Sportlich war es natürlich ganz großes Kino. Topjockey wurde Johnny Murtagh, obwohl er die letzten beiden Tage am Zaun stand.
Morgen gibt es Rennen in Dortmund, das wird entspannter. Der große Preis der Dortmunder Wirtschaft steht im Mittelpunkt und verspricht Einiges.



Donnerstag, 18. Juni 2009
Yeats schreibt Geschichte - Royal Ascot live
15:00: Es ist Ladies Day in Royal Ascot und es geht los mit den Norfolk Stakes (Gr. 2) für zweijährige Pferde. Im Blickpunkt steht das amerikanische Team um Trainer Wesley Ward und Jockey John Velasquez: Zwei ihrer Youngster haben schon gewonnen, jetzt soll Yogaroo folgen. Velasquez warnt aber: "Er ist sicherlich der Langsamste unserer vier Youngster."
Favorisiert dürfte Monsieur Chevalier sein, in vier Starts noch ungeschlagener Zweijähriger aus dem Stall von Richard Hannon. Timeform nennt noch Kingdom of Light und Tawaabb aus dem Stall von Mick Channon.
Frankie Dettori sagt im Interview, dass Opinion Poll im letzten Rennen sein bester Ritt des Tages ist.
15:25: Eigentlich werden nur zwei Pferde gewettet: Monsieur Chevalier (26) und Yogaroo (40). "Es fehlt Qualität", meint Experte Geoff Lester.
15:35: Das war nichts mit dem dritten Streich für Ward/Velasquez. Yogaroo sprang zwar schnell aus der Startmaschine, doch diesmal sorgte er nur für negative Schlagzeilen. Unter der Peitsche schwankte er nach rechts und behinderte den Favoriten Monsieur Chevalier und Radiohead. Doch während der Hannon-Schützling seinen Rythmus verlor, zog Radiohead noch einmal an und gewann sicher vor dem Außenseiter Reignier und Tawaabb. Cooler Ritt von Jamie Spencer, erster Sieg für Brian Meehan bei Royal Ascot 2009 nach der unglücklichen Niederlage von Delegator. 110 zahlte der Sieger.
15:51: Ribblesdales Stakes, Gruppe 2, 2400 Meter, dreijährige Stuten. Jason Weaver gefallen im Führring Annice Stellato und mein Tipp July Jasmine am besten. Gutes oder schlechtes Zeichen? Auf dem Papier ist July Jasmine nur die zweite Wahl aus dem Stoute-Stall, Stalljockey Ryan Moore sitzt auf Leocorno, einer Halbschwester von Golan und Tartan Bearer.
Take the Hint, sagt Geoff Lester, sei John Gosdens beste Chance auf einen Sieg in dieser Woche. Ansonsten nennen die beiden Experten noch Leocorno und die Godolphin-Stute Flying Cloud.
16:15: Aufatmen bei Goldolphin und Frankie Dettori. Flying Cloud beendete die Misere der Königsblauen und gewann überzeugend die Ribblesdale Stakes vor den Außenseitern Flame of Gibraltar und Uvinza. Flying Cloud lief zuletzt für Andre Fabre in Frankreich, 60:10 gab es für die Siegerin. Ansonsten lagen die Experten mal wieder daneben, Leocorna wirkte ziemlich one-paced, die Gosden-Stute Take the Hint enttäuschte ebenfalls. Mein Tipp July Jasmine wurde Fünfte, wirkte auch noch reichlich grün und ist eher ein Pferd für die zweite Saisonhälfte.
16:28: Gerade liefen auf ATR noch mal alte Gold Cups. Das waren noch Zeiten, als ich zweimal Royal Rebel zu dreistelligen Odds traf. Seitdem lief wettmäßig nicht mehr viel in dieser Steherprüfung.
Die Fragen aller Fragen natürlich im Gold Cup 2009: Gewinnt Yeats ein viertes Mal in Folge? Die Signale aus dem Ballydoyle-Quartier sind verhalten optimistisch, das Jahresdebüt in Navan war schwach. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die O'Brien-Galopper noch nicht richtig in Form und wenn es einer kann, seine Pferde auf die Minute zu vorbereiten, dann der irische Trainer.
Der große Gegner ist ebenfalls acht Jahre alt und laut Trainer Jamie Osborne in der "Form seines Lebens". In Sandown gewann der "alte Gauner beeindruckend", ich habe ihn auch gewettet.
Ziemlich ausgeglichen der Wettmarkt: Yeats (26), Geordieland (37), Patkai (45) und Veracity (75). Von den letzteren schätze ich Veracity stärker ein...
Geoff Lester vergleicht gerade Yeats mit Bruce Springsteen und Paul Ince und mag Patkai.
16:55: Johnny Murtagh reißt die Arme hoch, Ekstase im Ballydoyle-Camp, Riesengedränge im Absattelring: Yeats gewann zum vierten Mal in Folge den Gold Cup über lange 4023 Meter. "Unglaublich" meinen die ATR-Experten und wiederholen sich alle fünf Minuten. Johnny Murtagh, vor einigen Woche noch in Chester der Buhmann, als er einige Ritte versemmelte, sagte im Schlußbogen "Go" und Yeats löste sich mit alter Klasse. Die einzige Gefahr war Patkai, der bedrohlich nahe kam, doch Yeats zeigte den alten Kampfgeist und löste sich vom Stoute-Schützling.
Für Ryan Moore im Sattel von Patkai ist das königliche Meeting nicht unbedingt ein Ort der Freude. Zum fünften Mal belegte der Champion Platz 2.
Etwas enttäuschend lief Geordieland, der Dritter wurde, in der Geraden kurz behindert wurde und neu aufgenommen werden musste. Dennoch kam er nie in die Nähe des Triumphators.
17:15: Jetzt kommt das nächste Minenfeld für Wetter, das Britannia Handicap über die Meile. 30 Pferde gehen an den Start und die Suche nach dem Sieger ist Roulette. Einer muss gewinnen: Ich wette Mutamaashi mit Tadhg O'Shea, stark gefragt werden Brief Encounter, Roman Republic und Desert Creek.
Klatschnass ist Rockhampton, der Ritt von Johnny Murtagh.
17:35: Diesmal saß Richard Hills auf dem richtigen Hamdan al Maktoum-Pferd, der 230:10 Außenseiter Fareer gewann nach einem klugen Ritt des oft kritisierten Jockeys das Lotteriespiel Britannia Handicap vor Secred Society, Mirrored und Espiritu. Trainer Ed Dunlop feiert damit nach langer Zeit mal wieder einen Sieg auf dem königlichen Turf.
Die beiden Experten rätseln, wer die Dame ist, die die Trophaen überreicht: Modell oder Schauspielerin, Geoff Lester meint jemand von den Pussycat Dolls. Daneben! Es ist eine Radfahrerin, die eine Medaille in Peking gewann...
17:45: Die Hampton Court Stakes, ein Listenrennen über 2000 Meter, steht bevor. Und die Frage ist: Warum lässt Aidan O'Brien Freemantle, Zweiter in den Dante Stakes und der Derby-Tipp von Pricewise in der Racing Post, im Listenrennen über 2000 Meter laufen. Freemantle steht 20:10, ich gehe allerdings mit Four Winds aus dem Formstall von Michael Bell. Die Besitzerin ist die Queen, da wird die Bude beben, wenn ihre Farben vorne sind. Und vielleicht werde doch noch zum Monarchisten, nachdem mir Enharmonic in den 90er Jahren schon einmal einen meinen besten Wetterfolge beschert hat.
18:08: Stewards Enquiry, in Deutschland würde der Sieger Glass Harmonium definitiv rausfallen, denn er schwenkte zum einen über die halbe Bahn und behinderte mehrere Pferde. Kurz vor dem Finish kam es noch zu einem Kontakt mit dem Zweitplacierten Cashelgar. Die zwei ATR-Experten meinen, dass die Placierung unverändert bleibt, Jockey Ryan Moore allerdings eine Sperre für rücksichtslosen Reiten bekommen würde. Noch ein zweiter Platz für Moore - es wäre definitiv nicht der Tag des Champions.
Die Enttäuschungen waren der 21:10-Favorit Freemantle und mein Tipp Four Winds. Ich werde doch nicht zum Monarchisten.
Die Experten hatten recht: Das Ergebnis bleibt, Moore und Michael Stoute haben endlich ihren ersten Sieg.
18:25: Letztes Rennen und eigentlich das einzige, wo ich auf zwei Pferde richtig Lust habe: Chiberta King und Brunston. Schauen wir mal, ob sie einen schlechten Tag noch aufhellen können. Favorit im King George Handicap ist allerdings Zarinski aus dem Stall von Derbygewinner John Oxx, der Sohn von Aidan O'Brien reitet Johann Zoffany.
18:40: Es ist unglaublich und passt zu meinem Wetttag. Chiberta King wird Zweiter, geschlagen von einem 800-Schuss namens Cosmic Sun, einige Kilo aus dem Handicap. Wobei Jockey Paul Hanigan und Trainer Richard Fahey eine hervorragende Saison haben und es auch verdient haben. Völliger Schrott war allerdings der Ritt von Alan Munro auf Brunston, der im Mittelfeld unzählige Male den Weg versperrt fand.
Pferd des Tages ist natürlich der unglaubliche Yeats.



Donnerstag, 18. Juni 2009
Royal Ascot: Ein englisches Spektakel
Einmal im Jahr berichten auch Zeitungen über Galopprennen, die ansonsten diesen so großartigen Sport weitgehend ignorieren. Das ist meist Mitte Juni der Fall, wenn an fünf Tagen das königliche Rennfestival auf der Galopprennbahn im englischen Ascot stattfindet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Sport: Über die Ergebnisse der Rennen oder die sportlichen Höhepunkte der Woche erfährt der Leser jedoch so gut wie gar nichts im Sportteil seiner Tageszeitung.
Zielgruppe sind die Leute, die sonst Bunte, Gala oder Das Goldene Blatt konsumieren, meist kommt dabei ein Text der Rubrik Vermischtes wie dieser aus der Welt zustande, der von Klischees nur so strotzt. Vielleicht sollte jemand dem Autoren oder der Autorin auch mal erklären, dass beim Galopprennbahnen die Pferde nicht wie in der Formel 1 60 oder 70 Runden um die Bahn absolvieren müssen.
Die Rennen in Royal Ascot sind eben ein gesellschaftliches Ereignis, das wie Wimbledon und die Henley-Regatta zum Sportsommer der britischen Oberschicht gehört. Auf der Bahn in Berkshire treffen sich Alt- und Neureich (die in diesem Jahr weniger wegen Rezession und Finanzkrise). Es gibt einen strikten Dresscode, nirgendwo anders auf der Welt sieht man so viele Männer eingezwängt in Frack und Zylinder. Und natürlich geht es um den schönsten Hut und das schrägste Outfit bei den Ladies. Selbst die BBC hat zum Schrecken aller Rennsport-Anhänger einen Modeexperten in ihrem Team.
Damit sich nicht zu viele Plebs in den Oberschicht-Bereich verirren, sind die Eintrittspreise happig. Schlappe 56 Pfund kostete der Eintritt in den Tattersalls-Bereich am Royal Ascot-Mittwoch. Wer es billiger haben möchte, für den bleibt nur der eingezäunte Silver Ring. Für 16 Pfund Eintritt muss der Besucher allerdings mit einem Platz weit weg vom Geschehen und ohne Zutritt beispielsweise zum Führring zufrieden sein. England ist auf seinen Rennbahnen besonders im Süden immer noch eine Klassengesellschaft.


Edle Vollblüter vor vollen Rängen: Das ist Royal Ascot
Foto: Ascot

Ich selber würde nie auf die Idee kommen, mir die Rennen während Royal Ascot einmal live vor Ort anzuschauen, obwohl ich immer für englische Rennbahnen zu haben bin und auch schon in Ascot war. Das ist mir alles zu britisch – und scharf darauf, einer älteren Dame in Pastelltönen zuzuwinken, die vor den Rennen in einer Kutsche mit ihrem knorrigen Gatten die Runde macht, bin ich nicht unbedingt.
Die Rennen aber sind sportlich alle erste Güte, an den fünf Tagen trifft sich die Galoppsport-Oberklasse. Herausragende Leistungen gab es schon an den ersten beiden Tagen – so zum Beispiel die des australischen Sprinters Scenic Blast, der die King’s Stand Stakes über 1006 Meter souverän gewann. Ob das ungarische Wunderpferd Overdose eine Chance gehabt hätte? Schwer zu sagen, vielleicht hätten sie sich einen packenden Kampf geliefert.
Den gab es dann wirklich: In den St. James Palace Stakes (Gr.I) siegte der Ballydoyle-Schützling Mastercraftsman nach eben so einem packenden Zweikampf gegen Delegator. Die Pferde aus dem Stall von Aidan O’Brien zählen zwar zu den absoluten Blaublütern im Vollblutsport, allerdings besitzen viele von ihnen – erinnert sei an den großartigen Giant's Causeway – auch einen unbändigen Siegeswillen. Mastercraftsman passt in diese Kategorie: Wie er eine schon verloren geglaubte Partie noch umbog, das war spektakuulär.
Am zweiten Tag ging ein Hauptereignis, die Prince of Wales Stakes, an den Franzosen Vision D’Etat, der den favorisierten Tartan Bearer besiegte. Ohne Chance war Estejo aus dem deutschen Quartier von Ralf Rohne, der als Letzter über die Ziellinie kam.
Im Royal Hunt Cup, einem dieser wunderbar/fürchterlich schweren Handicaps, gewann seit Ewigkeiten mit Forgotten Voice mal wieder der Favorit.
Die Geschichte der ersten beiden Renntage schrieben allerdings zwei amerikanische Gäste: Trainer Wesley Ward und Jockey John Velasquez. Ward brachte nicht nur den Sprinter Cannonball (der chancenlos war) mit nach Europa, sondern auch mehrere Zweijährige, die zum ersten Mal in ihrem Leben statt Dirt-Track Gras sahen. Zwei liefen, zwei gewannen imponierend: Strike The Tiger und Jealous Again erwiesen sich als viel zu stark für ihre Gegner. Und morgen läuft der nächste Ward-Youngster.....