Hong Yong Jo, Ri Jun Il oder Ri Myong Guk – Namen, die in Europa kaum einer kennt. Vielleicht aber nach der Fußball-WM 2010 in Südafrika: Denn die drei Akteure spielen für Nordkorea, das sich jetzt zum zweiten Mal in seiner Geschichte durch ein 0:0 gegen Saudi-Arabien in Riad für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Schützenhilfe leistete ausgerechnet der feindliche Bruder aus Südkorea durch ein 1:1 gegen den Iran.
Aus dem abgeschotteten Reich des Diktators Kim Jong Il dringen ansonsten nur Horrornachrichten über Hungersnöte und Atomtests – wenn überhaupt – an die Öffentlichkeit. Zuletzt schickte das Regime zwei US-Journalistinnen in die gefürchteten Arbeitslager.
Nur im Fußball scheint sich das Land vorsichtig zu öffnen. Im Mai
gastierte die nordkoreanische Nationalelf erstmals seit der WM 1966 in Europa und traf in der Schweiz auf den Zweitligisten Concordia Basel. Die Transferrechte an den Spielern der nordkoreanischen Nationalmannschaft und Olympiaauswahl besitzt die Firma Friends of Korea, zu deren Inhabern unter anderem Concordias Präsident Stephan Glaser und der frühere Schweizer Erstligaspieler Kurt Messerli gehören. „Sie gelten als die Brasilianer Asiens“, sagt Messerli. Zwei Nordkoreaner kickten bereits in der letzten Saison bei Concordia.
Mitte Mai trainierten zwei 15jährige Nordkoreanerinnen, die im November 2008 mit der U17-Auswahl Junioren-Weltmeister wurden, beim deutschen Frauenfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam.
Das Regime in Pjöngjang habe eine Art Fußball-Armee aufgestellt, die die Fußball-Welt erobern soll,
sagt der ARD-Korrespondent Peter Kujath vorsichtig und nennt als Quelle eine kleine Wissenschaftsgemeinde, die sich mit allen Nachrichten aus Nordkorea intensiv beschäftigt. Denn auch Kujath selbst ist natürlich nicht vor Ort. Danach sollen die Frauen, die seit Jahren zur erweiterten Weltspitze gehören, bei der WM 2011 in Deutschland den Titel holen, die Männer sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren.
Die Männer haben ihren Auftrag erfüllt. Erstaunlicherweise setzt das erfolgreiche Team auch auf Legionäre: Hong Yong Jo spielt in Russland beim Aufsteiger FK Rostov, Jong Tae Se kickt in Japan und An Yong Hak ist sogar in Südkorea unter Vertrag.
Für manche Experten war die Qualifikation des Teams von Trainer Kim Jong Hun dennoch eine Überraschung. „Keine Infrastruktur, einfach nichts, zero. Einige Fußballspieler hatten keine Fußballschuhe und spielten in Mokassins“,
berichtete der Schweizer Trainer (und ehemalige BVB-Spieler) André Egli, der 2008 zwei Monate als Ausbilder in Nordkorea tätig war.
Beim einzigen Auftritt auf der Weltbühne des Fußballs sorgte das Land für viel Aufsehen: Bei der WM 1966 in England schlugen die Asiaten sensationell Italien mit 1:0 in der Vorrunde und scheiterten erst im Viertelfinale mit 3:5 (nach einer 3:0-Führung) an Portugal. Vier Mal traf damals der große Eusebio.
Nach dem zweiten Rennen: Hinten der Sieger Snooker, vorne der Viertplacierte Tamburini
Nach der Royal Ascot-Extravaganza war wieder Alltag angesagt: Mit dem Glamour und Spektakel des königlichen Rennfestivals kann die Veranstaltung im bodenständigen Westfalen natürlich nicht mithalten, aber immerhin gab es mit dem Großen Preis der Wirtschaft ein Gruppe III-Rennen und damit ein Highlight der Dortmunder Grasbahnsaison.
Schon seit Ewigkeiten kooperiert der Dortmunder Rennverein an diesem Renntag mit der Dortmunder Wirtschaft und der IHK; das heißt: die „wichtigen“ Personen aus Dortmund und Umgebung sind an diesem Tag präsent und wandeln mit buntem Bändchen, die den VIP-Status dokumentieren, über die Bahn.
Leider veranstaltet der Dortmunder Rennverein inzwischen nur noch zwei weitere Renntage auf Gras – Himmelfahrt mit dem Großen Preis der Stadtsparkasse und Anfang Oktober, wenn das klassische Deutsche St. Leger auf dem Programm steht. Das ist schade, denn ein Rennbahnbesuch ist natürlich im Sommer bei erträglichen Temperaturen viel angenehmer als im Winter bei Minusgraden.
Das erste Rennen des Tages verpasste ich allerdings. Es gab den erwarteten Doppelsieg des Gestütes Wittekindshof, das dem Dortmunder Rennvereins-Präsidenten Hans-Hugo Miebach gehört. Als ich dann endlich auf der Bahn ankomme, ist diese schon sehr gut besucht, obwohl die Wetterprognosen eher durchwachsen waren. Im Führring können die Besucher die Eventualquoten jetzt von zwei nagelneuen Flachbildschirmen ablesen, ein noch größeres Lob verdient der Rennverein jedoch für die exzellente Leinwand, die er wieder in Zielnähe aufgestellt hatte.
Das kompensiert wiederum etwas meinen Ärger, weil ich auf meinem Stammplatz – die Stufen der mittlere Treppe zur zweiten Tribüne, dort hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Bahn und ist fast auf Höhe des Zielpfostens – nicht stehen darf, weil dort beim letzten Renntag eine ältere Dame die Treppe heruntergestolpert sei und diese sich beim Rennverein beschwert habe. Seit 13 Jahren stehe ich dort - passiert ist noch nie etwas.
Hutfrei: die Wambeler Rennbahn
Im zweiten Rennen treffe ich den Sieger
Snooker und ärgere mich (aber nur leicht) darüber, dass ich den zweiten
Big Snow nicht mit in den Einlauf gepackt habe. Denn dieser machte im Führring von allen Pferden den besten Eindruck und wird von Ralf Suerland, dessen Vollblüter ich früher immer gerne gespielt habe, trainiert. Die Quote von 395:10 und ein schwaches Lebensdebüt sprachen gegen die Wette.
Leerer Favoritentank
Nach dem dritten Rennen ertönte die Sirene der Rennleitung, die den eigentlichen Sieger
Forvic später auf Rang 2 setzt, weil dieser die Favoriten
Kamikola behinderte. Die Entscheidung geht in Ordnung, ich wundere mich nur, wie unterschiedlich doch die Regeln im restlichen Europa sind. In England hätte Kamikola das Rennen nie am grünen Tisch gewonnen; Forvics Reiter wäre aber wahrscheinlich gesperrt worden.
Im vierten Rennen, einem Ausgleich III, wettete Turfdeutschland den Wittekindshofer
Next Style, trainiert von Lokalmatador Uwe Stoltefuß, auf 19:10 herunter. Der Bruder des Derbysiegers Next Desert war lange verletzt, lief dann nicht schlecht in einigen Altersgewichtsrennen, ohne jedoch zu gewinnen. Dennoch sahen ihn viele gut im Handicap untergekommen – dazu noch der Championjockey Andrasch Starke im Sattel, was sollte da noch schief gehen? Einiges, wie das Rennen zeigte – Starke ritt Desert Style sehr aggressiv von der Spitze aus und Mitte der Geraden war der Tank leer, die Gegner zogen mühelos vorbei.
Nunzio siegte, klug aus der Reserve geritten, vor
Warstein und
Indian Sun.
Spannend war es auch in der Wettchance, in der mein Tipp
Wildling mit einem Kopf vorne war, und so manches Ascot-Pech etwas kompensierte. Den zweiten Sieg für das Gestüt Wittekindshof holte dann überlegen die 15:10 Favoritin
Nina Celebre, als Tochter der Next Gina ziemlich blaublütig gezogen.
Dreijährige chancenlos
„Die 2000er Asse kommen“, hatte das Fachblatt
Sport-Welt vor dem Preis der Wirtschaft getitelt. In der Tat – es gab schon Jahre, da war das Rennen viel schlechter besetzt. Der Gruppe I-Sieger
Prince Flori, der noch ungeschlagene und wenig geprüfte
Obelisk, der Dubai-Erfahrene
Duellant, der letztjährige Seriensieger
Zaungast und die dreijährige Stute
Soberania mit entsprechenden Gewichtsvorteilen waren die Favoriten im 9er Feld (
Stella di Quattro war Nichtstarterin).
Am Ende durften die Wambeler Besucher mal wieder einen typischen Terry Hellier-Ritt bewundern, der aus hinteren Regionen an allen vorbeilief und im Ziel eineinviertel Längen Vorsprung vor Prince Flori hatte. Einlauf getroffen! Dritter wurde
Il Divo, Vierter der ewig unterschätzte
Lord Hill. Die Enttäuschungen hießen Soberania, Duellant und Obelix. Im Absattelring dikutierten Duellants Besitzerin Margot Herbert, Trainer Peter Schiergen und Jockey Andrasch Starke ziemlich intensiv, aus ihren Gesichtern war die Enttäuschung abzulesen.
Ganz anders natürlich die Stimmung im Lager von Zaungast, auch wenn Trainer Waldemar Hickst in Bremen weilte und Besitzer Jochen Ehrhardt auf dem Weg von Stuttgart nach Dortmund im Stau stecken bleib. Zufrieden waren auch die Verantwortlichen von Prince Flori, den Trainer Sascha Smrczek wieder eigenhändig in die Startbox führte.
Hans-Hugo Miebach und das Gestüt Wittekindshof legten zu den zwei Dortmunder Siegen noch einen drauf: Die Stute
Serienhoehe schlug die Hengste im Bremer Derby-Trial, ein Listenrennen und das Hauptereignis dort auf der Karte.
Es waren unglaubliche Szenen, die sich am letzten Donnerstag gegen 17 Uhr auf der englischen Rennbahn in Ascot abspielten: Gerade hatte
Yeats zum vierten Mal nacheinander den Gold Cup, das vielleicht wichtigste Rennen über lange Distanzen für Rennpferde,
gewonnen. Der Weg zurück zur Siegerehrung wurde zu einer wahren Tour des Triumphes. Jockey Johnny Murtagh riss immer wieder die Arme hoch, um ihn herum flossen die Tränen des Glücks. Es waren bewegende Momente: Über 60 000 Besucher auf der königlichen Bahn gaben dem Sieger, schrieb nicht nur die Boulevardzeitung
Sun am nächsten Tag in ihrer Printausgabe, „a real hero’s welcome“. Und selbst Leute wie mich, denen die Dominanz der Ballydoyle-Pferde manchmal ziemlich auf den Geist geht, riss diese Vorstellung von den Sitzen.
Ein achtjähriges Rennpferd namens Yeats schrieb mit seinem vierten Sieg in Serie Geschichte. Noch nie hat ein Pferd in 202 Jahren, in denen der Gold Cup schon gelaufen wird, so einen Erfolg geschafft.
Sagaro siegte in den
70er Jahren drei Mal hintereinander.
Kampfgeist, Speed, Härte – der vierte Triumph zeigte Yeats außergewöhnliche Qualitäten noch auf einmal auf beeindruckende Weise. Kurz vor Erreichen der Zielgerade drückte Murtagh auf den Knopf und sein Partner reagierte, löste sich von seinen Kontrahenten und war auf einmal vier Längen entfernt. Kurz sah
Patkai in der Geraden gefährlich aus, doch Yeats beschleunigte wieder und war am Ende dreieinhalb Längen vor dem Stoute-Schützling im Ziel.
„Ich hatte Bauchschmerzen den ganzen Morgen“, sagte nach dem Rennen Aidan O’Brien, Trainer des Ausnahmepferdes. „Ich dachte nicht, dass er gewinnen kann“, fürchtete er zugleich die Enttäuschung, wenn der Hengst verloren hätte.
Die Bedenken seines Trainers waren verständlich: Zuletzt in Navan kam Yeats als Sechster ins Ziel, 32 Längen geschlagen.
War es sein letzter Gold Cup? „Ehrlich, ich habe Angst, ihn noch mal laufen zu lassen“, meint O’Brien. Als National Hunt-Stallion prognostizieren Yeats viele eine große Zukunft. Es wäre ein würdiger Abschied - nach 24 Starts, 15 Siegen und rund 1,3 Millionen Pfund, die der Achtjährige in seiner Karriere eingaloppierte.