Samstag, 2. Mai 2009
Sea The Stars triumphiert in den englischen 2000 Guineas
Irischer Erfolg in den englischen 2000 Guineas in Newmarket: Sea The Stars (Jockey Mick Kinane/Trainer John Oxx) gewann den erster Klassiker der Flachsaison über 1600 Meter sicher mit eineinhalb Längen Vorsprung vor dem 40:10-Favoriten Delegator (Brian Meehan/Jamie Spencer) und Gun Amhras (Jim Bolger/Kevin Manning). Vierter wurde Rip Van Winkle (Johnny Murtagh/Aidan O’Brien). Damit belegten drei in Irland trainierte Pferde die ersten vier Plätze. Pech hatte mein Tipp Evasive (Ryan Moore/Sir Michael Stoute), der kurz von Delegator behindert wurde.
Der Sieger, der im Besitz von Christopher Tsui steht, galt zumindest als chancenreicher Außenseiter und zahlte 90:10. Für den Oxx-Schützling war es der erste Jahresstart, zweijährig war er zuletzt in den Beresford Stakes (Gr. II) auf der Rennbahn The Curragh erfolgreich.
Er ist ein naher Verwandter des Derbysiegers Galileo, die englischen Buchmacher machten Sea the Stars zum Favoriten für das Epsom-Derby Anfang Juni.
John Oxx ist einer der erfolgreichsten irischen Trainer, stand aber in den letzten Jahren deutlich im Schatten der mächtigen Ballydoyle-Organisation. Zum ersten Mal gewann er die englischen 2000 Guineas.
Jockey Mick Kinane ist eine der Veteranen der internationalen Jockey-Szene. Seine letzten Erfolge in den englischen 2000 Guineas liegen schon etwas zurück: 1998 steuerte er King of Kings (Trainer Aidan O’Brien) zum Sieg, 1997 siegte er mit Entrepeneur für Trainer Michael Stoute.



Samstag, 2. Mai 2009
Von „Unverlierbaren“ und verpassten Treffern
Feiertag und bestes Wetter – es war mal wieder Zeit für Rennbahn live. Am 1. Mai laufen die schnellen Pferde am Mülheimer Raffelberg. Also ab in den Regionalexpress bis Dusiburg Hauptbahnhof und dann mit der Linie 901 Richtung Rennbahn. Die Anfahrt war erstaunlich problemlos – außer einem kleinen Umweg im Duisburger Hauptbahnhof auf dem Weg zur U-Bahn.
Neun Rennen, davon ein Rennen für Araber-Pferde, standen auf dem Programme. Höhepunkt des Tages war das „73. Silberne Band der Ruhr“, ein Listenrennen über die lange Distanz von 2950 Metern.
Früher war ich häufig in Mülheim, gerade zu den Terminen am 1. Mai und im Juni, wenn der Preis der Diana, das Stutenderby gelaufen wurde. Mein letzter Besuch war allerdings 2003. Gründe für diese Abstinenz gibt es mehrere: Einer war, dass die Rennen immer schlechter wurden. Veranstaltungen mit einem Ausgleich 3 als sportlichen Höhepunkt kann ich auch in Dortmund auf der Sandbahn erleben, dafür muss ich nicht nach Mülheim.
Wie fast allen Rennvereinen geht es auch den Mülheimern wirtschaftlich schlecht. So veranstaltet man 2009 nur drei Renntage – in den besten Jahren waren es mehr als zehn.
Böse Stimmen sagen ja, dass der Niedergang mit dem Abgang des Kratz-Bratwurstwagens begann und manche die Bahn lieber ganzjährig als Golfkurs sehen.
Kratz ist wieder da und auch sonst lohnt sich der Besuch. Natürlich könnte man die Tribünen mal renovieren, wirkt das Ganze etwas Basic. Dafür hat der Besucher den Vorteil, dass das ganze Schickimicki-Pack wie beispielsweise in Düsseldorf fehlt und er nicht permanent in irgendwelche VIP-Zelte stolpert. Und dass die Bahn von den Zuschauern angenommen wird, zeigte der Massenbesuch am Maifeiertag. Der Umsatz war laut GaloppOnline allerdings weniger erbaulich.
Sportlich blickte alles auf Valdino, unter anderem Sieger im klassischen St. Leger und im letzten Jahr das dominierende Pferde auf Steher-Distanzen. Nicht überraschend ging der Wallach als 14:10 Favorit ins „Silbernen Band der Ruhr“, auch wenn der gute Boden nicht nach seinem Geschmack war. Doch es bewahrheitete sich mal wieder die alte Turfweisheit, dass es keine „Unverlierbaren“ gibt. Der Schützling von Uwe Ostmann war Mitte der Geraden geschlagen. Es siegte Flamingo Fantasy (Trainer Waldemar Hickst) nach einem typischen Terry Hellier-Ritt auf Warten, etwas was er meisterhaft beherrscht.
Ich hatte Valdino mit dem polnischen Derbysieger Ruten im Einlauf kombiniert, weil das Ostmann-Pferd natürlich mit auf den Schein musste und mir bei Ruten die gute Zeit, die er in Warschau über 2800 Meter lief, aufgefallen ist. Zudem stimmte die Form von Trainer Ändreas Löwe an diesem Nachmittag. Der polnische Import, ein ziemlich massiger Schimmel, enttäuschte auch nicht und wurde Zweiter vor Free Minded.
Was gab es noch? Lydia Lammers ritt Download ziemlich cool im Ausgleich 3 nach Hause. Dazu ein Wettgewinn, der sich ankündigte: : Im ersten Rennen war mein Tipp Vierter, im zweiten Rennen spielte ich eine Kombizweierwette mit Dwemira und Scandera (sah aus wie ein National Hunt-Steepler), sie wurden Dritter und Vierter. In Rennen 3 war ich Erster und Dritter, bevor es dann 4. Rennen endlich so weit vor: Bolivia vor Night of Magic, Treffer.
Der Preis des „Golfclub Mülheim-Raffelberg“ für dreijährige sieglose Stuten war der heimliche Höhepunkt der Veranstaltung, denn hier dürften einige sehr gute Pferde gelaufen sein. Nicht nur die Siegerin (wieder mit Terry Hellier im Sattel, diesmal aber vorne) gefiel.
Und dann gab es noch den „Preis der Seven Gastro“, ein Ausgleich 4 über 1600 Meter, Kategorie F, GAG +6 – also ein Rennen für ganz schlechte Pferde. Formpferde waren natürlich Mangelware und irgendwie gefiel mir keiner: Princess Dragon stand zu tief am Toto und so etwas gewinnt nicht in dieser Klasse. Fortuity besitzt eigentlich eine gute Abstammung, mit Jan Pubben einen cleveren Trainer, aber die Formen – katastrophal. Also lautet die Entscheidung: keine Wette. Am Ende gewann Fortuity völlig überlegen zum Toto von 98:10. Selbst Rennbahn-Kommentator Manfred Chapman war sprachlos.



Donnerstag, 30. April 2009
Cheerleader der Buchmacher
Es gab Zeiten, da hatte die englische Fachzeitschrift Racing Post für mich quasi den Status einer Bibel des Rennsports. Eine Samstag ohne Racing Post ging gar nicht, zumindest im Bereich Pferderennen habe ich damals jede Zeile gelesen. Die Lektüre war oft abendfüllend, verbunden mit einigen Weißbieren und lauter Musik war das eine sehr angenehme Art, den Abend zu verbringen.
Die Zeitung war aber auch völlig anders als das, was ich bislang zum Thema Pferderennen kannte. Na gut, zu diesem Zeitpunkt kannte ich eigentlich nur die deutsche Sport-Welt. Die war damals in Inhalt und Layout ziemlich hausbacken, verpasste fast jede gute Story und war in Sachen Wetttipps wenig hilfreich.
Die Post hatte hingegen Kolumnen wie „Pricewise“, in der nicht die 20:10 Favoriten angesagt wurden. Oder Korrespondenten in Lambourn, Newmarket oder in Nordengland, die Tipps aus den Trainingsquartieren lieferten. Allerdings: Fast nie gab es Kritik an Jockeys oder Trainern nach schlechten Rennen. Die Racing Post fühlte sich als Teil der großen Turfgemeinde und da kritisiert man nicht die Protagonisten, weil man ja auch zukünftig „zusammenarbeiten“ möchte.

Bissige Kolumnisten
Für andere Töne sorgten einzelne Kolumnisten, die sich das Blatt gönnte. Einer war Derek Mc Govern, spezialisiert auf Sportwetten und ein ziemliches Großmaul. Pferderennen interessierte ihn weniger, dafür war Fußball sein Metier. Mc Govern beschimpfte regelmäßig die Buchmacher, die auch damals schon die wichtigsten Anzeigenkunden waren, und lag mit seinen Voraussagen meist falsch. Weil er aber permanent provozierte, waren seine Kolumnen richtig spannend. Irgendwann hatten die Anzeigenkunden wohl doch die Nase voll, die Kolumne verschwand aus dem Blatt. Mc Govern arbeitet heute regelmäßig für die Boulevardzeitung Mirror, seine Texte dort sind nur ein schwacher Abklatsch der Pamphlete in der Post.
Regelmäßig in der Samstags-Ausgabe schrieb auch Paul Haigh, seit 1993 Kolumnist und seit dem Start der Racing Post im Jahr 1986 mit an Board. In seinen besten Texten war er witzig, geistreich und beleuchtete oftmals Dinge aus einer Sicht, die man nicht unbedingt in einer Wettzeitschrift erwartete. Allerdings schwankte die Qualität; an schlechten Tagen waren seine Kolumnen wirr und witzfrei.
Am besten war Haigh, wenn er englische Institutionen wie Royal Ascot oder das Grand National attackierte. Er war nie ein großer Freund von Hindernisrennen; Top-Flachrennen wie das King George, den Arc oder die Rennen um den Breeders Cup waren sein Metier. Zudem mochte er keine Buchmacher, die seiner Meinung nur vom Sport profitierten, aber nichts für diesen taten. Haigh bevorzugte ein staatliches System wie in Frankreich oder Deutschland, dessen Erlöse wieder in den Rennsport fließen.
Im Laufe der Jahre wurde die Racing Post allerdings langweiliger – ohne das sie richtig schlecht wurde. Auch Haigh hatte viel von seinem Biss verloren.

Nachgetreten
Später verlor ich die Printausgabe etwas aus den Augen, weil ich in Orten lebte, in denen es unmöglich war, eine Racing Post zu erwerben. Online habe ich das Angebot zwar intensiv genutzt, die Zeitung sah ich nur, wenn ich mal wieder in Dortmund war.
Dennoch hat mich die Nachricht überrascht: Paul Haigh hat im März nach 23 Jahren seine Tätigkeit bei der Post beendet und zum Abschluss einen bitterbösen Brief an Alan Bryne, früherer Chefredakteur und jetziger Chief Executive, verfasst.
Dort schreibt Haigh, dass er sich inzwischen schäme für das Blatt zu arbeiten, weil es seit einiger Zeit nur noch eine „cheerleading tip sheet“ (wie übersetzt man das jetzt: einpeitschendes Wett Blatt) sei. Haigh: „Die Inhalte von Englands einziger Racing- und Sportzeitung werden nun komplett von den wesentlichen Anzeigenkunden (den großen Buchmachern) diktiert.“ Fast alle Rennmedien seien nun unter der redaktionelle Kontrolle der Buchmacher, weil deren Anzeigen überlebensnotwendig seien.
Dabei könnte die Post wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie sich gelegentlich weigern würde, die Wünsche der Anzeigenkunden zu erfüllen. Sie könnte sogar neue Leser gewinnen und den Auflagenrückgang stoppen, behauptet Haigh. Im Februar 2009 verkaufte die Racing Post durchschnittlich 55054 Exemplare am Tag, im März 2005 waren es noch 93551.
Racing Post Chefredakteur Bruce Millington weist diese Vorwürfe natürlich zurück. „Wir haben immer noch die gleichen redaktionellen Grundsätze seit dem Start vor fast 23 Jahren“, so Millington. Die Racing Post sei immer ein Blatt für den Wetter gewesen und werde dies auch zukünftig sein.