Borussia, Hennessy und Sangfroid
Wochenende und Sonnenschein: Gut gelaunt geht es heute Nachmittag ins Stadion, in Dortmund sagt keiner Westfalenstadion geschweige denn Signal-Iduna-Park. Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV vor ausverkauftem Haus, die große Mehrheit der 80 552 Zuschauer hofft natürlich, dass der BVB seine goldene Serie fortsetzt und zum fünften Mal in Folge gewinnt. Der 1:0-Erfolg gegen Bremen in einem echten „Schweinespiel“ Ende März war die Wende.
Dabei bleib es im sonst oftmals hektischen Umfeld des BVB erstaunlich ruhig, als es nicht lief. Zumal die Mannschaft auch nur einmal verlor, aber sechsmal Remis spielte. Lieber freute man sich in Dortmunder Fankreisen am damaligen Elend des Erzrivalen aus Gelsenkirchen. Leider punkten die Konkurrenten um einen internationalen Wettbewerb auch derzeit alle. Der Hamburger SV hat sogar noch Ambitionen auf den Titel; kann sich jetzt aber auf Bundesliga und UEFA-Pokal konzentrieren. Beim Pokalaus gegen Werder Bremen wirkten die Hamburger ziemlich ausgelaugt; die 120 Minuten gegen den Nord-Erzrivalen dürften zusätzliche Reserven beansprucht haben.
Ex-Borusse Mladen Petric ist verletzt und wird nicht spielen. Guy Demel, ein anderer ehemaliger Dortmunder, ist noch fraglich. Und ob es zum Bruderduell zwischen Kevin Prince (BVB) und Jerome Boateng (HSV) kommt, steht noch in den Sternen, weil der ältere Boateng wahrscheinlich auf der Dortmunder Bank sitzt.
Auf dem Weg Richtung Stadion lege ich einen kurzen Boxenstopp beim Buchmacher meines Vertrauens ein, um zwei Siegwetten und eine Siegschiebe zu placieren. Denn im englischen Sandown Park steht ein hochinteressanter Renntag mit vier Flach- und vier Hindernisrennen an. Das Meeting auf der Bahn in der Nähe von London bildet traditionell den Abschluss der National Hunt-Saison, die aber schon morgen wieder in Ludlow und Wetherby beginnt.
Um 16 Uhr 10 deutscher Zeit laufen 15 Pferde im
Gold Cup Chase, einem Grade3-Rennen über 5934 Meter. Mein Tipp ist
Hennessy mit Championjockey Tony Mc Coy im Sattel. Zweite Siegwette des Tages ist
Sangfroid (Jockey Daryl Jacob/ Trainer Nick Williams) im dritten
Rennen um 15 Uhr 05, ein Handicap über Hürden über 3923 Meter. Weitere Höhepunkte des Programms sind die Mile (Gruppe 2, mit
Forthe Millionkiss aus dem Stall von Uwe Ostmann, der allerdings krasser Aussenseiter ist) sowie die Gordon Richard Stakes (Gruppe 3) über 2000 Meter. Hier feiert
Tartan Bearer, im letzten Jahr Zweiter im englischen Derby, sein Comeback.
Nachtrag 27. April
Treffer: Sowohl Sangfroid (130:10) und Hennessy (75:10) haben gewonnen. Und auch der BVB bleibt in der Erfolgsspur durch ein ungefährdetes 2:0 gegen den Hamburger SV.
Ein Ausnahmetalent wird erwachsen
Ich gebe es zu: Meine Skepsis war groß, ob Nuri Sahin in Dortmund den endgültigen Durchbruch schafft. Zu groß waren bei allen genialen spielerischen Fähigkeiten die Defizite in Sachen Schnelligkeit und Zweikämpfstärke. Noch beim Rückrundenauftakt gegen Leverkusen, als der 20jährige völlig neben der Spur war, habe ich gedacht: Er packt es nicht, das geht ihm alles zu schnell. Falsch: Seit Wochen gehört Sahin zu den Besten im BVB-Team und ist eine feste Größe im Konzept von Jürgen Klopp. Eine bemerkenswert gute
Geschichte über das einstige Ausnahmetalent hat Sascha Fligge, Sportredakteur der Ruhr-Nachrichten, geschrieben. Eine Quintessenz des Textes: Gute Trainer erkennen das Potenzial eines Spielers und finden Wege, seine Defizite zu beseitigen. Schlechte Trainer schicken ihn einfach weg….
Overdose verzückt weiter die Turfwelt
Es war wieder ein Sieg mit dem berühmten „Finger in der Nase“:
Overdose mit Christophe Soumillon distanzierte beim
Saisondebüt auf der Rennbahn Kincsem Park in Budapest seine Gegner im OTP Cup um acht Längen. Damit bleibt der vierjährige Sohn von Starborough auch nach dem zwölften Start noch ungeschlagen.
In Ungarn nimmt der Hengst schon den Status eines galoppierenden Volkshelden ein. „Ein Leuchtfeuer der Hoffnung in harten wirtschaftlichen Zeiten in Ungarn“, beschrieb ihn die Racing Post fast schon poetisch. Mit dem legendären Seabiscuit vergleicht ihn die amerikanische
New York Times. Selbst einen eigenen
Fanclub hat der Galopper.
20 000 Zuschauer – laut Racing Post die höchste Besucherzahl auf einer ungarischen Rennbahn seit 36 Jahren – waren im Kincsem Park, benannt nach der ungarischen Wunderstute. Mehr als ein Drittel (!) der ungarischen Bevölkerung sahen das Rennen im Fernsehen.
Overdose, trainiert von Sandor Ribarszki und im Besitz von Zoltan Mikoczy, wird im Mai nach England kommen und soll in den Temple Stakes in Haydock starten. Danach stehen die zwei Sprint-Grupperennen während Royal Ascot und der July Cup in Newmarket auf dem Programm. Und auch ein Start in der Goldenen Peitsche in Baden-Baden ist möglich.
In Royal Ascot könnte Overdose auf
Takeover Target treffen. Der australische Sprinter, trainiert von Joe Janiak, befindet sich in blendender Form und gewann zuletzt ein Gruppe1-Rennen über 1200 Meter in
Randwick Park. Der inzwischen 10jährige gehörte in den letzten Jahren in Royal Ascot quasi zum Inventar: 2006 siegte er in den King’s Stand Stakes (Gr.2) über 1000 Meter, im letzten Jahr war er Zweiter im gleichen Rennen und Vierter in den Golden Jubilee Stakes (Gr.1) über 1200 Meter.
uknig22 am 23. April 09
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„Blaublut“ droht die vierte Liga
2008 arbeitete ich ein halbes Jahr in der Umgebung von Stuttgart. An den Wochenenden, die ich in Stuttgart blieb, spielten meist die Stuttgarter Kickers in der damaligen Regionalliga Süd daheim. Das war zwar kein Ersatz für den BVB, aber irgendwie gefielen mir die Blauen, ihr kleines nettes Stadion und ihre Eigenarten. Die rote Wurst hieß Stadionwurst, weil Rot die Farbe des großen Lokalrivalen VfB unten aus dem Tal ist. Und mit Bashiru Gambo trug auch jemand das hellblaue Trikot, der früher mal in Dortmund beim BVB kickte.
Die Kickers kämpften zu diesem Zeitpunkt verzweifelt um einen Platz in der neuen 3. Liga. Nach einer verpatzten Hinrunde war die Lage alarmierend; ein Abstieg in die Viertklassigkeit gefährde den finanziell schon fast traditionell klammen Verein existenziell, prophezeite der Vorstand.
Mein erster Besuch endete mit einer deprimierenden Niederlage gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München, ohne das der Bayern-Nachwuchs groß überzeugte. Die Kickers spielten grottenschlecht; wie ein Team, das sich schon längst aufgegeben hatte. Die schwäbische Fußballseele kochte und trauerte zugleich – zumindest die Anhänger, die die Farbe Blau im Herzen hatte. Und wenn der bedächtige Schwabe mal zu Extremen neigt, dann muss die Lage schon verzweifelt sein. Den meisten Stuttgartern war die Lage der Kickers allerdings ziemlich egal. Doch die Mannschaft kämpfte sich heran, bot gegen Aalen und Unterhaching zwei sehr gute Heimspiele und qualifizierte sich am Ende in einem Herzschlagfinale für die 3. Liga
Knapp ein Jahr später ist die Stimmung wieder auf dem Siedepunkt. Dem Traditionsverein droht die Viertklassigkeit. Nach 32 von 38 Spieltagen liegen die Kickers auf dem 20. und letztem Platz, zum rettenden 17. Platz fehlen bereits acht Punkte. Nach dem 0:1 gegen den Mitkonkurrenten Wuppertal sprach Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum vom „gefühlten Abstieg“.
Mit dem
Slogan „Blaublut braucht dein Herzblut“ (
so ein Schwachsinn kann auch nur von einer Werbeagentur kommen) wollten die Stuttgarter noch einmal ihre Fans mobilisieren. Doch denen fehlt nach der schwachen Saison wohl der Glaube: 2 600 Zuschauer und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger erlebten eine weitere Katastrophenleistung der Heimmannschaft.
Irgendwie sind die Blauen nie in der Liga angekommen. Woran es lag? Keine Ahnung, aus der Ferne ist das nur schwer zu analysieren. Von Beginn an stand das Team fast immer auf einem Abstiegsplatz, die Bilanz: fünf magere Siege, 10 Unentschieden und 17 Niederlagen. Im September 2008 musste Trainer Stefan Minkwitz gehen, sein Nachfolger Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt ereilte Mitte des Monats das Aus. Rainer Kraft soll jetzt das Wunder schaffen und den Absturz der Blauen, die immer noch in der ewigen Tabelle der zweiten Liga auf Platz 3 liegen, in die Regionalliga verhindern.
uknig22 am 22. April 09
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