Saisonauftakt auf der Rowley Mile
Der Ort atmet Tradition, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht: Das Städtchen Newmarket in der englischen Graftschaft Suffolk, ca. 110 km nordöstlich der Hauptstadt London, zählt rund 15 000 Einwohner und wäre doch ohne schnelle Vollblüter ziemlich bedeutungslos.
Bereits im Jahr 1665 fand in Newmarket das erste Pferderennen nach Regeln statt. Seitdem dreht sich in dem Ort vieles um Pferde; ein Großteil der Einwohner hat beruflich irgendetwas damit zu tun. Wem also in Newmarket auffällig viele kleine, drahtige Menschen begegnen - nicht wundern, es könnten Jockeys sein.
Auf dem Newmarket Heath werden zahlreiche Vollblüter vorbereitet, viele bekannte Trainer wie Henry Cecil, Sir Michael Stoute oder Saeed bin Suroor, der die Godolphin-Pferde trainiert, sind hier ansässig. Ebenso hat der 1750 gegründete Jockey-Club in Newmarket seinen Sitz.
Zwei Rennkurse, die etwas außerhalb des Ortes liegen, gibt es. Im Sommer werden die Rennen auf dem July Course gelaufen, die großen Meetings im Frühjahr und Herbst finden auf der Rowley Mile statt. Beide Kurse sind nicht die üblichen Rundbahnen, in Newmarket geht es auf beiden Bahnen immer nur geradeaus.
Für viele Turffreunde startet die englische Flachsaison erst richtig mit dem Craven-Meeting auf der Rowley Mile, das heute beginnt. An zwei Tagen stehen mit den Craven Stakes, den Earl of Sefton Stakes und den Nell Gwyn Stakes drei Gruppe 3-Rennen sowie drei Listenrennen auf den Programm. Dazu gibt es mit der 400 000 Tattersalls Trophy ein hochdotiertes Rennen für den klassischen Jahrgang sowie zahlreiche sehr gut besetzte Sieglosenrennen, in denen oftmals sehr veranlagte Pferde ihr Debüt auf der Rennbahn feiern.
Im Blickpunkt stehen die dreijährigen Hengste und Stuten. Die Rennen sind eher etwas zum Zuschauen als zum Wetten. Das liegt daran, dass die Saison gerade beginnt und viele Pferde ihre volle Leistungsstärke noch nicht erreicht haben. Außerdem sind die zahlreichen Debütanten aus den großen Ställen naturgemäß sehr schwer einzuschätzen.
Free Handicap und Craven Stakes gelten als Vorbereitungsrennen zu den 2000 Guineas am 2. Mai, dem ersten Klassiker der ersten Saison. Allerdings: In den letzten Jahren spielten die Sieger aus Free Handicap und Craven Stakes im Klassiker keine Rolle.
uknig22 am 15. April 09
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Der Galopper der Woche: Quamun
„So ganz kann ich den Hype um diesen Hengst nicht verstehen, aber das liegt wohl an seiner Abstammung“, zeigte sich Trainer Andreas Wöhler bei der „Stallparade“ der Fachzeitschrift
Sport-Welt noch etwas skeptisch. Der dreijährige Hengst
Quamun aus dem Gestüt Fährhof hatte über Winter den Derby-Wettmarkt beim Internet-Buchmacher
RaceBets.com aufgemischt. Gab es zu Beginn noch 400 Euro für 10 Euro Einsatz, stand er zuletzt bei 100:10 – obwohl der Hengst noch kein einziges Rennen gelaufen war.
Der dreijährige Monsun-Sohn stammt aus der Ausnahmestute
Quebrada, die unter anderem in den deutschen 1000 Guineas erfolgreich war. Eine noble Abstammung garantiert aber längst noch keine erfolgreiche Rennkarriere.
Der Ernst des Lebens begann für den Hengst am Ostermontag im Preis der Niedersächsischen Wach- und Schließgesellschaft auf der Galopprennbahn in Hannover, einem Rennen für dreijährige sieglose Pferde über 2000 Meter. Die Wetter favorisierten
Precioso aus dem Schiergen-Stall mit 19:10, der Wöhler-Schützling notierte bei 21:10.
Doch Quamun machte seinem guten Namen alle Ehre: Mit viel
Schwung zog er zu Beginn der langen Zielgerade am führenden Precioso vorbei und beschleunigte auf eine Art, wie es nur Klassepferde können. Am Ende hatte der Fährhofer vier Längen Vorsprung und siegte, ohne dass ihn Jockey Eduardo Pedroza groß fordern musste.
Was der Erfolg wert ist, wird sich zeigen. Für das Derby habe ich mütterlicherseits etwas Bedenken, was das Stehvermögen betrifft. Quebrada war zwar Zweite im Preis der Diana über 2200 Meter, zeigte aber ihre beste Formen auf Distanzen bis zur Meile. Die Besucher in Hannover erlebten jedenfalls ein spektakuläres Debüt, das für die Zukunft viel erwarten lässt
uknig22 am 14. April 09
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Die Zeit der großen Hoffnungen
Heute Bremen, Samstag Leipzig, Sonntag Düsseldorf und Hoppegarten, Montag Köln, Hannover, München und Saarbrücken – über die Osterfeiertage nimmt die Grasbahnsaison im deutschen Galoppsport endgültig Fahrt auf. Es ist die Zeit, in der die Hoffnungen bei Besitzern, Trainern und Jockeys blühen.
Gerade gewann zum Beispiel Wiener Walzer, ein dreijähriger Hengst aus dem berühmten Gestüt Schlenderhan, ein Sieglosenrennen in Bremen. Ziemlich souverän, die Fachpresse wird wahrscheinlich schreiben „in zukunftsträchtiger Manier“. Die Hoffnung schwingt mit bei jedem Sieg in einer Prüfung für den klassischen Jahrgang. Vielleicht ist der junge Vollblüter ja zu höheren Weihen berufen, hoffen Trainer und Besitzer und träumen vom Derbysieg.
Die Dreijährigen-Rennen sind das Salz in der Suppe früh in der Saison – auch für den Wetter. Doch wie gut sind die Pferde, die oftmals ihren ersten Lebensstart absolvieren? Und jetzt kommen die Stallparaden der Fachzeitschrift Sport-Welt ins Spiel.
Los geht es meist Mitte Januar. Dann besuchen die Redakteure und Mitarbeiter die Trainer und stellen danach jedes Pferd einzeln vor. Früher galt: Besucht wird nur der Trainer, der mehr als 15 Siege in der Vorsaison. Für manche Betreuer war es erklärtes Saisonziel, in die Stallparade der Sport-Welt zu kommen. Heute haben sich die Kriterien etwas gelockert.
Die Stallparaden sind eine großartige Sache, auch wenn das Fachblatt manchmal etwas übertrieben lobhudelt. Natürlich wird kein Trainer zugeben, dass seine letzte Saison eine völlige Katastrophe war. Irgendein einen guten Aspekt gab es immer – und der wird in den Vordergrund gestellt. Auch wird kein Trainer sagen, dass der teuere Vollblüter ziemlich langsam ist und die Investition eigentlich rausgeschmissenes Geld war. Wäre ja auch reichlich dumm, den Besitzer, der ihn finanziert, so zu verärgern.
Der erfahrene Leser liest jedoch zwischen den Zeilen. Wird zum Beispiel lang und breit die ach so noble Abstammung beschreiben, dann heißt das oft: Das Pferd hat in der Arbeit eigentlich noch gar nichts gezeigt, sein Leistungsvermögen ist eher begrenzt.
Wobei die Qualität des Berichts natürlich auch davon abhängt, was der Trainer preisgibt oder ob er nur die üblichen Floskeln verbreitet. Mein besonderes Vergnügen: Die Stallparaden zu sammeln und dann im November noch mal zu lesen. Es ist immer wieder erstaunlich, welche früheren klassischen Hoffnungen dann noch sieglos sind oder gerade einmal einen Ausgleich 4 gewinnen konnten.
uknig22 am 10. April 09
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